| Text von Tom Schlimme, Bilder von Peter Henkel
08.09.2011 Es war ein ungewöhnliches Spiel zwischen den zweiten Mannschaften der
beiden Erstligisten Frankfurt und München. In der ersten Halbzeit waren die Gäste vom FC Bayern das deutlich bessere Team, gerieten aber völlig gegen den
Spielverlauf mit 2:3 in Rückstand. In der zweiten Halbzeit waren dann die Frankfurterinnen besser, hätten den Sack zu machen und sich den Sieg dann auch
verdienen können, kassierten aber statt dessen den Ausgleich, so dass am Ende alle Grund hatten, zwei verlorenen Punkten nachzutrauern.
Münchens Stürmerin Katrin Hartmannsegger war heute
einfach nicht zu halten und erzielte alle drei Tore für ihr Team. Hier mühen sich Mirella Junker (verdeckt) und Julia Losert (rechts) gegen die schnelle
Münchnerin
Bereits in der vierten Minute ging Frankfurt in Führung. Abwehr-Routinier Tina Wunderlich spielte einen weiten, steilen Pass bis in den gegnerischen Strafraum,
Selina Dambier kam trotz Bedrängnis an den Ball, die heraus eilende Münchner Keeperin Veronika Gratz und eine Abwehrspielerin wurden sich nicht
recht einig, und plötzlich kullerte der Ball irgendwie ins leere Tor. Guter Start für Frankfurt also, doch die Münchnerinnen wurden zunehmend stärker. Vor
allem über ihre linke Seite, meist angetrieben von ihrer starken Kapitänin Christine Eckmann, rollten sie die Frankfurter Abwehr immer wieder auf. Nach
einem Freistoß von Eckmann verpasste Monika Fuss knapp, und wenig später zwang die quirlige, nie zu haltende Katrin Hartmannsegger dann Tina Wunderlich im
Strafraum zu einem Foul. Ich habe selten einen klareren Elfmeter gesehen, es gab nicht den Ansatz von Diskussionen. So zögerte die Gefoulte auch nicht, selbst
den Strafstoß zu schießen - doch Ann-Kathrin Kremer ahnte die Ecke und parierte den halbhoch nach links geschossenen Ball. Doch das Frankfurter Team
wußte nichts aus der glücklichen und jetzt auch noch glücklich verteidigten Führung zu machen. Es gelang nicht, den Ball mal etwas länger zu halten und das
Spiel zu beruhigen. Im Gegenteil, durch ständige, oft unnötige Ballverluste wurden die Bayern immer wieder ins Spiel gebracht. So war es nur logisch, dass
die Gäste nach einem Eckball durch Hartmannsegger in der 23. Minute zum verdienten Ausgleich kamen. Und Bayern drückte weiter, immer wieder über links.
Frankfurts Keeperin Kremer parierte in der 28. Minute erneut klasse gegen Hartmannsegger, ein weiterer Treffer für Bayern lag in der Luft. Doch Frankfurts
Trainer Winfried Klein reagierte, beorderte Julia Losert aus dem Mittelfeld zurück auf die besonders geforderte rechte Abwehrposition und brachte mit
Patrizia Barucha eine erfahrene Spielerin ins rechte Mittelfeld. Dafür musste die erst 16-jährige Larissa Gördel, zudem noch angeschlagen, bereits nach 27
Minuten den Platz verlassen. Der Wechsel zahlte sich bereits vier Minuten später aus: Barucha kam rechts zu einem Flankenlauf, Deniz Özer verwandelte in der
Mitte zur erneut glücklichen 2:1-Führung.
Doch am Spielverlauf änderte sich zunächst nichts, die Münchnerinnen blieben überlegen, Frankfurt schaffte es nach wie vor nicht, Ruhe ins Spiel zu bringen und
den Ball zu halten. Eckmann schoss über das Tor nach Zuspiel von Hartmannsegger, und Katrin Hartmannsegger war es dann auch, die den erneuten Ausgleich nach
einem schönen Alleingang durchs Zentrum erzielte. Da waren 35 Minuten gespielt, und eigentlich hätten die Münchnerinnen nun auch die Führung verdient gehabt,
denn sie drückten weiter. In der 40. wäre es fast so weit gewesen, doch Fuss verpasste frei vor dem Tor eine Flanke von der nach wie vor starken linken
Münchner Seite. Doch Sekunden vor dem Halbzeitpfiff spielte die bis dahin im Mittelfeld äußerst unauffällig agierende Jessica Reinhardt einen genialen Pass auf
die rechts sträflich frei gelassene Barucha, und die erzielte mit einem schönen Heber die erneute Frankfurter Führung, mit der es dann in die Pause ging.
Nach dem Seitenwechsel agierte das Frankfurter Team dann endlich deutlich sicherer, auch die rechte Abwehrseite wirkte nun stabiler. Michelle Baumann war
für Reinhardt gekommen und fügte sich gut ins Spiel ein. Zwar kam München noch zu einer Chance durch Hartmannsegger, die sich gegen Wunderlich durchsetzte,
das Tor aber verfehlte, doch insgesamt war nun Linie im Frankfurter Spiel und man setzte eigene Akzente nach vorne. Allerdings setzte ab der 60. Minute ein
erst leichter, dann aber wasserfallartiger Regen ein, der ein geordnetes Spiel zeitweise sehr schwierig machte. In der 77. Minute hätten Baumann oder
Dambier alles klar machen können, doch beide wollten es zu genau machen und brachten den Ball aus aussichtsreicher Position mittig im Strafraum nicht auf
das Münchner Tor. Langsam wurden die Münchnerinnen auch wieder stärker, erneut schlichen sich zu viele Abspielfehler beim FFC ein, und prompt kam dann die
viel zu frei im Strafraum stehende Hartmannsegger nach einer Flanke, diesmal von rechts, mit dem Kopf zum 3:3 Ausgleich. Es folgten noch zwei Chancen für
Frankfurt, ein Fernschuss von Baumann wurde von Gratz gut zur Ecke gelenkt, und Dambier vergab ganz kurz vor Schluss etwas überhastet nah am Tor, eine
Chance für München (Lattentreffer), doch es blieb dann beim 3:3.
„Ich bin im Moment sehr froh, dass wir den Ausgleich noch gemacht haben, ich denke, dass er
mehr als verdient war”, sagte Münchens Trainerin Nathalie Bischoff nach dem Spiel. „Insgesamt bin ich aber unglücklich, wir haben hier zwei
Punkte liegen gelassen, der FFC war sehr effektiv, hat aus vier Chancen drei Tore gemacht, wir haben aus gefühlten acht Chancen einfach zu wenig
gemacht”, schloss Bischoff. Ähnlich sah es auch Frankfurts Co-Trainer Björn Weber: „Die Führung zur Halbzeit war sehr glücklich, das Übergewicht
der Bayern war deutlich. Wir haben es nur selten geschafft, die Münchner Stürmerinnen zu binden und in den Griff zu bekommen. Doch in der zweiten Halbzeit
lief es dann deutlich besser, wir zeigten mehr Engagement, waren präsent auf dem Platz, hatten das Spiel im Griff. Schade, dass dann ein Stellungsfehler neun
Minuten vor Schluss uns die zwei Punkte hat verlieren lassen.”
Bilder:
Oben links:Selina Dambier (rechts) erzielte die Frankfurter Führung in der vierten Minute. In dieser Szene ist aber Christina Schedel eher am Ball
Mitte rechts: Deniz Özer (rechts, gegen Christina Schedel) machte das 2:1 für Frankfurt
Unten links: Schwer zu beurteilen war die Leistung von Schiedsrichterin Ülfet
Car, die hier Julia Losert die gelbe Karte zeigt. Patrizia Barucha sieht es mit Verwunderung, und auch ich hatte bei manchen Entscheidungen meine
Zweifel, so als ein Vorteil für Frankfurt abgepfiffen wurde. Doch auf den Spielverlauf hatte das keinen Einfluss
Unten: Links Monika Fuss - Mitte: Ann-Kathrin Kremer bei einem Seitfallzieher von Monika Fuss - Rechts: Mirella Junker
Spielstenogramm:
1. FFC Frankfurt II: Kremer - Goerdel (27. Barucha), T. Wunderlich, Sirna, Rheinheimewr - Weinhardt (70. Scheel), Reinhardt (46. Baumann), Junker,
Losert - Özer, Dambier
FC Bayern München II:
Gratz - van der Linde, Schedel, De Pol, Eder - Fuss (59. Pflüger), Kallmaier, Capoccia (56. Strahl), Eckmann - Szarvas (88. Mayr), Hartmannsegger
Tore:
1:0 Dambier (4.) 1:1 Hartmannsegger (23.) 2:1 Özer (31.) 2:2 Hartmannsegger (35.) 3:2 Barucha (44.) 3:3 Hartmannsegger (81.)
Bes.
Vorkommnisse: Kremer hält FE von Hartmannsegger (15.).
Gelbe Karten: Losert / Fuss, Hartmannsegger
Schiedsrichterin: Ülfet Car (Kirchheim Teck)
Zuschauer: 180
Teilen
zur 2. Bundesliga Süd
Zur FanSoccer-Startseite
|