2. Bundesliga Süd, 22. SpieltagWürdiger SaisonabschlussASV Hagsfeld - 1. FFC Frankfurt II 1:3 (1:0) | ||
Text von Martin Kochem 26.05.2009 Es war genau 15 Uhr 49, als Schiedsrichterin Nathalie Widmann mit dem Schlusspfiff dieser durchaus unterhaltsamen Partie auch gleichzeitig eine großartige Karriere beendete, nämlich die von FFC-Abwehrchefin Sabrina Schneider, die sich im doch noch recht zarten Alter von 25 Jahren schon vor einigen Wochen dazu entschieden hatte, ihre Fußballschuhe bis auf weiteres an den Nagel zu hängen. Nach fünf Spielzeiten in der ersten (1999 bis 2004 beim FSV Frankfurt) sowie fünf weiteren „herrlichen Jahren” (Zitat Sabrina) in der 2. Bundesliga (übrigens ausnahmslos bei der zweiten Mannschaft des 1. FFC Frankfurt) fiel nicht nur ihr der Abschied ersichtlich schwer, sondern auch ihrem sie allzeit unterstützenden Vater Robert, der seine Tochter noch minutenlang im Arm hielt und in diesen Momenten sichtlich bewegt (vergeblich) versuchte, nach Worte zu ringen... Zuvor hatte „Miss Zuverlässig” nicht nur ihre letzten 90 von insgesamt 9053 (!) Zweitligaminuten gut über die Bühne gebracht, sondern von ihren Mannschaftskameradinnen auch noch das schönste aller Abschiedsgeschenke bekommen - nämlich einen am Ende hochverdienten 3:1-Auswärtssieg, welcher letztendlich allerdings nicht mehr den ersehnten Sprung auf Platz 4 der Abschlusstabelle mit sich brachte, da Konkurrent Wattenscheid doch überraschend klar beim Ableger des frisch gebackenen Women´s Cup-Sieger FCR 2001 Duisburg die Oberhand behalten hatte - sei´s drum... . ![]() Die frühe Führung durch Stefanie Schielinski (links) reichte dem ASV nicht - am Ende hatte der FFC (hier mit Christina Plessen) die Nase vorn
Die Partie begann vor 180 Zuschauern trotz drückender Schwüle und Temperaturen von weit über 25 Grad Celsius äußerst schwungvoll. So setzte Hagfelds Claudia Weigand nach drei Minuten einen Heber aus 17 Metern sowohl über Frankfurts Torfrau Ramona Emig als auch über deren Kasten hinweg ins Aus. Auf der Gegenseite kam der FFC durch die nach langer Zeit mal wieder für „die Zwote” auflaufende Kristina Brenner zur ersten Torgelegenheit, doch die erst vor kurzem in den Kader der U 19-Nationalmannschaft Nachberufene hämmerte die Kugel nach herrlicher Kombination über Maike Trach und Jasmin Herbert völlig freistehend über das Tor (7.). Wenig später sollte es dann aber klingeln - allerdings im Kasten der Gäste: Milena Weigand schickte die antrittschnelle Stefanie Schielinski mit einem genau getimten Steilpass auf die Reise, diese umkurvte die chancenlose Emig und schob locker zur frühen Hagsfelder Führung ein. Das sollte es dann aber auch schon nahezu gewesen sein, was die mit großen Verletzungssorgen angetretenen Badenserinnen in der ersten Halbzeit anboten, denn in der Folge spielte nur noch eine Mannschaft - der „kleine FFC”. Mit ansehnlichem Kombinationsspiel wurde sich gegen die nunmehr sehr tief stehenden Karlsruherinnen Chance um Chance herausgearbeitet - einzig und allein wollte das Runde nicht ins Eckige... ![]() Kristina Brenner (links) fiel an diesem Tage besonders durch ihr mannschaftsdienstliches Spiel positiv auf - nur mit der Chancenverwertung haperte es ein wenig...Sarah Kniel (ASV) kommt hier zu spät So spielte Brenner nach 22 Minuten ihre Sturmpartnerin Selina Dambier herrlich frei, doch die vergab völlig freistehend aus 13 Metern und drosch die Kugel knapp über´s Tor. Sechs Minuten später revanchierte sich Dambier mit feinem Zuspiel auf Brenner, die aus ähnlicher Position allerdings nur den linken Torpfosten traf. In der 32. Minute blieb dann der eigentlich fällige Elfmeterpfiff der ansonsten ordentlich leitenden Unparteiischen aus, als ein Gewaltschuss von Maike Trach aus 13 Metern zentraler Position von einer Hagsfelder Abwehrspielerin in Torwartmanier gleich mit beiden Händen abgewehrt wurde, was zur Verwunderung aller jedoch lediglich die Ausführung eines Eckballs nach sich zog. ![]() FFC-Toptorjägerin Selina Dambier (Nr. 10) brachte den FFC mit ihren Saisontoren 12 und 13 auf die Siegerstraße |
Packendes Luftduell zwischen Milena Weigand (ASV, links), Maike Trach (FFC, Mitte) und Stefanie Scheilinski (ASV, rechts). Laura Couto-Rodriguez (ASV,ganz links), Julia Losert (FFC, daneben) sowie Sabrina Schneider (Nr. 4) schauen gespannt zu | |
Die Hessinnen dominierten das Spielgeschehen nunmehr eindeutig und hielt dabei das Tempo trotz der für alle Akteurinnen unangenehmen äußeren Bedingungen erstaunlich hoch. Herbert mit einem allerdings zu unplatzierten Linksschuss nach vorangegangenem Brenner-Dribbling (38.) sowie Dambier aus der Drehung über das Tor (43.) vergaben weitere Großchancen der Gäste. Der ASV indes tauchte nur noch einmal „zufällig” vor dem gegnerischen Gehäuse auf, doch ein 20 m-Schuss von Sabrina Dirks (42.) aus halblinker Position wurde von der stets aufmerksamen Emig problemlos entschärft. So blieb es bis zur von allen doch arg herbeiersehnten Pause bei der mehr als schmeichelhaften Führung der Bieser-Elf, welche nach dem Seitenwechsel die erste nennenswerte Aktion zu verbuchen hatte. Ähnlich wie beim Führungstreffer war wiederum Schielinski mit einem langen Ball auf die Reise geschickt worden, doch deren Heber aus gut 25 Metern war etwas zu hoch angesetzt. ![]() Milena Weigand , hier gegen Jasmin Herbert am Ball, leitete durch ihren klugen Pass die Hagsfelder Führung ein Nachdem FFC-Coach Fröhlich zu Beginn der zweiten Halbzeit Leonie Pankratz für die völlig ausgepumpte Mirella Junker eingewechselt hatte, musste die in den letzten Wochen gesundheitlich ohnehin schon arg gebeutelte frisch gebackene Abiturientin nur zehn Minuten später wieder passen... Mit Michelle Baumann sowie Katharina Kiel (kam für die leicht angeschlagene Maike Trach) schöpfte Fröhlich relativ früh sein Auswechselkontingent komplett aus - und sollte für diesen mutigen Schachzug umgehend belohnt werden... Nach einer Ecke der besagten Kiel konnte Torfrau Stefanie Schäfer einen Herbert-Kopfball gerade noch abwehren, der Nachschuss von Christina Plessen wurde von der vielbeinigen ASV-Abwehr abgeblockt, doch gegen den mit viel Übersicht von der Strafraumgrenze aus ins linke Eck geschlenzten Ball von Julia Losert war die Hagsfelder Schlussfrau chancenlos (58.). Auf der Gegenseite kam Jennifer Soyk in der 63. Minute aus 18 Metern zentraler Position frei zum Schuss, doch dieser strich denkbar knapp über die Querlatte. Nur sechs Minuten später erlief sich Kiel auf der rechten Außenbahn einen aussichtslos scheinenden Ball, flankte buchstäblich von der rechten Eckballfahne aus in die Mitte, der Ball senkte sich über die in dieser Szene indisponierte ASV-Abwehr einschließlich Torfrau Schäfer hinweg auf die instinktiv am langen Pfosten lauernde Selina Dambier, welche sodann keine Mühe mehr hatte, die ihr direkt auf die Füße gefallene Kugel volley über die Linie zu schieben. Nach dieser hochverdienten Führung setzten die Gäste weiter nach, doch klatschte der schulmäßige Kopfball von Kathi Kiel nach herrlicher Linksflanke von Jobina Lahr nur an das Quergebälk des ASV-Gehäuses (72.). ![]() Wertvoll, da wohl einmalig - das Abschlussfoto einer bewegenden FFC 2-Saison 2008/09 Nur zwei Minuten später verpasste abermals die sehr stark aufspielende Brenner die Vorentscheidung, als diese nach einer Traumkombination über Lahr und Dambier am rechten Strafraumeck frei zum Schuß kam, doch Schäfer per Klasse-Fußabwehr retten konnte. Das Spiel stand jetzt auf des Messers Schneide und im Gegenzug setzte Claudia Weigand einen Kopfball nach Freistoß von Dirks nur denkbar knapp am FFC-Gehäuse vorbei. In der 79. Minute hatte der dann FFC in Form von Kristina Brenner abermals Pech, als deren 25m-Knaller von Schäfer an den Pfosten bzw. zur Ecke gelenkt wurde. Eine Dublette des zweiten Frankfurter Tores brachte sodann die Gäste vom Main endgültig auf die Siegerstraße, als die abermals am Fünfmeterraumeck allein gelassene Dambier eine wiederum von der rechten Torauslinie hereingezirkelte Brenner-Flanke locker eindrücken konnte (81.). Kurz |
danach verletzte sich ASV-Torfrau Schäfer ohne Fremdeinwirkung so schwer, dass diese -mangels vorhandener planmäßiger Ersatztorhüterin- durch Feldspielerin (!) Sandra Recktenwald ersetzt werden musste.
Trotz der Tatsache, dass ein von den Gästefans in der Nachspielzeit spaßeshalber eingeforderter Elfmeterpfiff mit anschließend verwandelten Strafstoß von Sabrina Schneider bloße Wunschvorstellung blieb, reichte es auch so zum verdienten Auswärtssieg, den FFC-Coach Fröhlich zuvor als sein nachträgliches Geburtstagsgeschenk vehement eingefordert hatte. ![]() Gewiss eines DER Bilder der FFC 2-Saison: Mara Milbredt (in zivil) bedankt sich bei Robert und Sabrina Schneider für die letzten 5 gemeinsamen Jahre - da bleibt kein Auge trocken...
ASV Hagsfeld: Zwei Urgesteine verlassen den Verein: Sabrina und Robert Schneider
... und hier noch zum Abschluss eine nette Statistik von Sabrina Schneider (1. FFC Frankfurt 2):
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