von Nora Kruse
02.09.2006
„Erwartungsgemäß fand mit Wattenscheid, Gütersloh und Wolfsburg ein Dreikampf um den Aufstiegsplatz statt“, so die
Abteilungsleiterin von TeBe Berlin, Gaby Wahnschaffe. Und tatsächlich dürfte wohl im Vorfeld der vergangenen Saison kaum
einer daran gezweifelt haben, dass die Wolfsburgerinnen den direkten Wiederaufstieg feiern würden. Die Mannschaft war
zusammen geblieben und hat sich aus dem Loch befreit, das sie sich geschaufelt hatte. Aber jetzt ist Wolfsburg weg...
...und die Konkurrenz dahinter macht deutlich, dass nun sie an der Reihe ist. „Wir sind in der letzten Saison knapp hinter
Wolfsburg, und deutlich vor den anderen, Zweiter geworden. Wolfsburg ist aufgestiegen; da kann es nur eine Zielsetzung
geben. Wer aufsteigen will, muss an uns vorbeikommen!“ Klare Worte von Olaf Goldbecker, Team-Manager des FC Gütersloh.
Dem schmerzhaften Verlust von Mittelfeldspielerin Lena Goeßling stehen dabei wertvolle Neuverpflichtungen gegenüber. Zum
mit durchschnittlich 19 Jahren sehr jungen und etwas unerfahrenen Team stößt mit Isabel Janßen von der SG Lütgendortmund
eine ältere und erfahrene Stürmerin, und mit der Verpflichtung von Maxine Mittendorf aus Rheine kommt eine junge Spielerin
mit viel Potenzial, die aber dennoch über Erstligaerfahrung verfügt.
Isabel Janssen soll in Gütersloh etwas Erfahrung in die junge Truppe bringen.
Foto: Heinz-Günter Sporkel
Aber so groß der Abstand von Gütersloh auf den Rest der Zweitliga-Welt auch gewesen sein mag, die SG Wattenscheid
hat nicht minder große Ansprüche. „Der Aufstieg ist das Ziel, alles andere wäre für uns eine Enttäuschung“, so Trainerin
Tanja Schulte. Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Ruhrpöttlerinnen ihren Kader erheblich verstärk, sodass vor dem
Saisonstart auch reduziert werden musste. 24 Spielerinnen umfasst er nun, die Neuzugänge haben es alle in den kleineren
Kreis geschafft. „Sonst hätten wir auch irgendwas im Vorfeld falsch gemacht“, wie Schulte anfügt. Die Zufriedenheit über
die Neuzugänge, wie Carolin Dej oder Carmen Israel, und die Vorbereitung ist groß, „nur an der Chancenauswertung müssen wir
noch arbeiten“, so Schulte und spielt auf deutliche Niederlagen gegen die Erstligisten aus Duisburg und Essen an, wo man
mehr habe erreichen können.
Lena Goeßling stieg alleine auf. Die Jungnationalspielerin verließ Gütersloh in Richtung Bad Neuenahr.
Foto: Heinz-Günter Sporkel
|
Wenn zwei sich streiten, jubelt der Dritte. Stiehlt TeBe Berlin Gütersloh und Wattenscheid die Show?
Foto: Jan Kuppert
|
Carmen Israel hat ihren Stammplatz bei der SG Wattenscheid so gut wie sicher.
Foto: Heinz-Günter Sporkel
Besteht der Aufstiegskampf aus diesen beiden Mannschaften? Es sind zumindest die einzigen, die ihr Ziel so klar vorgeben.
Sie nennen sich gegenseitig als den Hauptkonkurrenten – und haben dennoch ein weiteres Team auf der Rechnung: die
Hauptstädterinnen der Tennis Borussia. In der letzten Saison haben die Berlinerinnen zwar mit Strapazen um eine
mögliche Auflösung der Frauenabteilung auf sich aufmerksam gemacht, sportlich wurde jedoch „mit dem Erreichen des dritten
Platzes über das Ziel freudig hinausgeschossen“, wie Gaby Wahnschaffe resümiert, die Platz vier bis sechs vorgegeben hatte.
Und auch wenn die Diskussionen über die Auflösung mittlerweile vom Tisch sind, lässt man es an der Spree ruhiger angehen:
„Wir wollen in ein bis zwei Jahren aufsteigen“, so Wahnschaffe. Verstärkt haben sich die Berlinerinnen dafür jetzt schon
stark, wie auch die Konkurrenz aus Wattenscheid anmerkte, die insbesondere auf Ex-Nationalspielerin Madleen Wilder
anspielte, die man auch gerne im Ruhrpott gesehen hätte. Den vielen Neuzugängen stehen jedoch auch herbe Verluste, wie
Christine Schoknecht, gegenüber.
Gütersloh, Wattenscheid und Berlin – drei Mannschaften, die sich mit Sicherheit alle gegenseitig schlagen können. Eine
Ausgangsposition, die man sich für die ganze Liga wünscht. Auch wenn zu bemerken ist, „dass (in der vergangenen Saison)
eine deutliche Steigerung im Spieltempo und Zweikampfverhalten festzustellen war, was das Gesamtniveau anhob“, wie
Wahnschaffe erklärt, wurden die Top-Mannschaften ihrer Favoritenrolle meist gerecht. Überraschungen waren selten und mit
Wolfenbüttel war eine Mannschaft von Anfang bis Ende auch wirklich am Ende und „hatte in der Liga eigentlich nichts zu
suchen“, so Tanja Schulte.
Mit solch schwachen Mannschaften rechnet man in diesem Jahr nicht. „Leipzig ist bärenstark“, so Caldens Trainer
Manfred Rauschenberg. Neidisch schaut er auch auf den SV Herford, der Marie Pollmann
|
verpflichten konnte – ein Talent, das
man auch in Nordhessen gerne gesehen hätte. Groß ist das Einzugsgebiet im Kasseler Vorort nicht und so hätte man die
Jungnationalspielerin aus dem Kreis Paderborn, für die Herford in etwa die gleiche Entfernung ist, gerne als Verstärkung
der jungen Mannschaft gehabt. „Wir können nur auf die Jugend in der Umgebung bauen, das ist unser Kapital. Wir haben keine
großen Sponsoren, die mit Geld und Arbeitsplatz locken“, so Rauschenberg, der einen Platz in der oberen Tabellenhälfte
anstrebt.
Wenn Calden ins obere Mittelfeld will, müssen die im unteren geschlagen werden. Doch wer gehört dazu? In
der letzten Saison gab es die eher unscheinbaren Mittelfeldmannschaften wie Victoria Gersten. Unscheinbar, aber gut,
denn am Ende sprang der fünfte Rang heraus - vor den Caldenerinnen. Dennoch könnten die beiden Aufsteiger des vergangenen
Jahres aus Kiel und Neubrandenburg ihren Platz in der zweiten Tabellenhälfte finden. Das zweite
Jahr ist bekanntlich immer das härtere, im letzten haben jedoch beide mit „erfrischendem, jugendlichem, unbekümmerten
Fußball überzeugt“, wie Gaby Wahnschaffe weiß. Dennoch kennt auch Kiels Trainer Heiz Siebolds die Schwierigkeiten in der
Zweiten Liga: „Das Niveau der Zweiten Liga wird sich rasant entwickeln. Die Aufwendungen jeglicher Art werden immer größer.“
Im Vorteil sind da natürlich Mannschaften, die sowohl finanziell als auch von den Spielerinnen ihrer Erstligamannschaften
profitieren können: Hamburg und Potsdam. Der Nachwuchs aus Potsdam war in der vergangenen Saison schwächer
als in der zuvor, dürfte jedoch einen stabilen Mittelfeldplatz einnehmen. Hamburg kommt als
Aufsteiger in die Zweite Liga, müsste jedoch, wenn alles normal verläuft, die Klasse in dieser Saison halten.
Schwieriger haben könnten es der SuS Timmel und der SV Herford. Die Ostfriesinnen aus Timmel sind dem Abstieg in den
vergangenen beiden Jahren nur knapp entkommen. Das Einzugsgebiet ist ebenfalls nicht das größte, namhafte Verstärkungen
blieben aus.
Beim SV Herford dürfte die namhafteste Verstärkung die schon angesprochene Marie Pollmann sein, die ihren Einstand
auch schon mit fünf Toren in der Vorbereitung feiern konnte. Dennoch war die Vorbereitung „eher durchwachsen“, so Trainer
Björn Kenter. Es gab klare Siege gegen unterklassige Gegner, aber auch klare Niederlagen gegen den Klassenrivalen aus
Gütersloh und den Bundesligisten aus Rheine. Der Klassenerhalt ist daher das „klar definierte Saisonziel“.
Zur FanSoccer-Startseite
|