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2. Bundesliga Süd

Mit Zuversicht und Ehrgeiz in die Erste Liga

Trainerin Heidi Vater spricht über die Ziele und Rahmenbedingungen beim USV Jena

Von Christian Heidler

22.03.2008   Zwei Ziele hat sich der Verein für diese Saison gesteckt, im DFB-Pokal mindestens das Erreichen der 2. Hauptrunde – was geschafft wurde – und in der Meisterschaft der Aufstieg in die 1. Bundesliga. Zu Beginn der Rückrunde hat Jena 3 Punkte Vorsprung auf Verfolger Sindelfingen. Die Mannschaft stellt die beste Offensive und die zuverlässigste Abwehr der Liga. Wie groß ist bei Ihnen die Zuversicht, daß auch das Ziel Bundesligaaufstieg erreicht wird?

Die Zuversicht ist nach dem derzeitigen Tabellenstand schon groß, aber es sind noch 9 Spiele und da kann noch viel passieren. Ich habe aber auch viel Vertrauen in meine Mannschaft, dass wir es schaffen können. Der Rückrundenstart ist in Duisburg gelungen - wenn auch nach schwerem Spiel.

Heidi Vater gegen Jungingen

Heidi Vater als Aktive im April 2005 gegen den damaligen Zweitligisten SV Jungingen

Bild: Sebastian Gille

Was hat sich in der Winterpause im Kader getan und wie sieht es im Krankenlager aus?

Es gab zur Halbserie wie meistens keine Veränderungen im Kader, lediglich wird noch verstärkter der eigene Nachwuchs gefördert und 2 Spielerinnen aus der 2. Mannschaft trainieren zeitweise mit. Sandra Höhn hat ihre Kreuzband-OP gut überstanden und ist in der Reha. Sie wird langsam wieder aufgebaut. Auch die Langzeitverletzten Theresa Müller und Lisa Feulner sind auf einem sehr guten Weg zurück in die Mannschaft.

1991 wurde der USV Jena letzter ostdeutscher Meister, qualifizierte sich für die damals zweigleisige 1. Bundesliga und stieg umgehend aus dieser ab. Wie sehen Sie die Lage heute, sind Mannschaft und Umfeld in Jena inzwischen erstliga- tauglich? Was muß oder wird sich für den Fall des Aufstiegs ändern?

Es hat sich viel getan in Jena, die Mannschaft und das Umfeld sind mit damals nicht zu vergleichen, obwohl natürlich noch viel mehr nötig ist um erstligatauglich zu sein. Aber wir sind auf einem gutem Weg.

Bleibt das USV-Sportzentrum Heimspielstätte oder wird ein Umzug ins nahe gelegene, schmucke Stadion „Ernst-Abbe-Sportfeld“ in Erwägung gezogen?

Unser USV Gelände bleibt Spielstätte. Wir haben sehr gute Bedingungen und versuchen für die Zuschauer noch einiges zu verbessern. Spielfeld USV Jena

Mit den Bedingungen des USV-Sportzentrums ist der Verein sehr zufrieden. Im Hintergrund das „Ernst-Abbe-Sportfeld”, Heimstätte des FC Carl Zeiss Jena

Bild: Christian Heidler

Wie ist das Verhältnis zum Männerfußball-Zweitligisten FC Carl Zeiss Jena? Gibt es Berührungspunkte zwischen beiden Vereinen? Früher hat es schon mal eine Doppe- lveranstaltung mit Pokalspiel der Frauen und Meister- schaftsspiel der Männer gegeben...

Berührungspunkte gibt es beim Vorbeifahren, aber sonst ist dort keine Verbindung mit der Profiabteilung. Die Beziehung zur Nachwuchsabteilung ist gut, wir sind dabei eine Kooperation in diesem Bereich zu erarbeiten. Über Doppelveranstaltungen hat lange keiner nachgedacht.

Der Vereinsname deutet auf eine enge Beziehung des Klubs zur Universität hin. Worin zeigt sich das oder ist der Klub inzwischen ein ganz normaler Verein, der allen fußball- begeisterten Jenenserinnen offen steht?

Es gibt eine enge Beziehung zur Uni. Wir haben einige Studentinnen in der Mannschaft. Zudem ist die Uni Partner-Universität des Leistungssports. Wir wollen die Partnerschaft noch in vielen Bereichen ausbauen.

Anna Blässe und Birgit Zieger

„Frauenfußball = Ästhetik + Energie !” Mit dieser Formel wirbt der USV Jena, wie hier links im Bild Anna Blässe. Auch die U 19-Weltmeisterin von 2004 und jetzige Bundesligaspielerin des VfL Wolfsburg entsprang der Nachwuchsarbeit des USV.

Bild: Sebastian Gille

Stichwort Universiade: Für die Weltsportspiele der Studenten 2007 in Bangkok stellte der Verein Sabrina Schmutzler und Ivonne Hartmann ab, die damit beim ersten Punktspiel fehlten. Eine Spielverlegung wurde wohl vom DFB seinerzeit abgelehnt. Auch andere Klubs vermißten ein Entgegenkommen des Verbandes, als Spielerinnen zur Studenten- oder Militär-WM abgestellt wurden und im Spielbetrieb fehlten. Ist dieses Thema von den Bundesliga- vereinen noch mal mit dem DFB besprochen worden? Gibt es nun eine verläßliche Regelung?

Das ist ein Thema, bei dem ich schon etwas heftiger reagieren könnte, denn ich bin überzeugt, dass wir drei Punkte dadurch verloren haben! Künftig sollte es zu solchen Anlässen eine bessere Abstimmung geben.

Seit Anfang der 80er Jahre hat der Frauenfußball ein Zuhause bei der HSG bzw. dem USV


Heidi Vater mit Team

Heidi Vater achtet darauf, daß ihre Spielerinnen einen großen Schluck Zielwasser zu sich nehmen. Noch ist das Ziel Erstligaaufstieg nicht erreicht.

Bild: Tom Schlimme

Jena. 2004 erfolgte die Ausgliederung der Frauenfuß- ball-Abteilung aus Thüringens größtem Sportverein und die Gründung eines selbständigen FrauenfußballVereins. Welche Vorteile ergeben sich nun aus der Eigenständigkeit der Kickerinnen?

Wir sind selbständiger Verein, aber im großen USV Verein. Das hat den Vorteil, dass wir die guten Bedingungen des Universitäts- sportzentrums voll nutzen können. Unsere Selbständigkeit nutzen wir vor allem im Bereich Vermarktung.

Welche Bedeutung hat das als „Eliteschule des Sports” ausgezeichnete Sportgym- nasium Jena mitsamt Internat für den Verein?

Ohne die Eliteschule könnten wir nicht dort stehen, wo wir derzeit sind. Unsere gute Entwicklung ist nur im Zusammenhang Eliteschule - Verein - Thüringer Fußballverband zu sehen.

Sportgymnasium Jena

Das Sportgymnasium ist nicht nur „Eliteschule des Sports”, 2007 wurde ihm auch der Titel „Eliteschule des Fußballs” verliehen. Talente wie Jana Burmeister oder Tina Kopplin werden hier schulisch und sportlich ausgebildet.

Bild: Christian Heidler

Ein guter Unterbau ist das Fundament für eine erfolgreiche 1. Mannschaft. Die Reserve des USV Jena belegt als Wiederaufsteiger derzeit einen hervorragenden 1. Rang in der Regionalliga Nordost. Ist die Truppe so stark oder hat die Regionalliga derart an Niveau verloren? Ist es mittelfristig vorstellbar, daß der USV mit seiner Ersten in der Bundesliga und mit seiner Reserve in der 2. Liga spielt?

Unsere 2. Mannschaft hat eine prima Entwicklung genommen, vor allem zu verdanken der Klasse Arbeit von Trainer Christian Kuchatz. Auf mittlere Sicht wollen wir ganz klar alle Bundesligen besetzen.

Mit Blick auf die 2. Mannschaft und die U 17-Juniorinnen: Von welchen Spielerinnen ist am ehesten zu erwarten, daß sie den Sprung in die erste Reihe schaffen?

Die U 17 Mannschaft steigert sich unter der Leitung von Annabell Senf und Sandra Höhn. Ein vielversprechendes Talent ist sicher Desiree Pflügner, die auch schon an Lehrgängen der DFB U15 teilgenommen hat.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Zuschauerzuspruch sowie mit der Beachtung und Unterstützung des Vereins durch die Stadt Jena, die Wirtschaft und die Medien?

So richtig zufrieden sind wir trotz Steigerung noch nicht mit dem Zuschauerzuspruch. Durch Aktionen und Verbesserung der Bedingungen wollen wir noch viel mehr Zuschauer aktivieren. Die Zusammenarbeit mit der Stadt und den Medien ist bereits gut, wird aber sicher auch noch verstärkt werden.

Kassenhäuschen

Gerne dürfen noch mehr Zuschauer das farbenfrohe Kassenhäuschen beim Besuch der USV-Heimspiele passieren

Bild: Christian Heidler

Wenn Sie eine Suchanzeige schreiben sollten, welche Pluspunkte würden Sie hervorheben, um eine talentierte Spielerin für einen Wechsel zum USV Jena zu begeistern?

Wir habe gerade im Verein mal 10 Punkte zusammengestellt, warum der Wechsel nach Jena erfolgen sollte:

1. Jena ist eine moderne Studenten- und Hightech-Stadt und gehört neben Dresden und Potsdam zu den drei ostdeutschen Spitzenstandorten. Jena ist geprägt durch eine junge, pulsierende Kulturszene, internationales Flair, dynamische Wirtschaftsstrukturen und eine hochkarätige Wissenschafts- landschaft. Die Anbindung an die ICE-Strecke München-Hamburg sowie die Autobahn A4 gewährleisten eine gute Erreichbarkeit aus ganz Deutschland.

2. Kurze Wege prägen das gesamte Stadtbild der 100.000 Einwohner-Stadt. Dies gilt auch für die Sportstätten. Vom Trainingsgelände gelangt man zu Fuß in 10 Minuten sowohl zum Jenaer Sportgymnasium, zur Universität und in die Innenstadt.

3. Jena bietet optimale Bedingungen für die Verbindung von Spitzensport und Studium. Die Friedrich-Schiller Universität und die Fachhochschule sind Partnerhochschule des Spitzensports. Das vom adh geleitete Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, ein flexibleres und besser auf die jeweiligen Anforderungen der akademischen wie der sportlichen Karriere abgestimmtes Studium zu ermöglichen. Beide Hochschulen zusammen bieten über 130 Studiengänge an.


4. Jena bietet optimale Bedingungen für die Verbindung von Spitzensport und schulischer Ausbildung. Das Jenaer Sportgymnasium ist seit 2007 Eliteschule des Fußballs. Dieses Zertifikat steht für höchste Qualitätsstandards in der Talentförderung und garantiert, dass alle Spitzentalente auf umfassende Hilfe- und Serviceleistungen zurückgreifen können. Die Schule bietet als Abschlüsse das Abitur, das Fachabitur und den Realschulabschluss an. Das an die Schule angeschlossene Internat bietet für 220 auswärtige Schüler eine ganztätige Betreuung.

5. Nicht an Schule oder Studium interessiert? Das gute Netzwerk zwischen der regionalen Wirtschaft, den städtischen Institutionen und dem Verein hält ein breites Angebot an Ausbildungs- und Arbeitsplätzen bereit.

6. Talente erhalten beim FF USV eine individuelle Förderung. Der FF USV Jena und die regionale Wirtschaft haben das Projekt „Spielerinnenpatenschaft“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, den Spielerinnen einen Partner aus der Wirtschaft an die Seite zu stellen. Neben finanzieller und materieller Förderung steht hier vor allem die ideelle Unterstützung bei Problemen und Fragen nicht-sportlicher Belange im Vordergrund.

JenTower

Blick aus der Wagnergasse auf den JenTower: Der Verein wirbt auch mit den Vorzügen der Stadt

Bild: Christian Heidler

7. Unser qualifizierter Trainerstab steht für eine hervorragende sportliche Ausbildung. Der Trainingsumfang umfasst 4-5 Einheiten pro Woche mit der Mannschaft und je nach Bedarf individuelle Trainingsprogramme.

8. Die Kooperation mit dem Universitätsklinikum Jenas garantiert zudem jederzeit eine sehr gute medizinische Betreuung.

9. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, in 1-2 Jahren in die erste Liga aufzusteigen und sich dort langfristig zu etablieren. Jena möchte nach Potsdam das zweite Leistungszentrum im Frauenfußball im Osten Deutschlands werden.

10. Kurze Wege prägen nicht nur das Stadtbild sondern auch die Vereinsstrukturen. Zwischen Spielerinnen, Trainer- und Betreuerstab und den leitenden Verantwortlichen besteht ein enges Netzwerk.

Zum Schluß. Das Leben ist zwar kein Wunschkonzert aber wen oder was würde sich die Trainerin Heidi Vater von einer Fee wünschen?

Oh, mit Wünschen tue ich mich immer sehr schwer... Vielleicht, dass unsere gemeinsame harte Arbeit für unser Ziel von mehr Menschen wahrgenommen wird und dann das Ziel natürlich auch erreicht wird!

Dafür Ihnen und Ihrer Mannschaft viel Glück!

Heidi Vater

Für Hobbys bleibt nicht mehr viel Zeit. Ihre rare Freizeit genießt die Apoldaerin daher um so mehr

Bild: privat

Steckbrief Heidi Vater

Geboren am 07.07.1966 im nahe- gelegenen Apolda, wo sie immer noch wohnt.
Sport: Zunächst Tenniskarriere bis in den DDR-Auswahlbereich
Studium: 1985 – 1990 Diplomsportlehrer in Jena Über das Studium zum Fußball gekommen
Spielerin: von 1987 (HSG Jena) bis zur schweren Knieverletzung 2005 (FF USV Jena)
Trainerstationen: 1998 – 2005 Spielertrainerin, seither reine Trainerin beim USV Jena; nebenher auch Betreuung von Auswahlteams des Thüringer Fußball-Verbandes
Trainerlizenzen: Sportstudium mit vertiefender Ausbildung Spiele 1985-1990, DFB Trainer C Lizenz 1999, DFB Trainer B Lizenz 2006 , DFB Trainer A Lizenz 2007
Beruf: Lehrerin für Sport und Geschichte am Sportgymnasium Jena, dort verantwortlich für Spezialsportausbildung der Mädchen
Hobbys: derzeit nicht wirklich Zeit ... gutes Buch lesen, sehr selten mal Tennis spielen


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