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2. Bundesliga Nord - 9. Spieltag

Das Brathähnchen muss warten

FC Gütersloh - Holstein Kiel 1:1 (1:1)

Von Nora Kruse (Text u. Bilder)

04.11.2007

Der Tabellenneunte zu Gast beim Primus in Ostwestfalen – eine klare Angelegenheit könnte man meinen. Doch noch nie hat der FC Gütersloh in der Bundesliga ein Tor gegen Holstein Kiel erzielen können. Diesen Bann hat der FC heute durchbrechen können, doch Grund zur Freude hatten die Gastgeberinnen dennoch keinen. Zu klar war die Dominanz der Gütersloherinnen in den vorherigen 90 Minuten, als dass man sich mit einem 1:1 hätte zufrieden geben können.

„Wir haben einfach unkonzentriert gespielt und zu viele Fehlpässe fabriziert. Ohne in Bedrängnis zu sein, haben wir stumpf in die Füße des Gegners gespielt“, schilderte Güterslohs Trainer Steffen Enge das Hauptproblem seiner Mannschaft. Direkt mit dem Anstoß begann das Angriffspiel des Gastgebers, der das Spiel fast ausschließlich in die Kieler Hälfte verlagerte. Doch so gut das Angriffspiel bis zur Strafraumgrenze funktionierte, dort war Endstation: die entscheidenden Pässe kamen nicht an, im Abschluss war der Tabellenführer zu ungenau – und außerdem begegnete er einer sehr gut aufgelegten Svenja Wölki, die in der Kieler Abwehr den ein oder anderen gefährlichen Ball abpasste und schlimmeres für ihre Mannschaft verhinderte.

Svenja Wölki

Nicht nur einmal war Svenja Wölki Retterin in der Not.

Die abgefangenen Bälle konnten die Gäste jedoch kaum nutzen, zu schwach war das eigene Aufbauspiel. Daher staunten die vereinzelten Zuschauer im Heidewaldstadion nicht schlecht, als es in der neunten Minute plötzlich 1:0 für die Gäste stand. Christina Krause fasste sich ein Herz und zog aus dem Mittelfeld heraus einfach mal ab.
Aus dieser Führung konnte Kiel jedoch keine Sicherheit gewinnen. „Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn Gütersloh zur Halbzeit 3:1 geführt hätte“, so Holsteins Trainer Heinz Siebolds. Und in der Tat hatten die Ostwestfälinnen bis zum Pausen- tee noch einige Möglichkeiten, das Ergebnis anders zu gestalten – genutzt haben sie jedoch nur eine. Ebenfalls mit einem Weitschuss, diesmal aus halblinker Position, überwand Kristina Gessat in der 13. Minute Kiels Torhüterin Frederike Borreck, der Bann gegen Kiel war gebrochen.
Doch da sich das Eichhörnchen bekanntlich mühsam ernährt, wird Gütersloh auf das Rückrundenspiel


Stephanie Bunte

Eine Szene wie ein ganzes Spiel: Gütersloh ist einen Schritt schneller als Kiel. Doch ein Tor gelang auch Stephanie Bunte (l.) nicht.

in Kiel warten müssen, um die Möglichkeit zu bekommen, den inneren Knoten gegen die Norddeutschen tatsächlich platzen zu lassen, oder auch „das Brathähnchen zu verspeisen“, wie Enge es ausdrückte. Serviert wurde es heute mehrfach auf dem Silbertablett, doch bis zur Pause konnte Borreck noch gegen die allein vor ihr auftauchende Lena Hackmann klären und tief durchatmen, als Maren Wallenhorst in der 45. Minute aus mittiger Position im Strafraum ein gutes Stück über den Kasten schoss.
An manchen Tagen rächt sich eine solch schlechte Chancenauswer- tung und so hatten auch die Gastgeberinnen das ein oder andere Mal Glück, dass Kiel nicht bei jeder Möglichkeit so effizient war, wie in der neunten Minute. In der 24. Minute traf Julia Oberst aus halbrechter Position lediglich den Pfosten und auch in der Endphase des Spiels fanden die Gäste vereinzelt den Weg durch die Gütersloher Hintermannschaft. „Gut fand ich heute, dass wir nicht – wie von der Presse in den letzten Spielen häufig kritisiert – Beton angerührt haben, sondern versucht haben, zu spielen. Das ist, denke ich, ein guter Weg", so der Gästetrainer.
Diesen guten Weg beschritt in erster Linie die in der 83. Minute eingewechselte Sabine Pürwitz, die für Wirbel in der Gütersloher Hintermannschaft sorgte. Gleich zweimal hing sie auf der linken Seite die Abwehr der Ostwestfälinnen ab. Einmal scheiterte sie an Torhüterin Nadine Jablonsky, das zweite Mal an fehlendem Zielwasser.

Kristina Gessat

Nach nur 13 Minuten sorgte Kristina Gessat für Ausgleich und Endstand.


Doch auch wenn die Gäste in der Endphase nochmals auf sich aufmerksam machten, die besten Möglichkeiten hatten zuvor den Gütersloherinnen gehört. In der 67. Minute spielte Gessat lediglich ans Außennetz, nachdem sie zuvor die Kieler Abwehr abgehängt hatte. Zwanzig Minuten später verfehlte Hackmann eine Flanke von Katrin Posdorfer, deren Ball jedoch noch ungeahnt gefährlich wurde und nur knapp am Tor vorbei hüpfte. Und auch die letzte Chance des Spiels gehörte Gütersloh, als Christina Drewitz in der 91. Minute quasi mit dem Schlusspfiff nur die Latte traf.
Während Kiel den Punktgewinn wie einen Sieg feierte, waren die Gesichter der Gastgeberinnen etwas betreten. Denn auch wenn man vereinzelt – und nur mit einem müden Lächeln – hören konnte, dass zumindest mal ein Tor gegen die Norddeutschen gelungen sei, sorgte die schlechte Chancenauswertung für Kopfschütteln. Außerdem musste man im Heidewaldstadion davon ausgehen, dass der Herforder SV und TeBe Berlin ihre Heimspiele gewinnen würden und somit an der Tabellenspitze mit den Gütersloh gleichziehen bzw. bis auf einen Punkt heran kommen würden. Da es genauso geschah, ist zwei Tage vor der Winterpause nun nochmal richtig Spannung in der Liga – Spannung, auf die Gütersloh sicher hätte verzichten können.

Statistik

Gütersloh
Jablonsky, Janke, Posdorfer, Drewitz, Hackmann, Bunte, Barwinsky (57. Hanhues), Lenz, Gessat, Schmücker, Wallenhorst

Kiel
Borreck, Mohr, Schrum, Wölki, Oberst (72. Stelck), Peshley, Güldenzopf, Preiß, Pulkis, Krohn (83. Pürwitz), Krause (89. Nefen)

Tore
0:1 Krause (9.)
1:1 Gessat (13.)

Gelb: Krohn, Peshley

Schiedsrichterin
Marina Wozniak (Herne)

Zuschauer: 200

Zweite Bundesliga Nord

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