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Interview 2. Liga Süd

Von Sindelfingen in den hohen Norden

Interview mit U19-Nationalspielerin Kim Kulig

17.4.08
Von Roland Baumann
  

Kim Kulig ist mit 18 Jahren eine der Leistungsträger beim VfL Sindelfingen. Mit 19 Treffern (Stand 13.4.08) liegt sie in der Torjägerstatistik der 2. Liga Süd auf Platz 2 hinter der führenden Sabrina Schmutzler vom USV Jena mit derzeit 23 Treffern. Wie mittlerweile bekannt wurde, wechselt die mehrfache U-19 Nationalspielerin zum Saisonende zum HSV. Über die Beweggründe zum Wechsel und ihr bisheriges Fußballerleben spricht sie im Interview mit FanSoccer.

Wie sahen die ersten fußballerischen Schritte aus? In welchem Alter hast du das Fußballspielen begonnen?
Ich hab mit 8 Jahren angefangen beim SV Poltringen, damals noch in einer Jungenmannschaft. Ab 2001 spielte ich beim SV Unterjesingen und seit 2003 – mit 13 Jahren – beim VfL Sindelfingen.


Auf dem Platz wirkt Kim Kulig immer sehr konzentriert

Foto: Tom Schlimme

Wie wirkt sich der Trainerwechsel bei VfL Sindelfingen in der Mannschaft aus?
Der Trainerwechsel brachte auf jeden Fall einen deutlichen Motivationsschub. Die neuen, modernen Trainingsmethoden kommen schon gut an.

Wird es auch zum Aufstieg reichen, wie schätzt ihr die Chancen ein? Gibt es schon Planungen für die kommende Saison?
Wenn wir aufsteigen wollen, müssen wir natürlich erst mal alle weiteren Spiele gewinnen und auf einen Patzer von Jena hoffen. Der Verein muss jetzt erst mal zweigleisig fahren, solange nicht klar ist, ob es uns zum Aufstieg reicht. Es wurden aber schon einige neue Spielerinnen gesichtet und zum Probetraining eingeladen.

Wie ist deine persönliche Einstellung zu den krassen Zweitliga-Ergebnissen? Hier ist das Thema von Silvia Neid angesprochen, die die Reduzierung der Ligen fordert.
Eine eingleisige 2. Liga wäre schon besser. Es bringt nicht viel, wenn Mannschaften selbst aus dem Mittelfeld die Spiele hoch gewinnen, wie jetzt erst TUS Köln mit 10:0. Aber in der ersten Liga sollte es bei der Anzahl Mannschaften bleiben, vielleicht sollte die Liga eher noch auf 14 Mannschaften aufgestockt werden.

Zum Thema Wechsel zum HSV, wie kam der Kontakt zustande? Warum gerade der HSV? Gab es sportliche oder private/ berufliche Gründe?
Neben dem HSV hatten sich auch andere Vereine bei mir gemeldet. Die Möglichkeiten, die der HSV bot, waren ausschlaggebend. Die Trainingsmöglichkeiten in Hamburg sind nahezu perfekt und ich hoffe dort reichlich Spielpraxis in der 1. Liga zu bekommen. Nur auf der Bank


Kim Kulig (r.) im Zweikampf mit Leoni Pankratz vom 1. FFC Franktfurt II

Foto: Tom Schlimme

sitzen, möchte ich nicht. Schulische oder private Gründe gibt es eigentlich nicht.

Hast du schon Kontakt zu den Spielerinnen vom HSV?
Die eine oder andere Spielerin kenne ich schon von DFB-Lehrgängen, aber noch nicht näher.

Wie sieht der 'Alltag' von Kim aus? Schule, Lernen, Training……
Ein normaler Schulalltag kann schon ziemlich stressig aussehen. Meistens muss man 6-8 Stunden im Durschnitt in die Schule, danach nach Hause, bisschen ausruhen usw, dann wieder ins Training und danach meistens ein bisschen lernen. Aber zur Zeit seh ich das alles ein wenig locker ;) da ich ja die 12te nocheinmal in Hamburg machen werde :)


Gemeinsam sind sie fast unschlagbar: Kim Kulig mit ihrer Sturmpartnerin Tanja Coblenzer

Foto: Tom Schlimme

Wie sehen deine Zukunftspläne im Bereich Schulausbildung und Beruf aus?
Zunächst mal möchte ich in Hamburg das Abitur machen. Danach werden ich voraussichtlich studieren, vermutlich in Richtung Sport. Konkrete Pläne habe ich noch nicht.

Hattest du schon schwere Verletzungen oder bist du bisher verschont geblieben? Hast du Angst, dass die Fußballkarriere ganz schnell vorbei sein kann?
So ganz große Verletzungen sind mir bisher erspart geblieben (zum Glück!). Ich hatte lediglich ein paar Bänderrisse. Zur Zeit ist es schon schlimm zu wissen, wie viele, zum Teil auch junge Spielerinnen an


großen Verletzungen leiden, aber daran denken sollte man eigentlich nicht. Bei uns hat zur Zeit Mara Schanz Probleme mit den Bändern und Steffi Limbach laboriert an einen Kreuzbandriss.

Welche fußballerische Vorbilder hast du, zum einem aus dem Männerbereich aber auch bei den Frauen?
Figo, der ist ein richtig geiler Typ.Er ist ein absoluter Mannschafts- Spieler, enorm dribbelstark und zudem auch sehr torgefährlich. Ich mag seine Spielweise sehr! Bei den Frauen vielleicht Fatmira Bajramaj oder Simone Laudehr, beide sind noch sehr jung, trotzdem technisch starke Spielerinnen! Sie vertreten ein wenig die "jungen Wilden"in der Nationalmannschaft!

Du warst ja schon häufig bei DFB-Maßnahmen. Was wird euch Jugendspielerinnen geboten?
Der DFB bietet sehr viele Möglichkeiten für Spielerinnen, die Aufmerksamkeit bei den National- mannschaften zu wecken.Vor allem anhand von Sichtungsturnieren werden die Spielerinnen entdeckt und zu Lehrgängen eingeladen.

Und wie ist deine eigene Einschätzung zur persönlichen Lage in der Nationalmannschaft?
Das ist schwer zu sagen. Man muss vor allem viel an sich arbeiten und mehr machen als alle anderen, d.h viel trainieren und immer versuchen die Beste sein zu wollen. Natürlich gehört dann auch ein wenig Glück dazu. Die Konkurrenz ist groß, es gibt viele gute Talente.


Mit ihrer sympatischen Einstellung wird Kim ihren Weg nicht nur beim HSV machen

Foto: Roland Baumann

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!

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