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2. Bundesliga Süd, 17. Spieltag

Gut im Zerstören

1. FFC Frankfurt II - Karlsruher SC 3:0 (1:0)

Text von Tom Schlimme

7.4.2007   Der Karlsruher SC kämpft um den Klassenerhalt in der zweiten Bundesliga Süd, hat sich in der Winterpause verstärkt, in den letzten Spielen wichtige Punkte eingefahren. Also nicht unbedingt eine angenehme Aufgabe für die zweite Mannschaft des 1. FFC Frankfurt, die sich bereits in den letzten Heimpartien gegen vermeintlich leichte Gegner schwer tat.

Und es wurde wirklich richtig schwer für Frankfurt, denn das Team aus Karlsruhe kämpfte, wie es sich gehört, wenn man das Unmögliche noch möglich machen will, und setzte den Schwerpunkt ganz klar auf das Zerstören der Frankfurter Spielzüge, weniger auf eigene Aktionen. Sicherlich auch der einzige Weg, wie man sich mit Glück noch aus dem Tabellenkeller herausarbeiten kann, aber natürlich nicht angetan, um ein schönes Fußballspiel entstehen zu lassen.

Sabrina Rastetter

Wiedersehen am Brentano Bad: Sabrina Rastetter, links im Bild, zeigte an alter Wirkungsstätte, dass sie auch im Karlsruher Trikot das Fußballspielen nicht verlernt hat, auch wenn die taktischen Zwänge sie heute in die Abwehr schickten. In der Mitte Alexandra Demos, rechts Atanaska Nasabova

Bild: Peter Henkel

Pech dabei für Karlsruhe, dass bereits in der ersten Spielminute der Ball aus dem eigenen Tornetz herausgeholt werden mußte. Ein steiler, hoher Ball aus dem Mittelfeld landete vor Frankfurts Stürmerin Selina Dambier, sprang vor ihr hoch, während die Karlsruher Torhüterin Tanja Bacher ihr entgegenkam. Dambier tat das einzig richtige und lupfte das Leder hoch über Bacher in die Maschen. Von Karlsruher Abwehrspielerinnen war in dieser Szene nichts zu sehen.

Birgit Zieger

Hier hat die Karlsruher Keeperin Tanja Bacher den Ball sicher vor Stefanie Wagner (links), Birgit Zieger muss nicht mehr eingreifen

Bild: Peter Henkel

Wenig später hätte es leicht 2:0 stehen können, als Dambier sich auf links durchsetzte und eine hohe Flanke nach innen zog, die aber Frankfurts Goalgetterin Birgit Bernhart nur mit der Nase und nicht mit der Stirn erwischte. Nasenbluten statt Tor, das tat weh, und Bernhart mußte erst einmal behandelt werden.
Die Spielerinnen des KSC steckten nun aber keineswegs auf, sondern hielten kräftig dagegen. Sabrina Rastetter, die für den 1. FFC Frankfurt früher schon einige Erstligaspiele bestritten hat, hielt die Karlsruher Abwehr gut zusammen und sorgte dabei hin und wieder noch mit klugen Pässen nach vorne für Gefahr. Im Mittelfeld lief auf beiden Seiten kaum etwas zusammen, immer wieder landete der Ball nach wenigen Stationen beim Gegner oder im Aus.

KSC-Fans

Kampfgeist nicht nur bei den Spielerinnen, auch die Karlsruher Fans gaben alles!

Bild: Peter Henkel

Karlsruhe kam in der 18. Minute zu einer Chance, aber die aufmerksame Frankfurter Torhüterin Barbara Legrand zeigte ihre besondere Klasse im Herauslaufen und erwischte den Ball gerade noch vor Atanaska Nasabova. Adriana Burtica holte dann die erste Ecke für Karlsruhe heraus, schoss diese auch gleich selber. Elena-Manuela Ducan nahm den Ball volley auf, doch weit vorbei. Auf der anderen Seite erwischte Keeperin Bacher einen Ball noch rechtzeitig vor Jasmin Jannermann, ein Schuss der von ihrem Kreuzbandriss genesenen und erstmals in einem Frankfurter Trikot auflaufenden Ex-Pots- damerin Karolin Thomas ging knapp vorbei. Dann hatte Dambier noch eine gute Schusschance, aber


Selina Dambier

Selina Dambier, die hier den Ball führt, schoss zwei Tore gegen Karlsruhe und drei Tore beim letzten Auswärtsspiel in Regensburg. Keine schlechte Bilanz! Trotzdem war es heute nicht eines ihrer besten Spiele... Links die Karlsruherin Melanie Seel, hinten Anne Engel, Jasmin Jannermann, rechts Karolin Thomas und ganz hinten rechts Frankfurts Keeperin Barbara Legrand.

Bild: Peter Henkel

auch auf der anderen Seite wurde es noch einmal vor der Pause gefährlich, doch Legrand rettete mit einem Klassereflex vor Nasabova. Insgesamt blieb es aber ein chancenarmes Spiel mit viel Mittelfeldgeplänkel.

Dies änderte sich dann auch nach dem Pausenwechsel nicht, im Gegenteil, in der zweiten Hälfte wurde teilweise ein übles Gekicke geboten, in dem gar nichts mehr zu gelingen schien. Bestes Beispiel ein Elfmeter in der 50. Minute für ein Foul - ich habe keines gesehen, bin mir aber nicht sicher - von Melanie Seel im Strafraum, den Birgit Bernhart neben das Tor semmelte. Für Karlsruhe kam wenig später Birgit Zieger zur Schusschance, doch auch dieser Schuss ging geradezu kläglich vorbei.

Birgit Bernhart

Dieser Seitfallrückzieher von Birgit Bernhart ging weit über das Tor. Im Abschluss war die Frankfurter Goalgetterin heute etwas unglücklich, doch den zweiten Treffer ermöglichte sie durch ihre Balleroberung

Bild: Peter Henkel

Besonders nervend für die Zuschauer, dass kaum einmal ein Spielzug gelingen wollte. Die Frankfurter Spielerinnen waren klar technisch überlegen und mancher Hackentrick war einen Moment lang schön anzusehen, doch schnell war wieder ein Karlsruher Bein dazwischen und der Ball im Aus. Susi Hartel, nach langer Verletzungspause wieder für Frankfurt auf dem Platz, zeigte einige schöne Tricks, doch viel ging ihr aufgrund der fehlenden Spielpraxis dabei auch daneben. So zog Hartel nach etwa einer Stunde aussichtsreich aufs Tor, Bacher kam ihr entgegen, legte sich eigentlich zu früh, doch statt den Ball über die Keeperin zu heben, schoss Hartel sie an. Aus der resultierenden Ecke erwuchs dann eine Chance für Dambier, doch die schoss den Ball in die Gegend. Wie gesagt, dieses Spiel war nicht immer schön anzusehen...

Karolin Thomas

Karolin Thomas ging in ihrem ersten Spiel nach überstandenem Kreuzbandriss bereits wieder voll in die Zweikämpfe, hier gegen Melanie Kustermann, und erzielte das 3:0 mit einem sehenswerten Weitschuss

Bild: Tom Schlimme

Und es ging gerade so weiter: ein schlechter Abschlag von Bacher landete bei der eingewechselten Eyleen Aschenbach, die brachte wieder Dambier in Schussposition, doch wieder vorbei. Geschenk nicht angenommen. In der 77. Minute wurde es dann vollends kurios. Ein schlechter Rückpass - oder was auch immer das sein sollte, näherte sich außerhalb des Strafraums der Karlsruher Torauslinie. Keeperin Bacher wollte eine Ecke verhindern, lief hin, und bekam prompt von Birgit Bernhart,


die einfach einen Riecher für solche Situationen besitzt, den Ball abgenommen. Bernhart gab den Ball vor das Tor und Dambier markierte relativ mühelos das 2:0. Wenig später gab es dann auch den einzigen guten Schuss des Spiels zu sehen, als Karolin Thomas von der Strafraumgrenze unhaltbar zum 3:0 ins lange Eck abzog.

So kam Frankfurt dann doch noch zum erhofften Ergebnis, mit dem sich der FFC auf dem dritten Tabellenplatz festsetzen konnte, während Karlsruhe weiterhin die Rote Laterne tragen muss. Doch die nächsten Gegner von Karlsruhe seien gewarnt, die Verstärkungen wirken sich positiv aus und der Kampfgeist der Mannschaft ist ungebrochen. Mit etwas mehr Zeit ließe sich hier sicher eine zweitligataugliche Mannschaft aufbauen, doch aufgrund des Punkterückstandes ist fraglich, ob die Zeit dazu noch da ist. Auf Frankfurter Seite möchte ich Anne Engel noch positiv hervorheben, die eine sehr solide Leistung in der Abwehr bot und für mich heute beste Spielerin auf dem Platz war.

Vor dem Spiel hatte ich erfahren, dass Frankfurts Trainer Andy Pfaff, der die 2. Mannschaft des FFC jetzt zwei Jahre lang betreut hat, zum Saisonende den Verein verlassen will. Pfaff erklärte mir dazu, dass er einfach eine neue Herausforderung suche und im Männerbereich eine erste Mannschaft betreuen möchte. Er möge die Mannschaft des FFC II und die Spielerinnen mögen ihn, doch nun sei es an der Zeit für einen Wechsel. Nachdem Pfaff das Team in den letzten beiden Jahren sehr vorangebracht hat, ist dies sehr schade für den FFC Frankfurt, doch aus der Sicht des Trainers, der schon einmal bei Schalke 04 hospitiert hat, jung und ehrgeizig ist, sehr verständlich.

Andy Pfaff und Marija Kurtes

Frankfurts Trainer Andy Pfaff, hier nach dem Spiel im Gespräch mit der bis auf wenige Szenen gut leitenden Marija Kurtes, sucht neue Herausforderungen und wird den FFC Frankfurt zum Saisonende verlassen

Bild: Tom Schlimme



1. FFC Frankfurt II

Legrand - Röhrig, Schneider, Engel, Milbredt (46. Demos) - Jannermann, Thomas, Wagner (60. Aschenbach), Hartel (Gerlach) - Dambier, Bernhart

Karlsruher SC

Bacher - Nasabova, S. Rastetter, Ducan, Kustermann (82. Severae), Forster, Guthier-Boeuf (63. Ernst), Krauth (46. T. Rastetter), Seel, Zieger, Burtica

Tore:
1:0 Dambier (1.)
2:0 Dambier (77.)
3:0 Thomas (84.)

Gelbe Karten: Seel/Schneider

Schiedsrichterin: Marija Kurtes (Düsseldorf)

Zuschauer: 50


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