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2. Bundesliga Süd, 4. Spieltag

Unglaubliche Torgelegenheiten

1. FFC Frankfurt II - FCR Duisburg II 0:0

Text und Bilder von Tom Schlimme

18.9.2007   Solange ich beim Fußball zuschaue, noch nie habe ich ein Spiel mit einer derartigen Fülle an brisanten Torszenen gesehen, die allesamt vergeben wurden. Mehrmals Latte, mehrmals aus zwei Metern vorbei oder drüber, es war einfach nicht zu fassen. Und das auf beiden Seiten! In der zweiten Halbzeit war die Partie an Spannung kaum noch zu überbieten und um Klassen interessanter als das Spiel Deutschland - England, obwohl am Ende genauso ein torloses Unentschieden herauskam.

Es war das erste Mal, dass ich die im Rahmen des neuen Nachwuchkonzeptes zu einer kleinen U23 umgebaute neue zweite Mannschaft des 1. FFC Frankfurt gesehen habe. Ich kannte die jungen Spielerinnen zwar schon aus der dritten Mannschaft des FFC und wußte, dass da guter Nachwuchs heranwächst, aber ich hätte nicht erwartet, dass so viele gleichzeitig so schnell Fuß fassen würden in der 2. Bundesliga. So standen Jeanette Seitz und Jasmin Herbert, beide Jahrgang 1991, Melanie Kantor, Leonie Pankratz, beide Jahrgang 1990, später eingewechselt dann auch noch Michelle Baumann und Janine Dutschmann, beide auch Jahrgang 1991, gleichzeitig auf dem Platz. Die genannten spielen alle ihre erste Saison in der 2. Liga, dazu standen dann noch mit Vanessa Schäfer und Selina Dambier zwei ´89er Jahrgänge in der Anfangsformation, die letztes Jahr schon zum Stamm der Zweiten gehörten.

Melanie Kantor und Steffi Goddard

Eine der ganz jungen Frankfurterinnen, Melanie Kantor, die am 19.9. 17 Jahre alt wird, im Kopfballduell mit der deutlich erfahreneren Steffi Goddard (rechts)

Auch die zweite Mannschaft des FCR Duisburg ist ja in erster Linie der Nachwuchsarbeit verpflichtet, mit Lisa Quast (Jahrgang 1991) und Ilka Pedersen (1990), später eingewechselt dann noch Eyline Lupprich (1990) standen dann aber doch deutlich weniger ganz junge Spielerinnen auf dem Platz, die unterstützt wurden von etlichen Spielerinnen mit Erstligaerfahrung: Lena Hohlfeld im Tor, Annemieke Kiesel, Nicole Bender, die nach Verletzungspause Spielpraxis sammeln sollte, aus der ersten Mannschaft, dazu noch mit Steffi Goddard, mit 16 Treffern in der vergangenen Saison für Gütersloh noch dritte in der Torschützenliste der 2. Bundesliga Nord, eine weitere hochkarätige Unterstützung.

Nicole Bender  und Jeanette Seitz

In altgewohnter Kampfstärke dabei: Nicole Bender (links), hier gegen Jeanette Seitz

Für die insgesamt aber auch noch junge Mannschaft aus Duisburg geht es erst einmal darum, nach dem Aufstieg den Sprung in die 2. Bundesliga zu bewältigen, und der Gast zeigte, dass man da auf einem sehr guten Weg ist. In der ersten Halbzeit war Duisburg klar überlegen, schnürte das Team des FFC Frankfurt zeitweise in deren eigenen Hälfte ein. Allerdings war in der Nähe des Strafraums meist Schluss, Torszenen gab es relativ wenige. Wurde es doch einmal brenzlig, konnte immer wieder Sarah Schatton, von Frankfurts neuer Trainerin Wiltrud Melbaum in der Innenverteidigung eingesetzt, klären.

In der 12. Minute schoss Kiesel über das Frankfurter Tor, in der 30. Minute wurde wiederum Kiesel im Strafraum gut angespielt, konnte aber den Ball nicht schnell genug kontrollieren, der Winkel wurde zu spitz und Frankfurtes Torfrau Barbara Legrand - insgesamt mit Spitzenleistung in


Sarah Schatton klärt

Eine typische Szene: Sarah Schatton klärt hier, wie so oft in diesem Spiel, diesmal vor Yvonne Zielinski. Die zweite Frankfurter Innenverteidigerin Sabrina Schneider, ebenfalls mit einem sehr guten Spiel, feuert an. Im Tor Barbara Legrand, mit der 2 Sabrina Weyers.

diesem Spiel - hielt Kiesels Schuss. In der 36. Minute Goddard mit Direktabnahme hoch drüber, in der 37. war Nadine Kirsch rechts durch, doch statt zur besser postierten Goddard abzugeben, schoss sie selber vorbei. Für die Duisburger Überlegenheit waren das zu wenige Chancen, und 100%-ige waren nicht dabei. Auf der Gegenseite steht nur eine allerdings gute Chance für Selina Dambier in der 42. zu Buche, dann schlug Fiona Röhrig in der 44. den Ball in höchster Not von der Frankfurter Torlinie, und mit dieser bis dahin besten Chance des Spiels ging es dann in die Pause.

Wiltrud Melbaum hatte in der Kabine wohl die richtige Ansprache für ihre Spielerinnen gefunden, denn nach dem Seitenwechsel war es eine ganz andere Partie. Die vorher noch so zaghaften, im Mittelfeld hoffnungslos unterlegenen jungen Frankfurter- innen drehten plötzlich auf und hielten jetzt voll dagegen. Das Spiel wogte jetzt ausgeglichen hin und her, und Frankfurt kam zu Chancen. Leonie Pankratz holte in der 54. eine Ecke heraus, der Ball landete bei Sarah Schatton, die mit einem schönen Schuss die Latte des Duisburger Tores traf. Der Ball sprang von der Latte senkrecht hoch und landete genau auf dem Kopf der für die verletzte Vanessa Schäfer eingewechselten Anja Taubert. Doch die köpfte völlig freistehend drüber!

Lena Hohlfeld

Wie Nadine Angerer gegen England: Duisburgs Keeperin Lena Hohlfeld wollte im Herauslaufen einen von Selina Dambier (Nr.9) über sie gehobenen Ball wegköpfen und verpasste. Doch der Ball rollte neben das Tor!

Auch Duisburg kam zu weiteren Torgelegenheiten, in dieser Phase vor allem durch Nadine Kirsch, doch entweder hielt Legrand, oder Jeanette Seitz war noch dazwischen, oder irgend ein Bein fälschte den Ball noch ab. Die nächste richtig dicke Chance wieder für Frankfurt, doch Melanie Kantor, schön freigespielt von Jasmin Herbert, verlor völlig frei allein mit dem Ball vor Lena Hohlfeld die Nerven und schoss an Hohlfeld, aber auch am Tor vorbei. Damit hatte Frankfurt nach der verkorksten ersten Halbzeit nun die zwei besten Chancen des Spiels gehabt und vergeben. Eine dritte folgte sogleich, Dambier sah Hohlfeld zu weit vor dem Tor, hob den Ball über die Keeperin drüber, der Ball prallte vor dem Tor auf, sprang hoch - und an die Latte!

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Riesenchance für Selina Dambier (Nr.9, oberes Bild). Dambier hob den Ball über Keeperin Lena Hohlfeld drüber, der Ball prallte vor dem Tor auf, sprang hoch, an die Latte und dann hoch ins Spielfeld zurück

Doch auch Duisburg kam zu hochkarätigen Torgelegenheiten: zu Beginn der letzten Viertelstunde köpfte die eingewechselte Nadja Deyke vorbei, wenig wurde dann


wieder einmal Kirsch gefährlich, schoss den Ball jedoch aus zwei Metern an die Latte. Frankfurts Keeperin Legrand wehrte dann in der Schlussphase noch zweimal mit Klassereflexen bei Angriffen aus kürzester Entfernung ab, und in den letzten Minuten der Partie ging es nur noch hin und her, in beiden Strafräumen brannte die Luft. Als alle schon auf ein Unentschieden eingestellt waren kam Duisburg noch einmal zu einem super vorgetragenen Konter. Ich glaube, es war wieder Kirsch, die mit dem Ball aufs Frankfurter Tor zuging und zur völlig freistehenden Julia Bolle weitergab - doch Bolle schoss aus kürzester Distanz am leeren Tor vorbei. Eine Szene, die zum Spiel passte!

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Beide machten ein gutes Spiel: Links Selina Dambier, Frankfurts Stürmerin, hier gestört von Hue-Man Cao, ganz stark in der Duisburger Innenverteidigung

So stand es auch an vergebenen Großchancen unentschieden. Auch ungewöhnlich: beide Teams machten mit dem einen Punkt einen Sprung nach oben in der Tabelle, weil die unmittelbaren Tabellennachbarn alle verloren. Duisburgs Trainer Jürgen Raab erklärte, vor dem Spiel mit einem Punkt aus Frankfurt zufrieden gewesen zu sein, doch angesichts der überlegenen ersten Halbzeit seines Teams könne er mit dem 0:0 nicht mehr glücklich sein. Die zweite Halbzeit sei aber ein hochklassiges Zweitligaspiel gewesen. Sein gerade aufge- stiegenes Team mache noch zu viele Fehler, die gelte es mit der Zeit abzustellen, dann würden auch noch die nötigen Siege kommen. Auch Frankfurts Trainerin Wiltrud Melbaum sah Duisburg in der ersten Halbzeit besser. Ihre jungen Spielerinnen hätten zuerst zu zaghaft gespielt, Angst vor der eigenen Courage gehabt. In der zweiten Halbzeit sei dann der Mut dagewesen, die Bälle zu fordern und nach vorne zu gehen.

Ich kann nur sagen, ich bin froh, bei diesem spannenden und in der 2. Halbzeit wirklich guten Spiel gewesen zu sein. Wie groß der Einsatz auf beiden Seiten war, konnte man auch an der Erschöpfung auf beiden Seiten nach dem Schlusspfiff erkennen, als praktisch alle Spielerinnen erst mal auf den Platz sanken und völlig fertig mit den Kräften waren. Danke für dieses tolle Spiel an alle Akteurinnen!



1. FFC Frankfurt II

Legrand - Röhrig, Schneider, Schatton, Seitz - Kantor, Pankratz, Krummenauer (46. Baumann), Herbert, Schäfer (24. Taubert, 67. Dutschmann), Dambier

FCR Duisburg II

Hohlfeld - Weyers (59. Lupprich) , Cao, Quast, Jürgen, Zielinski (76. Bolle), Pedersen, Bender, Kiesel, Goddard (66. Deyke), Kirsch

Tore: Keine

Gelbe Karte: Schneider

Schiedsrichterin: Angelika Söder (Schwarzenbruck)

Zuschauer: ca. 70


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