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2. Bundesliga Süd, 5.Spieltag

"Der Teamgeist stimmt!"

1. FFC Frankfurt II - VfL Sindelfingen 2:1 (1:0)

Text von Tom Schlimme
Fotos von Peter Henkel

16.10.2006   "Der Teamgeist stimmt!" So einfach brachte es Andy Pfaff, der Trainer der zweiten Mannschaft des 1. FFC Frankfurt, nach dem Spiel auf den Punkt und erklärte damit die Serie von vier gewonnenen Spielen seiner Spielerinnen in Folge, die auch vom Aufstiegsaspiranten aus Sindelfingen nicht durch- brochen werden konnte.

Allerdings war sich Pfaff mit seinem Trainerkollegen aus Sindelfingen, Günter Rommel, einig, dass der Sieg vor allem aufgrund der ersten Halbzeit verdient war. In der zweiten Halbzeit war Sindelfingen deutlich stärker geworden, die Gäste erspielten sich eine klare Feldüberlegenheit, konnten aber den Zwei-Tore-Vorsprung aus den ersten 48 Minuten nicht mehr einholen.

Spielszene

Mit Kampf zum Erfolg: Kim Kulig (im roten Trikot von Sindelfingen) wurde hier von Sabrina Schneider (am Boden) abgeblockt. Im Hintergrund v.l. Fiona Röhrig und Anne Engel

Aufwind bekamen die Sindelfingerinnen dabei vor allem nach der gelb-roten Karte für die Frankfurterin Sarah Schatton in der 55. Minute nach wiederholtem Foulspiel. Dabei war das letzte Foul keineswegs besonders hart gewesen, aber nachdem gerade kurz vorher Annika Stunz die gelbe Karte gesehen hatte und klar war, dass Schiedsrichterin Doris Kausch bemüht war, aufkommende Härten zu unterbinden, einfach zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt geschehen.

Birgit Bernhart, Tanja Hees, Claudia Spörl

Die auch heute wieder sehr starke Frankfurter Stürmerin Birgit Bernhart wird hier von Tanja Hees und Claudia Spörl erfolgreich abgeblockt

Aber auch ohne die zahlenmäßige Überlegenheit, der VfL wäre in der zweiten Halbzeit auf jeden Fall noch einmal aufgekommen. In dem Team steckt mehr Potential, als in der ersten Halbzeit gezeigt werden konnte. Vorne wuselte Tanja Coblenzer, die ihren ersten Platz in der Torschützenliste nach diesem Spieltag jetzt mit drei anderen Spielerinnen teilen muss (7 Treffer), hinten stand die Abwehr um die robuste Tanja Hees meist sicher, aber bei fast jeder Spielerin aus Sindelfingen wechselten gute Aktionen auch immer wieder mit leichten Fehlern ab.

Völlig unerklärlich bei dieser doch teilweise erstligaerfahrenen Mannschaft ist mir die Schwäche bei Freistößen, von denen der VfL ein halbes Dutzend in aussichtsreichen Positionen am Rande des Frankfurter Strafraums zugesprochen bekam, aber alle kläglich vergab. Auch die Eckbälle wirkten nicht besonders gefährlich, wobei aber auch die gute Frankfurter Torhüterin Marleen Wissink einigen Anteil an der Entschärfung der Situationen hatte. Dann täte auch eine größere Entschlossenheit beim Nutzen der Torchancen auf Sindelfinger Seite nicht schlecht. So in der 15. Minute, als Kim Kulig sich alleine im Strafraum durchsetzte, statt zu schießen zu lange zögerte, sich abdrängen ließ und nur noch ein Schüsschen zustande brachte.


Tor durch Theresa Betz

Mit diesem Schuss erzielte Theresa Betz den Anschlusstreffer für Sindelfingen, Jasmin Jannermann kann nicht mehr eingreifen. Doch am Ende blieb es beim 2:1 für Frankfurt

Es war aber auch ein Verdienst der heute insgesamt sicheren Frankfurter Abwehr, dass den Sindelfingerinnen vorne so wenig gelang. So konnte Frankfurts Innenverteidigerin Anne Engel in der 27. und 30. Minute die gefährliche Coblenzer gleich zweimal noch in der Nähe des Elfmeterpunkts vom Ball trennen.

Eve Chandraratne und Annika Stunz

Hierfür gab es Elfmeter: Im Strafraum muss Eve Chandraratne (rotes Trikot) den Arm vom Gesicht ihrer Gegnerin (Annika Stunz) fern halten, sonst ist der Pfiff berechtigt

Das 1:0 in der 43. Minute resultierte dann aus einem Elfmeter, den Frankfurts Stürmerin Patrizia Barucha souverän versenkte. Vorausgegangen war ein Foul von Eve Chandraratne an Annika Stunz knapp innerhalb des Strafraums. Das 2:0 kurz nach der Pause ist der Schlafmützigkeit der Sindelfingerinnen bei Standardsituationen geschuldet, denn ein Freistoß von Schatton getreten trudelte derart gemütlich in den Strafraum, dass er eigentlich ohne Mühe abzuwehren gewesen wäre. Statt dessen kam mit Barucha eine der kleinsten Spielerinnen auf dem Platz (1,62m) unbedrängt mit dem Kopf an den Ball und konnte so ihren zweiten Treffer an diesem Tage erzielen.

Sabrina Schneider, Jasmin Jannermann und Michaela Althaus

Michaela Althaus kommt hier gegen Jasmin Jannermann (am Boden) und Sabrina Schneider zum Flanken, doch in der Mitte war niemand zur Stelle

Danach fand das Spiel dann fast nur noch in der Frankfurter Hälfte statt, wobei aber die Sindelfinger Angriffsbemühungen meist schon vor der Strafraumgrenze abgewehrt wurden. Die Frankfurterinnen hielten mit dem schon erwähnten Teamgeist dagegen, Sindelfingen fand, wie es hinterher auch ihr Trainer Rommel ausdrückte, nicht die richtigen Mittel, um sich ausreichende Chancen zu erspielen. Immerhin gab es noch einen Fallrückzieher von Coblenzer nach Zuspiel von Kulig zu sehen, der aber vorbeiging, und nach einer unübersichtlichen Situation im Frankfurter Strafraum konnte Theresa Betz im Nachschuss den Anschlusstreffer erzielen. Auf Frankfurter Seite waren sich zwar einige sicher, dass hier ein Sindelfinger Handspiel vorausgegangen war, aber hinterher wollte sich niemand mehr deswegen echauffieren, schließlich blieb es ja beim 2:1-Erfolg.


Ich möchte aber doch noch beiden Teams und beiden Trainern meine Bewunderung aussprechen, dass sie die in meinen Augen - und der vieler anderer Zuschauer um mich herum - eher dürftige Schiedsrichterleistung mit geradezu stoischer Ruhe über sich ergehen ließen. Schiri Kausch lag einige Male schlicht daneben mit ihren Entscheidungen, hatte auch keine klare Linie bei ihren Karten. Während die Gelb-Rote gegen Schatton recht hart war, kam später Jasmin Jannermann nach einem deutlich härteren Foul an Michaela Althaus ohne Karton davon, und bei einem überharten Einsteigen von Angelika Rößler, die die durchgebrochene Vanessa Schäfer vom Ball trennte, indem sie einfach Spielerin samt Ball ummähte, wurde noch nicht einmal auf Foul entschieden. Der DFB ist hier gefordert, mehr für die Ausbildung der Schiedsrichterinnen zu tun. Zum Beispiel würde eine Beobachtung und Reflexion durch einen Schiedsrichterkollegen auf der Tribüne viel helfen, denn wie soll sich sonst eine Schiedsrichterin weiterentwickeln, die mangels Fernseh- oder Videobilder keine Gelegenheit hat, ihre Entscheidungen noch einmal überprüfen zu können?

Tanja Hees

Jubel bei Frankfurt

Nach dem Spiel: Niedergeschlagenheit bei Sindelfingens Tanja Hees, Jubel beim Nachwuchsteam des 1. FFC Frankfurt

1. FFC Frankfurt II:

Wissink - Sikorski (82. Milbredt), Jannermann, Engel, Schneider - Röhrig, Schatton, Wagner (70. Nyembo), Stunz (65. Schäfer) - Barucha, Bernhart

VfL Sindelfingen:

Donoli – Spörl, Hees, Schanz (49. Julevic), Fauser – Chandrarathe (67. Rößler), Althaus, Müller, Betz – Coblenzer, Kulig

Tore:
1:0 Barucha (41. Foulelfmeter)
2:0 Barucha (48.)
2:1 Betz (71.)

Gelbe Karte: Stunz
Gelb-Rot: Schatton

Schiedsrichterin: Doris Kausch (Essenbach)

Zuschauer: ca. 200


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