2. Bundesliga Nord 18. Spieltag

Offensive, Spannung und ein Wembley-Tor

FC Gütersloh - FFC Brauweiler Pulheim 2:2 (1:2)

Von Nora Kruse (Text und Fotos)

17.04.2005

Nach dem Abpfiff waren sich beide Trainer einig: dieses Spiel war Werbung für den Frauenfußball. 90 Minuten lang sahen die Zuschauer ein flottes, spannendes und offensives Spiel. „Die Offensive fing heute mit der Keeperin an“, gab FFC-Trainer Willi Küpper zu. Sein Kollege aus Gütersloh, Uwe Kitroschat, konnte sich dem nur anschließen und erklärte, dass das heute einfach schöner Fußball war. Keiner habe sich hinten rein gestellt oder gar die Bälle nur hin und her geschoben.

Die Anfangsphase gehörte in diesem Spiel allein den Brauweilerinnen. Sie begannen druckvoll und drängten die Gütersloherinnen sofort in die eigene Hälfte. Bereits nach vier Minuten bekamen sie dafür die Klatsche, als die derzeitig Führende in der Torschützenliste, Anja Koser von der linken Seite zum 0:1 traf. Auch danach machten die Brauweilerinnen das Spiel. Die Spielerinnen aus Gütersloh waren nicht in der Lage, den Ball kontrolliert aus der eigenen Hälfte zu befördern, immer wieder landete der Ball bei den Abtei-Städterinnen. Doch auch diese hatten ihre Problemchen beim kontrollierten Spielaufbau. Überraschend problematisch war dabei die linke Seite, auf der U21-Nationalspielerin Susanne Kasperczyk zu Hause ist. Ihr sprangen die Bälle ins Aus, sie machte ungewohnt viele Fehler und konnte sich in der Anfangsphase nur selten durchsetzen. Oft wirkte sie dann etwas paralysiert und musste von den Mannschaftskolleginnen lautstark aufgemuntert werden, den Kopf nicht hängen zu lassen.

Heute wurde von der ersten bis zur letzten Minute um jeden Ball gekämpft.

Brauweilers Überlegenheit hielt bis zur 28. Minute. Nach einem Fehler in der Brauweiler Hintermannschaft landete der Ball bei Anna Laue, die frei vor FFC-Torfrau Britta Trescher dieser keine Chance ließ. Mit einem Mal stand es 1:1 im Heidewald und dieser Treffer schien für die Gütersloherinnen die Initialzündung gewesen zu sein, das Spiel kippte.

Der überlegene Tabellenführer agierte konfus und Gütersloh bekam seine Chancen. So bewunderten die Zuschauer in der 30. Minute ein „Wembley-Tor“ – im Gegensatz zu 1966 wurde es jedoch nicht gegeben, was auch richtig so war. Beim dann folgenden Nachschuss war Britta Trescher hellwach und vereitelte diese „Hundertprozentige“ von Gütersloh.
Nur drei Minuten später sah Trescher jedoch nicht so glanzvoll aus. Nach einem Schuss von Stephanie Goddard trat sie am Ball vorbei und dieser kullerte in Richtung Brauweiler Tor. Dort war jedoch noch eine wache Abwehrspielerin, die in letzter Sekunde klären konnte.

So standen sie da nun einige Sekunden. Maren Heihoff (l.) wollte aufpassen, dass Frederike Bittner der Ball nicht durch die Finger geht, Anja Koser (r.) hoffte auf genau das. Als sie dann merkten, dass es für beide Seiten nichts mehr zu holen gibt, hatten sie für die ganze Situation noch ein Lächeln übrig...

Während in dieser Phase also die Überlegenheit der Gastgeberinnen deutlich war, war es jedoch der FFC, der in der 40. Minute wieder in Führung ging. Anja Koser nutzte ihre zweite Chance zum zweiten Tor – 100%ige Ausbeute. Eine gehörige Mitschuld an diesem Tor trug jedoch die Abwehr der Gütersloherinnen. Diese ließ der Top-Stürmerin viel zu viel Platz im Strafraum, sodass sie den Ball von der linken Seite förmlich frei stehend einköpfen konnte. Mit diesem 1:2 ging es dann in die Halbzeit.

Die erste Viertelstunde nach Wiederanpfiff war recht ausgeglichen. Beide Mannschaften hatten ihre Großchancen. So hielt FFC-Stürmerin Mariana Ciorba in der 51. Minute voll drauf. Erst schien es so, als flöge der Ball übers Tor, doch senkte er sich noch gefährlich und es war die Latte, die das Tor verhinderte. Nur zwei Minuten später hatte Desiree Lenz für Gütersloh die Chance zum Ausgleich. Nach einem tollen Lauf aufs Tor war sie schließlich frei vor Trescher, die jedoch klasse hielt. Erneute zwei Minuten später die Großchance wieder auf der anderen Seite. Nach einer Flanke von Louisa Bisby stand Koser genau am richtigen Fleck, scheiterte mit ihrem Kopfball jedoch an der Gütersloher Torfrau Frederike Bittner.

In der 67. Minute fiel dann schließlich der Ausgleich. Desiree Lenz verwandelte einen Freistoß von der rechten Seite direkt ins lange Eck. Chancen zur erneuten Führung für Brauweiler konnten nicht genutzt werden. Zunächst traf Kasperczyk den Pfosten, den Abpraller schoss Koser frei vorm Tor an diesem vorbei. Ein Freistoß einige Minuten später ging knapp über den Kasten.   

Ungewohnt viel Arbeit heute für FFC-Abwehrchefin Tünde Nagy. Hier muss sie gegen Julia Sadzio klären.

Dann kippte das Spiel erneut. Je näher das Ende kam, desto größer wurde der Druck der Gütersloherinnen, Brauweiler hatte dem nicht mehr viel entgegen zu setzen. 


Der souveräne Tabellenführer, der heute wegen der morgigen Abi-Klausur auf seine zweiterfolgreichste Torschützin, Katrin Schmidt, verzichten musste, agierte alles andere als souverän. Tünde Nagy in der Abwehr hatte alle Hände voll damit zu tun, ihre Mitspielerinnen zu dirigieren. Brauweiler wurde immer weiter in die eigene Ecke zurück gedrängt. Es spielte nur noch der FC Gütersloh. Die Abtei-Städterinnen wurden nervös, Britta Trescher sah die gelbe Karte weil sie, um Zeit zu schinden, den Ball wegschoss und auch sonst stiegen die Brauweilerinnen in den letzten zehn Minuten etwas härter in die Zweikämpfe ein. Der Ball musste einfach nur noch weg. Beim letzten Eckball der Gütersloherinnen waren alle Grün-Weißen – bis auf Mariana Ciorba – im Strafraum versammelt.

So blieb es am Ende beim 2:2. Das Ergebnis ist, auch wenn Gütersloh am Ende zur Führung drängte, gerechtfertigt, da auch Brauweiler im Vorfeld diverse Großchancen hatte. Auch die beiden Trainer gaben sich mit dem einen Punkt zufrieden. Küpper erklärte, mit diesem Ergebnis „super leben“ zu können und auch sein Kollege auf der anderen Seite gab zu, von der Brauweiler Offensive zu Beginn etwas überrascht gewesen zu sein, erklärte er doch auch, dass seine Mannschaft immer etwas ins Schwimmen gerate, wenn man sie zurück drängte. So fand er nur lobende Worte über die Reaktion seiner Truppe, die niemals aufgegeben habe und nach beiden Treffern der Gäste wiedergekommen sei.

Aufstellungen:

FC Gütersloh 2000

Bittner, Drewitz, Krüger, Heihoff, Goeßling, Graf, Laue, D. Lenz, Hackmann, Goddard (86. Sadzio), Barwinksy

FFC Brauweiler Pulheim

Trescher, Bisby, Kasperczyk (72. Augustin), Bleibler, Nagy, A. Lenz, Klein, Renner (81. Seuren), Koser, Gorges, Ciorba

Schiedsrichterin: Katrin Gathmann (Barsinghausen)

Zuschauer: 227

Tore:
0:1 Koser (4.)
1:1 Laue (28.)
1:2 Koser (41.)
2:2 Lenz (67.)

gelbe Karte: D. Lenz, A. Lenz, Bleibler, Trescher

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