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Zweite Bundesliga Nord, 19. Spieltag

„Auf einmal ist es wieder interessant“

Offener Aufstiegskampf nach dem 19. Spieltag

Von Nora Kruse (Text u. Fotos)

05.05.2008

Wer wird Meister, wer steigt auf? In den drei Bundesligen hat sich in den letzten Tagen einiges getan, schon festzustehen geglaubte Vizemeister können plötzlich aus eigener Kraft an die Spitze stürmen. Obwohl das in der Zweiten Bundesliga Nord nicht der Fall ist, scheint die Staffel drei Spieltage vor Saisonende so offen wie nie.

„Wer konnte damit rechnen, dass TeBe so viele Punkte liegen lässt?“ fragte sich gestern Güterslohs Trainer Steffen Enge. Offiziell war der Aufstieg für seine Mannschaft abgehakt, doch ein Sieg gegen Oldesloe - bei gleichzeitigem Patzen der Konkurrenten TeBe Berlin und Herford - lässt Enge wieder an die Tabellenspitze schielen. „Wir gucken nur auf uns und wollen die Spiele für uns nutzen.“ Dennoch wusste man während der Partie gegen den FFC Oldesloe bestens über den Zwischenstand aus der Hauptstadt Bescheid, selbst die Mannschaft auf dem Platz wurde informiert.

Johanna Wöhler, Stephanie Bunte

Stephanie Bunte (r.), hier gegen Oldesloes Johanna Wöhler, machte mit ihrem ersten Saisontreffer Güterslohs Heimsieg perfekt.

Die Spielerinnen wussten um das 1:1 von Berlin und es war gleichzeitige Motivation, die 2:0-Führung nicht mehr aus der Hand zu geben. „Nach dem zweiten Tor ging es nur noch ums Durchhalten“, so Enge, der kurz vor Schluss auf Doppel-Sechs umstellte und Maren Wallenhorst als einzige Spitze agieren ließ – mehr Absicherung ging nicht.
Gesichert hat TeBe Berlin die Tabellenspitze, effektiv den Vorsprung sogar auf drei Punkte ausgebaut, was für die Hauptstädterinnen jedoch wenig Trost ist. „Wir lernen es einfach nicht, die Fehler der Konkurrenz auch mal zu nutzen“, so Trainer Sven Thoß. Gemeint war der Herforder SV, der 2:3 gegen den 1. FC Lok Leipzig verlor, wodurch sich die Sächsinnen vorzeitig den Klassenerhalt sicherten.
Die heimstarken Herforderinnen mussten dabei eine ganz bittere Pille schlucken, nach 18 Minuten wurde Spielführerin und –gestalterin Kerstin Nolte ausgewechselt. Die Mittelfeldspie-


FC Gütersloh 2000

Die Negativserie ist beendet, Gütersloh ist der Gewinner des 19. Spieltags.

lerin zog sich einen Bänderriss zu, die Saison ist für sie beendet. Ohne Chefin Nolte war das Aufbauspiel dahin, es fehlte die lenkende Hand und zum Ende hin auch deren Alleingänge, mit denen sie immer in der Lage war, mehrere gegnerische Abwehrspielerinnen auf sich zu ziehen und dadurch Räume für ihre Mitspielerinnen zu schaffen.
„Das war ein Rückschlag“, sagte HSV-Trainer Björn Kenter. Dennoch ist man in Herford in Bezug auf Aufstieg sehr entspannt, ist es doch erst die zweite Saison in der Liga. Das Ziel heißt daher nicht, den Weg ins Oberhaus unbedingt zu gehen, sondern am Ende „vor Gütersloh zu stehen“, so Kenter.
Das Rennen der Ostwestfalen ist unentschieden, seit gestern sind sie punktgleich. Drei Zähler davor rangiert TeBe, bei denen sich Kenter sicher ist, dass sie in der derzeitigen Form „auch nicht alle Spiele gewinnen werden.“ In Berlin ist der ohnehin dünne Kader voller Verletzter, in Herford geht seit gestern die vielleicht wichtigste Spielerin an Krücken. Hat sich Gütersloh einen Vorteil erspielt?

Kerstin Nolte

Ganz bitter: Herfords Kerstin Nolte fällt für den Rest der Saison aus.


Seit Beginn der Zweiten Bundesliga spielt der FCG jedes Jahr um den Aufstieg und hat den Sprung bislang nie geschafft, was der Talentschmiede schmerzliche Abgänge von Lena Goeßling und Stephanie Goddard gebracht hat. Ein Problem, das die bislang entspannten Herforder ebenso treffen könnte. Ein Zusammenbleiben der Mannschaft für ein drittes Zweitligajahr ist ziemlich wahrscheinlich, führt aber zu wesentlich höherem Druck in der kommenden Saison. Dann ist der Aufstieg nahezu Pflicht, um die zahlreichen Jugendnationalspiele- rinnen um Marie Pollmann und Maxine Mittendorf auch langfristig an den Verein zu binden.
„Auf einmal ist es wieder interessant“, denkt Enge über den Aufstiegskampf, der gezeigt hat, wie schwer Prognosen sind. Mit nahezu jedem Spieltag ändert sich die Ausgangslage. Klar ist, dass nur TeBe den Aufstieg aus eigener Kraft schaffen kann und ihn nach vier Jahren in der zweiten Liga auch finanziell nötig hat. Klar ist aber ebenso, dass bislang keine der drei Mannschaften Erstliganiveau hat und somit eine Menge Arbeit auf den Aufsteiger wartet. Da wäre es natürlich hilfreich, so früh wie möglich zu wissen, ob man 80.000 Euro mehr im Geldbeutel hat (Fernsehgelder plus Startgeld für den Hallenpokal). Aber diese Planungssicherheit wird sich hinauszögern, was dem Zuschauer dafür noch spannende drei Spieltage beschert.

Bilder: Herford - Leipzig

Bilder: Gütersloh - Oldesloe

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