| Text und Bilder von Ralf Dauksch
16.11.2011 Der Tag begann nebelig und kalt, doch pünktlich zum Anpfiff des Spiels
zwischen dem Tabellenvierten aus Herford und dem Mellendorfer TV, der als Tabellenletzter angereist war, kam die Sonne raus. Vor einer erschreckend dünnen
Zuschauerkulisse dominierten die Hausherrinnen das Spiel und fertigten die überforderten Gäste, die seit dem Sommer mit Hannover 96 kooperieren, mit 9:0 ab.
Überragende Spielerinnen waren dabei Anna Laue, die an sechs Toren beteiligt war, und Lena Wermelt, die sich viermal in die Torschützinnenliste eintragen konnte
und der dabei auch ein Hattrick in der ersten Halbzeit gelang.
Wäre doch jeder Elfmeter so einfach zu
pfeifen wie dieser! Mellendorfs Keeperin Franziska Ippensen erwischte den Fuß von Anna Laue mit der Hand. Doch Desirée Lenz verschoss den fälligen
Elfmeter (siehe Bild unten). Ergebnistechnisch egal, es wurde so oder so ein Herforder Kantersieg!
Der Herforder SV war von Beginn an die tonangebende Mannschaft. Bereits in der vierten Spielminute flankte Claudia Bujna von rechts auf Anna Laue, Mellendorfs
Torhüterin Franziska Ippensen konnte abwehren, der Ball fiel Yvonne Hansmeier vor die Füße, die jedoch knapp am Tor vorbeischoss. Keine zwei Minuten später
flankte Lena Wermelt von links, Anna Laue ließ den Ball zu Claudia Bujna passieren, die ließ sich diese Chance nicht nehmen und erzielte das frühe 1:0 für die
Gastgeberinnen. Kurze Zeit später gab es einen von Marion Gröbner ausgeführten Eckstoß für den HSV, Franziska Ippensen hatte den Ball eigentlich sicher, verlor
ihn aber bei einer Kollision mit einer Herforder Spielerin und Lena Wermelt stocherte ihn zum umstrittenen 2:0 über die Linie. Ippensen schien sich bei dieser
Aktion zu allem Überfluss auch noch verletzt zu haben und musste einige Zeit behandelt werden, konnte aber zunächst weiterspielen. Herford nahm trotz der
bequemen Führung nicht das Tempo aus der Partie, sondern spielte weiter Richtung Mellendorfer Strafraum. Claudia Bujna setzte sich auf der rechten Seite gut
durch, spielte den Ball fast schon auf Höhe der Spielfeldbegrenzung auf Christina Drewitz, die das Tor aber um wenige Zentimeter verfehlte. Auch gute Chancen
von Yvonne Hansmeier, Anna Laue und erneut Christina Drewitz blieben ungenutzt.
Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis die Gäste vorm Tor von Sonja Speckmann, die den Vorzug vor Friederike Abt bekam, auftauchten. Hanna Marquard zog aus gut
20 Metern ab, schoss aber über die Latte. Im Gegenzug hatte Anna Laue die Gästeabwehr schon überwunden und konnte auch von der herauseilenden Ippensen nicht
mehr fair am Torschuss gehindert werden. Zum fälligen Foulelfmeter trat Spielführerin Desirée Lenz an, die aber nach guter Herforder Tradition das Ziel deutlich
verfehlte. Einen Konter der Gäste versuchte die Herforder Innenverteidigerin Friederike Schaaf zu unterbinden, indem sie das Spielgerät mit Schmackes aus der
Gefahrenzone schießen wollte, dabei aber Aileen Osterwold so unglücklich im Gesicht traf, dass diese für einige Zeit am Spielfeldrand behandelt werden musste.
Diese Überzahlsituation nutzten die Ostwestfälinnen, Christina Drewitz setzte sich auf Links durch, flankte auf Anna Laue, die den Ball nicht richtig traf, aber
so zu Lena Wermelt weiterleitete, dass diese zum 3:0 abschließen konnte. Nur einen Augenblick später gab es einen Freistoß für Herford, Yvonne Hansmeier trat
an, der Ball wurde von Anna Laue in den Strafraum verlängert und Lena Wermelt vollendete ihren lupenreinen Hattrick. Eine Minute darauf zappelte die Kugel schon
wieder im Netz, aber die Schiedsrichterassistentin hatte eine Abseitsposition von Anna Laue erkannt. Die Gäste gaben nicht auf, Aileen Osterwold
schickte Laura Hinz, aber ihr Schuss geriet ein wenig zu lang, Sonja Speckmann konnte eine Torchance verhindern. Im
Gegenzug setzte sich Claudia Bujna auf der rechten Seite durch, passte auf Anna Laue, die verlängerte auf die aufgerückte Marion Gröbner, die Sekunden vor der
Pause auf 5:0 erhöhte.
Die zweite Halbzeit begann mit einem Torhüterinnenwechsel auf Mellendorfer Seite. Franziska Ippensen klagte nach ihrem Zusammenprall in der Anfangsphase des
Spiels über Kreislaufprobleme und wurde durch Sonja Reinhardt ersetzt. Ansonsten aber das gewohnte Bild: Claudia Bujna, die ein starkes Spiel bot, setzte sich
durch, flankte auf Lena Wermelt, die sich mit ihrem vierten Treffer bedankte. In der 51. Minute gab es eine Ecke für Herford. Marion Gröbners Schuss wurde
zunächst von der Mellendorfer Defensive abgeblockt, kam zurück zur österreichischen Nationalspielerin, die den Ball ein weiters mal in den 16er trat, wo Anna
Laue bereits wartete, um auf 7:0 zu erhöhen. Nach weiteren guten Chancen für den Herforder SV durch Jennifer Voss und Lena Wermelt startete Yvonne Hansmeier
durch, bekam den Ball in den Lauf gespielt und konnte auch Sonja Reinhardt überwinden, aber diesmal machte das gute Schiedsrichtergespann dem Torjubel einen
Strich durch die Rechnung und entschied auf Abseits. Eine sehr enge, aber wahrscheinlich richtige Entscheidung.
In den folgenden Minuten wollte Hansmeier ihren Treffer nachholen, blieb aber bei vier Versuchen
glücklos. Für die Schlussviertelstunde brachte Jürgen Prüfer frische Offensivkräfte, Christina Drewitz und die Spielerin des Tages, Lena Wermelt, verließen den
Platz, Giustina Ronzetti und Jil Urbas bekamen ihre Chance – und nutzten sie! Zunächst traf Ronzetti per Kopf nach einer Ecke von Anna Laue (82.), kurz
vor Spielende stand Jil Urbas plötzlich mutterseelenalleine im Strafraum, hatte genug Zeit, sich eine Ecke auszusuchen und steuerte den letzten Treffer des
Tages bei. In der Nachspielzeit scheiterten noch die beiden Innenverteidigerinnen Friederike Schaaf und Jacqueline Dünker bei ihren Versuchen, das Ergebnis
zweistellig zu gestalten.
Der Herforder SV war seinem Gast in allen Belangen deutlich überlegen und hätte eigentlich noch höher gewinnen können. Mit dem 4:0 in der 43. Minute hat man den
ostwestfälischen Rivalen wieder auf den vierten Rang in der Tabelle verdrängt. Beim Mellendorfer TV muss man hoffen, dass sich das Lazarett wieder etwas lichtet
und dass die Mannschaft nicht immer wieder durch neue Verletzungen umgebaut werden muss. Die gebotene Leistung war über weite Strecken nicht zweitligatauglich.
Nur 220 Zuschauer kamen ins Stadion, so wenige wie seit fast drei Jahren nicht mehr bei Heimspielen des HSV. Es spricht nicht gerade für die zweite Liga Nord,
dass alle anderen Spiele noch schlechter besucht waren, auch in der Südstaffel hatte nur ein Spiel mehr Zuschauer, nämlich das Spitzenspiel in Hoffenheim.
Herforder SV:
Speckmann – Drewitz (74. Ronzetti), Schaaf, Dünker, Gröbner (66. Schulte) – Hansmeier, Voss, Lenz, Bujna – Wermelt (80. Urbas), Laue
Mellendorfer TV: Ippensen (46. Reinhardt) – Seybusch, Arend, Marquard, Tugurlan (74. Stichnoth) – Böhlke, Spaude, Hinz (58. Verseck),
Gehring – Osterwold, Rose
Tore:
1:0 Claudia Bujna (6.)
2:0 Lena Wermelt (9.)
3:0 Lena Wermelt (41.)
4:0 Lena Wermelt (43.)
5:0 Marion Gröbner (45.)
6:0 Lena Wermelt (49.)
7:0 Anna Laue (51.)
8:0 Giustina Ronzetti (82.)
9:0 Jil Urbas (89.)
Gelbe Karten: - / Ippensen, Böhlke
Besonderes Vorkommnis: Desirée Lenz verschießt Foulelfmeter (34.)
Schiedsrichterin: Susann Dittmar (Radebeul) mit Anne-Kathrin Schinkel und Susann Gaspar
Zuschauer: 220
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