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2. Bundesliga Nord, 17. Spieltag

Die im Regen stehen

Hamburger SV II - FFC Oldesloe 2000 1:0 (0:0)

Text und Bilder von Fuxi

14.04.2008   Das Derby zwischen dem HSV II und dem Aufsteiger FFC Oldesloe kam für HSV-Trainerin Claudia von Lanken zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn Erstligacoach Achim Feifel hatte sich aus eigener Personalnot in ihrem Team bedient und sogar Toptorjägerin Kathrin Patzke mit zum Auswärtsspiel nach Freiburg genommen. Und nun traf das verbliebene Rumpfteam auf den Nachbarn aus Stormarn, dessen Vorsprung auf einen Abstiegsplatz gerade ein mageres Pünktchen betrug. Immerhin hatten die Gäste den abgehalfterten, früheren Erstligisten Heike Rheine in der Vorwoche mit einem 2:0 mehr oder weniger in die Zweitklassigkeit verabschiedet, und der 4:1-Sieg der Rothosen in Gersten am letzten Wochenende war zu großen Teilen von der heute fehlenden Kathrin Patzke getragen. Die Favoritenrolle war entgegen dem Tabellenbild klar verteilt: An den Aufsteiger.

Die Aufstellungen waren in dieser Hinsicht auch eindeutig. Beim HSV bestand die Defensive zwar aus dem Stamm, aber davor gab es Änderungen. Vor Torhüterin Jennifer Weber agierte die gewohnte Viererkette mit Cathérine Knobloch, Vanessa Bastin, Vanessa Hamed und Nadine Odzakovic. Das Dreiermittelfeld besetzten Claudia Schulz links, Carina Wolfgramm für die mit der Ersten ins Breisgau gereiste Angelina Lübcke zentral und Pajtesa Kameraj rechts anstelle von Kathrin Patzke. Im Sturm rückte Rabea Garbers auf die linke Seite, dazu Maria Marrocu und Tugba Tekkal. Als Ersatztorhüterin stand Trainerin Claudia von Lanken knapp 3 Jahre nach ihrem Laufbahnende wieder auf dem Spielberichtsbogen. Die Gäste agierten mit zwei Viererketten. Vor Torhüterin Ellen Rehder verteidigten Mirja Herrmann, Desiree Steinike, deren Schwester Denise nur auf der Bank saß, sowie Svenja Fritz und Johanna Wöhler. Davor agierten Ex-HSVerin Claudia Wenzel und Stefanie Storm etwas zurückgezogen in der Zentrale, die Außen besetzten Theresa Blum und Sarah Schreiber. Im Sturm sollten Kirsten Stamer und Gaitana Lippert für Treffer gegen den Abstieg sorgen. Geleitet wurde das Spiel von Katja Mattig aus Frankfurt/Oder, assistiert von der Berlinerin Katia Kobelt und Katharina Kruse aus Senzig.

Freistoß FFC Oldesloe

Die erste Chance für Oldesloe: Stamer (re.) setzt einen Freistoß drüber. Blum täuscht nur an

Die Akzente der Anfangsphase setzte Oldesloe, zu mehr als Standards reichte es allerdings nicht. Ein Eckball von Stamer flog scharf in den Fünfmeterraum, und Torfrau Weber lenkte die Kugel zur anderen Seite ab (5.). Eine Minute später rauschte ein Freistoß Stamers aus 20 Metern drüber. Der HSV machte erstmals nach acht Minuten auf sich aufmerksam, als Marrocu sich im Laufquartett drei Gästespielerinnen gegenüber sah und es einfach mal aus 35 Metern probierte, weil Oldesloes Keeperin Rehder weit vor ihrem Kasten stand. Der Ball verfehlte das Tor aber seitlich um einige Meter. Der HSV II tat sich schwer, eine spielerische Linie zu finden. Schwer zu sagen, ob das am Fehlen von Patzke und Lübcke lag. Der FFC Oldesloe hatte allerdings auch damit zu tun, denn die Stormarnerinnen waren aggressiv und offensiv eingestellt, spielten ganz ansehnlich und flüssig nach vorn, ohne jedoch zwingende Torchancen zu entwickeln. Lippert verzog nach einem Ballverlust von Odzakovic aus 19 Metern (26.). Oldesloe wurde nach dieser Chance wieder stärker. Fritz brachte einen Freistoß von der Mittellinie hoch herein, Schreiber konnte ablegen, und Stamer versuchte es direkt. Ihr Hammer aus 17 Metern rauschte Zentimeter über die Latte (28.). Nächste Ecke für Oldesloe, Stamer wieder von links, wieder scharf vor das Tor, aber inklusive Weber verpassten alle, und die Chance war vergeben (29.).


Kampfbetonte Partie

Das Derby war von vielen Zweikämpfen, aber auch von Unzulänglichkeiten geprägt. Diese Szene steht exemplarisch dafür: Knobloch (liegend) versucht Schreiber (Nr. 7) den Ball abzunehmen, Garbers (Nr. 22) versucht zu helfen, während Wöhler (Nr. 2) links einen Freistoß für Oldesloe fordert. Im Hintergrund harren Bastin (li., in Weiß/Rot) und Kucharski der Dinge

Die Gäste bestimmten bei ungemütlichem Wetter das Spiel. Nur Torgefahr entwickelten sie aus dem Spiel heraus keine. Standards waren ihr einziges Mittel, die aber waren nicht ungefährlich. Bei beiden regierten Ungenauigkeiten: Beim FFC im Spiel nach vorne rein, beim HSV von hinten heraus. So war das Spiel nicht sonderlich erbaulich. In der Schlussphase des ersten Durchgangs bemühte sich der Gastgeber aus Hamburg aber doch nochmal. Erst parierte Rehder einen Kopfball von Hamed nach Knobloch-Freistoß. Dann kam Kameraj zum Abschluss, als Oldesloe den Ball nach Schulz-Freistoß nicht geklärt bekam, aber der Versuch kam ohne Druck bei Rehder an. Zu überrascht war die Mittelfeldspielerin, deren Schwester Aferdita im Sommer aus Potsdam zum HSV zurückkehren wird. Schließlich brachte ein Foul von Wöhler an Tekkal der Oldesloerin Gelb ein und dem HSV die letzte Chance dieser Halbzeit. Odzakovics Freistoß aus der Zentrale rammte Hamed per Kopf Richtung kurzes Eck, aber Rehder war unten und hielt das 0:0 zur Pause fest.

Cathérine Knobloch und Gaitana Lippert

Hochkonzentriert: Cathérine Knobloch (hinten) bewacht Oldesloes gefährlichste Stürmerin Gaitana Lippert

Für den HSV war dieses Unentschieden zu diesem Zeitpunkt durchaus schmeichelhaft. Zu selten kamen zwingende, planvolle Aktionen zustande. Oldesloe ging es da nur wenig besser, und ihnen fehlte die Effektivität. Dennoch wechselte FFC-Coach Michael Clausen nicht aus, und auch Claudia von Lanken sah noch keinen Handlungsbedarf. Nach ausgeglichenem Beginn, währenddessen Stamer abermals einen Freistoß über den Kasten setzte, wurde Oldesloe wieder stärker. Also entschlossen sich beide Trainer zum Einsatz frischer Kräfte. Zunächst brachte von Lanken beim HSV Ann-Kathrin Lüth für Pajtesa Kameraj (59.). Dann ersetzte FFC-Trainer Clausen vier Minuten später Kirsten Stamer durch Kristina Kucharski. Die spielerische Qualität brachte das aber nicht voran. Der Ball wurde zeitweise wild von der einen zur anderen Seite geschlagen und wechselte seinen besitzendes Team sekündlich. Es hatte mehr von Ping-Pong als von Fußball. Frei von spielerischen Akzenten, geprägt von Zweikämpfen. Mittlerweile schüttete es auch wie aus Eimern, was diese ganze Partie nicht attraktiver machte. Nächster Wechsel. Bei den Hanseatinnen kam Johanna Stutzke für die völlig abgemeldete Maria Marrocu (68.).

Theresa Blum und Nadine Odzakovic

Die zwei mit den meisten Ballkontakten: Theresa Blum (Nr. 11) vernascht hier Nadine Odzakovic - ansonsten gelang ihr aber wenig

Zwanzig Minuten vor dem Ende kamen die Gäste zu ihrer besten Chance: Schreiber fand Kucharski


mit einem kurzen Steilpass hinter die Abwehr. Die Eingewechselte hatte freie Schussbahn, aber der nasse Ball rutschte ihr über den Spann und weit neben das Tor. Das war erst ihre zweite Chance aus dem Spiel heraus. Der HSV wartete da noch auf seine erste. Garbers bekam im linken Halbfeld den Ball zugespielt und sah sich an vorderster Front drei Gegenspielerinnen gegenüber, die sich allerdings vornehm zurückhielten. Auf Zuruf schlug die Hamburgerin den Ball blind diagonal vor die rechte Strafraumecke. Dort war Lüth ihrer Bewacherin enteilt, nahm den hüpfenden Ball mit und hob ihn über die verdutzte Torfrau ins Netz. Das 1:0 in der 74. Minute fiel trotz des prasselnden Regens aus heiterem Himmel. Und es war unverdient.

Würde sich nun der FFC Oldesloe aufbäumen? Sie versuchten es zumindest. Binnen zwei Minuten kamen Marialiiza Kranz für Theresa Blum und Joy Grube für Sarah Schreiber. Aber es gelang den Gästen nicht mehr, Chancen herauszuarbeiten. Statt dessen wollte der HSV die sich bietenden Räume nutzen. Aber die Abwehr der Stormarnerinnen stand sicher, ließ keine Großchancen zu. Garbers schoss aus gut 25 Metern nur knapp am rechten Pfosten vorbei (80.), und in der 87. Minute nahm Rehder einen schwach gegrätschten Ball von Tekkal auf, nachdem zwei Abwehrspielerinnen an einem Garbers-Zuspiel vorbeigehauen hatten.

Am Ende blieb es bei einem mehr als schmeichelhaften 1:0-Sieg der Hamburgerinnen. Eine Unachtsamkeit der Gäste zusammen mit der besten Spielaktion reichte dem HSV zu drei Punkten, die den Klassenerhalt so gut wie sicher machen. Der FFC Oldesloe hingegen bleibt weiter im Tabellenkeller und hat nun die Spiele gegen die Topteams TeBe Berlin und FC Gütersloh vor Augen.

HSV-Kapitänin Vanessa Bastin

Gelöste Stimmung bei HSV-Kapitänin Vanessa Bastin. Kurz vor Schluss hatte sie eine Oldesloerin am Trikot gezogen, dann aber lieber schnell losgelassen, als ihr einfiel, dass sie schon verwarnt war



Hamburger SV II:
Weber - Knobloch, Bastin, Hamed, Odzakovic - Schulz, Wolfgramm, Kameraj (59. Lüth) - Garbers, Tekkal, Marrocu (68. Stutzke)

FFC Oldesloe 2000:
Rehder - Herrmann, Des. Steinike, Fritz, Wöhler - Blum (75. Kranz), Wenzel, Storm, Schreiber (77. Grube) - Lippert, Stamer (63. Kucharski)

Tor:
1:0 Lüth (74.)

Gelbe Karten: Wöhler (Oldesloe, 45. Minute, Foulspiel), Bastin (Hamburg, 75, Minute, Foulspiel)

Schiedsrichterin: Katja Mattig (Frankfurt/Oder) mit Katia Kobelt (Berlin) und Katharina Kruse (Senzig)

Zuschauer: 130


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