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2. Bundesliga Nord, Nachholspiel vom 14. Spieltag

Sechs Punkte für den Klassenerhalt

FFC Oldesloe 2000 - 1.FC Union Berlin 1:0 (1:0)

Text und Bilder von Fuxi

29.04.2008   Duell der Aufsteiger, Duell der Abstiegskandidaten im Kurpark: Im Nachholspiel des 14. Spieltages kam es zum Aufeinandertreffen zwischen dem Tabellenneunten aus Oldesloe und dem Tabellennachbarn, den auf dem Relegationsplatz liegenden Unionerinnen. Beide hatten in der Vorwoche gesiegt: Die "Eisernen" schlugen den wohl in die Drittklassigkeit durchge- reichten Ex-Erstligisten Heike Rheine 1:0, und dem FFC gelang mit dem 2:0 gegen Aufstiegsfavorit TeBe Berlin eine echte Sensation, die auch noch verdient war. Grund genug, mit breiter Brust in dieses Sechs-Punkte-Spiel zu gehen, zumal die Stormarnerinnen zuletzt zuhause seit drei Spielen ungeschlagen waren.

Gästetrainer Marcel Holz vertraute auf ein 4-4-2. Vor Torhüterin Cindy Weise verteidigte eine Viererkette mit Andrina Braumann, Anna-Luise Mewes, Katrin Wierth und Katrin Kockat. Davor im Mittelfeld Bianca Joswiak links, Julia Schlotte und Carolin Dommenz zentral, Alexandra Thoms rechts. Den Sturm besetzten Julia Frieden und Nicole Hansen. Unions beste Torschützin, Sahra Hoppe, saß nur auf der Bank. Der FFC Oldesloe setzte ebenfalls auf ein 4-4-2 mit zwei Ketten. Im Tor stand Ellen Rehder, davor die aus dem TeBe-Spiel bekannte Viererkette mit Theresa Blum, Svenja Fritz, Mirja Herrmann und Johanna Wöhler. Das Mittelfeld bestand aus Kirsten Stamer, Claudia Wenzel, Stefanie Storm und Sarah Schreiber. Den Sturm besetzten wie in der Vorwoche Gaitana Lippert und Desiree Steinike. Deren Schwester Denise fehlte im Kader des Aufsteigers aus Schleswig- Holstein. Geleitet wurde die Partie von einem Schiedsrichtertrio aus Niedersachsen: Kim-Jana Trenkner (Winsen/Luhe) wurde assistiert von Annika Hobst (Fleestedt) und Nadine Lange (Meckelfeld).

Desiree Steinike

Steigerte sich mit zunehmender Spielzeit: Desiree Steinike, die hier mit Ball Julia Schlotte enteilt.

Die 179 Zuschauer im Kurparkstadion genossen das gute Wetter. Doch trotz bester Fußballbedingungen mit sonnigen 21 Grad sollten sie keinen lauen Sommerkick geboten bekommen. Was die beiden Mannschaften in den folgenden 91 Minuten ablieferten, war Abstiegskrampf pur. Für beide ging es um viel: Zwar stand Nichtmelder TuS Niederkirchen in der Südstaffel schon als Absteiger fest, sollte der frühere Meister (zu diesem Zeitpunkt Sechster) noch auf einen regulären Abstiegsplatz abrutschen, würde der fünfte Absteiger doch wieder zwischen den Zehnten beider Staffeln ermittelt. Platz 10 hatte vor diesem Spiel Union Berlin inne, einen Punkt hinter Oldesloe, und so merkte man beiden dieses Sechs-Punkte-Spiel an. In der ersten Viertelstunde flipperte der Ball zwischen den Strafräumen. Dann sorgte die Berlinerin Hansen für den ersten Torschuss ihrer Elf. Aus 30 Metern war ihr Versuch aber kein Problem für Oldesloes Schlussfrau.

Bianca Joswiak

Hier haben Sarah Schreiber und Johanna Wöhler das Nachsehen gegen Bianca Joswiak. Eine Torchance wurde trotz guter Technik beim Flankenball nicht daraus

Beide Teams wirkten nervös. Nach einem Foul revanchierte sich FFC-Kapitänin Herrmann mit einem Schubser und sah eine überflüssige, doch berechtigte Verwarnung (16.). Union tat etwas mehr für das Spiel, war einen Hauch bestimmter in den Aktionen. Gefährlich waren sie aber auch höchstens per Zufall. So landete eine abgerutschte Dommenz- Flanke auf dem Tornetz. Den ersten annähernden Torschuss der Platzherrinnen gab Stamer ab: Eine Hereingabe von Schreiber ließ Steinike passieren, aber in 17 Metern Entfernung zum Kasten rutschte Stamer der Ball über den Fuß und landete klar im Toraus (22.). Es schien aber ein kleiner Startschuss für die Offensivbe- mühungen der Stormarnerinnen zu sein. In der 24. Minute versuchte es Stamer erneut aus der Distanz, verfehlte abermals. Dann verlängerte Berlins Braumann einen Einwurf auf Schreiber, und die probierte es mit einem Heber über die weit vor ihrem Kasten stehende Torfrau Weise, aber der


Carolin Dommenz im Zweikampf mit Marialiiza Kranz

Ein typisches Bild aus der zweiten Halbzeit: Unions Carolin Dommenz (in rot) im Zweikampf mit Marialiiza Kranz allein auf weiter Flur, hinter sich sechs Oldesloerinnen (von links): Johanna Wöhler, Mirja Herrmann, Svenja Fritz, Theresa Blum und Torfrau Ellen Rehder. Sie war beste (und lauteste) Berlinerin, aber mit der Übermacht des Gegners oft überfordert

Lupfer aus 15 Metern ging drüber (26.).

Insgesamt aber hatte Oldesloe ein Problem im Spielaufbau: Steinike und Lippert waren vorn häufig auf sich gestellt, das Mittelfeld rückte nicht nach, und so entstanden zwischen den beiden da vorn und den vieren dahinter Löcher von bis zu 40 Metern. Kein Wunder also, dass der FFC kaum Torgefahr entwickelte. Es wirkte beinahe ängstlich, wie die Schleswig- Holsteinerinnen agierten. Die Angriffe rollten ohne Struktur und Tempo, teilweise hektisch. Union war ballsicherer, verlor aber regelmäßig vor dem Strafraum die Zweikämpfe. Insgesamt ein schwaches Spiel, das sein Highlight bis dato aus der 36. Minute zog. Dommenz brachte einen Freistoß aus 25 Metern von halblinks direkt auf den langen Pfosten, Rehder war schon auf dem Weg ins andere Eck und kam nicht mehr ran, aber das Leder sprang vom Außenpfosten ins Toraus (36.). Die beste Szene dieser mauen Partie. Ein nächster Schussversuch von Dommenz aus 23 Metern kam direkt auf Rehder.

Kurz vor der Pause landete ein zu kurzer Abstoß von Weise bei Schreiber, die das Leder direkt hoch in den Strafraum bolzte. Lippert und Mewes verstrickten sich in einen hakeligen Zweikampf, in dem die Stürmerin das bessere Ende hatte und den Ball dann auch an Wierth vorbei lupfte. Dann kamen ihr aber Steinike und deren Gegenspielerin in die Quere. Von der Brust der Mitspielerin fiel der Ball Lippert wieder vor die Füße. Die spitzelte verdeckt aus kurzer Distanz aufs rechte Eck, Weise reckte sich vergeblich - und es hieß plötzlich 1:0! Der 10. Saisontreffer von Lippert in der 43. Minute fiel aus dem Nichts. Und er war auch schmeichelhaft, denn ein 0:0 zur Pause wäre gerechter gewesen. Beide Mannschaften neutralisierten sich weitgehend gegenseitig, für einen Schönheits- preis kandidierte keine. Zweikämpfe und Fehlpässe prägten die ersten 46 Minuten. Union war zielstrebiger, mutiger, aber ohne Genauigkeit reichte es bei ihnen auch nur zu Torgefahr durch eine Standardsituation.

Pfostenschuss Carolin Dommenz

Glück für Oldesloe nach 36 Minuten: Ein Freistoß von Carolin Dommenz klatscht an den Außenpfosten. FFC-Keeperin Rehder (verdeckt) sieht dem Ball ebenso entsetzt hinterher wie Teamkollegin Claudia Wenzel (Nr. 8). Berlins Schlotte hingegen hofft vergeblich auf den Führungstreffer

Die zweite Halbzeit begann verheißungsvoll. Stamer verzog einen Volley aus halblinker Position (46.). Dabei blieb es aber auch. Union wechselte: Für Alexandra Thoms und Julia Frieden kamen Sahra Hoppe und Theresa Raab (54.). Ebenfalls doppelt wechselte Oldesloe nach einer Stunde: Sarah Schreiber und Kirsten Stamer raus, Marialiiza Kranz und Joy Grube rein. Aber weiterhin hatte jeder Joghurt mehr Kultur als dieses Spiel. Immerhin: Der FFC Oldesloe brachte nun etwas mehr Linie in seinen Aufbau. Lipperts Pass auf links nahm Kranz mit, kreiselte an der Auslinie Kockat aus und flankte scharf an den Fünfer. Dort rauschte Steinike heran und köpfte im Flug, aber Weise war dran und hielt den Ball im Nachfassen auf der Linie fest (63.). Drei Minuten später war Storms Volleyschuss aus 22 Metern kein Problem für Unions Torhüterin.

Julia Schlotte

Endstation Strafraum - Julia Schlotte sieht sich gleich einem Trio Oldesloes entgegen. Steinike blockt ihr Dribbling ab, Blum (Nr. 11) und Wenzel (verdeckt) sind bereit zu helfen

Den Gastgeberinnen gelang es in dieser Phase, Union vom eigenen Tor fernzuhalten. Das war aber auch der "Verdienst" der Gäste selbst, denen im Dunstkreis des


Strafraums Genauigkeit und Abstimmung fehlten. So fiel Oldesloe das Verteidigen leicht. Schon aus Verzweiflung schoss Hansen aus 24 Metern drüber (71.), nachdem sie eine Minute zuvor eine Freistoßvorlage von Schlotte klar rechts vorbei gesetzt hatte. Union spielte unkontrolliert mit langen Bällen nach vorn, die Oldesloe recht einfach abwehren konnte. Druckvoll waren sie, ihr Leck im Spiel war die Ballkontrolle. Weitgehend war es Gewürge. Die Stormarnerinnen schafften selten Entlastung, aber wenn, dann ging was. So wie in Minute 72: Blum bediente links Steinike mit einem langen Pass. Die gelernte Abwehrspielerin flankte wunderschön an den zweiten Pfosten, wo Grube heranrauschte und aus 10 Metern den Ball nur Zentimeter am linken Pfosten vorbei setzte.

Gaitana Lippert

Sie hatte nach dem Spiel gut Lachen: Gaitana Lippert, mit nun 10 Treffern Oldesloes erfolgreichste Stürmerin, markierte den einzigen Treffer der Partie und sorgte so für einen 4-Punkte-Vorsprung auf Union

Noch gab es also Hoffnung bei Union, die aber wurde enttäuscht. Chancen hatte nur noch Oldesloe. Nach Ecke von Storm köpfte Steinike vorbei (77.). Direkt im Anschluss nahm FFC-Coach Michael Clausen dann Mirja Herrmann vom Feld. Die Gelb-Rot-Gefährdete musste Kristina Kucharski weichen, die in den Sturm wechselte. Steinike ging zurück in die Innenverteidigung. In der 85. Minute verfehlte ein Freistoß Blums vom rechten Flügel das Tor. Sekunden später legte Grube schon rechts im Strafraum im zweiten Versuch quer, Kranz spitzelte weiter zu Lippert, aber die traf den Ball nicht richtig, und so hatte Weise keine Mühe. Lippert vergab ebenso eine Konterchance im Solo. Und in der vorletzten Minute verpassten Wenzel und Fritz eine Kranz-Ecke.

Der pünktliche Abpfiff von Schiedsrichterin Kim-Jana Trenkner provozierte unterschiedlichste Reaktionen: Während sich die Oldesloerinnen jubelnd in die Arme fielen, plumpsten die Gäste enntäuscht zu Boden. Sie waren zu harmlos gewesen, um diesen Arbeitssieg der Kreisstädterinnen zu verhindern. Letztlich verdiente sich Oldesloe diesen Sieg nur deshalb, weil sie einen Tick effektiver und im zweiten Durchgang gefährlicher waren. Beide leisteten sich Ungenauig- keiten und Unkonzentriertheiten, zeigten wenig Ansehnliches. Die Entstehung des einzigen Treffers passte voll ins Bild. Oldesloe konnte sich mit diesem 1:0 etwas absetzen, hat nun vier Zähler Vorsprung auf den Zehnten Union. Die wiederum liegen weiter nur zwei Punkte vor Abstiegsplatz 11 und haben mit den Spielen bei HSV II., gegen Lokalrivale TeBe, in Gütersloh und zuhause gegen Neubrandenburg das schwerste Restprogramm aller Abstiegs- kandidaten.

FFC Oldesloe 2000:
Rehder - Blum, Fritz, Herrmann (77. Kucharski), Wöhler - Stamer (60. Kranz), Wenzel, Storm, Schreiber (60. Grube) - Des. Steinike, Lippert

1.FC Union Berlin:
Weise - Braumann, Mewes, Wierth, Kockat - Joswiak, Schlotte, Dommenz, Thoms (54. Raab) - Frieden (54. Hoppe), Hansen

Tor:
1:0 Lippert (43.)

Gelbe Karte: Herrmann (Oldesloe, 16. Minute, wegen Unsportlichkeit)

Schiedsrichterin: Kim-Jana Trenkner (Winsen/Luhe) mit Annika Hobst (Fleestedt) und Nadine Lange (Meckelfeld)

Zuschauer: 179

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