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2. Bundesliga Süd, 3. Spieltag

Peinlichkeiten im Floschenstadion

VfL Sindelfingen - 1. FC Saarbrücken 1:1 (1:1)

Text und Bilder von Roland Baumann

22.09.2008   Am dritten Spieltag trennten sich der VfL Sindelfingen und der 1. FC Saarbrücken vor überwiegend aus Saarbrücken angereisten Fans in einem denkwürdigen Spiel mit 1:1.

Geprägt von den Ereignissen des letzten Spieltages (der 12:0 Sieg des 1. FC Saarbrücken gegen den Aufsteiger FV Löchgau) ergab sich im Sindelfinger Floschenstadion eine Begegnung, die auch im weitesten Sinne nicht viel mit Fußball zu tun hatte. Der VfL – immerhin aktueller Tabellenzweiter, wie bereits in der Schlusstabelle der letzte Saison – spielte mit einer Viererkette plus Manndeckung für Saarbrückens vermeintlich stärksten Spielerin Dzsenifer Marozsán. Der Rest tummelte

Dzsenifer Marozsán gegen Mara Schanz

Mara Schanz (rechts in blau) lies Dzsenifer Marozsán über 90 Minuten nicht aus den Augen und verhinderte so erfolgreich jegliche Spielbindung der Saarländerin

sich – mit Ausnahme von Tanja Coblenzer – vor dem eigenen Strafraum, peinlichst darauf bedacht, der Mittellinie nicht zu nahe zu kommen. Die Saarländerinnen waren über diese persönliche Freiheit offensichtlich dermaßen überrascht, dass sie eigentlich nie zu ihrem Spiel gefunden haben. Die Art, wie die Gäste dann tatsächlich doch zwei Tore machten, passte so richtig zum Spiel. In Ermangelung an Chancen vor dem VfL-Gehäuse, setzten sich die Gäste den Ball zunächst ins eigene Tor. Eine Abwehrspielerin hatte aus dem Mittelfeld auf die Torhüterin Romina Holz zurückgepasst. Die war allerdings mental mit anderen Dingen beschäftigt und haute glatt über den Ball, der gemächlich seinen Weg weiter bis über die Torlinie fand. Bei der ganzen Aktion war weit und breit keine VfL-Spielerin zu sehen. Der zweite Treffer fiel ebenso zufällig. In der letzten Spielminute der ersten Halbzeit unterlief die sonst sichere VfL-Keeperin Ann-Kathrin Berger einen Eckball, stürzte dabei unglücklich und blieb

Die Fans des FC Saarbrücken

Trotz des eher bescheidenen Spiel machten die Fans des 1. FC Saarbrücken mächtig Stimmung


Das Ausgleichstor von Dani Marie Bridges

Während Ann-Kathrin Berger (rechts) noch verletzt am Boden liegt, gewinnt Dani Marie Bridges das Kopfballduell gegen Claudia Spörl und trifft zum 1:1 ins VfL-Tor

liegen. Der Ball fand den Weg zu Dani Marie Bridges, die wenig Mühe hatte, den Ausgleich perfekt zu machen. Dieses Tor wurde verschiedentlich fälschlich Kelli Cronkrite zugeordnet, doch es war eindeutig Bridges, die den Treffer erzielte.

In der Halbzeit zwei wagte die Heimelf tatsächlich mehr und das Spiel wurde offener. Aber Torchancen blieben trotzdem Mangelware. Mit einem Lob prüfte Tanja Coblenzer in der 62. Minute Romina Holz, die hier aber hellwach war und zur Ecke klärte. Im Gegenzug musste Ann-Kathrin Berger einen Schuss von Sarah Karnbach von der Linie fischen. In der 79. Minute konnte die VfL-Abwehr einen scharfen Schuss von Lisa Schwab gerade noch abblocken. Nach 90 Minuten hatte Schiedrichterin Beatrix Nieder Mitleid mit den Zuschauern und pfiff diesen peinlichen Auftritt ab. Ebenso unverständlich, dass die Verantwortlichen des VfL Sindelfingen in der zweiten Halbzeit die Ballmädchen zurückzogen, die sich dann hinter dem eigenen Tor gemütlich machen. Die Spielerinnen mussten dann tatsächlich selbst den Ball zum Einwurf holen.

Die Ballmädchen

In der 2. Halbzeit saßen die Ballmädchen fröhlich hinter dem VfL-Tor. Die Bälle zum Einwurf mussten die Spielerinnen nun selbst holen

Saarbrückens Trainer Winfried Klein war von seiner Elf maßlos enttäuscht: 'Unter dem Strich war das eine totale Katastrophe, diesen destruktiven Gegner muss man auseinander nehmen.' Besonders harsche Kritik gab es für die vermeintlichen Leistungsträger des FC, die ja bekannt Anspruch auf die Nationalmannschaft erheben. Mit dieser Einstellung sind sie bestenfalls für die Tribüne geeignet. Nico Koutroubis verteidigte sein Spielkonzept. Er sah für seine Elf – mit 10 neuen Spielerinnen - keine Chance gegen Saarbrücken im offenen Schlagabtausch. 'Es war kein schönes Spiel, aber wir sind hier nicht im Zirkus'. Er war mit der


Mannschaftsleistung und vor allem mit dem Ergebnis zufrieden. Für das Rückspiel, wenn sein Team besser eingespielt sein wird, versprach Koutroubis einen anderen Auftritt. Das Floschenstadion war noch nie eine Hochburg für den Frauenfußball. Ob sich aber bei dieser Spielphilosophie nochmals Zuschauer ins Stadion verirren, bleibt abzuwarten.

Lara Lingelbach gegen Kelli Fritz Cronkrite

Dass sich der VfL zu unrecht versteckte, zeigte die Halbzeit zwei. Hin und wieder tauchten die Blauen gefährlich vor dem Gästetor auf, wie hier die eingewechselte Lara Lingelbach im Zweikampf mit Kelli Cronkrite



VfL Sindelfingen:
Berger – Althaus, Schanz, Burger, Spörl, Roth (64. Lingelbach), Fauser, Nowak (77. Koch), Betz (86. Spengler), Grab, Coblenzer

Trainer: Nico Koutroubis

1. FC Saarbrücken:
Holz – Hinsberger, Karnbach, Bridges, Marozsán, Leykauf (55. Arend), Cronkrite, Schwab, Henning, Blank, Kraus

Trainer: Winfried Klein

Tore:
1:0 Eigentor (22.)
1:1 Bridges (45.)

Gelbe Karte: Hinsberger

Schiedsrichterin: Beatrix Nieder

Zuschauer: 150


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