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Zweite Bundesliga Nord

Keine Perspektive gesehen

Sven Thoß spricht über seinen Wechsel nach Leipzig

Von Nora Kruse (Text u. Foto)

19.05.2008

Es war ein Paukenschlag: Mitten im Aufstiegskampf kündigte Trainer Sven Thoß an, TeBe Berlin am Saisonende verlassen und zu Ligakonkurrent 1. FC Lok Leipzig wechseln zu wollen. Ein weiteres Engagement in der Zweiten Bundesliga zieht Thoß einer möglichen Arbeit im Oberhaus vor. Über seine Gründe sprach der Potsdamer mit FanSoccer.

„Es wird jetzt gerne erzählt, dass das Angebot von Lok so lukrativ war und TeBe da nicht mithalten konnte – das stimmt nicht. Es war nicht das Geld, es war das stimmige Paket, das mir geboten wurde“, so Thoß, den dieses Angebot schon vor längerer Zeit erreicht hat. Von einer Kurzschlussentscheidung also keine Spur, am 6. Mai habe er sich noch einmal mit dem Vorstand getroffen, um über Planungen für die Zukunft der Mannschaft zu sprechen. Erkannt habe er jedoch, dass es dort „keine Perspektive“ für ihn gebe. „Ein solches Gespräch hätte drei Monate eher stattfinden müssen, um langfristig zu planen. Aber davon keine Spur. Es gibt noch keinen Neuzugang, keine Perspektive für die erste Liga.“
Thoß machte Nägel mit Köpfen, einen Tag später informierte er Abteilung und Mannschaft über seinen Wechsel nach Leipzig. „Einige waren schon sehr überrascht. Und es fällt mir auch schwer, die Mannschaft zu verlassen. Die ist mir sehr ans Herz gewachsen und hat in vielen Situationen bewiesen, dass sie


hinter mir steht.“ Ein Gefühl, dass Thoß beim Vorstand nie hatte. „Ich glaube nicht, dass ich hier einen sicheren Job hatte; habe mich eher geduldet, als gewollt, gefühlt.“ Dass man sich so um ihn bemühte, war für Thoß daher ein weiterer Grund, bei Lok zuzusagen.
Doch auch darüber hinaus werde ihm in Leipzig das geboten, was er bei den Borussinnen vermisste: „Die Perspektive stimmt. Es gibt einen Dreijahresplan, mit dem wir bis 2010/2011 in die Erste Bundesliga aufsteigen wollen. Bereits jetzt stehen Testspiele in der Sommerpause gegen hochklassige Gegner und ein Trainingslager fest. Auch die Struktur stimmt. Sehr beeindruckt hat mich die Gründung eines Vereins, der neue Sponsoren für die Abteilung gewinnen will, um zunehmend auf eigenen Füßen stehen zu können.“
Abteilungsbezogenes Sponsoring ist auch bei TeBe möglich, der Hauptverein habe jedoch in der Vergangenheit Gelder zweckent- fremdet, um Finanzlöcher an anderen Stellen zu stopfen, wie der Noch-Trainer bemängelt. „Man kann sich auch totsparen“, so Thoß weiter, von dessen Abteilung unter anderem gefordert worden sei, bei langen Auswärtsfahrten erst am Tag des Spiels anzureisen. Darüber hinaus sei die Zahlungsmoral mehr schlecht als recht, auch zugesagte Gelder an Spielerinnen stünden noch aus.
„Von möglichen Sponsoren gab einige Aussagen, uns nur dann zu unterstützen, wenn wir eigenständig werden, der Verein selbst habe in der Vergangenheit zu viele Gelder verbrannt“, sagt Thoß, der es bedauere, dass der Verein einer Ausgliederung der Frauenabteilung in diesem Jahr


nicht zugestimmt habe. „Wenn ich mein Kind behalte, muss ich es aber auch ernähren. Auch in der Zweiten Bundesliga wird die Arbeit immer professioneller. Dass aber andere Vereine besser arbeiten, wird vom Vorstand nicht in Betracht gezogen. Da fehlt es auch am Fußballsachverstand.“

Sven Thoß

Sven Thoß hatte nicht das Gefühl, bei TeBe sicher im Sattel zu sitzen und entschied sich für einen Dreijahresvertrag bei Lok Leipzig.

In Leipzig hat Thoß eine vom Sponsor angemietete Wohnung in der vergangen Woche besichtigt, nach der Saison steht das Packen der Umzugskartons an. Bis dahin gehört seine Aufmerksamkeit den Veilchenladies, um am Sonntag die kleiner gewordene Chance auf den Aufstieg doch noch zu nutzen. Dass es für die Hauptstädterinnen schwer werde, in der ersten Liga zu bestehen, ist sich Thoß sicher – aber darum muss sich dann jemand anders kümmern.

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