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2. Bundesliga Süd, 17. Spieltag

Riesenschritt für Saarbrücken

1. FFC Frankfurt II - 1. FC Saarbrücken 0:1 (0:0)

Text von Tom Schlimme

14.04.2009   Es war ein sehr gutes Spiel, welches beide Mannschaften bei schönstem Osterwetter vor 450 Zuschauern ablieferten, technisch und spielerisch aus dem sonst in der zweiten Liga gebotenen Niveau absolut herausragend. Am Ende hatte der Tabellenführer aus dem Saarland dann den Tabellendritten im eigenen Stadion knapp, aber verdient mit 1:0 besiegt und damit einen Riesenschritt in Richtung Aufstieg getan.

Es fehlt zwar immer noch dieser eine Punkt, den der Konkurrent aus Sindelfingen auf der Minuspunktseite noch vorne liegt, doch eigentlich alle, mit denen ich nach dem Spiel gesprochen haben, waren sich sicher, dass der VfL Sindelfingen in den noch ausstehenden zwei Spielen gegen und in Frankfurt mindestens diesen einen Punkt lassen wird. Denn leicht taten sich die Saarbrückerinnen, die mit einem Torverhältnis von 60:6 angereist waren, bei der starken jungen Nachwuchself des FFC Frankfurt nicht.

Pia Wunderlich gegen Vicky Hinsberger

Pia Wunderlich (rechts)ist nach ihrer über einjährigen Verletzungspause noch nicht ganz die alte, aber es geht vorwärts. Hier hat sie es mit Saarbrückens Innenverteidigerin Vicky Hinsberger zu tun

Bild: Michael Geist

Die erste Halbzeit verlief ausgewogen, beide Teams spielten munter nach vorne, ohne dabei aber die jeweilige Abwehr zu entblößen. Frankfurts Coach Stephan Fröhlich konnte dabei mit Pia Wunderlich, die nach ihrer Verletzung langsam besser in Schwung kommt und die 90 Minuten durch spielte, eine erfahrene Kraft in den Sturm stellen. In der Abwehr vertrat Christina Zerbe aus dem Kader der ersten Mannschaft die verletzte Leonie Pankratz in der Innenverteidigung. Für Saarbrücken stürmten Selina Wagner und Lisa Schwab, die beide in der Torschützeliste der 2. Bundesliga Süd ganz vorne liegen, in der ersten Reihe.

Die erste Torchance hatte der FFC in der dritten Minute, doch Saarbrückens Keeperin Romina Holz kam rechtzeitig heraus und blockte die am Strafraum mit dem Ball auftauchende Jasmin Herbert noch ab. Eine Minute später fing Frankfurts linke Verteidigerin Julia Losert die schnelle Saarbrücker Stürmerin Christina Arend mit einem Klasseeinsatz gerade eben noch ab. Nach diesem stürmischen Beginn blieb es eine Weile hauptsächlich bei Mittelfeldaktionen, ehe in der 15. Minute wieder Arend zu einer Torgelegenheit kam, aber knapp verzog. In der 24. Minute wurde eine aussichtsreiche Szene von Arend durch einen unverständlichen Abseitspfiff unterbrochen, dabei hatte Arend sich selber den Ball vorgelegt. Wieder auf der anderen Seite klärte Holz erneut im Herauslaufen, diesmal vor Wunderlich, und nur eine Minute später mußte Frankfurts Keeperin Alisa Vetterlein ebenfalls im Herauslaufen ihre Stärke beweisen, was sie gegen Nadine Keßler souverän erledigte.

Nadine Keßler gegen Christina Zerbe

Das Saarbrücker Spiel ist nicht mehr ganz so zugeschnitten auf Nadine Keßler (links) wie vor deren langer Verletzungspause, doch das erhöht nur die Variabilität. Keßler, hier gegen Christina Zerbe, ist nach wie vor eine der auffälligsten Spielerinnen im Team

Bild: Michael Geist

Nach einem schönen Lauf von Lisa Schwab, die von links kam und aus spitzem Winkel voll abzog, zeigte Vetterlein dann einen Klassereflex und entschärfte so auch diese Saarbrücker Gelegenheit. Übrigens kam es nicht zum Aufeinandertreffen der beiden Vetterlein-Schwestern, weil die bei Saarbrücken spielende Laura Vetterlein mit der U17-Auswahl des DFB bei der EM-Qualifikation in Ungarn eingesetzt wurde. Alisa Vetterlein dagegen mußte schon wenige Minuten später Kopf und Kragen riskieren, als sie gegen Christina Arend im Zweikampf am Boden Siegerin blieb. Eine gute Gelegenheit vor der Halbzeitpause hatte dann noch der FFC, als eine Flanke von Michelle Baumann sich gefährlich auf das Saarbücker Tor senkte, aber Holz kam noch mit einer Faust an den Ball.


Lisa Schwab gegen Katharina Kiel

Das Tor des Tages: Lisa Schwab setzte sich in der 82. Minute gegen Katharina Kiel durch und zog flach und platziert ab - fast zu platziert, der Ball traf den Pfosten, bevor er ins Tor sprang!

Bild: Michael Geist

In der zweiten Hälfte erhöhten dann die Gäste den Druck. Es war klar, Saarbrücken mußte gewinnen, um die Aufstiegshoffnungen am Leben zu erhalten. So wurde das Saarbrücker Spiel offensiver, die Abwehr aber offener, und Frankfurt konterte im eigenen Stadion. Doch Nadine Kraus, stark auf der rechten Saarbrücker Abwehrseite, rettete in höchster Not in der 54. Minute, ansonsten wurde es doch meist nur noch vor dem Frankfurter Tor gefährlich. Dzenifer Marozsan, deren Wechsel von Saarbrücken nach Frankfurt für die nächste Saison ja in der Woche bekannt geworden war, legte einen super Lauf hin und wurde erst von Keeperin Vetterlein gestoppt. Dann erwischte Schwab den Ball nicht richtig und donnerte ihn in den blauen Osterhimmel, statt abzugeben, was in dieser Situation besser gewesen wäre. In der 63. Minute ging dann ein Kopfball der für Wagner gerade erst eingewechselten Dani Bridges über das Tor.

Dzenifer Marozsan gegen Jobina Lahr

Dzenifer Marozsan (links), hier im Zweikampf mit Jobina Lahr, bot gegen die zweite Mannschaft ihres künftigen Vereins ein gutes Spiel und zeigte einige Male ihre starke Technik.

Bild: Michael Geist

65 Minuten waren gespielt, da ging Schwab wieder links durch, doch ihre gefährlich aufs Tor kommende Flanke wurde von Vetterlein gerade noch mit einer Hand über die Latte gewischt. Zur großen Freude der Frankfurter Fans konnte dann erstmals nach ihrer Verletzung Selina Dambier wieder eingewechselt werden, die allerdings in der Sturmspitze in der Folge nicht viele Bälle bekommen sollte, denn Saarbrücken wurde immer stärker. Marozsan vergab eine gute Gelegenheit nach Vorarbeit von Keßler, doch die ganz große Torgelegenheit, die dann auch mal verwandelt werden konnte, fehlte noch.

Irgend etwas ging immer schief, so als Bridges aus der Drehung frei zum Schuss kam, aber vor lauter Drehen so die Orientierung verloren hatte, dass der Ball weit neben das Tor ging. Es dauerte bis zur 82. Minute, ehe die Entscheidung fiel. Lisa Schwab kam auf links im Stil einer Birgit Prinz durch und schoss mit links flach auf das lange Eck. Der Ball traf den Pfosten und sprang ins Tor. Die restlichen Minuten spielte das Saarbrücker Team dann routiniert herunter und ließ nichts mehr anbrennen.

Julia Losert

Julia Losert erhielt für ihre starke Leistung auf der linken Abwehrseite ein Sonderlob vom Frankfurter Trainer

Bild: ViolA

Insgesamt ein aufgrund der zweiten Halbzeit hochverdienter Erfolg für den Aufstiegsaspiranten gegen einen starken Gegner, der im Jahr 2009 bis dahin noch unbesiegt war. „Das war ein Spiel zweier Mannschaften auf Augenhöhe, hier gewinnt man nicht so einfach, das habe ich schon vorher gesagt”, erklärte Saarbrückens Trainer Winfried Klein nach dem Spiel. „Wir mußten uns diese drei Punkte hart erarbeiten!” So konnte Klein mit seinem Team zufrieden


sein, massiv enttäuscht zeigte er sich aber vom Verhalten einiger weniger Saarbrücker Fans, die in der ersten Halbzeit die eigenen Spielerinnen durch unflätige Rufe attackiert hätten.

„Die Spielerinnen hören das und werden irritiert, 97% der Fans verhalten sich super, aber es kann nicht sein, dass einzelne Fans die Spielerinnen derart angreifen, nur weil man gegen einen starken Gegner erst einmal nur ein ausgeglichenes Spiel bieten kann!” haderte Klein mit Teilen des Publikums. Ich möchte ihn hier unterstützen. Ich habe inzwischen schon etliche Spiele von Saarbrücken gesehen und bewundere den großen Einsatz, den die Fans dieser Mannschaft immer wieder zeigen. Auch in Frankfurt waren die sehr zahlreich aus dem Saarland angereisten Fans mit vielen Bannern und anfeuernden Sprechchören vorbildlich dabei. Es wäre schade, wenn die Arbeit vieler von einigen ganz wenigen kaputt gemacht würde. Die Leistung der Saarbrücker Spielerinnen auch schon in der ersten Halbzeit war absolut in Ordnung, erstens, zweitens, selbst wenn eine Spielerin mal nicht so gut spielt, sollten wir als Fans sie doch aufbauen und unterstützen und nicht demoralisieren! Vielleicht lesen diejenigen, die es betrifft, diese Zeilen und denken darüber nach.

100 Prozent Uschi

Die Fans des 1. FC Saarbrücken waren wieder einmal zahlreich und mit vielen Bannern erschienen. Hier ein Banner der Saarbrücker Fansite „Wir-sind-uschi.de". Klasse Fans, weiter so!

Bild: Tom Schlimme

Frankfurts Trainer Stephan Fröhlich war trotz der Niederlage nicht unzufrieden. „Ich muss meinem Team ein Kompliment machen, es hat gegen den Favoriten eine Klasseleistung gebracht. Wenn man die hohen Siege von Saarbrücken in den letzten Wochen betrachtet, auch gegen starke Mannschaften wie beim 3:0 gegen Sindelfingen, dann hat sich unser Nachwuchs hier prächtig geschlagen!”

Da der unmittelbare Tabellennachbar des FFC Frankfurt II, der FCR Duisburg II, in Hagsfeld nur unentschieden spielte, bleibt Frankfurt auch nach dem 17. Spieltag auf einem dritten Tabellenplatz, mit dem vor der Saison wohl kaum jemand gerechnet hätte.




1. FFC Frankfurt II:
Vetterlein - Kiel, Zerbe, Schneider, Losert - Engel, Kantor, Baumann (66. Dambier), Herbert (74. Trach), Barucha, P. Wunderlich

1. FC Saarbrücken:
Holz - Kraus, Hinsberger, Cronkrite, Leykauf - Karnbach, Marozsan, Keßler, Arend (82. Schinkel), Wagner (60. Bridges), Schwab (89. Kaiser)

Tor:
0:1 Schwab (82.)

Gelbe Karten: Kantor

Schiedsrichterin: Christine Weigelt (Leipzig)
mit Josephine Hempel und Martin Wadewitz

Zuschauer: 450


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