| Text von Tom Schlimme, Bilder von Herbert Heid und Tom Schlimme
10.05.2012 Konnte man den hohen Sieg des bis dahin Tabellenvorletzten ETSV Würzburg am 20. Spieltag
beim Tabellenschlusslicht Löchgau noch als „normal” abtun, gelang dem die ganze Saison über hochgradig abstiegsbedrohten Team aus Würzburg nun am 21. Spieltag
beim 1. FFC Frankfurt II ein weiterer Kantersieg, mit dem man sich auf den Relegationsplatz hochhieven konnte.
Dieses Tor zum 0:1 kippte das Spiel - Würzburgs Stürmerin Julia Manger umspielt
Frankfurts Keeperin Tara Zimmermann und verwandelt souverän. (Foto: Tom Schlimme)
Dieser so wichtige 10. Tabellenplatz wird allerdings am 22. und letzten Spieltag nur schwer zu verteidigen sein, denn der ETSV Würzburg muss gegen Crailsheim antreten, ein
Verein, der mit den Würzburgerinnen aufgrund der räumlichen Nähe und einiger Spielerinnenwechsel in einer gewissen Rivalität steht und nichts verschenken wird, während die
punkgleichen, nur um ein Tor zurück liegenden Rivalinnen im Abstiegskampf aus Mönchengladbach beim FV Löchgau antreten können. Diese Konstellation verspricht Spannung bis in die
Schlussminuten!
Zu dieser Chance auf den Klassenerhalt kamen die bis dahin schon fast abgestiegenen Würzbugerinnen in Frankfurt durchaus überaschend, denn in den ersten 30 Minuten deutete nichts
auf ein anderes Ergebnis als einen klaren Frankfurter Sieg hin. In dieser ersten halben Stunde war Frankfurt haushoch überlegen, kombinierte gut, kein Vergleich zum Spiel gegen
Köln eine Woche zuvor. So ergaben sich auch viele gute Gelegenheiten, schon nach zwei Minuten scheiterte Melanie Kantor an der starken Würzburger Keeperin Stefanie Kübler, mehrmals
verfehlte Deniz Özer das Würzburger Tor, auch ein schöner Schuss aus der Drehung von Mirella Junker ging über die Latte. Dazwischen setzte Würzburg aber schon ein Signal:
Sturmspitze Julia Manger setzte sich mit ihrer beeindruckenden Schnelligkeit gegen Jasmin Herbert durch, passte quer nach innen, doch die etwas zurückhängend als zweite Spitze
aufgebotene Anika Höß setzte den Ball freilaufend volley über das Tor. Da hätte das Frankfurter Team gewarnt sein müssen, denn schon in ihrer Zeit beim 1. FFC Frankfurt II
war Julia Manger für ihre Schnelligkeit bekannt! Gleich danach aber erst mal wieder eine Riesenchance für Frankfurt, Jessica Reinhardt links am Pfosten völlig
frei, hat Zeit, sieht richtig, dass der Winkel für einen Torschuss sehr spitz ist und gibt nach innen, doch sowohl Junker als auch Özer rutschen vor dem leeren Tor am Ball vorbei.
Dann parierte Kübler erneut stark, diesmal gegen Junker, dann kam wieder Özer gegen Cecilia Gaspar noch mit dem Außenrist an den Ball, verfehlte aber wieder das Tor. In der 40.
Minute jedoch gelang Würzburg nach schnellem Ballgewinn erneut ein steiler Pass auf die schnelle Manger, das Publikum brüllte Abseits, doch die Schiedsrichterin ließ weiter laufen,
Manger war durch, Keeperin Tara Zimmermann kam ihr entgegen, wurde jedoch von Manger locker ausgespielt, und plötzlich stand es 0:1 für Würzburg! Mit diesem Halbzeitstand ging es
dann auch in die Pause, ein Zwischenstand, der die Spielanteile komplett auf den Kopf stellte. Doch wie sagt man so schön und richtig: wenn man seine Chancen nicht rein macht, wird
man bestraft!
Das Frankfurter Team kam hochmotiviert sehr früh aus der Kabine, den Spielerinnen war die Entschlossenheit anzumerken, sich dieses Spiel zurück zu holen. Doch es sollte noch
viel schlimmer kommen. Wieder kam ein steiler Pass auf Manger durch, wieder schrie das Publikum Abseits, doch Manger war wohl einfach zu schnell für die meisten Augen, und
schon stand es 0:2 nach 50 Minuten. Sekunden nach dem erneuten Anstoß war Manger schon wieder durch, diesmal bekam aber Zimmermann noch die Arme dazwischen, sonst hätte es da
schon 0:3 gestanden. Etwas schade war, dass kurz danach ein aussichtsreicher Angriff von Özer wegen Abseits abgepfiffen wurde, das sah nun auch nicht anders aus als die
Situationen auf der anderen Seite zuvor. Doch dafür, dass das Frankfurter Team einen Freisstoß nah am Strafraum hergab und Christiane Bauer diesen genial an der Mauer vorbei ins
Tor zirkelte, konnten die Schiedsrichterinnen nichts! So stand es dann nach 55 Minuten 0:3, und so langsam wurde klar, dass die Überlegenheit der Heimelf in der ersten Halbzeit
wohl eher nicht zu einem Punktgewinn, geschweige denn Sieg, reichen würde. Vielleicht wäre noch was drin gewesen, wenn Özer in der 59. Minute den Ball frei vor Kübler nicht über
die Latte gesetzt hätte. Aber auch bei Würzburg war nicht jeder Konter ein Tor. Eine Minute später war Manger schon wieder durch, zielte diesmal aber neben den Kasten. Frankfurt
musste jetzt aufmachen, dadurch wurde es aber hinten gegen die schnelle Manger immer gefährlicher.
Der FFC kam zu weiteren Chancen, doch Özer, von Junker schön frei
gespielt, schoss zu schwach, es war nicht ihr Tag. Pech kam dann auch dazu, als ein schöner Schuss von Heidi Sigurdardottir nur die Latte traf. Und dann mitten zwischen die
Frankfurter Angriffe wieder ein Würzburger Konter, wieder war Manger durch, und so stand es nach 75 Minuten 0:4. Der FFC kämpfte weiter um den Anschluss, doch Kübler hielt in der
82. einen starken Schuss von Özer. Eine Minute später fiel dann wirklich das 1:4, Sigurdardottir hatte mit Theresa Panfil einen schönen Doppelpass gespielt und gut abgeschlossen.
Doch die FFC-Hoffnung hielt nur zwei Minuten, dann erlief sich Manger nach einem Fehler der FFC-Abwehr den Ball und markierte das 1:5, ihr viertes Tor in diesem
Spiel und ihr achtes Tor in den letzten beiden Spielen. Es folgten noch je eine Chance auf jeder Seite, doch Kübler hielt gegen Junker einen harten Schuss und Manger verpasste bei
einem weiteren Konter knapp ihr fünftes Tor an diesem Tag. So blieb es bei einem 1:5, das zwar nicht die Spielanteile wieder gibt, wohl aber die Durchschlagskraft der Stürmerinnen.
Stimmen zum Spiel:
Christian Breunig, Trainer des ETSW Würzburg: „Wir wussten, dass es hier gegen eine technisch starke Mannschaft schwer werden würde, verlegten uns deshalb von Anfang an auf
unser Konterspiel. Der FFC war in der ersten Halbzeit deutlich überlegen, wir haben hinten jedoch gut gestanden, hatten etwas Glück in einigen Situationen und dann auch das Glück,
dass unser zweiter Konter gleich saß. In der zweiten Halbzeit waren wir dann bärenstark, haben hinten nicht mehr allzuviel zugelassen und vorne viele gute Torchancen
erarbeitet.” Dazu befragt, wie das Team zu diesem Tabellenplatz kommt, antwortete Breunig: „Ich bin erst seit einer Woche hier Trainer, kann zu dem, was vorher war,
nicht viel sagen. Aber man sieht, das in diesem Team viel Potential steckt, wir sind jetzt auch enger zusammen gerückt, haben in der Woche gut gearbeitet und das Team hat das
dann heute auch gut umgesetzt. ”
Winfried Klein, Trainer des 1. FFC Frankfurt II: „Wir hatten in der ersten Halbzeit sieben klare Chancen für uns auf dem Zettel, fangen dann dieses Kontertor. Das hat uns
das Genick gebrochen, denn das hat dem Spiel von Würzburg in die Karten gespielt, die vorne eine superschnelle Stürmerin haben, die einfach nur geschickt werden muss. Was für
unsere Mannschaft spricht, ist, dass sie bis zum Schluss versucht hat, Ergebniskorrektur zu betreiben. Aber kaum hatten wir das Tor gemacht, kommt schon der nächste Fehler, und
der alte Abstand ist wieder hergestellt. Es war mit unsere schwächste Saisonleistung.”
Frankfurt musste auf zwei Stürmerinnen verzichten. Silvana Chojnowski war erkrankt und die Verletzung von Patrizia Barucha vor einer Woche im Spiel gegen Köln hat sich leider als
Kreuzbandriss heraus gestellt, was monatelange Pause bedeutet. Noch einmal gute Besserungswünsche von dieser Stelle!
1. FFC Frankfurt II: Zimmermann - Sirna (62. Jarosch), Herbert, Wunderlich, Losert (83. Rheinheimer) - Panfil, Kantor, Sigurdardottir, Reinhardt (62. Gördel) - Junker,
Özer
ETSV Würzburg:
Kübler - Hofmann, Gaspar, Held, Bauer - Damm (70. Heider), Honecker (75. S. Mann), Seitz, Konrad - Höß, Manger
Tore:
0:1 Manger (40.)
0:2 Manger (50.)
0:3 Bauer (55.)
0:4 Manger (75.)
1:4 Sigurdardottir (83.)
1:5 Manger (85.)
Gelbe Karten: keine
Schiedsrichterin: Sabrina Jene (Schiffweiler) mit Tina Groß und Stefanie Schreiner
Zuschauer: 107
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