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2. Bundesliga Süd, 2. Spieltag

Leverkusen lässt aufhorchen

1. FFC Frankfurt II - Bayer 04 Leverkusen 1:7 (1:4)

Text von Tom Schlimme
Bilder von Peter Henkel

29.09.2009   Im zweiten Spiel der neuen Saison gab es für die Nachwuchsmannschaft des 1. FFC Frankfurt die zweite Klatsche. Nach dem 0:6 in Sindelfingen gab es nun ein 1:7 gegen Leverkusen. Allerdings präsentierte Leverkusen eine starke Mannschaft, die noch auf sich aufmerksam machen wird.

So sah man in den Reihen von Leverkusen etliche Spielerinnen, die auf einige Erstligaerfahrung verweisen können. Als erste zu nennen ist da U23-Nationalstürmerin Lisa Schwab, die vom 1. FC Saarbrücken nach Leverkusen gewechselt ist und jederzeit auch bei einem Erstligisten einen Platz im Team hätte finden können. Dann sind von der SG Schönebeck Stephanie Mpalaskas und Francesca Weber gekommen, beide ebenfalls mit Erstligaerfahrung. Vor allem Weber machte auf der Sechserposition ein ganz starkes Spiel.

Audrey Knopp vs. Rosalie Sirna

Diese beiden saßen zu Spielbeginn noch auf der Bank, wurden aber verletzungsbedingt früh eingewechselt. Audrey Knopp (links) machte dann für Leverkusen gleich ein Tor, Rosalie Sirna erspielte sich später immerhin eine gute Torgelegenheit für Frankfurt

Doch auch die schon länger in Leverkusen aktiven Spielerinnen sind nicht zu unterschätzen. Innenverteidigern Teresa Tüllmann zum Beispiel, die mir schon vor zwei Jahren positiv auffiel, wird immer stärker und kommt langsam ins beste Fußballalter, Maren Henseler und Lena Steinbach spielten gemeinsam mit Schwab die Frankfurter Abwehr schwindelig und auch die anderen Spielerinnen im Team fielen keineswegs ab. Als ich Trainerin Doreen Meier nach dem Spiel nach den Plänen für die Zukunft fragte, erklärte sie mir vorsichtig, dass ihr Team noch sehr jung sei. Man wolle oben mitspielen, doch bei einem solch jungen Team werde es Schwankungen geben. Der Kader habe eine hohe Qualität, er sei aber auf Perspektive ausgelegt.

Auf jeden Fall findet sich Leverkusen nach dem zweiten Spieltag an der Tabellenspitze der 2. Bundesliga Süd wieder, allerdings punktgleich mit dem sicherlich auch sehr stark einzuschätzenden Team aus Sindelfingen, und auch Köln, zwar schlecht gestartet, aber sehr gut besetzt, dürfte nicht zu unterschätzen sein.

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Lisa Schwab, die schon mal mit Saarbrücken im Finale des DFB-Pokals stand, kommt hier gegen die krankheitsgeschwächte Jeanette Seitz zum Schuss

Die Heimmannschaft des 1. FFC Frankfurt musste nach etlichen Abgängen neu formiert werden, dazu müssen noch einige Verletzungsausfälle aufgefangen werden. So war es nicht wirklich überraschend, dass die Gäste aus Leverkusen von Anfang an das Heft in die Hand nahmen und das Spiel dominierten, allerdings zehn Minuten lang, ohne sich großartige Torgelegenheiten herauszuspielen. Der Führungstreffer für Leverkusen kam dann doch eher überraschend zustande. Nach einem abgewehrten Eckball kam der Ball zu Tüllmann, die noch im Mittelkreisel stehend den Fuß volley unter den Ball bekam. Ich bin sicher, das war kein Befreiungsschlag, das war ein gezielter Schuss auf das Frankfurter Tor, wo Keeperin Stephanie Ullrich etwas zu weit vor dem Kasten stand. Tüllmann hatte besten Blick auf die Situation und der Ball kam einfach ideal, um einen solchen Schuss zu versuchen. Die Kugel senkte sich dann auch präzise über Ullrich ins Tor, wobei die Keeperin eine mehr als unglückliche Figur abgab, denn hätte sie sich gestreckt, hätte sie das Tor verhindern können. Doch, möglicherweise im Glauben, näher am Tor zu stehen und der Ball ginge über die Latte, verzichtete Ullrich auf aufwendige Abwehraktionen.


 Lena Steinbach gegen Katharina Kiel

Oft in diesem Spiel waren die Spielerinnen von Bayer Leverkusen einen Schritt schneller als ihre Gegnerinnen. Hier kommt Lena Steinbach gegen Katharina Kiel zum Flanken

Vielleicht sollte sich eine Torhüterin doch lieber zehnmal zu viel strecken als einmal zu wenig. Doch Ullrich zeigte auch später bei einigen Bällen wenig Reaktion. Entweder die Kugel ging dann vorbei, dann war es gut, oder sie war halt drin, dann war der Ball wohl unhaltbar...

Nach dem Führungstor wurde das junge FFC-Team dann noch nervöser, es ging wenig zusammen. Anne Engel verschätzte sich bei einem hohen Ball über ihren Kopf, Henseler startete und war nicht mehr aufzuhalten. So stand es nach 15 Minuten schon 0:2.

Mirella Junker und Stephanie Ullrich

Mirella Junker kann hier beruhigt abbremsen, ihre Keeperin Stephanie Ullrich hat den Ball. Doch Ullrich verschuldete das erste Gegentor, klebte bei Flanken oder Eckbällen in die Nähe ihres Tores grundsätzlich auf der Linie...

Doch das Frankfurter Team hielt dagegen, kam selber zu einer Großchance, als der Ball von rechts in den Strafraum gegeben wurde, Keeperin Lisa Schmitz griff daneben, und Jasmin Herbert war in der Mitte vier Meter vor dem Tor genau richtig platziert. Doch Herbert schaffte es nicht, den Ball hereinzudrücken, weil sie von Mpalaskas gestört, ich meine umgestoßen, wurde. Herbert verletzte sich in dieser Szene und musste erst behandelt und dann in der Halbzeitpause ausgewechselt werden. Meiner Meinung nach wäre hier ein Elfmeterpfiff angebracht gewesen. Dass eine Spielerin vier Meter vor dem Tor einen Elfmeter rausschinden will, statt den Ball einfach einzuschießen, halte ich für sehr unwahrscheinlich, und freiwillig wird Herbert bestimmt nicht zu Boden gegangen sein.

Teresa Tüllmann

Leverkusens Innenverteidigerin Teresa Tüllmann lenkte das Spiel durch ihr Tor aus dem Mittelkreis heraus in die für Leverkusen richtigen Bahnen.

In der 24. Minute ging dann ein Fernschuss von Mirella Junker nur ganz knapp am Leverkusener Tor vorbei. Doch eine Minute später verletzte sich Melanie Kantor, die heute aufgrund der Personalnot beim FFC zurück in die Innenverteidigung musste, bei einer Abwehraktion schwer und musste ausgewechselt werden. Inzwischen meldete der Verein, dass Kantor einen Kreuzbandriss erlitten hat. Gute Besserung, Melanie, auch noch mal von dieser Stelle!

Während Kantor noch behandelt wurde und sich Rosalie Sirna als Ersatzspielerin warm lief, fielen zwei Tore: erst für den FFC, als Patrizia Barucha mit dem Ball aufs Leverkuser Tor stürmte, sich gut durchsetzte und im richtigen Moment auf Alexa Gantner weitergab, die dann frei einschießen konnte. Doch direkt vom Anstoß weg stellte Henseler den alten Abstand wieder her. Ich muss gestehen, ich habe das Tor gar nicht richtig mitbekommen, war noch dabei, den Anschlusstreffer aufzuschreiben. Irgendwie über den linken Flügel hatten sich die Leverkuser Spielerinnen durchgesetzt.


Erst jetzt wurde Sirna für die verletzte Kantor eingewechselt und der FFC II war wieder vollzählig, kassierte aber gleich den nächsten Treffer, diesmal eingeleitet durch die quirlige Schwab, die sich von links entlang der Torauslinie gegen drei Frankfurterinnen durchsetzte, dann nach innen passte, wo Audrey Knopp nun völlig frei war und nur noch einzuschießen brauchte. Leverkusen setzte gegen das durch Verletzung und hohen Rückstand völlig verunsicherte Frankfurter Team nach, Angriff auf Angriff rollte auf das Frankfurte Tor, doch bis zur Halbzeit blieb es beim 1:4.

In der Pause musste Frankfurts Trainer Ronny Boretti dann für die körperlich derzeit angeschlagene Julia Losert und die verletzte Herbert dann Janette Eberling und Vivian Tobolik einwechseln, die damit ihre Premiere vor heimischem Publikum hatten. Frankfurt hielt das Spiel nach der Pause dann auch erst einmal gleichgewichtiger als vorher, hatte sogar eine Chance durch Sirna nach einem langen Diagonalpass durch die Leverkuser Abwehr, doch ihr Schuss ging knapp am langen Eck vorbei. Doch dann ließ Vanessa Baudzus Katharina Kiel stehen, auch ihr Schuss ging vorbei, hätte aber aus dieser Position drin sein müssen. Leverkusen ging jetzt fast leichtfertig mit den Chancen um. In der 66. Minute ging dann Henseler mit Ball steil in den Strafraum, keine Abwehrspielerin war in der Lage, ihr den Ball abzunehmen, Mpalaskas übernahm und schoss zum 1:5 ein. Die beiden letzten Treffer des Tages erzielten dann Lena Steinbach in der 82. Minute und Silke Tancyus in der 89. Minute.

Vivian Tobolik gegen Kathrin Julia Hendrich

Vivian Tobolik (rechts), aus Mainflingen nach Franfurt gekommen, feierte ihr Heimdebut im Stadion am Brentanobad - soweit man bei einem solchen Ergebnis von feiern reden kann. Hier geht sie gleich gegen Kathrin Julia Hendrich ins Kopfballduell

Frankfurts Trainer Ronny Boretti verwies nach dem Spiel auf die Ausfälle in seiner Abwehr. Maren Heller, die eigentlich für die Innenverteidigung vorgesehen war, ist verletzt. Jeanette Seitz war in den letzten beiden Tagen krank gewesen und Julia Losert ist derzeit nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Dazu kam dann noch die Verletzung von Kantor. Für die nächsten Spiele gelte es jetzt, Schritt für Schritt das Defensivverhalten zu verbessern, nur auf dieser Basis könne man dann auch wieder verstärkt nach vorne spielen.

1. FFC Frankfurt II:
Ullrich - Seitz, Kantor (35. Sirna), Engel, Losert (46. Eberling) - Kiel, Junker, Herbert (46. Tobollik), Becker, Barucha, Gantner

Bayer 04 Leverkusen:
Schmitz - Baudzus, Tüllmann, Elsig, Mpalaskas (71. Dünker) - Weber, Steinbach, Mester, Hendrich (24. Knopp) - Henseler, Schwab (60. Tancyus)

Tore:
0:1 Tüllmann (10.)
0:2 Henseler (15.)
1:2 Gantner (34.)
1:3 Henseler (34.)
1:4 Knopp (38.)
1:5 Mpalaskas (66.)
1:6 Steinbach (82.)
1:7 Tancyus (89.)

Gelbe Karten:Keine

Schiedsrichterin: Imke Lohmeyer (Holtland)

Zuschauer: 350


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