Von Christian Heidler 13.5.2006
Sonnenschein und Schützenfest - den Zuschauern auf dem Universitätssportzentrum vor dem Jenaer Ernst-Abbe-Stadion wurde ein schöner Sonntagnachmittag beschert. Während die Heimmannschaft den Slogan „Frauenfußball = Ästhetik + Energie“ gekonnt in Szene setzte, lieferten die Gäste aus Hessen leider nur in der ersten Halbzeit einen positiven Beitrag zu diesem Spiel.
Zunächst gab es ein paar Parallelen zum Kräftemessen beider Teams vor Ort in der letzten Spielzeit. Auch damals war es ein angenehmer Maientag und Jenas Reserve bestritt das Vorspiel gegen den Halleschen FC. Doch diesmal unterlagen die Hallenser mit 2:5, womit sich Jenas Zweitvertretung die Chance bewahrt hat, den derzeitigen Abstiegsplatz in der Regionalliga Nordost noch zu verlassen. Dieser Erfolg schien auch die erste Mannschaft des USV zu großen Taten anzuspornen.
Die Anfangsphase gehörte aber zunächst den Gästen, die in der 3. Spielminute zu ihrer ersten Chance kamen, doch Julia Manger schloß ihr Solo mit einem Schuß links neben das Jenaer Gehäuse ab. Frankfurt spielte gefällig, doch schon in dieser Phase ergaben sich die besseren Tormöglichkeiten für die Gastgeberinnen. Zunächst setzte Sabrina Schmutzler den Ball nach einem Fehler in der FFC-Abwehr noch hoch über das Tor, dann legte sich die selbe Spielerin das Leder zu weit vor, so daß Nicole Janischewski gerade noch retten konnte. Auch die nächste Torszene gehörte wieder Jenas Nr. 6. Mit einem schönen Heber über die völlig unnötig aus dem Kasten geeilte Janischewski beendete Schmutzler einen Jenaer Gegenangriff und es hieß 1:0 für die Thüringer. Kaum drei Minuten später hätte Manger beinahe für den Ausgleich sorgen können, doch die aufmerksame Höhn konnte noch zur Ecke klären.
Ab Mitte des ersten Durchgangs hatten die Gastgeber dann ein deutliches Übergewicht gewonnen. Frankfurt kam nur noch selten aus seiner Hälfte heraus. In der 19. Minute dann ein erneuter Treffer für den USV, dem allerdings aufgrund einer Abseitsstellung die Anerkennung verwehrt blieb. Kurz darauf wieder ein Schuß von Schmutzler, der aber genauso wie später ein Kopfball von Sindy Groß zur Beute der Frankfurter Torhüterin wird. Auch einer sehenswerten Doppelpaßstafette über die rechte Jenaer Seite blieb der krönende Abschluß versagt. Schmutzler konnte beim Schußversuch gerade noch geblockt werden.
 Sabrina Schmutzler, Spielerin des Tages, war schon beim 6:2 Auswärtssieg in
Frankfurt dreimal erfolgreich
Foto: Nora Kruse
Das letzte Drittel von Halbzeit 1 konnte die Frankfurter Reserve wieder etwas ausgeglichener gestalten. Bei einer Riesenchance von Manger hatte endlich auch Jana Burmeister die Gelegenheit ihr Können unter Beweis zu stellen. Danach scheiterte Schmutzler mit einem Fallrückzieher genauso wie Manger auf Seiten der Hessinnen, deren Schuß Burmeisters Tor verfehlte. In der 40. Minute klingelte es dann aber wieder im Tor von Frankfurts Zweiten. Diesmal zeichnete sich Schmutzler als Vorbereiterin aus. Ihre Flanke köpfte Ivonne Hartmann zum 2:0 ein. Vier Minuten später kam es für Frankfurt noch schlimmer. In der Hintermannschaft herrschte Verwirrung, ein Klärungsversuch landete per Abpraller im Netz. Ob
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es ein Eigentor oder wie offiziell verkündet ein Treffer von Groß war, ist nebensächlich, auf alle Fälle war es ein „blödes“ Tor!
Kurz vor dem Ende scheiterte der USV erneut in Person von Schmutzler an der Frankfurter Torfrau. In der Schlußminute prallte Manger im vollen Lauf gegen Sandra Höhn und blieb benommen liegen. Höhn erhielt daraufhin eine etwas fragwürdige gelbe Karte.
Wenig später verabschiedete Schiedsrichterin Ina Michel, die mit der Leitung der Begegnung keine Mühe hatte, die beiden Teams zum Pausentee. Die Jenaer Führung war angesichts der Spielanteile und Chancenverteilung fraglos verdient, wenngleich vielleicht um einen Treffer zu hoch ausgefallen. Die Frankfurterinnen gingen gar nicht erst in die Kabinen, sondern sammelten sich auf einer Wiese, wo Trainer Andy Pfaff seine Anweisungen für Runde 2 mitgab. Doch auch Jenas Trainerin Heidi Vater wird ihre Spielerinnen nicht ohne passende Worte zurück aufs Spielfeld geschickt haben, jedenfalls durchkreuzte die Heimelf schnell alle Frankfurter Pläne, noch mal ins Spiel zu kommen.
 Julia Manger war die offensivstärkste
Frankfurterin.
Archivfoto: Tom Schlimme
Bereits mit der ersten Chance nach Wiederbeginn erhöhte Jena durch Schmutzler auf 4:0. Eine weitere brenzlige Situation vermochte der FFC gerade noch zu klären, indem Anja Taubert, die als ehemalige USV-Spielerin besonders freundlich vom Stadionsprecher begrüßt worden war, das Runde noch von der Torlinie köpfte. Wenig später fiel dann doch das 5:0. Torschützin in der 55. Minute war erneut Jenas Spielerin mit der Rückennummer 6. Und weil es so schön war, traf Schmutzler in der 63. Minute nach Vorlage von Hartmann auch noch zum 6:0. Mit diesem lupenreinen Hattrick krönte die quirlige Stürmerin, die von Frankfurts Abwehr nie zu halten war, ihre herausragende Leistung. Sabrina Schmutzler verdiente sich eindeutig den Titel „Spielerin des Tages“!
Alexandra Demos ging in der 64. Minute vom Platz. Kaum war Kristin Gilles für sie auf dem Feld wurde von der gegenüber liegenden Seite signalisiert, daß die angeschlagene Manger das Spiel nicht mehr fortsetzen könne. Auf der Bank saß nur noch Ersatztorfrau Christina Koch und so mußte sich diese für die verbleibenden 25 Minuten als Feldspielerin beweisen. Weitere Auswechslungen waren bei Frankfurt nun nicht mehr möglich, obgleich es hierfür eine Reihe von Kandidatinnen gegeben hätte. Zumindest bei Demos, Christine Wagner und Selina Dambier sei jedoch angemerkt, daß sie tags zuvor noch mit der 3. Mannschaft das überraschende 6:2 beim Hessenliga-Konkurrenten Germania Wiesbaden erkämpft hatten. Dieses Spiel saß ihnen gewiß noch in den Knochen.
Mit Manger ging dem 1. FFC in der Folge seine in meinen Augen beste Spielerin abhanden, was sich vor allem in der Offensive bemerkbar machte. Zwar bewies Dambier noch eine überdurchschnittliche Laufleistung, aber insgesamt fehlte der Mannschaft in der 2. Halbzeit nahezu jegliche Durchschlagskraft. Die junge Mannschaft ergab sich weitgehend in ihr Schicksal und zeigte kaum noch Gegenwehr. Nach verlorenen Zweikämpfen oder vom Gegner abgefangenen Zuspielen blieben die Frankfurterinnen häufig frustriert stehen anstatt nachzusetzen. Einzig Eyleen Aschenbach zeigte noch etwas Biß. Wenig rühmlich auch, daß Keeperin Janischewski ihrem Trainer gegenüber die Beherrschung verlor und sich im Ton vergriff. Nachdem Pfaff anfangs noch mit lautstarken
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Anweisungen versuchte sein Team zu ordnen, resignierte aber auch er mit der Zeit und verließ seinen Platz auf der Bank bereits fünf Minuten vor Spielende.
 Ivonne Hartmann "schummelte" sich zwischen die Schmutzler-Tore.
Archivfoto: Tom Schlimme
Tina Kopplin hatte da schon lange das 7:0 erzielt (schöner Kopfball in der 68. Minute nach mustergültiger Flanke von Sabrina Herold). Danach hatte der USV offenbar sein Zielwasser verbraucht, was sich gerade bei einer Mehrfachchance der Saalestädterinnen in der 85. Minute zeigte.
Für Jenas Coach gab es also wenig Anlaß zur Unzufriedenheit. Zwar zeigte sich die Abwehr nicht als unverwundbar und die Chancenverwertung ließe sich auch noch optimieren, doch lieferte die Mannschaft insgesamt eine souveräne Leistung ab, mit der auch das Torverhältnis gründlich aufpoliert werden konnte. Außerdem bot das Spiel Jenas Präsidentin Johanna Hübscher auch einen hervorragenden Rahmen für Gespräche mit Sponsoren. Beim USV FF Jena ist man offensichtlich auf einem guten Wege, und der bevorstehende Aufstieg des FC Carl Zeiss Jena in die 2. Bundesliga (Männer) verbessert auch die Chancen, daß der DFB in der thüringischen Universitätsstadt einen geeigneten Standort für ein Sportinternat sieht.
Frankfurts zweite Garde konnte sich unter ungünstigen Bedingungen und ohne Unterstützung aus dem Kader der Bundesligamannschaft nicht behaupten. Der jungen Truppe fehlte eine erfahrene „Leitwölfin“ auf dem Platz. Aber auch die taktische Einstellung erschloß sich mir nicht so ganz. Frankfurt versuchte bis zuletzt das gewohnte offensiv ausgerichtete Spiel aufzuziehen, obgleich spätestens nach dem 5:0 die Verhinderung eines Debakels oberste Priorität hätte haben müssen und ohne Manger kein wirkungsvolles Angriffsspiel mehr möglich war. Nur gut, daß der Klassenerhalt bereits gesichert ist.
 Anne Pochert durfte wie Anna Blässe ab der 60. Minute bei Jenas Kantersieg
mitwirken.
Archivfoto: Sebastian Gille
USV FF Jena:
Burmeister, Scheitler, Höhn (60. Pochert), Herold, Pompl. Schmutzler, Groß, Wenzel (60. Blässe), Hartmann, Groll, Kopplin
1. FFC Frankfurt 2
Janischewski, Schneider, Taubert, Sikorski, Demos (64. Gilles), Röhrig, C. Wagner, Manger (65. Koch), Aschenbach, Sadien, Dambier
Tore:
1:0 Schmutzler (12.)
2:0 Hartmann (36.)
3:0 Groß? (40.)
4:0 Schmutzler (47.)
5:0 Schmutzler (55.)
6:0 Schmutzler (63.)
7:0 Kopplin (68.)
Gelbe Karte: Höhn
Schiedsrichterin: Ina Michel (Stolpen)
Zuschauer: offiziell 120
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