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2. Bundesliga Süd

Gutes Ende einer schwierigen Saison

1. FFC Frankfurt II - FC Bayern München II

Text von Tom Schlimme
8. Mai 2011
In der Winterpause hätte kaum jemand noch nennenswerte Beträge auf den Klassenerhalt der zweiten Mannschaft des 1. FFC Frankfurt gesetzt. Zu groß schien der Abstand zu den Nichtabstiegsplätzen geworden zu sein, und höchstens noch der Einsatz von Spielerinnen aus der ersten Mannschaft versprach ein rettendes Wunder. Doch es kam anders. Ganz ohne Unterstützung von „oben”, aber mit einem neuen Trainer, Einsicht in eigene Fehler und dem Willen, diese zu ändern, schaffte das Team einen Neuanfang und legte eine Siegesserie hin, an deren Ende mit dem Sieg gegen Bayern München II dann auch der Klassenerhalt stand.

Klassenerhalt FFC II

Das Team der zweiten Mannschaft des 1. FFC Frankfurt feierte den Klassenerhalt fast so wie eine Meisterschaft. Angesichts des großen Rückstands im Winter kam er auch einem kleinen Wunder gleich! (Foto: Martin Kochem)


„Die Mannschaft hat sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen”, formulierte nach dem Spiel Annelie Hauptvogel, die als stellvertretende Vorsitzende vor einiger Zeit die Zuständigkeit für die zweite Mannschaft übernommen hat. Tatsächlich war es, obwohl überwiegend die gleichen Spielerinnen auf dem Platz standen, eine andere Mannschaft des FFC II gewesen, die nach der Winterpause agiert hatte. Auch im letzten und entscheidenden Spiel gegen Bayern München II zeigte sich dies. Die Münchnerinnen wollten im letzten Saisonspiel selber noch mal gewinnen, wie ihre Trainerin Nathalie Bischof hinterher betonte, um in der Tabelle noch etwas nach oben zu steigen. So begann die zweite der Bayern auch recht stark, zeigte gute technische Fertigkeiten und stürmte auf das Frankfurter Tor. Doch ein Frankfurter Angriff, bei dem die steil angespielte Patrizia Barucha allein vor Münchens Keeperin Andrea Schlemmer Vollstreckerqualitäten bewies, änderte alles. Nach vier Minuten stand es 1:0 für Frankfurt, und während der Treffer die Frankfurterinnen beflügelte, schien den Münchnerinnen die Lust am Spiel vergangen zu sein. Der FFC spielte nun überlegen, erst nach 20 Minuten wurde die Partie wieder ausgeglichener, Chancen gab es bis dahin nur auf Frankfurter Seite. Selina Dambier schoss über das Tor, ein flacher Fernschuss von Karolin Thomas stellte kein Problem für Keeperin Schlemmer dar, erst in der 23. Minute strich dann auch mal ein Fernschuss aus dem Münchner Sturm deutlich über das Frankfurter Tor. Doch gerade, als sich im Frankfurter Spiel immer mehr Ungenauigkeiten einschlichen und die Münchnerinnen wieder in Tritt kamen, landete wieder so ein steiler Pass in die Spitze diesmal bei Dambier, Keeperin Schlemmer kam ihr entgegen, hatte aber keine Chance gegen Dambier, die ihren 10. Saisontreffer markieren konnte.

(Bild links: Ramona Strahl kommt zu spät und Keeperin Andrea Schlemmer muss den Ball unter sich durch lassen - Patrizia Barucha erzielte das wichtige frühe Führungstor für Frankfurt (Foto: Tom Schlimme)

(Bild rechts: Mit diesem Schuss erzielte Selina Dambier das 2:0 (Foto: Tom Schlimme)

Prompt wurde das Spiel wieder einseitiger, doch Dambier verpasste nach Flanke von Jasmin Meyer bei einem Schuss aus der Drehung das Tor deutlich, dann schoss Barucha nach schönem Konter über die Latte, in dieser Phase schienen die Münchner Spielerinnen eher nebenher zu traben als anzugreifen. Erst in der 40. Minute kamen die Münchnerinnen zu ihrem ersten wirklichen Torschuss, doch ein Kopfball von Magdalena Mayr nach einem Eckstoß ging weit vorbei. Kurz vor der Pause verpassten dann noch Mirella Junker und Jasmin Meyer zwei Gelegenheiten für Frankfurt, und so ging es mit 2:0 in die Pause.

Die Ansprache von Bayern-Trainerin Bischof in der Kabine hatte Erfolg, nach dem Seitenwechsel konnten die Münchnerinnen das Spiel wieder ausgeglichener gestalten. Nach einem Eckstoß war es diesmal Ramona Strahl, die hoch über das Frankfurter Tor schoss, dann musste Frankfurts Keeperin Anne-Kathrine Kremer im Herauslaufen vor Katrin Hartmannsegger klären, doch Frankfurt spielte weiter gut mit und kam dann auch zu einem, etwas kuriosem, dritten Tor. Der Ball prallte im Bayern-Strafraum vor dem Tor senkrecht hoch, Mirella Junker hätte aus einem Meter einköpfen können, traf aber nicht richtig, und ohne, dass eine der zahlreich anwesenden Bayern-Abwehrspielerinnen es verhindern konnte, kam das Leder zu Karolin Thomas, die es mit Wucht in die Maschen donnerte.

(Bild links: die beiden weiteren Torschützinnen: Karolin Thomas (links) erzielte das dritte Frankfurter Tor, Katrin Hartmannsegger den Münchner Ehrentreffer (Foto: Tom Schlimme)

Im Gegensatz zu den Toren in der ersten Halbzeit löste dieser Treffer aber keine weitere Schwächephase der Gäste mehr aus, die Münchnerinnen blieben agil und wurden dafür auch belohnt. Nach Flanke von Christina Eckmann kam Katrin Hartmannsegger zum Anschlusstreffer. Beim FFC II schien jetzt die Kraft etwas nachzulassen, einige angeschlagene Spielerinnen taten sich immer schwerer, doch eine leichte Frankfurter Überlegenheiet konnte bis zum Schluss aufrecht erhalten werden, und so blieb es dann beim letztlich verdienten 3:1-Erfolg, der Frankfurt bei gleichzeitigen Niederlagen von Löchgau und Sand am Ende der Saison noch auf den neunten Tabellenplatz hievte. „Mit der ersten Halbzeit bin ich gar nicht zufrieden” sagte Gästetrainerin Nathalie Bischof später, „da waren zu viele Fehler schon in der Spieleröffnung”. Mit der zweiten Halbzeit ihres jungen Teams zeigte sich die Münchner Trainerin dann zufriedener. Man habe aber gesehen, dass die Frankfurterinnen unbedingt gewinnen mussten und auch unbedingt gewinnen wollten. „Wir wollten uns hier schon noch mal richtig reinhängen, aber insgesamt konnten wir nicht an die Leistungen unserer besseren Saisonspiele anknüpfen”, meinte Bischof. Mit dem Saisonverlauf war sie ebenfalls nicht ganz zufrieden, nach einer guten Hinrunde seien dann auch viele schwächere Spiele gefolgt. Die Planungen für die kommende Saison gingen schon dem Ende entgegen, das Grundkonzept werde beibehalten und einige Spielerinnen aus der U17 nachgezogen.

Während Frankfurts Trainer Winfried Klein, von dem man wirklich sagen kann, dass seine Verpflichtung eine Wende gebracht hat, noch auf dem Platz mit seinen Spielerinnen feierte, gab Vorstandsmitglied Annelie Hauptvogel das Statement zum Spiel ab und wies besonders darauf hin, dass auch die verletzten Spielerinnen, so die erst vor einer Woche am Kreuzband operierte Melanie Kantor, anwesend waren, ihr Team angefeuert hatten und jetzt, zum Teil auf Krücken, mitjubelten. Dieser Mannschaftsgeist sei ein Schlüssel zum Erfolg gewesen. Aber auch die Reaktivierung von Karolin Thomas sei ein Glücksgriff gewesen, wie überhaupt die älteren Spielerinnen, wie auch Tina Wunderlich und Anne Engel, die jüngeren in der schwierigen Zeit geführt und auch menschlich zusammen gehalten hätten. Nächste Saison werde es so eine Zitterpartie nicht wieder geben, aus der U16 kämen gute Spielerinnen nach, und man werde auf eine höhere Durchlässigkeit zwischen den Mannschaften achten.

(Bild rechts: Die Frankfurter Trainer (links Co-Trainer Björn Weber, rechts Winfried Klein) hatten allen Grund zum jubeln. Hier feiern sie das dritte Frankfurter Tor, am Ende konnten sie sich über den Klassenerhalt freuen (Foto: Tom Schlimme)

1. FFC Frankfurt II:
Kremer - Losert, Heller, Wunderlich, Engel - Herbert, Junker, Thomas, Meyer (87. Sirna) - Dambier (75. Tobollik), Barucha(65. Kiel)

FC Bayern München II:
Schlemmer - Widemann (46. B. Eder), März, Kriegel, Kirchberger, - Eckmann, Prohaska, Strahl, Hartmannsegger - Schauer (53. Huyleur), Mayr (73. Fuss)

Tore:
1:0 Barucha (4.)
2:0 Dambier (28.)
3:0 Thomas (57.)
3:1 Hartmannsegger (67.)

Gelbe Karten: Tobollik / Hartmannsegger

Schiedsrichterin: Lena Dittmann (Stadthagen) mit Karoline Wacker und Nicole Fink

Zuschauer: 340


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