2. Bundesliga Süd, 21. SpieltagViele Tränen, das Ende einer Serie und ein zerplatzter Traum1. FFC Frankfurt II - VFL Sindelfingen 2:0 (1:0) | ||
Text und Bilder von Martin Kochem 18.05.2009 Einen emotional äußerst bewegenden Nachmittag sollten über 100 Freunde des Frauenfußballs an der Bezirkssportanlage in Nieder-Eschbach erleben, welche dem sportlich etwas brisanter erscheinenden Duell des FFC-Nachwuchses gegen den Aufstiegskandidaten aus dem Schwabenländle gegenüber dem parallel stattfindenden „Klassiker” der Erstligamannschaft gegen den Erzrivalen aus Potsdam den Vorzug gegeben hatten... Die ersten Krokodilstränen rollten dabei schon vor dem Anpfiff, als FFC-Vorsitzende Doris Dietmayr zu den Klängen von Andrea Bocelli´s „Time to say goodbye” neben Jobina Lahr (wechselt zur 2. Mannschaft des Hamburger SV) und Vanessa Schäfer (Karrierepause nach schweren Verletzungen) auch vollen Herzens die wohl verdienteste Spielerin verabschiedete, welche die 2. Mannschaft des FFC jemals erleben durfte - Sabrina Schneider. ![]() Die feststehenden Abgänge nach dieser Saison: Sabrina Schneider (links) sowie Vanessa Schäfer (mitte) beenden bzw. unterbrechen ihre Karriere jeweils aus persönlichen Gründen, Jobina Lahr (rechts) zieht's in den hohen Norden in ihre Traumstadt Hamburg Doch auch ihr Vater Robert, seines Zeichens selbst langjähriger Co-Trainer der „Zweiten”, Dauerbrenner sowie Wegbereiter (und das nicht nur seiner eigenen Tochter) in Personalunion ging nicht leer aus und freute sich mindestens genauso über das ihm gemachte Abschiedsgeschenk wie dessen Tochter über den ihr überreichten Blumenstrauß... Ganz und gar nicht sentimental, sondern äußerst forsch gingen die FFC-Youngsters von Beginn an zu Werke und hatten bereits nach zwei Minuten die erste Torgelegenheit, als Jasmin Herbert nach tollem Solo bzw. Ablage von Patrizia Barucha aus 22 Metern halbrechte Position abzog und der Ball nur knapp am linken Torpfosten vorbeistrich. Nur vier Minuten später warf sich Sindelfingens Nadine Beck mit derart vollem Einsatz in einen Gewaltschuss von Maike Trach, dass sie danach einige Minuten behandelt werden musste, jedoch kurze Zeit später weitermachen konnte. ![]() Anne Engel (rechts) hält hier U 17-Nationalspielerin Leonie Maier in Schach und zeigte in der Innenverteidigung eine mehr als ansprechende Leistung Vom Tabellenführer und bis dato Aufstiegsfavoriten Nummer eins war in der Anfangsphase relativ wenig zu sehen. Offensichtlich schienen die Sindelfingerinnen vom engagiert und trotz der Niederlagenserie der letzten Wochen erstaunlich selbstbewusst auftretenden Gegner, welcher ja erst drei Wochen zuvor mit 5:0 vom heimischen Platz gefegt werden konnte, doch etwas überrascht zu sein... So dauerte es geschlagene 25 Minuten, bis die erste halbwegs nennenswerten Chance von „Sifi” notiert werden konnte. Nach einer Nachlässigkeit in der aufgrund großer Personalprobleme abermals neu formierten FFC-Viererkette (Anne Engel und die erstmals in der „Zweiten” zum Zuge kommende Christina Plessen ergänzten das gewohnte Duo Schneider/Losert) kam plötzlich Nicole Rolser frei zum Schuss, doch die Vierfachtorschützin aus dem Hinspiel setzte die Kugel etwas überhastet links neben das heute wiederum von Ramona Emig gehütete FFC-Gehäuse. Kurze Zeit später (30.) kam Karin Burger an der Strafraumgrenze zum Schuss, verzog jedoch volley deutlich über das Tor. ![]() Entsetzt verfolgt VFL-Trainer Niko Koutroubis von der Seitenauslinie aus, wie sein Team so kurz vor dem Ziel verkrampft Dann kamen die fünf ganz starken Minuten der auf der rechten Außenbahn äußerst auffällig agierenden Maike Trach, die zunächst einen Distanzschuss aus 25 Metern abfeuerte (33.), anschließend mit einem raffinierten Heber aus knapp 40 Metern nur denkbar knapp scheiterte (38.) und nur eine Minute später nach schönem Zusammenspiel mit Jasmin Herbert in Torfrau Ann-Katrin Berger ihre Meisterin fand (39.). |
Anne Engel (hier beim Kopfball gegen Karin Burger) hat hier die Lufthoheit im Frankfurter Strafraum inne - Maike Trach (Nr. 8) und Sabrina Schneider (Nr. 4) beobachten sie dabei vertrauensvoll | |
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Die bis dahin größte Torchance des gesamten Spiels besaß im unmittelbaren Gegenzug Laura Grab, doch deren Kopfball nach vorangegangener Ecke konnte Julia Losert gerade noch so von der Torlinie köpfen (40.).
![]() Christina Plessen fügte sich gut in die Viererabwehrkette ein und schirmt hier das Leder clever vor Mara Schranz ab Doch wer nun den großen Sindelfinger Sturm und Drang erwartet hatte, sah sich eines Besseren belehrt. Zwar waren die von den etwa 30 mitgereisten Fans mit Trommeln lautstark unterstützten Gäste jetzt öfter im Ballbesitz, jedoch wurden die Bälle zumeist schon im Mittelfeld geradezu hergeschenkt. Und beim nunmehr immer öfter praktizierten Versuch, mit Steilpässen die schnellen Spitzen Nicole Rolser und Susanna Höller in Szene zu setzen, schnappte die vom Innenverteidigerpärchen Engel/Schneider bestens organisierte Abseitsfalle der Frankfurter ein ums andere mal erbarmungslos zu. Überhaupt war es nochmals eine Augenweide mitanzusehen, wie Sabrina Schneider in ihrem letzten „Heimspiel” ihre Nebenleute kommandierte, diese bei kleineren Fehlern immer wieder aufbaute sowie anfeuerte und so ganz nebenbei auch noch das Spiel ihrer Mannschaft über die beiden starken Doppelsechsen Melanie Kantor (links) und Mirella Junker (rechts) immer wieder antrieb. ![]() Nicole Rolser (links) machte diesmal gegen Sabrina Schneider keinen Stich
Gefährliche Strafraumszenen sowie Torchancen blieben jetzt hüben wie drüben Mangelware und bis auf einen Heber (47.) sowie ein Schüsschen (69.) von Dambier brachten auch die Hessinnen jetzt offensiv nicht mehr allzu viel zustande.
![]() Christina Plessen läßt hier elegant Nina Müller aussteigen und bekannte nach Spielende gegenüber ihrem "Aushilfstrainer" Stephan Fröhlich: "es hat richtig gekribbelt, in so einem Spiel ran zu dürfen" Von Minute zu Minute stieg beim Aufstiegskandidaten die Nervosität an und man konnte den allesamt nahezu wie gelähmt auftretenden Spielerinnen die Verkrampfung des „Siegenmüssens” regelrecht ansehen. Nichts mehr zu sehen von der Leichtfüßigkeit, mit welchem man dem kleinen FFC noch drei Wochen zuvor dessen deprimierenste Saisonniederlage beigebracht hatte. Da halfen auch die drei Auswechslungen innerhalb von 15 Minuten nichts mehr - die Gäste schienen sich vielmehr mit ihrem Schicksal abgefunden zu haben... Für den wohl endgültigen „Knock out” aller Sindelfinger Aufstiegsträume sorgte dann ausgerechnet die heute eher unauffällige aber letztendlich doch sehr effektive Selina Dambier, die eine Linksflanke der erst kurz zuvor eingewechselten Abwanderin Jobina Lahr an der Strafraumgrenze annahm und sodann mit Schmackes ins rechte obere Toreck ballerte (87.). Mit diesem 2:0 war der Käse endgültig gegessen und nachdem Nina Müller völlig freistehend aus 9 Metern nur die Querlatte des von Ramona Emig sicher |
gehüteten Gehäuses getroffen hatte, war es um 15 Uhr 48 amtlich: der 1. FC Saarbrücken steht nach seinem gleichzeitigen 4:0-Heimerfolg mit mehr als einem Bein wieder in der 1. Bundesliga ! Eine freute sich aber nach Abpfiff der ordentlich leitenden Schiedsrichterin Doris Kausch ganz besonders - die sichtlich noch immer gerührte Sabrina Schneider, die nicht nur von ihrer selbst befürchteten fünften gelben Karte verschont geblieben war, sondern darüber hinaus auch noch stolz das Ende einer schwarzen Serie vermeldete: ”Mein erster Sieg gegen Sindelfingen und das noch als Kapitän - das ich das noch erleben durfte...” Während sich kurze Zeit später alle Mitspielerinnen auf die nur 1,59 m kleine Sombornerin stürzten, lagen die von sich und der Welt enttäuschten „Sifis” tränenüberströmt am Boden und mussten von deren Ex-Mitspielerin Maren Heller minutenlang getröstet werden... ![]() Die erst vor der Saison von Sindelfingen nach Frankfurt gewechselte Maren Heller (rechts) hatte nach Abpfiff alle Hände voll zu tun, ihre ehemaligen Mannschaftskameradinnen (wie hier Nadine Rolser) zu trösten
Kurz und schmerzlos analysierte VFL-Coach Niko Koutroubis das Spiel und die Lage der Liga: ![]() Ohne Kommentar - für Leonie Maier (links) und Nicole Rolser war nach dem Schlusspfiff der große Traum von der 1. Liga geplatzt
Stolz wie Oskar war hingegen Frankfurts in den letzten Wochen doch arg gebeutelter Coach Stephan Fröhlich: ![]() Auch wenn's hier so aussieht - als begossener Pudel fühlte sich FFC2-Coach Stephan Fröhlich am Ende nun wahrlich nicht...
1. FFC Frankfurt II:
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