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2. Bundesliga Nord, 5. Spieltag

Die Angst der Stürmerin vor dem Tor

Hamburger SV II - SV Victoria Gersten 3:0 (2:0)

Text und Bilder von Fuxi

3.10.2007   Kennt ihr das? Dieses Gefühl, eine Situation schon einmal erlebt zu haben? Ein Dèja vú? Nun, in Bezug auf Großchancen von Kathrin Patzke ist HSV-Fans dieses Gefühl nicht fremd. Dieser Tag, das Spiel gegen Victoria Gersten, sollte jedoch in dieser Hinsicht denkwürdig werden. Und für die "Wichtel" genannte Angreiferin dürfte sich danach die Frage gestellt haben, was schlimmer war: Das Spiel selbst - oder der Spießrutenlauf danach?

Vom ersten Saisonsieg vergangene Woche erhofften sich Claudia von Lanken und ihr Team eine Initialwirkung. Sie setzte auf ein 4-3-3 mit Jennifer Weber im Tor, davor eine Viererkette mit Cathérine Knobloch, Vanessa Bastin, Vanessa Hamed und Nadine Odzakovic. Im Mittelfeld agierten Rückkehrerin Claudia Schulz, Carina Wolfgramm, Annika Rode und Angelina Lübcke hinter den beiden Sturmspitzen Kathrin Patzke und Larissa Holland. Sie setzte also auf ein 4-3-1-2. Victoria Gersten setzte ein sehr defensives 5-3-2 dagegen. Die Innenverteidigung vor Torhüterin Nina Egbers bestand aus Britta Kappel, Katrin Freckmann und Anna Klumpe, auf den Außenpositionen Sandra Reisinger und Lydia Schwering. Das Mittelfeld davor bildeten Silke Gößling, Corinna Holtgräve und Katharina Börger. Im Sturm: Torjägerin Inga Kappel und Sabrina Vagelpohl. Das Spiel wurde von der Berlinerin Sinem Turac und ihren Assistentinnen Anke Steinicke (Neuruppin) und Katia Kobelt (Berlin) geleitet.

Kathrin Patzke

Die zweite von acht Großchancen für Kathrin Patzke. Nina Egbers pariert

Die Partie begann mit viel Dampf. Beide schenkten sich wenig, das Abtasten fiel aus. Eine Ecke von Reisinger brachte die erste Gerstener Chance. Nah vor das Tor getreten, verpassten im Fünfmeterraum Freund und Feind, dann blockte Knobloch einen Schussversuch von Inga Kappel zur Ecke ab (3.). Der HSV kam nach sieben Minuten zur ersten Torgelegenheit. Rodes Steilpass nahm Patzke mit, aber dann spitzelte sie den Ball knapp am Tor von Egbers vorbei. Es ging hin und her. Corinna Holtgräves Schuss aus 20 Metern landete in den Armen von Weber (8.), danach verzog Gößling aus 21 Metern nur knapp, nachdem Vagelpohl Odzakovic den Ball abgenommen und sie quer bedient hatte (11.). Im nächsten Angriff kam der Ball nach einem Fehlpass der Hamburgerin Rode links wieder zu Vagelpohl. Deren Abspiel nahm Inga Kappel mit dem Rücken zum Tor an und leitete ihn nach rechts weiter zu Börger. Die ließ Bastin aussteigen, aber ihr Schuss aus neun Metern halbrechts strich links am Pfosten vorbei. Die beste Chance der Gäste bis dato, die im direkten Gegenzug selbst in Bedrängnis kamen. Schulz schickte Patzke links lang, die Stürmerin zog entlang der Torauslinie nach innen und probierte es mit einem Lupfer, aber Egbers parierte zur Ecke (13.).

Vanessa Hamed und Sabrina Vagelpohl

So lief es über weite Strecken: Vanessa Hamed (links) spielt den Ball weg, Sabrina Vagelpohl kommt zu spät

Nach dieser energiegeladenen Anfangsviertelstunde beruhigte sich das Spiel etwas, und der HSV übernahm das Zepter. Lübcke fing einen Fehlpass von Britta Kappel ab und lupfte auf die freistehende Patzke. Wieder frei vor Egbers, wählte sie den Heber als Mittel zum Tor - und verfehlte (22.). Die dritte Großchance, und mindestens diese hätte sie eigentlich verwandeln müssen. Die folgenden Chancen waren eher weniger hochkarätig. Hamed köpfte einen Freistoß schwach auf Egbers, und nach einer halben Stundeschoss Holland nach Dribbling gegen Schwering aus der Distanz drüber. Die Hanseatinnen waren jetzt zielstrebiger, während das Offensivspiel der Gerstenerinnen an Genauigkeit mangelte. Dann bekam Schulz die Chance zum Führungstreffer. Patzke setzte sich durch, Wolfgramm spitzelte das Leder an Schwering vorbei zu Schulz, aber die schlenzte am langen Eck vorbei und ärgerte sich danach, nicht den Hammer rausgeholt zu haben. Aber hinterher ist man bekanntlich immer schlauer.

Es war auffällig: Die Bundesligareserve präsentierte sich nun bissiger, bei Victoria schlichen sich immer mehr Fehler ein. Aber es waren die beiden Routiniers, die sich rehabilitieren durften und für das 1:0 sorgten. Patzke spielte links an den Strafraum zu Schulz und lief in den


Larissa Holland

Kaum ein Schnappschuss könnte dieses Spiel besser charakterisieren: Larissa Holland (links) rauft sich die Haare, die Niedersachsen sind erleichtert - Kathrin Patzke hat zum sechsten Mal eine Großchance versiebt und das rechtzeitige Abspiel auf Holland verschlafen

Sechzehner. Schulz schlug einen Haken gegen Schwering, passte mit dem Innenrist zu Patzke zurück, und die vollendete den Doppelpass. Daraufhin stand Schulz wieder frei und schob das Leder überlegt an Egbers vorbei ins lange Eck (40.). Und diese Führung war zu diesem Zeitpunkt auch verdient. Aber der HSV setzte nach. Lübcke spielte einen langen Pass in die Spitze, Klumpe trat daran vorbei, und Holland startete durch. Verfolgt von Britta Kappel bediente sie die mitgelaufene Patzke, die an Egbers vorbei zum 2:0 vollendete (43.). Der Schlussstrich unter diesen ersten Durchgang. Die Hamburgerinnen hatten sich im Verlauf des Spiels gesteigert. Sie standen besser und machten weniger Fehler. Bei Gersten lief es genau umgekehrt, und folgerichtig kassierten sie die Gegentreffer. Vor allem, wenn Holland und Patzke Raum hatten, wurde es für die Niedersachsen gefährlich. Gerstens Torjägerin Inga Kappel wurde hingegen gut neutralisiert.

Tor durch Kathrin Patzke

Die vierte Chance bringt das Tor: Nach Zuspiel von Holland umkurvt Kathrin Patzke Keeperin Nina Egbers und trifft zum 2:0 kurz vor der Pause

Beide Teams starteten unverändert in die zweite Halbzeit. Zunächst landete ein Distanzschuss von Klumpe in den Armen von Weber. Im Gegenstoß machte sich Patzke auf, die große Schwäche der Gerstenerinnen auszunutzen: Lübcke hob den Ball in ihren Lauf, aber Patzke verstolperte beim Versuch, an Egbers vorbeizugehen und einzuschießen (49.). Das Gerstener Trainerduo Matthias Rieck und Maria Reisinger reagierte: Kim Schlösser kam für Corinna Holtgräve herein. Die Gäste mussten was tun, und das sah man auch in den Offensivbemühungen, die in dieser Phase vehementer wurden. Nach abgewehrter Ecke spielte Börger in den Strafraum steil auf Reisinger - Weber war schneller draußen. Aber da waren ja noch die Konter der Gastgeberinnen. Steilpass von Rode auf Holland, die aber an Egbers hängen blieb. Zwei Minuten später wieder Holland: Nach Steilpass von Schulz grätschte Klumpe vorbei, Holland behauptete sich danach im Strafraum gegen Schwering und Freckmann, doch Egbers parierte den folgenden Schuss aus spitzem Winkel.

Lydia Schwering gegen Larissa Holland

Ein seltenes Erfolgserlebnis: Gerstens Lydia Schwering (Nr. 2) grätscht HSV-Stürmerin Larissa Holland ab

Nach einer Stunde war dann der Akku bei Claudia Schulz leer, und es kam Rabea Garbers. Zunächst war der Rückwärtsgang angesagt. Auf Vagelpohls Hereingabe folgte ein schwacher Reisinger-Schuss auf Weber (62.). Dann gab es für Trikotziehen Gelb für Börger. Es folgte die größte Chance zum Verkürzen. Gößling bediente Reisinger diagonal mit einem langen Pass. Ihre Ablage nutzte Inga Kappel sofort zum Schuss, aber Weber zeigte eine erstklassige Reaktion und parierte. Es war die einzige Großchance der Angreiferin. Gersten drückte, rückte leicht auf - und lief immer wieder in Konter. Garbers schickte Holland links, sie zog frei zum Tor - und schob knapp rechts vorbei (73.). Dann bediente Garbers Patzke, fast als Kopie der Szene davor - mit dem gleichen Ergebnis (76.). Unfassbar. Nur eine Minute später: Doppelpass Patzke mit Holland, Patzke wieder frei durch, ging auch an Egbers vorbei, wurde aber zu weit abgedrängt und kam aus spitzem Winkel nicht mehr zum Schuss. Holland lief in Position und wartete auf ein Zuspiel - vergeblich. Patzke versuchte es selbst mit einem Haken an der zurück geeilten Egbers vorbei und schob mit links knapp am Kasten vorbei! Kläglich. Sturmpartnerin Holland verstand die Welt nicht mehr.

Der HSV beherrschte das Spiel in den letzten zwanzig Minuten. Zehn Minuten vor dem Ende ersetzte


Maria Marrocu Annika Rode. Und es kam die nächste Möglichkeit für die Rothosen. Es waren immer die gleichen Spielzüge. Steilpass Lübcke, Patzke nicht im abseits und wieder frei durch, links vorbei an der Torhüterin - und bei der achten Großchance passte es dann zum zweiten Mal. Sie schob den Ball zum 3:0 ins leere Tor und erlöste damit ihr Team in der 84. Minute. Es war auch die letzte Torszene. Der HSV gewann klar, hochverdient und eigentlich noch viel zu knapp gegen die Niedersachsen. Was Gersten zeigte, war unter dem Strich zu wenig. Sie konnten nur phasenweise gegenhalten und gestalteten die Partie jeweils zehn Minuten pro Halbzeit offen. Ansonsten liefen sie trotz personell verstärkter Defensive immer wieder in einfach herausgespielte Konter. Ein Debakel wäre es geworden, wenn allein Patzke bei ihrer Chancenverwertung zielstrebiger gewesen wäre. Nach dem 2:0 war das Spiel der Rothosen jedenfalls genau auf diese Szenen ausgelegt, während Gerstens Hintermannschaft meistens nur die Hacken der Ballführenden zu sehen bekam.

Katharina Börger und Kathrin Patzke

Katharina Börger zieht am Trikot von Kathrin Patzke, sieht dafür den gelben Karton. Die Hamburgerin war schwer zu halten - bis kurz vor dem Tor

Bei Victoria überzeugte am ehesten Sabrina Vagelpohl, beste beim HSV waren Abwehrspielerin Cathérine Knobloch, Stürmerin Larissa Holland und Strippenzieherin Angelina Lübcke. Kathrin Patzke kassierte nach dem Spiel verständnislose Blicke, vor denen sie sich zu verstecken versuchte. Erfolglos. Und auch die Kommentare ihrer Trainerin musste sie schlucken. Ihr ironischer Kommentar: Sie drohte mit sofortigem Zusatztraining. Keine Frage: Kathrin Patzke wäre eine ausnehmend gute Stürmerin mit Erstligaformat - wenn sie nicht immer versuchen wurde, den Ball ins Tor zu tragen. Wenn sie das abstellt, hat sie keinen Grund mehr, sich vor Teammitgliedern, Trainerin und Zuschauern zu verstecken...

3:0 durch Kathrin Patzke

Geht doch: Kathrin Patzke marschiert an Nina Egbers vorbei und schiebt ins leere Tor ein



Hamburger SV II

Weber - Knobloch, Bastin, Hamed, Odzakovic - Schulz (59. Garbers), Wolfgramm, Rode (80. Marrocu) - Lübcke - Patzke (88. Stuzke), Holland

SV Victoria Gersten

Egbers - Reisinger, B. Kappel (78. Kreienheder), Freckmann, Klumpe, Schwering - Gößling, C. Holtgräve (49. Schlösser), Börger - Vagelpohl, I. Kappel

Tore:
1:0 Schulz (40.)
2:0 Patzke (43.)
3:0 Patzke (84.)

Gelbe Karte: Börger (Gersten, 67. Minute, Textilvergehen)

Schiedsrichter: Sinem Turac (Berlin) mit Anke Steinicke (Neuruppin) und Katia Kobelt (Berlin)

Zuschauer: 150


2. Bundesliga Nord

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