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2. Bundesliga Nord

Jahr eins nach Wolfsburg

Vorschau auf die Saison 2006/2007

von Nora Kruse

02.09.2006

„Erwartungsgemäß fand mit Wattenscheid, Gütersloh und Wolfsburg ein Dreikampf um den Aufstiegsplatz statt“, so die Abteilungsleiterin von TeBe Berlin, Gaby Wahnschaffe. Und tatsächlich dürfte wohl im Vorfeld der vergangenen Saison kaum einer daran gezweifelt haben, dass die Wolfsburgerinnen den direkten Wiederaufstieg feiern würden. Die Mannschaft war zusammen geblieben und hat sich aus dem Loch befreit, das sie sich geschaufelt hatte. Aber jetzt ist Wolfsburg weg...

...und die Konkurrenz dahinter macht deutlich, dass nun sie an der Reihe ist. „Wir sind in der letzten Saison knapp hinter Wolfsburg, und deutlich vor den anderen, Zweiter geworden. Wolfsburg ist aufgestiegen; da kann es nur eine Zielsetzung geben. Wer aufsteigen will, muss an uns vorbeikommen!“ Klare Worte von Olaf Goldbecker, Team-Manager des FC Gütersloh. Dem schmerzhaften Verlust von Mittelfeldspielerin Lena Goeßling stehen dabei wertvolle Neuverpflichtungen gegenüber. Zum mit durchschnittlich 19 Jahren sehr jungen und etwas unerfahrenen Team stößt mit Isabel Janßen von der SG Lütgendortmund eine ältere und erfahrene Stürmerin, und mit der Verpflichtung von Maxine Mittendorf aus Rheine kommt eine junge Spielerin mit viel Potenzial, die aber dennoch über Erstligaerfahrung verfügt.

Isabel Janssen soll in Gütersloh etwas Erfahrung in die junge Truppe bringen.

Foto: Heinz-Günter Sporkel

Aber so groß der Abstand von Gütersloh auf den Rest der Zweitliga-Welt auch gewesen sein mag, die SG Wattenscheid hat nicht minder große Ansprüche. „Der Aufstieg ist das Ziel, alles andere wäre für uns eine Enttäuschung“, so Trainerin Tanja Schulte. Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Ruhrpöttlerinnen ihren Kader erheblich verstärk, sodass vor dem Saisonstart auch reduziert werden musste. 24 Spielerinnen umfasst er nun, die Neuzugänge haben es alle in den kleineren Kreis geschafft. „Sonst hätten wir auch irgendwas im Vorfeld falsch gemacht“, wie Schulte anfügt. Die Zufriedenheit über die Neuzugänge, wie Carolin Dej oder Carmen Israel, und die Vorbereitung ist groß, „nur an der Chancenauswertung müssen wir noch arbeiten“, so Schulte und spielt auf deutliche Niederlagen gegen die Erstligisten aus Duisburg und Essen an, wo man mehr habe erreichen können.

Lena Goeßling stieg alleine auf. Die Jungnationalspielerin verließ Gütersloh in Richtung Bad Neuenahr.

Foto: Heinz-Günter Sporkel


TeBe Berlin

Wenn zwei sich streiten, jubelt der Dritte. Stiehlt TeBe Berlin Gütersloh und Wattenscheid die Show?

Foto: Jan Kuppert

Carmen Israel hat ihren Stammplatz bei der SG Wattenscheid so gut wie sicher.

Foto: Heinz-Günter Sporkel

Besteht der Aufstiegskampf aus diesen beiden Mannschaften? Es sind zumindest die einzigen, die ihr Ziel so klar vorgeben. Sie nennen sich gegenseitig als den Hauptkonkurrenten – und haben dennoch ein weiteres Team auf der Rechnung: die Hauptstädterinnen der Tennis Borussia. In der letzten Saison haben die Berlinerinnen zwar mit Strapazen um eine mögliche Auflösung der Frauenabteilung auf sich aufmerksam gemacht, sportlich wurde jedoch „mit dem Erreichen des dritten Platzes über das Ziel freudig hinausgeschossen“, wie Gaby Wahnschaffe resümiert, die Platz vier bis sechs vorgegeben hatte. Und auch wenn die Diskussionen über die Auflösung mittlerweile vom Tisch sind, lässt man es an der Spree ruhiger angehen: „Wir wollen in ein bis zwei Jahren aufsteigen“, so Wahnschaffe. Verstärkt haben sich die Berlinerinnen dafür jetzt schon stark, wie auch die Konkurrenz aus Wattenscheid anmerkte, die insbesondere auf Ex-Nationalspielerin Madleen Wilder anspielte, die man auch gerne im Ruhrpott gesehen hätte. Den vielen Neuzugängen stehen jedoch auch herbe Verluste, wie Christine Schoknecht, gegenüber.

Gütersloh, Wattenscheid und Berlin – drei Mannschaften, die sich mit Sicherheit alle gegenseitig schlagen können. Eine Ausgangsposition, die man sich für die ganze Liga wünscht. Auch wenn zu bemerken ist, „dass (in der vergangenen Saison) eine deutliche Steigerung im Spieltempo und Zweikampfverhalten festzustellen war, was das Gesamtniveau anhob“, wie Wahnschaffe erklärt, wurden die Top-Mannschaften ihrer Favoritenrolle meist gerecht. Überraschungen waren selten und mit Wolfenbüttel war eine Mannschaft von Anfang bis Ende auch wirklich am Ende und „hatte in der Liga eigentlich nichts zu suchen“, so Tanja Schulte.

Mit solch schwachen Mannschaften rechnet man in diesem Jahr nicht. „Leipzig ist bärenstark“, so Caldens Trainer Manfred Rauschenberg. Neidisch schaut er auch auf den SV Herford, der Marie Pollmann


verpflichten konnte – ein Talent, das man auch in Nordhessen gerne gesehen hätte. Groß ist das Einzugsgebiet im Kasseler Vorort nicht und so hätte man die Jungnationalspielerin aus dem Kreis Paderborn, für die Herford in etwa die gleiche Entfernung ist, gerne als Verstärkung der jungen Mannschaft gehabt. „Wir können nur auf die Jugend in der Umgebung bauen, das ist unser Kapital. Wir haben keine großen Sponsoren, die mit Geld und Arbeitsplatz locken“, so Rauschenberg, der einen Platz in der oberen Tabellenhälfte anstrebt.

Wenn Calden ins obere Mittelfeld will, müssen die im unteren geschlagen werden. Doch wer gehört dazu? In der letzten Saison gab es die eher unscheinbaren Mittelfeldmannschaften wie Victoria Gersten. Unscheinbar, aber gut, denn am Ende sprang der fünfte Rang heraus - vor den Caldenerinnen. Dennoch könnten die beiden Aufsteiger des vergangenen Jahres aus Kiel und Neubrandenburg ihren Platz in der zweiten Tabellenhälfte finden. Das zweite Jahr ist bekanntlich immer das härtere, im letzten haben jedoch beide mit „erfrischendem, jugendlichem, unbekümmerten Fußball überzeugt“, wie Gaby Wahnschaffe weiß. Dennoch kennt auch Kiels Trainer Heiz Siebolds die Schwierigkeiten in der Zweiten Liga: „Das Niveau der Zweiten Liga wird sich rasant entwickeln. Die Aufwendungen jeglicher Art werden immer größer.“

Im Vorteil sind da natürlich Mannschaften, die sowohl finanziell als auch von den Spielerinnen ihrer Erstligamannschaften profitieren können: Hamburg und Potsdam. Der Nachwuchs aus Potsdam war in der vergangenen Saison schwächer als in der zuvor, dürfte jedoch einen stabilen Mittelfeldplatz einnehmen. Hamburg kommt als Aufsteiger in die Zweite Liga, müsste jedoch, wenn alles normal verläuft, die Klasse in dieser Saison halten.

Schwieriger haben könnten es der SuS Timmel und der SV Herford. Die Ostfriesinnen aus Timmel sind dem Abstieg in den vergangenen beiden Jahren nur knapp entkommen. Das Einzugsgebiet ist ebenfalls nicht das größte, namhafte Verstärkungen blieben aus.
Beim SV Herford dürfte die namhafteste Verstärkung die schon angesprochene Marie Pollmann sein, die ihren Einstand auch schon mit fünf Toren in der Vorbereitung feiern konnte. Dennoch war die Vorbereitung „eher durchwachsen“, so Trainer Björn Kenter. Es gab klare Siege gegen unterklassige Gegner, aber auch klare Niederlagen gegen den Klassenrivalen aus Gütersloh und den Bundesligisten aus Rheine. Der Klassenerhalt ist daher das „klar definierte Saisonziel“.

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