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2. Bundesliga Süd, 16. Spieltag

Den Spieß noch umgedreht

SG Wattenscheid 09 - 1. FFC Frankfurt II 2:3 (0:0)

Text und Fotos von Martin Kochem

30.03.2009   Ungeachtet aller Vorhersagen und Prognosen fand die Erfolgsstory des „kleinen” FFC im Jahre 2009 auch beim letztjährigen Bundesligaabsteiger SG Wattenscheid 09 seine Fortsetzung. Selbst nach einem aussichtslos erscheinenden 0:2-Rückstand Mitte der zweiten Hälfte rissen die „jungen Wilden” um Rädelsführer Stephan Fröhlich in beeindruckender Art und Weise das Steuer noch herum und machten innerhalb von nur 23 Minuten nicht nur den dritten Auswärtserfolg hintereinander perfekt, sondern verpatzten den Gastgeberinnen mit dem am Ende gewiss nicht unverdienten 3:2-Erfolg zusätzlich deren Generalprobe für das anstehende Pokalhalbfinale bei Turbine Potsdam.

Nachdem ergiebige Regenfälle für eine Verlegung der Partie von der Wattenscheider Lohrheide (die Stadt sperrte die beiden Plätze bereits am Freitag morgen) an die Kunstrasenanlage des Sportzentrums Berliner Straße gesorgt hatten, musste FFC-Coach sein Team kurz vor dem aufgrund anderweitiger Platzbelegung um eine Stunde nach hinten verschobenen Anpfiff noch einmal umbauen, da sich das Risiko bei den angeschlagenen Julia Losert und Maike Trach (beide Zerrung) während des Aufwärmens als zu hoch herausgestellt hatte. Für die beiden kamen Patrizia Barucha sowie Mara Milbredt (nach ihrer langen Verletzungspause erstmals wieder von Beginn an) zum Einsatz.

Mara Milbredt

Mara Milbredt spielte nach ihrer langen Verletzungspause erstmals 90 Minuten durch und wußte durchaus zu überzeugen

Die Hessinnen begannen mit einem 4-5-1, wobei sich die erneut im Reserveteam zum Einsatz kommende Pia Wunderlich zunächst als einzige Sturmspitze bzw. sozusagen als „Mittelstürmerin in spe” versuchen durfte, welche gleich von einer ganzen Mittelfeld-Armada offensiv unterstützt werden sollte. Dieses Unterfangen stellte sich jedoch nachhaltig als relativ ungeeignet heraus, sah man der stets bemühten Pia doch überdeutlich an, dass es in puncto kompromissloses Zweikampfverhalten, Schnelligkeit und Ausdauer zum momentanen Zeitpunkt bei weitem noch nicht für eine Rückkehr in die erste FFC-Garde reicht.

Die Angriffsbemühungen der Gäste reduzierten sich in den ersten 45 Minuten folgerichtig auf genau eine Aktion, als Herbert nach 13 Minuten von der ebenfalls wieder in der „U 23” Spielpraxis sammelnden Melanie Kantor mit einem herrlichen Pass in den freien Raum geschickt wurde, jedoch in ihrem 1:1-Duell mit 09-Torfrau Lena Hohlfeld zu lange nachdachte und per Pressschlag an dieser scheiterte. Ansonsten konnte man bei den erneut umformierten Gästen die gleichen Probleme der vergangenen Wochen beobachten, nämlich der teilweise behäbige Spielaufbau gepaart mit (zu vielen und zu schnellen) Ballverlusten im Mittelfeld.

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Als Sturmspitze blieb Pia Wunderlich (links) blass - aus dem Mittelfeld heraus brachte sie den FFC in der zweiten Halbzeit aber innerhalb von sechs Minuten auf die Siegerstraße. Dementsprechend hatte Wunderlich gut Lachen, während ihre Gegenspielerin Kathrin van Kampen es gar nicht lustig fand

Aber auch von den Gastgeberinnen war doch relativ wenig zu sehen, sodass sich das Geschehen zumeist in der neutralen Zone abspielte. Tauchten die optisch leicht überlegen wirkenden SG-Ladies dann doch einmal vor dem FFC-Gehäuse auf, wurde es auch prompt gefährlich. Wie in der 16. Minute, als Jennifer Ninaus von Sturmpartnerin Silke Tancyus herrlich in die Gasse geschickt wurde, doch das anschließend erzielte Tor zurecht wegen einer eindeutigen Abseitsstellung keine Anerkennung fand. So richtig brenzlig wurde es für die Gäste dann nach 22 Minuten, als Claudia Götte mit herrlichem Steilpass Tancyus bediente, deren kraftvoller Abschluss konnte die glänzend reagierende FFC-Torfrau Ramona Emig gerade noch so eben nach vorne abklatschen, doch Götte versemmelte den Nachschuss völlig freistehend über das Tor. Fünf Minuten später kam Ninaus nach einer vorangegangenen Ecke aus halblinker Position frei zum Schuss, doch setzte diese das Leder ebenfalls weit über den Kasten.


Luftduell zwischen Mara Milbredt und Laura Hoffmann

Packendes Luftduell zwischen Mara Milbredt (FFC, Nr. 11) und Laura Hoffmann, beobachtet von (links nach rechts) Lena Wermelt, Melanie Kantor und Jeanette Seitz (verdeckt) - Leonie Pankratz (rechts) springt eindeutig am höchsten, aber auch am Ball vorbei

Die zweite Halbzeit sollte dann aber die gut 100 Zuschauer bei kühler, aber weitgehend trockener Witterung doch entschädigen, riskierten beide Mannschaften jetzt doch mehr...

Die erste Gelegenheit nach dem Seitenwechsel vergab Barucha mit einem Heber aus linker Position (51.), bevor es auf der Gegenseite gerade mal zwei Minuten später den ersten Aufreger gab. Nach einem weiten Flankenball stiegen Sabrina Schneider und ihre Gegenspielerin Ninaus beide gleichzeitig zum Kopfballduell hoch, als sich Ninaus auf einmal im Strafraum am Boden wälzte und Schiedsrichterin Jung diese Szene als elfmeterwürdig interpretierte - eine doch etwas sehr harte Entscheidung, worüber man im Mutterland des Fußballs sicherlich nur ein mildes Schmunzeln übrig gehabt hätte... Sei´s drum - die Gefoulte trat selbst an und ließ Emig mit einem harten Flachschuss ins linke untere Eck keine Abwehrchance.

Jennifer Ninaus

Jennifer Ninaus´ Führungstreffer per Elfmeter reichte am Ende nicht mal zu einem Punkt

Dieser Führungstreffer sollte endgültig das Startsignal für eine turbulente und ausgesprochen gutklassige Zweitligapartie sein, wäre den Gästen doch schon im Gegenzug fast der Ausgleich gelungen. Fröhlich hatte sein Team bereits zur Pause auf 4-4-2 umgestellt, wo Wunderlich jetzt auf ihrer gewohnten rechten Außenbahn bzw. Barucha in der Mitte fungierte. Nach schönem Pass von Herbert kam die 102-fache Nationalspielerin in halbrechter Position zum Schuss, doch zischte die Kugel nur Zentimeter am langen (linken) Pfosten vorbei. Wiederum im Gegenzug kam Sara Doorsoun-Khajeh im Frankfurter Strafraum frei zum Schuss, verzog jedoch mit rechts knapp am linken Torpfosten vorbei. In der 62. Spielminute stibitzte Barucha nahe der Torauslinie gleich zwei Wattenscheiderinnen die Kugel ab, übersah jedoch ihre im Rückraum lauernden Mannschaftskameradinnen und versuchte es zu überhastet alleine. Die Strafe folgte auf dem Fuß, denn abermals im Gegenzug spazierte Ninaus in Rosi-Mittermaier-Manier durch den FFC-Strafraum, passte von der Torauslinie zurück auf die mitgelaufene Doorsoun-Khajeh, welche dann keine Mühe mehr hatte, die Kugel mit der linken Hacke aus Nahdistanz zum 2:0 an der chancenlosen Emig vorbei im Gehäuse unterzubringen.

Patrizia Barucha, Pia Wunderlich und Julia Debitzki

„Patsi” Barucha (Mitte) legte ihrer Sturmpartnerin Pia Wunderlich (links dahinter) gleich zwei Mal wunderbar auf und hatte somit gehörigen Anteil am Frankfurter Sieg - Julia Debitzki (rechts) wußte dies nicht zu verhindern

Nach diesem Treffer schien die erste Niederlage des FFC-Nachwuchses im Jahre 2009 besiegelt, doch was dann folgte, konnte selbst deren Coach nach Spielende kaum fassen. Abermals im unmittelbaren Gegenzug machte es Barucha deutlich besser als noch Minuten zuvor, bediente auf der rechten Außenbahn mit schönem Rückpass ihre Teamkollegin Wunderlich, welche Hohlfeld in unnachahmlicher Manier mit einem 14 m-Flachschuss ins linke untere Eck nicht den Hauch einer Chance ließ. Wiederum nur zwei Minuten später flankte Barucha in die Mitte, doch die ehemalige Polenlegionärin im Wattenscheider Kasten konnte die stramme Direktabnahme von


Herbert gerade noch so um den Pfosten lenken (66.). Der anschließende Eckball landete vor Baruchas Füßen, doch kam diese in Rücklage und hätte mit ihrem Schuss lediglich beim American Football etwas Zählbares dabei herausgeholt. Nur wenige Sekunden später folgte die einzig hässliche Szene in diesem ansonsten überaus fairen Duell, als Kantor nahe der Seitenauslinie von der in dieser Szene übermotiviert auftretenden Laura Hoffmann übel von hinten abgegrätscht wurde. Doch trotz des wutentbrannten Aufspringens des ansonsten so besonnenen Fröhlich von der Frankfurter Trainerbank beließ es die Unparteiische bei (dunkel-)gelb - eine für meinen Geschmack doch eher seltsame Entscheidung, wenn man sich im Vergleich hierzu die Konsequenz der „schwarzen Frau” beim Elfmeterpfiff vor Augen führt...

Unbeeindruckt hiervon drückten die Hessinnen weiter auf´s Tempo und sollten nur wenig später dafür auch belohnt werden. Und wieder zeichnete sich das „wie in alten Tagen” hervorragend harmonisierende Duo Barucha/Wunderlich dafür verantwortlich: Steilpass Barucha, kein Abseits und die 34-jährige Welt- und Europameisterin versenkte das Leder eiskalt im Netz (70.).

Als sich beide Seiten schon mit einem schiedlich-friedlichen Unentschieden abgefunden hatten, zwirbelte Wunderlich in der 87. Minute nochmals eine schön angeschnittene Ecke in den Strafraum hinein und die auf der linken Außenbahn vor allem nach dem Seitenwechsel äußerst stark aufspielende Jobina Lahr erzielte mit einem von ihr gemäß eigener Aussage nicht exakt zu definierenden Körperteil den vielumjubelten Siegtreffer der Gäste - es war im übrigen der erste Saisontreffer nach einer vorangegangenen Ecke!

Jubel beim FFC II

Pia Wunderlich herzt hier Siegtorschützin Jobina Lahr (verdeckt) und teilt ihre Freude mit Jasmin Herbert (rechts) - Patrizia Barucha ist zwecks Gratulation schon auf dem Anmarsch

Trainerstimmen:

Thomas Obliers (09-Coach):
„Eine völlig unnötige Niederlage. Wir haben Chancen genug gehabt, das Spiel für uns zu entscheiden. Nach der 2:0-Führung haben wir nicht mehr genug getan, waren nicht aggressiv genug und uns schon zu sicher gefühlt. Da hat sich eine Spielerin auf die andere verlassen...”

Stephan Fröhlich (FFC 2):
„Zur Halbzeit hatten wir großes Glück, kein Gegentor gefangen zu haben. Spielerisch sowie vom Zweikampfverhalten her waren wir zunächst nicht in der Lage, das Spiel an uns zu reißen. Durch die Umstellung auf 4-4-2 haben wir nach der Pause spielerisch und kämpferisch enorm zulegen können, aber auf einmal liegst du 2:0 hinten. Doch dieser unbändige Wille, das Spiel selbst nach einem 0:2-Rückstand noch gewinnen zu wollen, hat mir mehr als imponiert. Pia Wunderlich hat beim Umbiegen mitgeholfen, aber nicht nur sie, sondern die ganze Mannschaft wollte das Glück geradezu erzwingen. Ich bin sehr stolz auf diese Mannschaft.

Jobina Lahr (Siegtorschützin):
„Ich weiß nicht genau, wie ich den Ball reingemacht habe. Ich bin in die Ecke reingesprungen und auf einmal war er drin. Es war wohl irgendwas zwischen Bandscheibe, Steißbein und Gesäß...”

SG Wattenscheid 09:
Hohlfeld - L. Hoffmann (90. Ganser), Schröder, Debitzki, van Kampen - Götte, Cao, Wermelt - Ninaus, Doorsoun-Khajeh, Tancyus

1. FFC Frankfurt :
Emig - Milbredt, Pankratz, S. Schneider, Seitz - Engel, Lahr, Herbert (89. Baumann), Kantor - Barucha (90. Kiel) , P. Wunderlich (90.+1 Karadag)

Tore:
1:0 Ninaus (53. Foulelfmeter)
2:0 Doorsoun-Khajeh (63.)
2:1 P. Wunderlich (64.)
2:2 P. Wunderlich (70.)
2:3 Lahr (87.)

Gelbe Karten: L. Hoffmann

Schiedsrichterin: Sandra Jung (Kleve)

Zuschauer: 100


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