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Bericht von Marion Kehren, Bilder von Marc Wendland und Marion Kehren
07. November 2011 - In einer über weite Teile recht langweiligen und an Höhepunkten armen Partie siegte Köln letztendlich glücklich dank einer wieder genesenen Anne Lenz und einer Topstürmerin Bilgin Defterli, die endlich wieder in der Startelf stand.

Mitten im Strafraumgewusel erwischt Maike Seuren den Ball goldrichtig und netzt zur 1:0 Führung der Domstädterinnen ein.
Zugegeben, als Köln vor nun knapp zwei Jahren den FFC Brauweiler Pulheim übernahm glaubte jeder daran, dass Köln mit seinen selbst ausgerufenen Zielen und dem wahnsinnigen Kaderzulauf die zweite Bundesliga lediglich als Zwischenstation auf dem Weg ins Oberhaus nutzen würde. Die FC-Werbemaschinerie rollte auf Hochtouren und die Zuschauer strömten in Scharen (so wie man es nur aus der ersten Liga kennt) ins Franz-Kremer-Station und feuerten ihre „Mädels“ an. Doch schnell wurde der Verein eines Besseren belehrt und lernten den Alltag kennen. Am Ende der ersten Saison blieb dem Club „nur“ Platz 3 weit weg von jeder Aufstiegschance, der Trainer (Klaus Schmischke unbequemer Zeitgnosse, aber hat meiner Meinung nach eine gute Arbeit geleistet) nicht weiter verpflichtet und das Team größtenteils in die Wüste geschickt.
Das zweite Jahr sollte anders werden, aber die Offiziellen traten nicht nur die Fankultur im Frauenfußballbereich mit Füßen, sondern ließen die Fans auch deutlich spüren, dass eigentlich Frauenfußball keinen Platz beim FC hat (so wie z.B. Frauenfußball-Köln zu berichteten wußte oder die auch die Fans ihren Unmut in diversen Foren kundtaten). Und auch der damalige Trainer Marcus Kühn sorgte nicht minder dafür, dass Fans und Presse schlecht auf ihn zu sprechen waren (ebenfalls nachzulesen bei Frauenfußball-Köln und ffnews.de). Ab der Saison 2010/2011 setzte der FC erneut ein Zeichen. Die Kölnerinnen mußten von diesem Zeitpunkt an ihre Ligaspiele entweder auf einem weit abgelegenen Nebenplatz oder auf dem Kunstrasenplatz austragen, Werbung wurde nur noch recht wenig betrieben und auch der Zuschauerfluss lies merklich nach, obwohl sogar in der Saison Platz 2 erreicht und der Aufstieg nur knapp verpasst wurde. Als ich aber nun gestern auf das FC-Gelände fuhr, um mir die Zweitligapartie gegen Würzburg anzuschauen traf mich fast der Schlag. Ganze 87 Zuschauer verloren sich bei schönstem Herbstwetter auf dem Kölner Anwesen vorbei die Partystimmung, der Hype, die Fankultur Business as usual oder eher Verfall auf Zeit?! Der Kölner Stadtanzeiger berichtete im Juni diesen Jahres ebenfalls ausführlich über die angebliche Neuausrichtung des Vereines und doch konnte man zwischen den Zeilen eindeutig die teilweise missliche Situation des FC herauslesen.
Sorry, eigentlich sollte dies ein Spielbericht werden, aber dennoch beschäftigt mich dieser merkliche Rückgang in Köln extrem. Will man nicht oder kann man nicht aufsteigen und eine gute Mannschaft aufbauen? Potential wäre auf jeden Fall genug vorhanden.
Nunja, gestern also der Aufsteiger aus Würzburg zu Gast, der es sich allem Anschein nach die zweite Bundesliga einfacher vorgestellt hatte. Als Tabellenvorletzter musste man inzwischen viel Lehrgeld zahlen. Noch immer ist der ETSV nicht in der 2. Liga angekommen, das konnten die wenigen Zuschauer auch gestern wieder live erleben. Das kurzfristig auf Kunstrasen verlegte Spiel (angeblich leidet der Rasen beim FC schon extrem …) wurde pünktlich um 14 Uhr angepfiffen. Allerdings auch hier der Platz in einem schlechten Zustand und noch nicht einmal von Laub und Eichel befreit sehr hohes Verletzungspotential!
Die Hausherrinnen aus der Domstadt versuchten sofort nach Anpfiff die Partie an sich zu reißen und die Gäste in ihre Schranken zu weisen, was auch anfangs gelang. Würzburg wurde weit in die eigene Hälfte zurück gedrängt. In der 17. Minute brachte eine Standardsituation die wenigen Kölner Anhänger zum Jubeln. Nach einer Ecke von rechts, getreten von Anne Lenz, fand der Ball im allgemeinen Strafraumgewusel den Fuß von Maike Seuren, welche ohne große Probleme den Ball einschob. Obwohl Köln alle Zügel fest in der Hand hielt, war die Partie doch recht zerfahren und die wenigen Möglichkeiten wurden nicht genutzt. Würzburg hingegen haderte mehr mit sich selber und kam weiterhin nicht zur Entfaltung. Einziger Lichtblick waren die Einzelaktionen von Julia Manger, die aber spätestens an der kompakten Abwehr der Geißbock-Elf scheiterte. Ein schönes Zuspiel von Lenz auf Defterli markierte dann in der 38. Minute das 2:0, als die türkische Nationalspielerin aus spitzem Winkel das Leder ins rechte obere Eck manövrierte. Danach verflachte das Spiel zusehends und es wurde sehnlichst der Pausenpfiff erwartet.
Die zweite Halbzeit brachte nicht die erhoffte Wende im Spielfluss, ganz im Gegenteil. Beide Team zeigten viele Fehler im Spielaufbau und ungenaues Passspiel, die Partie wurde von Minute zu Minute unansehnlicher und langweiliger. Just in dieser „Dead-Boring-Phase“ nutzte Julia Manger einen misslichen Fehler von Lena Nuding aus, als diese bei einem Abschlag ihre eigene Spielerin in den Rücken traf. Manger lies sich nicht lange bitten und netzte den Abklatscher ein. Dies schien die Domstädterinnen aufgeweckt zu haben, denn nun versucht man zumindest das Ergebnis noch über die Zeit zu retten, was dann auch mit Ach und Krach gelang. Trainer Willi Breuer zeigte sich erleichtert nach dem Schlusspfiff: “Hauptsdache wir haben die drei Punkte! In der zweiten Halbzeit haben wir im Spielverlauf zu oft die falschen Entscheidungen getroffen.“
  
Stenogramm:
1. FC Köln:
Nuding - Seuren, Schrum, Rinast, Lenz (68. Dalaf) Zielinski, Bender, Pfannschmidt, Hüttebräuker Koschalka (73. von Bargen), Defterli
ETSV Würzburg :
Kübler - Bauer, Held, Honecker, Gaspar Seitz (73. Konrad) D. Hofmann, Höß, Breunig Manger, Kuffner (70. Markovic)
Tore:
1:0 Seuren (18.)
2:0 Defterli (38.)
2:1 Manger (61.)
Gelbe Karten:
Pfannschmidt, von Bargen / -
Schiedsrichterin:
Pamela Renz (Jettingen) mit Daniela Schmaderer und Friederike Straub
Zuschauer:
87 (handverlesen)
Weitere Bilder von diesem Spiel unter:
www.girlsplay.de
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