2. Bundesliga Nord 19. Spieltag

Glanzloser Favoritensieg

TeBe Berlin - MTV Wolfenbüttel 2:1 (0:0)

Von Matthias Behlert

25.4.2005    Tennis Borussia, noch mit Aufstiegshoffnungen und seit fünf Spieltagen ohne Punktverlust, musste in diesem Heimspiel gegen die um den Klassenerhalt ringenden Wolfenbüttelerinnen zweifellos als haushoher Favorit gelten. Insbesondere die letzten drei Kantersiege gegen HSV II, Lütgendortmund und Oberaußem mit einem Gesamt-Torverhältnis von 16:0 waren durchaus geeignet, die Lessingstädterinnen das Fürchten zu lehren. Trainer Sven de Vries indes glaubte, den Fehler der Vorgänger erkannt zu haben und erklärte noch am Sonnabend: "Jene Teams, die zuletzt klare Niederlagen gegen TeBe kassierten, zogen sich komplett in die eigene Hälfte zurück. Wir werden ab und zu Pressing spielen. Wenn Berlin verwundbar ist, dann in der Abwehr."

Von einer offensiveren Grundhaltung der Gäste war in der Anfangsphase jedoch nichts zu spüren, denn das Spiel trug sich zunächst ausschließlich in ihrer Hälfte zu. Fast könnte man sagen, es fand nur auf einem Viertel des Spielfeldes statt, denn TeBes anfänglich durchaus druckvolle Angriffe liefen ausschließlich über rechts.

Bei einem frühen Treffer der Berlinerinnen hätte sich das Spiel sicherlich anders entwickelt, und Chancen dafür gab es durchaus. Die erste hatte ausgerechnet Ex-Wolfenbüttelerin Ilka Heyke, als sie in der 5. Minute an der Strafraumgrenze frei zum Schuss kam und der Ball haarscharf über die Latte pfiff. Vier Minuten darauf trat Sylvie Banecki eine gefährliche Flanke von rechts in den Strafraum, doch die Aktion endete mit dem Abseitspfiff. Eine Minute später wiederholte sich die Szene, nur dass der Ausgangspunkt diesmal ein von Jessica Brückner getretener Freistoß war.

Die Niedersächsinnen hatten erst in der 11. Minute Gelegenheit, Bekanntschaft mit der gegnerischen Hälfte zu machen, als sie nämlich einen Freistoß an der Mittellinie zugesprochen bekamen; doch dieses Intermezzo währte nur Sekunden. Es folgten weitere zehn Minuten TeBe-Angriff, dessen Höhepunkt ein Torschuss von Nicole Banecki aus der Mitte der Wolfenbütteler Hälfte war, den Torfrau Melanie Refke jedoch problemlos parieren konnte. Auch eine Hereingabe von rechts durch Michaela Schulz in der 21. Minute stellte keine ernsthafte Gefahr dar, konnte sie doch von Verena Kieth auf die menschenleere linke Seite weitergelenkt werden.

Die Offensivbemühungen der Wolfenbüttelerinnen beschränkten sich zunächst darauf, dass sie versuchten, per Kurzpassspiel ihre bis dahin einzige Sturmspitze Riem Hussein zu erreichen und ihr damit einen Konter zu ermöglichen.


Diese Taktik war in der 23. Minute erstmals erfolgreich, und es hätte das 0:1 werden können, wäre die Spielerin mit der Rückennummer 9 nicht von zwei Berlinerinnen in die Zange genommen und 15 m hinter der Mittellinie von den Beinen geholt worden. Der fällige Freistoß von Tina Klose prallte an der Mauer ab, und wenig später trug sich das Geschehen wieder in der anderen Spielfeldhälfte zu. Ein Eckstoß für TeBe von rechts in der 31. hätte fast mit einem Wolfenbütteler Eigentor geendet, denn der Ball sprang von einer weiß-blauen Spielerin völlig unkontrolliert in Richtung Tor, glücklicherweise jedoch genau zu Keeperin Refke.

Je länger die Partie torlos blieb, desto zuversichtlicher wurden die Spielerinnen vom MTV und desto planloser wurden die Angriffe der Borussia. Wolfenbüttel konnte sich jetzt mehr Spielanteile sichern und kam in der 33. Minute folgerichtig zum ersten Eckstoß. Der Schuss von Tina Klose überflog jedoch das Knäuel der Spielerinnen im Strafraum und landete im Seitenaus. Das Spiel verlagerte sich zunächst wieder in die andere Hälfte, wo sich TeBe eine neue Torchance erspielte. Doch der Ball versprang Christine Schoknecht und verfehlte das Tor um gut drei Meter. Aus dem anschließenden Torabstoß resultierte ein rascher Angriff der Gäste, den Maike Jeschor mit einem prächtigen 25-Meter-Schuss aus halblinker Position auf den Kasten der Berlinerinnen krönte, der jedoch genau in den Armen von Torfrau Kerstin Prusas landete. In den verbleibenden Minuten der ersten Hälfte gestaltete sich die Partie nahezu ausgeglichen, was nicht zuletzt dadurch zum Ausdruck kam, dass sich beide Teams noch jeweils einen Eckstoß erspielten.

Unmittelbar nach dem Wiederanpfiff versuchten die Berlinerinnen eine rasche Vorentscheidung zu erzwingen. Das Geschehen trug sich jetzt über längere Phasen ausschließlich am und im Wolfenbütteler Strafraum zu. Innerhalb der ersten elf Minuten erspielte sich TeBe sechs Eckstöße und mehrere Torchancen, so etwa in der 48., als Nicole Banecki nach einem Freistoß von links den Ball über das Tor köpfte, oder eine Minute darauf, als Kerstin Straka mit dem Kopf eine Eingabe von Sylvie Banecki nur knapp verfehlte. In der 51. drang Anne Engel rechts in den Strafraum ein und prallte unglücklich mit Keeperin Melanie Refke zusammen, die daraufhin am Oberschenkel behandelt werden musste, das Spiel aber fortsetzen konnte.

Erst dreizehn Minuten nach Wiederanpfiff gelang Wolfenbüttel der erste Konter. In einem schönen Doppelpassspiel drangen Mülkiye Defli und Riem Hussein bis an den gegnerischen Strafraum vor. Mit dem unmittelbar anschließenden Gegenkonter aber brach die große Zeit der Jessica Brückner an, die in der verbleibenden halben Stunde bei nahezu jeder gefährlichen Situation der Berlinerinnen am Ball zu finden sein sollte.


Doch das Spiel gestaltete sich nun zunehmend ausgeglichener. Wolfenbüttel zeigte sich sichtlich bemüht, gewonnenen Boden zu halten und die kurzen Wege in die Spitze zu suchen. Mitte der 2. Halbzeit gelangen so mehrere eindrucksvolle Konter.

In der 77. Minute bekam Borussia einen Freistoß etwa 30 m halbrechts vor dem Tor. Der von Jessica Brückner sehr platziert auf den Kasten gezirkelte Ball prallte von Torfrau Refke ab, und beim anschließenden Gerangel im Fünf-Meter-Raum blieb die Berlinerin Kerstin Straka Sieger. Der Schock über diesen späten Rückstand saß tief bei Wolfenbüttel, und das machten sich die Borussinnen zunutze. Unmittelbar nach dem Wiederanpfiff drangen sie erneut in den gegnerischen Strafraum ein, und Christine Schoknecht erhöhte zum 2:0. Wer jetzt aber meinte, die Partie sei endgültig gelaufen, sah sich getäuscht. Vier Minuten später gelang der Wolfenbütteler Sturmspitze ein erneuter Konter; die in der Mitte durchgelaufene Mülkiye Defli passte auf die von rechts heranpreschende Riem Hussein, die den Ball vor Torfrau Prusas vorbei in die Maschen trat. Damit keimte für die Außenseiter noch einmal Hoffnung auf, und das Spiel gestaltete sich in den verbleibenden Minuten völlig ausgeglichen. Phasenweise erschien es sogar, dass Wolfenbüttel dem 2:2 näher war als Berlin dem Ausbau der Führung.

Wie dem auch sei, es blieb beim 2:1, einem Resultat, über das die Siegerinnen sicher erleichtert, aber wohl nicht restlos glücklich sein werden. Die Verliererinnen hingegen, wenngleich sie die Heimreise in einer sehr gedrückten Stimmung antraten, können doch für sich verbuchen, dass sie mit einer unerschrockenen Leistung gegen einen hohen Favoriten kaum einen Zweifel daran gelassen haben, dass sie in der richtigen Liga spielen.

Aufstellungen:

TeBe Berlin

Prusas – Brückner, Holzhaus, Krengel, S. Banecki, N. Banecki (55. Reichow), Engel, Heyke, Schoknecht, Schulz, Straka

MTV Wolfenbüttel

Refke – Kieth, Sawallisch, Hüllen, Klose, Rabanus (78. Beyer), Schaal, Schaper, Defli, Hussein, Jeschor

Schiedsrichterin: Kunick (Leipzig)

Zuschauer: 30

Tore:

1:0 Straka (77.)
2:0 Schoknecht (78.)
2:1 Hussein (82.)

Gelbe Karte: Klose

rote Karte:-

 Zur FanSoccer-Startseite