. . . .

FanSoccer

Das Frauenfußball-Magazin



2. Bundesliga Nord, 7. Spieltag

Kiel siegt im Schlammball-Derby

Holstein Kiel - FFC Oldesloe 1:0 (1:0)

Bilder und Text von Fuxi

27.10.2008   Pünktlich zum Nordderby in der 2. Bundesliga schickte das Wetter ein Regenband über Schleswig-Holstein. Der Platzqualität war dieser Umstand alles andere als zuträglich. Im Gegenteil: Zu dieser Saison waren Holsteins Frauen vom Stadion Waldwiese ins Kilia-Stadion umgezogen, doch diese Anlage hat ihre besten Zeiten auch schon Äonen hinter sich. Der Platz war ähnlich marode wie die Tribüne, und der Unterschied zwischen den Schweinesuhlen der Vorsaison und dieser Spielzeit war nicht zu erkennen. Die Voraussetzungen für das Derby waren also nicht optimal.

Kiels Coach Heinz Siebolds setzte auf ein 4-2-3-1-System. Vor Torhüterin Eva-Lotte Ravn verteidigten Christin Vogt, Lena Schrum, Svenja Wölki und Martina Pulkis. Die Doppelsechser besetzten Stephanie Güldenzoph und Rachel Pashley, davor eine offensive Dreierreihe mit Julia Weigel, Nina Jokuschies und Jana Leugers. Nicole Preiß war die einzige Spitze. Beim FFC Oldesloe fehlten Abwehrspielerin Svenja Fritz und Offensivkraft Bianca Naleppa. Trainer Michael Clausen vertraute auf das ein identisches System mit Torhüterin Andrea Rehfeldt, der Viererkette Franziska Koop, Claudia Wenzel, Mirja Herrmann und Johanna Wöhler, sowie den Doppelsechsern Stefanie Storm und Sarah Schreiber. Im offensiven Mittelfeld sollten Desirée Steinike, Kristina Kucharski und Joy Grube die einzige Spitze Gaitana Lippert unterstützen. Aber es war nicht nur das Nordderby, es war auch das Spiel der früheren HSVerinnen. Kiel hatte mit den Neuzugängen Leugers und Weigel, sowie mit Güldenzoph drei frühere Hamburgerinnen aufgeboten, und auch der FFC Oldesloe brachte drei einstmalige Hanseatinnen mit: Neben der jungen Grube auch Wenzel und Herrmann, die im Pokalfinale 2002 in Berlin die Innenverteidigung bildeten und gegen Frankfurt 0:5 unterlegen waren. Man kannte sich also.

Gaitana Lippert und Rachel Pashley

Oldesloes Gaitana Lippert kommt gegen Rachel Pashley einen Schritt zu spät

Von Beginn an merkte man, wie beide Teams mit dem rutschigen, matschigen Untergrund zurecht kamen: Die Gäste aus Stormarn schlitterten über den Rasen, während das Team aus der Landeshauptstadt standfester war, folglich auch schneller und ballsicherer auftrat. Die erste Chance hatten dann auch die Gastgeber nach vier Minuten, als Güldenzoph nach Ablage von Jokuschies aus 20 Metern den Kasten der Gäste knapp verfehlte. Die nächste Chance nach sechs Minuten. Herrmann verlor ein Duell mit Pashley. Deren Steilpass erreichte Jokuschies, die sich das Leder an Storm vorbeizulegen versuchte. Deren Grätsche wurde ein Opfer des Spielfeldes, und so spitzelte sie die Kugel an ihrer herausgeeilten und ebenfalls wegrutschenden Torhüterin vorbei aufs eigene Tor. Das Spielgerät kullerte allerdings nur an den Pfosten, was Jokuschies aber erfasste, und so drückte es die frühere U19-Nationalspielerin aus 50 Zentimetern zum 1:0 über die Linie. Für Kiel hatte sich der Umzug ins neue Stadion vorerst also gelohnt.

Chance Jana Leugers

Wieder ein Ball, der das Oldesloer Tor verfehlt: Jana Leugers rutscht weg und setzt das Leder zwei Meter daneben.

Oldesloe reagierte - beinahe überhaupt nicht. Sie kämpften mehr mit dem Stand als mit dem Gegner. Zumindest schafften sie es, gefährlichere Situationen vorerst zu vermeiden. Bei Kiel ging viel über Leugers auf dem rechten Flügel, die Aktionen allerdings waren meist unglücklich. Aber Holstein war besser. Nach 20 Minuten passte Güldenzoph auf Leugers. Wenzel war mit dem Arm dran und nahm den Zug aus dem Zuspiel, das dennoch ankam. Der nachfolgende Schuss ging weit links daneben. Die Gastgeberinnen waren zweikampfstärker, hatten aber auch Pech mit der Schiedsrichterin. Als Leugers in der 27. Minute im Zweikampf mit Steinike zu Fall kam, blieb der Elfmeterpfiff aus. Die Szene passte zum Spiel der Stormarnerinnen. Beim Tabellendritten aus Bad Oldesloe ging nichts zusammen: Die Flügel waren lahm, in der Mitte alles dicht, dazu das Schuhwerk. Früh war klar,


Nina Jokuschies und Stefanie Storm

Nina Jokuschies (re., hier mit Gegenspielerin Stefanie Storm) sorgte für das Tor des Tages nach sechs Minuten

dass Oldesloe für einen Treffer Glück brauchen würde, denn spielerisch konnten noch am ehesten die Störche überzeugen. Die suchten nun mehr Räume aus Kontern. Trotzdem waren sie gefährlicher. Leugers flankte nach einer abgewehrten Ecke erneut von rechts, und Preiß schädelte weit links daneben. Immerhin hatten sie Möglichkeiten. So musste Rehfeldt nach 38 Minuten nach Lupfer von Güldenzoph vor Leugers retten.

Julia Weigel gegen Johanna Wöhler

Zu Beginn der zweiten Halbzeit brachte sich Julia Weigel (Nr. 25) besser ein, hier im Dribbling gegen Johanna Wöhler

Aber die Gastgeberinnen vergaben auch gute Chancen kläglich. Leugers setzte sich rechts gegen Herrmann durch, und den Rückpass vor den Strafraum drosch Jokuschies freistehend in Rücklage deutlich drüber (41.). Dann verfehlte ein Weigel-Schuss den Kasten um einige Meter (44.). Zum Abschluss der Halbzeit verpasste Jokuschies einen Steilpass von Pashley aus der Zentrale, und Leugers rutschte bei ihrem Schussversuch aus 14 Metern aus, so dass der Ball den rechten Pfosten um zwei Meter verfehlte.

Es war ein richtiges "Scheißspiel". Kiel tat mehr, wirkte in den Aktionen sicherer. Die Oldesloerinnen brauchten für ihre Angriffe zu lange, ließen sich schnell stören. Dazu standen sie häufig schlecht gestaffelt und kamen im Spiel nach vorn höchstens bis zum Sechzehner. Bei Holstein lief der Ball dadurch so gut, wie es die erbärmlichen Platzverhältnisse zuließen. Mit mehr Genauigkeit im Abspiel hätten sie zu diesem Zeitpunkt längst höher führen müssen. Das einzige Tor passte aber ins Gesamtbild.

Zur zweiten Hälfte nahm FFC-Coach Clausen Joy Grube raus und brachte mit Kristin Engel eine neue Mittelfeldspielerin herein. Zunächst kam der FFC auch zum Strafraum. Wenzel bediente Lippert steil, die im Strafraum halbrechts erfolgreich abgedrängt wurde. Dennoch gelang der Torjägerin ein Pass vor den Strafraum, wo Kucharski die heranrauschende Koop irritierte, so dass die mehr oder weniger am Ball vorbei schlug (49.). Auf der Gegenseite blockte Weigel einen Befreiungsversuch von Wöhler und bediente dann Leugers, deren Linksschuss sich links am Kasten vorbei drehte. Das Spiel wurde immer zerfahrener, woran auch Schiedsrichterin Trenkner ihren Anteil hatte, als sie mehrfach über Fouls hinwegsah. Oldesloes Torfrau Rehfeldt konnte sich dann in der 61. Minute erstmals richtig auszeichnen: Nach Zuspiel von Weigel zog Preiß kurz in die Mitte und versuchte es mit einem Flachschuss aus 17 Metern aufs kurze Eck. Rehfeldt tauchte in die bedrohte Ecke und bog den Ball mit einer schönen Parade um den Pfosten. Eine Minute später wischte sie einen hohen Ball von Leugers aus spitzestem Winkel am Kasten vorbei und vereitelte eine Tormöglichkeit für Weigel.

Fernschuss Jokuschies

Claudia Wenzel (liegend) kommt zu spät, und Nina Jokuschies zieht nach einfachem Dribbling gegen Mirja Herrmann (li.) ab. Torhüterin Andrea Rehfeldt pariert aber sicher

Holstein Kiel war dem 2:0 auch weiter näher als Oldesloe dem Ausgleich. Rehfeldt hielt einen Jokuschies-Schuss aus 20 Metern, nachdem die sich problemlos gegen Herrmann durchgesetzt hatte. Und wieder nur eine Minute darauf brachte Leugers eine Flanke hoch in den Strafraum,


Jokuschies verpasste, und davon war Preiß so überrascht, dass es ihr nicht gelang, das Leder aus drei Metern mit dem Bauch über die Torlinie zu drücken. Oldesloes Trainer zog den zweiten Joker, brachte Sandra Runge für Stefanie Storm und in der 71. Minute mit der letzten Auswechslung auch Jaqueline Bleser für Kristina Kucharski. Zwar rückte sein Team in der zweiten Hälfte kompakter aus der Defensive, band aber Lippert so oft in den Spielaufbau ein, dass sie vorn völlig harmlos blieb und meistens fehlte. Die nachlassenden Spielbedingungen taten ihr Übriges.

Eine Viertelstunde vor Schluss hatten die Stormarnerinnen aber tatsächlich ihre erste echte Torchance. Wenzel wollte aus 30 Metern abziehen, wurde aber am Strafraum von Güldenzoph geblockt. Die legte damit den Ball jedoch vor die Füße von Schreiber. Der Hammer landete direkt in den Armen vorn Kiels Schlussfrau Ravn, die einen nass-kalten, aber ruhigen Nachmittag erlebte. Und jetzt schienen die Gäste endlich aufzuwachen, endlich engagierter und zielstrebiger. Nach Querpass von Lippert dribbelte Bleser mit Tempo an einer Gegenspielerin vorbei und wurde an der Strafraumlinie zu Fall gebracht. Schiedsrichterin Trenkner entschied nur auf Freistoß. Wenzel trat mit links an und jagte den Ball knapp links drüber (77.). Kiel nahm dann den einzigen Wechsel vor. Für Leugers kam Christina Krause herein. Sie ging in die Spitze, Preiß wechselte auf die Leugers-Position.

Das Oldesloer Strohfeuer verlosch so schnell, wie es aufgeflammt war. Der sapschige Acker versaute beiden die Aktionen, teilweise trafen die Spielerinnen beider Teams kaum den Ball. Von Spielzügen war nix mehr zu sehen. Oder kaum. Jokuschies' Pass in die Gasse kam zu Krause. Die wurde von Wöhler an der Strafraumgrenze gezupft, und wieder entschied Trenkner nur auf Freistoß. Güldenzoph trat an und das Leder aus 16 Metern halblinks drüber (85.). Kiel war unfähig, das entscheidende Tor zu machen, und der inzwischen kraftlose FFC brachte den Ball nicht mal mehr konstruktiv in die gegnerische Hälfte. Die letzte Szene war ein rüdes Foul von Schrum gegen Lippert, für das die Kielerin mit Gelb noch gut bedient war.

Freistoß Claudia Wenzel

Die letzte Oldesloer Chance: Claudia Wenzel jagt den aussichtsreichen Freistoß drüber

Der 1:0-Sieg ging vollauf in Ordnung, wie auch Oldesloes Trainer Clausen nach dem Spiel attestieren musste. Von zwei matschgeplagten Teams war Kiel das bessere. Am meisten spielte der Zufall mit. Holstein liegt durch den Dreier auf Rang 5, direkt vor dem von Platz drei auf sechs abgerutschten FFC Oldesloe. Am kommenden Wochenende fahren die Störchinnen dann zum nächsten Nordderby nach Hamburg.

KSV Holstein Kiel:
Ravn - Vogt, Schrum, Wölki, Pulkis - Güldenzoph, Pashley - Weigel, Jokuschies, Leugers (82. Krause) - Preiß

FFC Oldesloe:
Rehfeldt - Koop, Wenzel, Herrmann, Wöhler - Storm (69. Runge), Schreiber - Des. Steinike, Kucharski (71. Bleser), Grube (46. Engel) - Lippert

Tor:
1:0 Jokuschies (6.)

Gelbe Karten: Schrum / Schreiber, Koop

Schiedsrichterin:Kim-Jana Trenkner (Winsen/Luhe) mit Annika Hobst und Rena Tilsner (beide Fleestedt)

Zuschauer: 200


Zur 2. Bundesliga Nord

Zur FanSoccer-Startseite