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2. Bundesliga Nord, 1. Spieltag

Magerkost zum Auftakt

FC Gütersloh - 1. FC Union Berlin 1:0 (1:0)

Von Nora Kruse (Text u. Fotos)

07.09.2008

„Es war ein Spiel mit allen Highlights“, so Union-Trainer Marcel Holz nach dem Saisonauftakt beim FC Gütersloh. Von drei Lattentreffern nach nur dreißig Minuten einmal abgesehen, waren es jedoch keine sportlichen Highlights, die einem im Heidewald-Stadion präsentiert wurden. Fußballerisch lieferten beide Teams Magerkost, es waren die sogenannten Kuriositäten, die das Spiel bestimmten.

Mit dreißigminütiger Verspätung wurde die Partie angepfiffen. Der Hauptsponsor der Berlinerinnen, die Deutsche Bahn, war knapp zwei Stunden zu spät dran, sodass die Hauptstädterinnen erst kurz vor 14 Uhr im Heidewald eintrafen. „Trotzdem haben wir relativ gut ins Spiel gefunden“, so Holz, „die erste Halbzeit war ein offener Schlagabtausch.“ Dennoch waren es die Ostwestfälinnen, die die besseren Chancen auf ihrer Seite hatten. Das erste echte Lebenszeichen fand jedoch erst in der 17. Minute durch einen Schuss von Anja Barwinsky statt. Kurz darauf ging es aber Schlag auf Schlag. Zunächst traf Lisa-Marie Scholz nach Hereingabe von Lauryn Welch den Pfosten, zehn Minuten später Barwinsky. Den Nachschuss verwandelte Scholz allerdings zum verdienten 1:0. In der 30. Minute rappelte das Gehäuse ein weiteres Mal – diesmal war es Kristina Gessat, die die Latte traf.

Lisa Scholz

Lisa-Marie Scholz erzielte das goldene Tor.


Die Berlinerinnen blieben durch einige Einzelaktionen und Schüsse aus der zweiten Reihe zwar gefährlich, Gütersloh war dennoch die überlegene Mannschaft. Doch nach dem 1:0 setzten sich die Gastgeberinnen zur Ruhe. „Wir haben aufgehört, Fußball zu spielen“, kommentierte André Birker. Einen Grund wusste der neue FCG-Trainer dafür nicht, „sonst hätte ich es abgestellt.“ Der Aufstiegskandidat stand zu tief, die sich redlich bemühende Lauryn Welch wurde in der Spitze förmlich allein gelassen.

Union-Fans

Zu oft zu allein: Neuzugang Lauryn Welch (l.), hier gegen Anna-Luise Mewes, war häufig sich selbst überlassen.

So waren es die Unionerinnen, die den besseren Start in der zweiten Hälfte erwischten. Vier Minuten waren gespielt, als sich Alexandra Thom auf der rechten Seite durchsetzte und auf Anne Stein passte. Doch Kathrin Wojtasik hielt gegen die frei vor ihr stehende Stein grandios und rettete das 1:0. Eine „geile Partie“ habe Wojtasik gespielt, so Birker, der ihr den Vorzug vor Nadine Jablonsky gab und sich bestätigt sah. Wojtasik hielt nicht nur in dieser Situation blendend, auch Berlins zweite Großchance in der buchstäblich letzten Sekunde des Spiels durch Nicole Hansen wurde vereitelt.

Zwischen diesen beiden besten Berliner Möglichkeiten tat sich spielerisch nicht viel. „Wir haben es versäumt, die Abschläge zu sichern“, kritisierte Birker, dessen Mannschaft zu weit vom Gegner stand. Ausnutzen konnte Berlin die Fehler des Gastgebers jedoch nicht. Es fehlte an Ideen, Passgenauigkeit und Durchsetzungsvermögen, denn im Defensivbereich machte Gütersloh kein schlechtes Spiel, „insbesondere Lisa Gebhard hat kaum einen Defensivzweikampf verloren“, lobte Birker den zweiten amerikanischen Neuzugang.


Für den größten Aufreger des Spiels sorgte daher unfreiwillig Schiedsrichterin Sandy Kuchmann. Die Unparteiische aus Hachelbich erlitt nach gut 75 Minuten einen Kreislaufkollaps, für sie einspringen musste Assistent Patrick Hofmann. Nach kurzer Diskussion mit den Spielführerinnen und Trainern einigte man sich darauf, die Partie fortzuführen und die verbleibenden 15 Minuten ohne zweite Linienrichterin zu spielen. Kritische Situationen ergaben sich nicht, die „zweite Halbzeit plätscherte so dahin“, wusste auch Holz keine bessere Beschreibung für den Saisonauftakt. Insgesamt gehe der Sieg für Gütersloh aufgrund der Chancen in der ersten Hälfte in Ordnung, erklärte der Berliner und auch Birker stimmte ein: „verdient, aber glücklich“.

Statistik

Gütersloh
Wojtasik Dreyer, Drewitz, Gebhard, Widowski (66. Hermes) Barwinsky, Schiller, Scholz, Gessat (84. Otte), Scheuren (76. Schmücker) Welch

Berlin
Westphal Braumann (88. Weissenborn), Wierth (58. Hoppe), Mewes Joswiak, Dommenz, Thoms, Scherbaum, Schlotte Stein (58. Hupfer), Hansen

Tore
1:0 Scholz (29.)

Gelb
Welch, Drewitz

Schiedsrichterin
Sandy Kuchmann (Hachelbich)

Zuschauer: 300

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