2. Bundesliga Nord

Bewährungsprobe bestanden?

Ein Saisonrückblick

 

Von Christian Heidler und Nora Kruse (Text)

10.06.2005

Die 2. Bundesliga hat ihre Premierensaison beendet. Aufgeteilt nach dem Kriterium der Minimierung der Entfernungen kämpften erstmals 12 Mannschaften in der Nordstaffel um einen Aufsteiger zur 1. Bundesliga und je 2 Absteiger in die dritten Spielklassen. Es gab ansehnliche Spiele zu sehen und die Konzentration der Kräfte dürfte mindestens mittelfristig zu einer Hebung des Leistungsniveaus unterhalb der 1. Bundesliga führen – und damit dem Frauenfußball insgesamt zu Gute kommen.

Im Norden standen eigentlich drei Vereine von Beginn an vorne, die ihre Plätze auch am Ende in etwa behalten sollten: Der Bundesliga-Absteiger FFC Brauweiler-Pulheim, TeBe Berlin und die Nordhessinnen des TSV Jahn Calden. Dabei darf der Dorfverein aus Nordhessen getrost als die große Überraschung im Norden bezeichnet werden. Calden ließ nicht nur als Tabellenführer an den ersten drei Spieltagen von sich hören, nach einem Zwischentief und Abrutschen ins Mittelfeld kämpfte sich die Crew um Trainer Manfred Rauschenbach beharrlich wieder auf Rang 3 vor.

Oldie im Norden: Ex-Nationalspielerin Birgit Austermühl kickt mit ihren 39 Jahren mittlerweile beim TSV Jahn Calden.

Foto: Nora Kruse

Mit Aufstiegsambitionen war der ehemalige Bundesligist Tennis Borussia Berlin in die Saison gestartet und lange Zeit konnten die „Veilchen“ das Titelrennen auch offen halten. Da aber in den direkten Duellen mit Brauweiler die Punkte sämtlich in die Abtei-Stadt gingen, blieb der Mannschaft von Gaby Wahnschaffe letztlich nur der undankbare Vizetitel. Dennoch keine Trauer in der Hauptstadt, denn „für uns ist unterm Strich mehr bei rausgekommen als wir beginnend zu hoffen gewagt haben,“ so Wahnschaffe.

Zum Ende der letzten Saison war die Trauer in Brauweiler über den Abstieg riesig, den Fans wurde allerdings der direkte Wiederaufstieg versprochen – und das hielten die Abtei-Städterinnen. „Spielerisch waren wir den anderen Mannschaften überwiegend klar überlegen,“ urteilt Trainer Willi Küpper rückblickend. Und tatsächlich spielte sein Team eine beeindruckende Saison. 18 der 22 Spiele wurden gewonnen, man schoss knapp 100 Tore. 50 davon alleine durch das Sturmduo Anja Koser/Mariana Ciorba, welche in der Endabrechnung auch die ersten beiden Plätze der Torschützenliste einnehmen. Hervorzuheben dabei die 23 Treffer von Ciorba, denn sie konnte noch nicht einmal in allen Spielen auflaufen. Hauptgrund ihre lange Sperre wegen einer fehlenden Spielberechtigung.

Hinter diesem erwähnten Spitzentrio die SG Wattenscheid 09. Ein wenig hatte man mit dem Aufstieg geliebäugelt, doch vielleicht war dann doch zu viel Unruhe im Spiel, um dieser Zielsetzung gewachsen zu sein. Als die verletzte Spielerin Tanja Schulte den Trainerstuhl einnahm, bewiesen die „Zwangs-Bochumer“ unter dem Motto „Untrainierbar aber mit Herz“ nicht nur Selbstironie sondern letztlich auch, daß sie zu einer ordentlichen Saisonleistung fähig sind.

Der FFC Brauweiler Pulheim hat nach dem enttäuschenden Abstieg in der letzten Saison souverän den direkten Wiederaufstieg geschafft.

Foto: Nora Kruse

Nur knapp hinter Calden rangieren Turbine Potsdam II und Gütersloh. Das Team von Sven Thoß bewies Konstanz, besiegte auch den Aufsteiger zu Hause, konnte aber sonst gegen die Spitzenclubs keine Punkte einfahren. Schade auch, daß die „kleinen“ Turbinen sich nur abseits in der Waldstadt präsentieren konnten, doch die eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten im Karl-Liebknecht-Stadion, das ja ohnedies noch mit Männeroberligist SV Babelsberg 05 geteilt werden muß, ließen Doppelveranstaltungen mit der ersten Auswahl leider nicht zu.
Von der soliden Seite zeigte sich auch der FC Gütersloh 2000, der in der Endabrechnung auf Platz 6 landete. Die Ostwestfalen mit ihrer U 19 Weltmeisterin Lena Goeßling waren übrigens die einzigen, gegen die Brauweiler keinen Sieg feiern konnte. Und deren Coach Willi Küpper erklärte Gütersloh auch gleich zu einem Club mit viel Potenzial für die Zukunft, da die Mannschaft sehr jung sei und man hier tolle Aufbauarbeit betreibe.

U19-Weltmeisterin Lena Goeßling ist nur eine von vielen jungen und talentierten Spielerinnen beim FC Gütersloh.

Foto: Nora Kruse

Die zweite Tabellenhälfte führt der SV Victoria Gersten an, gefolgt vom SuS Timmel und der SG Lütgendotmund. Den Blick eher auf die Abstiegsränge denn nach oben gerichtet, geriet letztlich nur Lütgendortmund ernsthaft in Gefahr. Die Dortmunderinnen vermochten immerhin den Widerstand des DFB zu brechen und konnten die Übertragung eines Heimspiels durch einen lokalen Sender realisieren.

Lange Zeit trug die MTV Wolfenbüttel die rote Laterne durch die Saison. Erst mit der Rückrunde wurde der MTV zur „besonderen Überraschung [...], die sich zu guter Letzt als Favoritenschreck mauserte“, konnten sie doch zum einen Punkte gegen die Berlinerinnen einfahren, als auch die Brauweilerinnen im letzten Saisonspiel mit 5:2 abfertigen. Gleichzeitig schwächelten die Konkurrenten.

Der Reserve des Hamburger SV ging im Endspurt die Luft aus. Der Durchmarsch von der Verbandsliga Hamburg über die Regionalliga Nord in die 2. Bundesliga war wohl doch ein etwas zu schneller Aufstieg.
Mit kümmerlichen 4 Punkten und einem Torverhältnis von -65 zeigte sich auch die


SpVgg Oberaußem-Fortuna den Anforderungen an die 2. Bundesliga nicht gewachsen. Bereits ab dem vierten Spieltag fand sich der Klub auf einem Abstiegsplatz wieder und konnte seitdem die letzten Ränge nicht mehr verlassen. Lediglich ein Sieg und ein Unentschieden konnten verbucht werden. Die Zukunft um den Verein von Manager Heinz Lentz sieht dabei auch nicht gut aus, erklärte er gegenüber dem KSTA doch, dass man sich gar überlegen müsse, ob sich ein Weitermachen aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt noch lohne.

Insgesamt ist die Einführung der zweiten Liga zumeist auf positives Echo gestoßen. Die Zuschauerzahlen hatten teilweise Erstliga-Niveau und „das (spielerische) Niveau hat sich gerade in der Rückrunde noch einmal gesteigert,“ so Gaby Wahnschaffe. Doch gleichzeitig muss man anmerken, dass vieles nach einem Jahr noch gar nicht zu beurteilen ist. „Sportlich wird sich der Unterbau zur 1. Liga sicherlich bewähren“, meint auch Willi Küpper. Weiterhin ist schon recht früh eine Planungssicherheit für die Aufsteiger vorhanden. Noch im letzten Jahr gab es die Relegationsspiele, in denen die Aufsteiger aus der Regionalliga in die Bundesliga ermittelt wurden. Nun steht bereits frühzeitig fest, wer in Zukunft zu den 12 Top-Clubs gehören wird und man kann planan.
Auf der anderen Seite darf man den finanziellen Aspekt aber nicht vergessen. Die Fahrtkosten sind für die Vereine höher – auch wenn sie in der zweiten Liga bezuschusst werden – und so bleibt abzuwarten, inwieweit diese von den Vereinen gestemmt werden können.

Mit 27 Toren die Torschützenkönigin der vergangenen Saison: Anja Koser vom FFC Brauweiler.

Foto: Nora Kruse

Zur Fansoccer-Startseite