Von Christian Heidler
05.12.2007
Soviel war sicher: Ganz gleich wie das Spiel ausgehen würde, der USV Jena stand schon als Herbstmeister fest. Dies war
den Verantwortlichen Grund genug, allen Besuchern der letzten Partie vor der Winterpause freien Eintritt zu gewähren.
Die drei erzielbaren Punkte gedachte der Gastgeber freilich nicht zu verschenken, wird doch schließlich in der Saale-Stadt
der Aufstieg in die Erste Bundesliga angestrebt. Doch da war ja auch noch der Gegner...
...der dem Spitzenreiter die bislang einzige Punktspielniederlage beigebracht hatte. Ohne die damals bei der
Studentenwelt- meisterschaft weilenden Topstürmerinnen Ivonne Hartmann (vor dem heutigen Spiel zehn Tore) und Sabrina
Schmutzler (13) hatte sich der USV den Frankfurterinnen mit 0:1 geschlagen geben müssen. Doch dass Jenas Offensivabteilung
an diesem Ersten Advent wieder gut bestückt war, zeigte sich nach dem Ende der Abtastphase schnell: Eine weite Flanke
von Sylvia Arnold wurde von Schmutzler volley an die Latte geschossen (neunte Minute). Zwei Minuten später sorgte erneut
Jenas Sturmspitze für Gefahr vor dem Frankfurter Tor, doch ihr Kopfball verfehlte sein Ziel. In der 16. Minute war es
dann aber soweit: Steffi Scheitler flankte von der Grundlinie links genau auf die in der Mitte lauernde Hartmann, die
den Ball sicher im Tor einnetzte.
Eine der auffälligsten Spielerinnen der
Begegnung: Jenas Spielführerin Ivonne Hartmann, Torschützin zum 1:0.
Foto: FF USV Jena
Die Führung hatten sich die Thüringer durchaus verdient, zeigten sie sich doch robuster im Zweikampfverhalten und
sicherer im Kombinationsspiel, sodass die Gäste überwiegend in ihrer eigenen Hälfte gefangen waren. Doch die Reserve des
Deutschen Meisters schlug alsbald zurück. Ein über die Abwehr geschlenzter Pass erreichte Mirella Junker in der Spitze,
die ihrer Gegenspielerin entlief und U23-Nationaltorhüterin Tessa Rinkes keine Chance ließ (19.).
Frankfurt kam infolge besser in die Partie und zu weiteren Torgelegenheiten wie durch Spielführerin Vanessa Schäfer (21.,
Schuss gehalten) oder die enorm lauffreudige Patrizia Barucha (31., daneben). Aber auch Jena tauchte immer wieder vor dem
von Ramona Emig gehüteten Gehäuse auf, wobei viele Angriffe über die rechte Seite in Person der schnellen Schmutzler
eingeleitet wurden. Die gefährlichste Aktion stellte aber ein Fernschuss von Stephanie Krämer dar, den Emig aber halten
konnte (34.).
Bereits nach einer halben Stunde war Frankfurts Interimstrainer Stephan Fröhlich genötigt, den ersten Wechsel vorzunehmen.
Für die angeschlagene Jasmin Hebert kam Mira Krummenauer auf den Rasen und belebte fortan das Frankfurter Spiel. In deren
Reihen spielten diesmal auch Sarah Günther und Pia Wunderlich. Die beiden Aktiven der ersten Mannschaft wollten sich nach
ihren Verletzungen wieder Spielpraxis erwerben und sorgten mit ihrer Erfahrung für mehr Ordnung im Spiel der „jungen
Wilden.“
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Vier Punkte aus Hin- und Rückrundenspiel: der FFC bejubelt den Auswärtszähler.
Foto: Christian Heidler
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„Enger an die 10!“ schallte es immer wieder über das Spielfeld, wenn Sandra Höhn ihre Abwehr dirigierte. Gemeint war damit
Pia Wunderlich, die sich immer wieder in die Offensive einbrachte, bei der aber Licht und Schatten wechselten. Höhn konnte
aber ihre Anweisungen und Aufmunterungen nur vom Spielfeldrand aus geben. Aufgrund einer Kreuzbandver- letzung aus dem
Spitzenspiel gegen Sindelfingen wird Höhn ihrem Team länger nicht zur Verfügung stehen können. Das von Jenas Trainerin
Heidi Vater zutiefst bedauerte Fehlen der Abwehrspezialistin war ein gewichtiger Grund, weshalb die Verteidigung des
Tabellenführers des öfteren in Schwierigkeiten geriet. Denn in einer kurzweiligen und ausgeglichenen zweiten Halbzeit,
in die Jena mit Theresa Müller für Stephanie Pompl startete, zeigten sich die Gäste weiterhin angriffslustig.
Dabei hätte Jena gleich zu Bginn der zweiten Hälfte erneut in Führung gehen können als Sylvia Arnold frei vor Emig
auftauchte, mit ihrem Schuss aber an der Torhüterin scheiterte und auch Hartmann im Nachschuss den Kasten verfehlte.
Weitere Chancen der Thüringer folgten durch Krämer (50., knapp daneben) und die Ex-Frankfurterin Hartmann
(69., Emig hält).
Beide Mannschaften agierten mit viel Einsatz und lieferten sich alles andere als ein besinnliches vorweihnachtliches
Beisammensein. Trotz vieler Freistöße war die Begegnung frei von Überhärte und Nickligkeiten. Die gut leitende Annett
Grußer hatte die Partie jederzeit im Griff und brauchte keine Karten zu zeigen.
Julia Arnold sicherte die linke Abwehrseite bei Jena.
Foto: Christian Heidler
Zahlreiche Torchancen hüben wie drüben gaben dem Spiel hohen Unterhaltungswert. So konnte Rinkes rechtzeitig vor der
steil geschickten Barucha klären (73.) und Emig einen Jenaer Freistoß von Hartmann entschärfen (75.). Als Barucha erneut
frei auf Rinkes zulief, konnte Jenas Torfrau den Schuss gerade noch mit dem Fuß parieren. Junker vergab die
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Nachschussmöglichkeit (77.). Gleich darauf zwei Schrecksekunden auf der Gegenseite: Schmutzler rutschte im Strafraum
knapp an einer Hereingabe vorbei woraufhin der Ball ebenso knapp den Pfosten passierte.
Bis in die Schlussminuten blieb es spannend, lag ein Treffer in der Luft. Durchatmen noch mal in der 89. Minute auf
Frankfurter Seite, als der Ball im Strafraumgewühl eine gefühlte Ewigkeit nicht vom eigenen Tor wegbefördert werden konnte.
Dann Erleichterung auf Seiten der etwa hundert Jenaer Anhänger, als Günther in der Schlussminute an Rinkes scheiterte.
Letztlich war das Unentschieden das gerechteste Ergebnis. So sah es auch Jenas Trainerin, die allerdings mit der
Leistung ihrer Elf nicht recht zufrieden war. Ihr Gegenüber Stephan Fröhlich machte seinem Nachnamen alle Ehre und hatte
auch allen Grund dazu. Sein Team, aus dem er niemanden gesondert hervorheben wollte, hatte seine Vorgaben bestens
umgesetzt und eine geschlossene Mannschaftsleistung geboten. Jenas Betreuerin Elke Schmidt gegenüber kündigte Fröhlich an,
Frankfurt wolle auch noch gegen Sindelfingen punkten und sich somit bei Jena bedanken.
So klang der letzte Spieltag des Jahres insgesamt harmonisch aus, zumal nicht nur „Ivi“ Hartmann alte Bekannte
begrüßen konnte sondern auch Anja Taubert (ex Jena) und die aus Leipzig angereiste spielfreie Safi Nyembo (ehemals
Frankfurt).
Statistik
Jena
Rinkes - Schwarz, J. Arnold, Krämer, Groll, Scheitler, S. Arnold, Pompl (46. Müller), Höfer (70. Milde), I. Hartmann,
Schmutzler
Frankfurt
Emig - Milbredt, Seitz, S. Schneider, Günther, Schatton, Schäfer (82. Röhrig), Herbert (30. Krummenauer), Junker
(87. Pankratz), P. Wunderlich, Barucha
Tore
1:0 I. Hartmann (17.)
1:1 Junker (19.)
Verwarnungen: -
Schiedsrichterin
Annett Grußer (Großlehna)
Zuschauer: 110
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