| Text von Tom Schlimme, Bilder von Peter Henkel
23.10.2011 Bereits am vergangenen Wochenende siegte die zweite Mannschaft
des 1.FFC Frankfurt am 6. Spieltag der 2. Bundesliga Süd glücklich gegen Borussia Mönchengladbach mit 1:0. Aufgrund einer Erkältung komme ich erst
jetzt dazu, den Bericht zu schreiben, aber da es ein interessantes Spiel war, will ich es nun noch nachholen.
Nadja Deyke auf dem Weg in den Frankfurter Strafraum.
Wie ihre Mönchengladbacher Sturmkolleginnen auch vergab Deyke eine Reihe von Chancen, mit denen man drei Spiele hätte gewinnen können. So kam letztlich
Frankfurt zu einem hart erkämpften 1:0-Erfolg.
Beim 1. FFC Frankfurt musste kurz vor dem Spiel Stammkeeperin Anne-Kathrin Kremer verletzungsbedingt passen, für sie rückte die erst 16-jährige Tara
Zimmermann zwischen die Pfosten. Doch die junge Keeperin machte ihre Sache gut und zeigte den Stürmerinnen des Aufsteigers aus Mönchengladbach mit ihren
guten Reaktionen vor allem in einigen 1:1-Situationen ihre Klasse. So rettete sie schon in der achten Minute gegen Nadja Deyke den torlosen Zwischenstand.
Das Frankfurter Team hatte ganz gut angefangen, spielte gefällig und drängte die Gästeelf in deren Hälfte zurück - oder Gladbach ließ sich
absichtich zurückfallen, da mag ich mich nicht so genau festlegen. Denn trotz der Feldüberlegenheit erspielten sich die Frankfurterinnen nur wenige Chancen,
während die schnellen Konter der Gladbacherinnen brandgefährlich waren und zu hochkarätigen Chancen führten. Zwei Schüsse neben das Tor von Jasmin Herbert
und Mirella Junker waren zuerst die einzige Ausbeute des Frankfurter Offensivdrangs, während Mönchengladbach nach der Chance von Deyke noch ein Riesending
von Rebecca Schröder hatte, die aber irritiert von der eigentlich etwas zu spät heraus gelaufenen Zimmermann neben das leere Tor zielte. Danach gab es eine
Szene, in der ich die Schiedsrichterin kritisieren muss. Bei einem Gladbacher Konter hob die Linienrichterin die Fahne und zeigte Abseits an, die Frankfurter
Spielerinnen blieben stehen. Schiedsrichterin Susann Dittmar aber ließ weiter spielen - obwohl sie aus ihrer Position unmöglich das Abseits so gut
beurteilen konnte wie die dafür zuständige Linienrichterin. In so einer Situation die Linienrichterin zu überstimmen, halte ich für keine gute Entscheidung!
Doch es blieb ohne Folgen, denn Kathrin Walmanns verzog. Während ich noch die Szene aufschrieb und dabei "sträfliche Chancenverwertung" notierte, zog
diesmal wieder Rebecca Schröder allein auf das Frankfurter Tor zu, doch erneut versagten ihr die Nerven, wieder spitzelte sie den Ball sowohl an der entgegen
kommenden Keeperin als auch am leeren Tor vorbei!
In dieser Phase wurden die jungen Spielerinnen des 1. FFC Frankfurt nervös, und Mönchengladbach gewann nun auch zunehmend Spielanteile, die Spielerinnen
schienen ihre Chance zu wittern. Allerdings sprangen die ganz großen Chancen nun nicht mehr heraus, auf keiner der beiden Seiten. Erst kurz vor der Pause wurde
es noch einmal turbulent. Erst scheiterte Junker aus kurzer Entfernung an der klasse reagierenden Gladbacher Keeperin Corinna Ernst, dann parierte
Zimmermann auf der anderen Seite ebenso stark gegen Schröder, dann kam Patrizia Barucha für Frankfurt zu einer gefährlichen Flanke, Herbert nahm den Ball mit
aus vollem Lauf volley, traf aber nicht richtig. So ging es 0:0 in die Pause, und das Spiel war völlig offen. Für die zweite Halbzeit erwartete ich mir einige
Tore, denn die Chancen dazu waren da, auf beiden Seiten!
Frankfurts Trainer Winfried Klein brachte nach der Pause mit Theresa Panfil eine neue Kraft. Die 15-jährige U-17-Nationalspielerin war mit einem Bein schon
beim Lehrgang der Juniorennationalmannschaft, es standen für Dienstag und Donnerstag zwei U17-Länderspiele gegen die Niederlande an, und ich vermute, dass
Klein Panfil deswegen nur eine Halbzeit lang brachte. Die Hereinnahme machte sich jedenfalls dermaßen bezahlt... Panfil brachte frischen Wind in den bis dahin
ziemlich lauen Frankfurter Sturm, hatte gleich eine Torchance, bei der sie nur knapp von Ernst gestoppt werden konnte, und glänzte mit einigen weiteren guten
Szenen. Insgesamt war der FFC nun wieder deutlich feldüberlegen. Allerdings, Mönchengladbach kam zwischendurch immer wieder zu Chancen, und zwar zu Dingern, die
man eigentlich gar nicht vergeben kann! In der 62. Minute parierte Zimmermann erneut klasse im 1:1 gegen Deyke, der musste einfach drin sein! Deyke war
allein auf sie zugekommen und hatte sogar noch die Unterstützung von mitgelaufenen Mitspielerinnen an ihrer Seite! Immerhin vergab dann auf der anderen
Seite auch Deniz Özer, von der man außer in dieser Szene wenig sah, aus kurzer Entfernung vor Ernst. Die jüngste musste es schließlich richten: wenig später
setzte sich Panfil links am Strafraum durch, passte von der Torlinie flach in den Rücken der Abwehr, und Madlen Weinhardt donnerte den Ball zum Tor des
Tages in die Maschen. Damit war das Spiel keineswegs entschieden, denn Gladbach hatte weiter Riesengelegenheiten, so als die eingewechselte Iris Hansen aus
spitzem Winkel vorbei schoss oder eine Flanke der ebenfalls eingewechselten Melanie Krohnen im Strafraum senkrecht hochsprang, ohne dass sie verwertet
werden konnte. Mit viel Glück und einer guten kämpferischen Leistung brachte Frankfurt den Sieg schließlich über die Zeit.
„Die Chancenverwertung ist bei uns schon länger ein großes Manko”, erklärte hinterher
Gladbachs Trainer Friedel Baumann, „aber heute war es wirklich sehr extrem!” „Meine Spielerinnen sind jetzt sehr enttäuscht, sie hätten
dieses Spiel nie und nimmer verlieren dürfen. Aber wenn man seine Chancen nicht nutzt, verliert man so ein Spiel gegen den 1. FFC Frankfurt, der mit großer
individueller Klasse aufwarten kann. Ich muss jetzt meine Spielerinnen aufbauen, die hier in vielen Belangen eine gute Leistung geboten
haben.”
Frankfurts Trainer Winfried Klein zeigte sich demgegenüber sehr erleichtert über den Gewinn der drei Punkte und sah in der
kämpferischen Leistung seines Teams eine Wiedergutmachung für die schwache Leistung eine Woche zuvor in Crailsheim. „Zuerst haben wir mehr auf
Erfahrung gesetzt, aber ausgerechnet die jüngste bereitete das Tor mustergültig vor und machte auch sonst ein Klassespiel. Auch die junge Torhüterin hat an
diesem Erfolg einen maßgeblichen Anteil, indem sie in einigen Situationen ganz stark parierte”, freute sich Klein besonders über seine jüngsten
Spielerinnen Theresa Panfil und Tara Zimmermann.
1. FFC Frankfurt II: Zimmermann - Losert, Sirna, T.Wunderlich, Goerdel - Barucha (46. Panfil), Herbert, Baumann (67. Reinhardt), Özer - Junker,
Weinhardt (78.Meyer)
Borussia Mönchengladbach:
Ernst - Weyers, Pfeiffer, Jacobs, Flemming - Stüttgen (53. Hansen), Birbaum, Walmanns, Deyke - Zellmann, Schröder (79. Krohnen)
Tore:
1:0 Weinhardt (65.)
Gelbe Karten: - / Jacobs
Schiedsrichterin: Susann Dittmar (Radebeul) mit Beate Kautz und Anne-Kathrin Schinkel
Zuschauer: 310
Teilen
zur 2. Bundesliga Süd
Zur FanSoccer-Startseite
|