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2. Bundesliga Süd, 18. Spieltag

Robustheit unterliegt Effizienz

TSV Bayer 04 Leverkusen - 1. FFC Frankfurt II 1:4 (0:2)

Text von Martin Kochem

20.04.2009   Gut erholt von der ersten Niederlage im Jahre 2009 vergangener Woche präsentierte sich „die Zweite” des 1. FFC Frankfurt bei deren Gastspiel in Leverkusen und nahm am Ende durch einen absolut verdienten, wenngleich vielleicht um ein Tor zu hoch ausgefallenen 4:1-Sieg beim Nachfolgeverein des TuS Köln rrh alle drei Punkte mit. Doch so klar und eindeutig wie das Ergebnis klingen mag, verlief das Spielgeschehen vor offiziell 180 interessierten Frauenfussballbeobachtern auf der direkt neben der Autobahn A 1 gelegenen Kurt-Rieß-Sportanlage nun auch wieder nicht...

Von Beginn an erarbeitete sich die kampfstarke Werkself optisch ein leichtes Übergewicht im Mittelfeld, wobei insbesondere die Ex-Niederkirchenerin Jaqueline Dünker immer wieder versuchte, das Spiel ihrer Mannschaft über die rechte Außenbahn voranzutreiben. Doch am Strafraum der Gäste war meistens Endstation, was nicht zuletzt an der aufmerksamen Frankfurter Vierkette lag, in welche Leonie Pankratz nach ihrer aus dem U 20-Länderpokal erlittenen Fußverletzung zurückgekehrt war und zusammen mit „Miss Zuverlässig” (Sabrina Schneider) die zumeist sicher stehende Innenverteidigung bildete.

Nach einer fast schon obligatorischen Eingewöhnungszeit auf dem (übrigens hervorragend zu bespielenden) Grün der Kurt-Rieß-Anlage tauchten die Gäste vom Main nach 12 Minuten das erste Mal gefährlich vor dem Bayer-Gehäuse auf, als die immer besser in Form kommende Patrizia Barucha ihre in die Startelf zurückgekehrte Sturmpartnerin Selina Dambier mittels Steilpass herrlich auf die Reise schickte, doch deren Schußversuch genau mittig in den auffangbereiten Armen von Torfrau Lisa Schmitz endete. Fünf Minuten später vertändelten Vanessa Baudzus und Christiane Braun auf halblinker Position gemeinsam den Ball, welcher der sich dort „zufällig” aufhaltenden Barucha vor die Füße sprang und diese kurzerhand mit einem herrlichen Heber aus gut 22 Metern die viel zu weit vor dem Tor stehende Schmitz überwinden konnte.

Jubel beim FFC II

Katharina Kiel Mitte) beglückwünscht Patrizia Barucha (links daneben) zu deren 4. Saisontreffer. Michelle Baumann (ganz links), Jasmin Herbert (Nr. 20) und Selina Dambier freuen sich mit

Bild: Martin Kochem

Dieser Treffer schockte Bayer ersichtlich, denn fortan landeten die langen, mehr oder weniger planlos nach vorne geschlagenen Bälle entweder im Seiten- oder im Toraus. Lediglich nach Standardsituationen wurden die Platzdamen gefährlich, als beispielsweise bereits erwähnte Dünker in der 35. Minute einen direkten Freistoß aus gut 25 Metern Torentfernung an die Querlatte des von U 19-Europameisterin Alisa Vetterlein wieder wohlbehüteten FFC-Gehäuses donnerte. In der 39. Minute vergab Susanne Beer dann die bis dato größte Möglichkeit des TSV, als diese nach einer Linksflanke von Vanessa Wurth das Leder mit dem Kopf nur um Zentimeter verfehlte und die Rettungsaktion von Julia Losert fast mit einem Eigentor anstelle einer Ecke geendet hätte...

Alisa Vetterlein

Bei diesem Freistoß von Jaqueline Dünker braucht Torfrau Alisa Vetterlein letztendlich nicht eingreifen - der Ball prallt von der Latte zurück ins Feld

Bild: Martin Kochem

Was Effizienz dann wirklich bedeutet, deckte der FFC dann quasi mit dem Pausenpfiff schonungslos auf, als Barucha das Spielgerät nach einem Befreiungsschlag aus der eigenen Hälfte technisch gekonnt annahm, kurz schaute, die dies sofort antizipierende sowie in den freien Raum startende Dambier mit einem Traumpass herrlich in die Gasse schickte und diese wiederum mit einem gefühlvollen Heber an der chancenlosen Torfrau Schmitz vorbei ins rechte untere Eck einnetzte - einfach traumhaft ! Leider verletzte sich Dambier bei


Tor Michelle Baumann

Michelle Baumann lässt hier mit einem platzierten Vollspannschuss Torfrau Lisa Schmitz keine Abwehrchance und erzielt das vorentscheidende 3:0 - Teresa Tüllmann (links) kommt zu spät

Bild:Michael Herbert

dieser Aktion erneut und musste in der Kabine bleibend passen - für sie bekam Aylin Karadag auf der Mittelstürmerposition eine weitere Bewährungschance.

Mit gehöriger Wut im Bauch und etwas mehr Schwung kamen die Leverkusenerinnen aus der Kabine und hätten in der 49. Minute beinahe eine Konfusion in der Frankfurter Hintermannschaft ausgenutzt, als Beer eine flache Rechtshereingabe von Audrey Knopp nur knapp verfehlte. Wenig später kam Baudzus nach einer Dünker-Ecke am Fünfmeterraumeck frei zum Kopfball, welcher jedoch nur am Außennetz landete (51.).

Teresa Tüllmann und Anne Engel

Teresa Tüllmann (hier bedrängt von Frankfurts Anne Engel) versuchte immer wieder, das Bayer-Spiel von hinten heraus anzukurbeln - am Ende ohne durchschlagenden Erfolg

Bild: Martin Kochem

Mit der Einwechslung von Jobina Lahr für die leicht angeschlagene Jasmin Herbert nach 57 Minuten gelang es dem FFC dann nach und nach, sich wieder ein wenig zu befreien. Lahr war es dann auch, die Karadag nach 62 Minuten über links schön in Szene setzte, diese kam jedoch nicht zum Schuß und der mittels eines Press-Schlags zustande gekommene Nachschuss von Michelle Baumann strich nur knapp über die Querlatte. Nur weitere vier Minuten später klingelte es dann aber im Kasten von Schmitz ein drittes Mal, als die zusammen mit Anne Engel auf der „Doppelsechs” solide auftretende Melanie Kantor einen Traumpass auf besagte Baumann fabrizierte und diese nach schönem Solo von der rechten Strafraumgrenze abziehend mit einem hart und platzierten Vollspannschuß ins lange Eck unter Zuhilfenahme des Innenpfostens zur Vorentscheidung erfolgreich war.

TSV-Trainerin Doreen Meier setzte unmittelbar nach diesem weiteren Genickschlag alles auf eine Karte und brachte mit Meike Petri für die ausgepowerte Dünker eine weitere Angreiferin, doch der Schuss sollte zunächst weiter nach hinten losgehen... So blieb es der eifrigen Karadag in der 71. Minute nach schönem Engel-Pass vorbehalten, ein weiteres Mal ihre Torgefährlichkeit und Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Gehäuse unter Beweis zu stellen und schob die Kugel vom linken Strafraumeck aus cool ins lange untere Eck - 0:4.

Ayleen Karadag

Auch die dritte FFC-Stürmerin Aylin Karadag durfte sich mit ihrem zweiten Saisontreffer in die Torschützenliste eintragen

Bild: Martin Kochem

Nachdem überwiegend die Bayer-Akteurinnen zuvor bereits durch einige versteckte, von der unauffällig leitenden Schiedsrichterin Jene leider nicht gesehene bzw. geahndete Fouls auf sich aufmerksam gemacht hatten, ließen sich diese selbst nach diesem Treffer nicht einschüchtern und


führten ihr robustes, teilweise auch über die Grenzen des Erlaubten hinausgehende Zweikampfverhalten unentwegt fort und es war schon erstaunlich, dass sich von Stephan Fröhlich´s „Effizienzelf” keine weitere Akteurin ernsthaft verletzte.

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Selina Dambier (Nr. 10) erzielt hier mit dem Pausenpfiff das 0:2 - es war bereits ihr 9. Saisontreffer. Maike Seuren (Nr. 24) und Torfrau Lisa Schmitz haben das Nachsehen

Bild: Martin Kochem

Doch sollte der unentwegte Einsatz der Gastgeberinnen dann letztendlich doch noch von Erfolg gekrönt werden, als Maren Henseler den Ball mustergültig auf Beer durchsteckte und diese mit einem schönen Schlenzer ins rechte obere Eck an der absolut chancenlosen Vetterlein vorbei den Ehrentreffer (81.) erzielen konnte. Kurz vor Toreschluss bewahrte Ruhepol Vetterlein ihre Farben dann noch vor einem weiteren Gegentreffer, als diese aus kurzer Distanz gleich zwei Mal gegen Knopp rettete (88.).

Fazit - siehe Überschrift !

Melanie Kantor

Melanie Kantor (links) wartete mit einigen intelligenten Pässen aus der eigenen Hälfte auf - Vanessa Wurth findet dies „zum Zunge schnalzen”

Bild: Martin Kochem



TSV Bayer 04 Leverkusen:
Schmitz - Braun (46. Kramer), Baudzus, Knopp, Tüllmann - Wurth, Henseler, Heller, Dünker (67. Petri) - Seuren (72. Janßen), Beer

1. FFC Frankfurt II :
Vetterlein - Losert, Schneider, Pankratz, Kiel - Engel, Kantor, Baumann (81. Trach), Herbert (57. Lahr) - Barucha, Dambier (46. Karadag)

Tore:
0:1 Barucha (17.)
0:2 Dambier (45.)
0:3 Baumann (66.)
0:4 Karadag (71.)
1:4 Beer (81.)

Gelbe Karten: Heller, Beer - Baumann.

Schiedsrichterin: Sabrina Jene (Neunkirchen)

Zuschauer: (offiziell) 180 - von mir eher geschätzte 120


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