Zweite Liga Süd, vorgezogenes Spiel vom 9. Spieltag

Erstligaspielerinnen machtlos gegen Crailsheim

1.FFC Frankfurt II - TSV 1846 Crailsheim 1:4 (0:3)

Bilder von Nora Kruse
Text von Tom Schlimme

13.11.2005    Auf Crailsheimer Seite hatte man es vor dem Spiel schon befürchtet: Die zweite Mannschaft des 1.FFC Frankfurt, im Mittelfeld der Tabelle angesiedelt, borgte sich für das Spiel gegen den Tabellenzweiten aus Crailsheim tatsächlich Spielerinnen aus dem Kader der ersten Mannschaften aus. Doch auch Nia Künzer im ersten Spiel seit ihrer Operation am Außen- meniskus im Oktober und Judith Affeld, beide Stammspieler- innen der ersten Mannschaft, konnten die deutliche Frankfurter Niederlage gegen den Aufstiegsaspiranten aus Crailsheim nicht verhindern.

Auf dem Papier hatte Frankfurt damit eine starke Truppe aufgeboten, waren doch auch noch die als Ergänzungsspielerin ebenfalls zum Kader der ersten Mannschaft zählende Patrizia Barucha - die allerdings angeschlagen ist und nur eine Halbzeit spielen konnte - und die wiedergenesene Jasmin Jannermann auf dem Zettel zu finden. Doch nach genauerer Betrachtung bleibt nicht viel übrig von scheinbarer Verstärkung: die angeschlagene Barucha blieb blass, die lange verletzte Jannermann muss ihre Form noch finden, Affeld und Künzer, der auch noch die Spielpraxis fehlt, fanden wenig Bindung zu ihren Mitspielerinnen, mit denen sie noch nie in einem Pflichtspiel gespielt hatten.

Nia Künzer und Claudia Nußelt

Nia Künzer (links) im Zweikampf mit Claudia Nußelt. Einer dieser Zweikämpfe im Strafraum führte zum Elfmeter für Crailsheim

Crailsheim dagegen präsentierte sich routiniert und eingespielt, kein Wunder, handelt es sich doch im wesentlichen um eine Mannschaft, die gemeinsam den Aufstieg in die erste Liga geschafft hat, knapp wieder abgestiegen ist und nun um den direkten Wiederaufstieg kämpft. Da weiß jede Spielerin genau, wo ihre Mitspielerin hinläuft, da kennt jede Stärken und Schwächen ihrer Kolleginnen und weiß, wie sie sie anzuspielen hat.

Jasmin Jannermann und Carina Breunig

Crailsheims Flügelflitzerin Carina Breunig, rechts, machte der Frankfurter Abwehr (hier Jasmin Jannermann) schwer zu schaffen

Schon in der zweiten Minute brannte es lichterloh in der Frankfurter Abwehr. Der Ball bewegte sich gute 20 Sekunden wie eine Flipperkugel von Freund zu Feind im Fünfmeterraum, bis er dann doch noch weggeschlagen werden konnte. Crailsheim war von Anfang an hochüberlegen und drückte auf das Frankfurter Tor, Frankfurt dagegen wie im letzten Heimspiel gegen Jena schwach im


Elfmetertor

Frankfurts Torhüterin Nicole Janischewski konnte den von Daniela Held (Nummer 4) geschossenen Elfmeter abwehren, doch der Ball prallte zu Claudia Nußelt, deren Nachschuss unhaltbar war. Mit der 8 Carolin Hörber.

Bild: Peter Henkel

Spielaufbau, mit vielen Fehlpässen, hatte meist schon an der Mittellinie Schwierigkeiten, im Ballbesitz zu bleiben. Die erste Frankfurter Chance war dann auch typischerweise ein schneller Konter über Marie-Joelle Sadien zu Barucha, die sich jedoch den Ball etwas zu weit vorlegte, so dass Crailsheims Torfrau Stefanie Kübler klären konnte.

Sabrina Schneider und Carolin Hörber

Carolin Hörber (links) und Sabrina Schneider im Zweikampf

In der 15. Minute wehrte Künzer einen Freistoß in den Frankfurter Strafraum mit dem Kopf ab, der Ball kam jedoch genau auf Crailsheims Caroline Veeh, die mit einem strammen Schuss von der Strafraumgrenze hoch über die kleine Frankfurter Keeperin Nicole Janischewski das 0:1 erzielte. Nur fünf Minuten später nutzte Nadine Vogt das Chaos in der Frankfurter Abwehr zum 0:2, und damit war das Spiel eigentlich schon entschieden. Da konnte Claudia Nußelt in der 30. Minute am leeren Tor vorbei schießen, ohne dass man auf Crailsheimer Seite dieser Chance hätte nachtrauern müssen. Nußelt wurde dann zweimal im Strafraum von Künzer vom Ball getrennt und kam zu Fall, beide Male forderte der Crailsheimer Anhang lautstark Elfmeter, beim zweiten Mal gab ihn die Schiedsrichterin auch. Torfrau Janischewski, die überhaupt mit einigen starken Reflexen aufwartete, konnte den von Daniela Held getretenen Strafstoß zwar noch abwehren, gegen den Nachschuss von Nußelt war sie dann machtlos. Eine auch in dieser Höhe verdiente Führung für Crailsheim.

Nach dem Seitenwechsel wirkte Frankfurt dann stärker als in der ersten Halbzeit, Trainer Pfaff hatte einige Umstellungen vorgenommen, nahm Künzer weiter nach vorne und gab auch Affeld mehr Offensiv- aufgaben. Außerdem brachte er Selina Dambier für die ange- schlagene Barucha. Dambier wurde dann auch gleich von Affeld im Strafraum gut in Szene gesetzt, brachte aber keinen zwingenden Schuss zu Stande. Wenig später setzte sich Affeld wieder links durch, doch ihre hohe Flanke in den Strafraum wurde zur leichten Beute der Crailsheimer Abwehr, wie insgesamt die Crailsheimer Spielerinnen denen aus Frankfurt an Größe deutlich überlegen waren. Jetzt kam Crailsheim zu schnellen Kontern, doch eine Glanzparade von Janischwski im Stile eines Handballtorwarts bei einem Schuss


von Nußelt aus wenigen Metern verhinderte ein weiteres Tor. Doch bereits nach zehn Minuten war dann auch die Frankfurter Drangphase wieder vorbei, Crailsheim dominierte wieder und profitierte immer wieder von Frankfurter Abwehrschnitzern. So fiel dann auch das 0:4 nach einer von Carolin Hörber getretenen Ecke durch einen direkt volley genom- menen Schuss von Ramona Treyer hochverdient.

Einzig positive Nachricht aus Frankfurter Sicht: Nia Künzer ist wieder fit, sie konnte 90 Minuten durchspielen, und ihr gelang sogar der Ehrentreffer zum 1:4. Künzer eroberte einen Ball am Mittelkreis, sie gab schnell weiter zu Sadien, lief selber in den Strafraum, wo sie den von Sadien schön zuge- spielten Ball dann sicher ins Tor befördern konnte.

Anna Bornhoff und Jasmin Jannermann

Anna Bornhoff (rechts) schoss zwar selbst kein Tor, lieferte jedoch wie alle Crailsheimer Stürmerinnen ein gutes Spiel. Links Jasmin Jannermann.

Fazit: Gegen starke Gegner wie heute Crailsheim oder vor zwei Wochen Jena gibt es für die jungen Talente des FFC Frankfurt nichts zu gewinnen. Verstärkung aus der ersten Mannschaft ist sinnvoll, um die jungen Spieler- innen nicht völlig zu demotivieren, doch Wunderdinge darf man sich davon auch nicht erwarten. Crailsheim hat seine Aufstiegs- ambitionen souverän unter- strichen.

1.FFC Frankfurt II:

Janischewski, Jannermann, Affeld, Sikorski, Künzer, Schneider, Barucha (46. Dambier), Schäfer (72. Gilles), Krummenauer, Sadien, Manger

TSV Crailsheim:

Kübler, Held, Würth (69. Wagner), Hörber, Treyer, Veeh, Vogt (83. Honecker), Breunig, Schmitt, Bornhoff (63. Müller), Nußelt

Tore:
0:1 Veh 15.
0:2 Vogt 20.
0:3 Nußelt 34.
0:4 Treyer 58.
1:4 Künzer 77.

Gelb: Sadien

Schiedsrichterin: Eva Kirschbaum (Veitshöchheim)

Zuschauer: 50


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