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2. Bundesliga Nord, 1. Spieltag

Traumstart für TeBe

TeBe Berlin - KSV Holstein Kiel 6:2 (3:0)

Text von Katja Öhlschläger, Fotos von Stefanie Wolf

11.9.2006

Mit einem klaren und überzeugend herausgespielten 6:2 gegen den KSV Holstein Kiel sind die Frauen von Tennis Borussia Berlin wunschgemäß in die neue Saison gestartet, nachdem die TeBe-Männer am Vortag nebenan im Mommsenstadion im DFB-Pokal mit 1:3 gegen den Karlsruher SC den Kürzeren zogen, was mich nach Berlin und dann zweimal an einem Wochenende in den Eichkamp führte. Während sich die Gastgeberinnen in allen Mannschaftsteilen in Erstligaform präsentierten, steht Kiels Trainer Heinz Siebolds noch einige Arbeit bevor.

In einem von Beginn an temporeichen und von beiden Seiten engagiert geführten Spiel dominierten die Veilchen das Geschehen. Auf links aus der Abwehr angetrieben durch Neuzugang Madleen Wilder und auf rechts vornehmlich über Senem Özer. Gleich in der zweiten Minute musste Holstein-Keeperin Katna Ihrens aus dem Tor eilen, um vor Kerstin Straka zu klären, der ein weiter Ball von Wilder galt. TeBe konnte sich in der Folge zahlreiche Torchancen erarbeiten, weil die gesamte Mannschaft gut verteidigte und Kiel sich so kaum aus der Bedrängnis lösen konnte. Regelmäßig bewegten sich die Berlinerinnen schneller zum Ball und gewannen sie vor allem im Mittelfeld den überwiegenden Teil der Zweikämpfe.

Holstein Kiel vor dem Anpfiff

Vor dem Anpfiff waren die "Holstein Woman" noch guter Dinge...

Doch das 1:0 ließ noch auf sich warten. Ein strammer Fernschuss von Ilka Heyke verfehlte das Gehäuse knapp links. In der 17. Minute dann aber drang "Ernie" Wilder in den Kieler Strafraum, umspielte ihre Gegenspielerinnen und konnte schlussendlich nur noch mit einem Foul gestoppt werden. Den fälligen Strafstoß verwandelte Jessica Brückner ohne jede Mühe und ohne Ihrens eine Abwehrchance zu lassen. Kurz darauf eine Schrecksekunde für die Gäste aus dem hohen Norden, als sich U-19-Weltmeisterin Nina Jokuschies mehrere Minuten an der Seitenlinie behandeln lassen musste, das Spiel mit einem Oberschenkelverbad schließlich aber doch fortsetzen konnte.

TeBe Berlin vor Anpfiff

...doch schon bald zeigten die TeBe-Frauen, wer "Herr im Haus" ist.

Nach dem Führungstreffer behielt TeBe den Druck bei und wollte offensichtlich sofort nachlegen. Um ein Haar gelang dies in der 25. Minute Ilka Heyke, die eine Flanke von Yvonne Schilling direkt abgenommen hatte und wiederholt durch gefährliche Fernschüsse auffiel. Ihr Schuss landete aber zu zentral in den Armen der Kieler Schlussfrau, die dann eine Minute später das verdiente 2:0 aber nicht verhindern konnte. Senem Özer bewies gutes Auge und ihre technischen Fertigkeiten, indem sie mit einem eingesprungenen Pass Stürmerin Schilling in vollem Lauf bediente. Schilling nahm an, zog noch wenige Schritte Richtung Tor und zielte dann präzise über Ihrens hinweg in die Maschen. In seiner Entstehung wahrlich ein Treffer Marke "Tor des Monats".


Franziska Liepack

Geburtstagskind Franziska Liepack machte sich selbst das schönste Geschenk und erzielte zwei Tore.

Voller Spielfreude und Spielwitz dachten die Gastgeberinnen gar nicht daran, einen Gang zurückzuschalten und blieben die spielbestimmende Mannschaft. Auf der Gegenseite gelang Kiel lediglich ein Fernschuss durch Kati Krohn, der jedoch links am Tor vorbei sauste. Die Kielerinnen standen weiterhin beim Passpiel eher hinter als vor ihrer Gegenspielerin und verloren so viele Bälle, was ein sichtlich unzufriedener Trainer Siebolds an der Seitenlinie unmissverständlich mit "Wer alleine steht, steht falsch!" oder "Ihr macht die Anspielstationen zu spät zu!" kommentierte. Logische Konsequenz: das 3:0 in der 34. Minute durch Geburtstagskind Franziska Liepack. Eine Ecke von Aylin Yaren verlängerte Schilling vor den linken Torpfosten, wo es mit Liepack erneut eine Berlinerin war, die schneller auf die neue Situation reagierte.

Zwei Minuten später gelang Kiel bei einem Gewühl im Berliner "16er" beinahe der Anschlusstreffer - doch nur beinahe, weil keine Kielerin die Chancen nutzen konnte und letztendlich Kerstin Prusas den Ball unter sich begrub. Weitere Gelegenheiten für Yaren auf TeBe-Seite und Nicole Preiß für die Gäste blieben ungenutzt, sodass es mit einem verdienten 3:0 für Berlin in die Pause ging.

Imbissstand

Familiäre Atmosphäre in der Harbigstraße - für das leibliche Wohl sorgte dieser Imbissstand. Das Spitzenspiel gegen Gütersloh in zwei Wochen findet allerdings im Mommsenstadion statt!

Die zweite Spielhälfte begann wie die erste, mit Chancen für Berlin. Bei einem 20-Meter-Schuss von Heyke war Ihrens mit einer spektakulären Flugeinlage zur Stelle, zwei Minuten darauf klärte Svenja Wölki in letzter Sekunde vor der heraneilenden Schilling. In der 51. Minute konnten die 101 Zuschauer an der Harbigstraße dann eine Kopie des 3:0 bewundern. Schilling verlängerte eine Yaren-Ecke, diesmal staubte Spielführerin Josefine Krengel ab. Wieder einen Eckball gab es nur wenige Augenblicke nach dem 4:0. Diese, wieder getreten von Yaren, konnte zunächst geklärt werden, doch nach Yarens Flanke stieg Schilling am langen Pfosten hoch und beförderte das Leder nur Zentimeter über die Torlatte. Genau diese Zentimeter fehlten in der 57. Minute dann nicht mehr - wieder Ecke Yaren, gleiche Situation, die gleichen Schwächen bei Kiel - Tor.

Die Messe war gesungen und die TeBe-Spielerinnen ließen nun etwas in ihrer Konzentration nach. Mit dem Mute der Verzweiflung gaben die Gäste ihr Bemühen um einen Ehrentreffer nicht auf. In der 63. Minute waren sie in Person von Nicole Preiß schließlich erfolgreich. Preiß verlängerte einen Eckball von Sabine Purwitz ins Tor. Von nun an spielten die Kielerinnen etwas


selbstbewusster und passicherer, was ihnen weitere Tormöglichkeiten einbrachte. Zählbares sprang dabei dann noch einmal in der 78. Minute heraus. Kapitänin Nina Jokuschies dribbelte sich durch die Abwehr und legte die Kugel rechts an Prusas vorbei ins Netz.

Yvonne Schilling

Wenn Stürmerin Yvonne Schilling so erfolgreich weitermacht, wird sie sich noch einige Male fotografieren lassen müssen... ;-)

Den Schlusspunkt besorgte fünf Minuten vor Spielende erneut Franziska Liepack. Ein Eckball von Yaren strich an Freund und Feind vorbei und Liepack musste wie bei ihrem ersten Tor wieder nur abstauben. Dass es beim 6:2 blieb, hatten die Kielerinnen Schiedsrichterin Elke Fehlow zu verdanken, die in der 87. Minute ein klares Handspiel einer Kieler Abwehrspielerin im Strafraum nach einer Flanke von Kerstin Straka nicht mit Elfmeter ahndete.

TeBe Berlin dürfte mit dieser Mannschaft noch eine rosige Zukunft vor sich haben. Für den ersten Spieltag präsentierte sie sich überraschend gut eingespielt, motiviert und spielfreudig. Mit der Abwehr um Madleen Wilder, Franziska Liepack, Josefine Krengel und Susann Sharif weiß Trainer Sven Thoß ein echtes Prunkstück in seinem Team. Bei Kiel fehlte vor allem die Beweglichkeit und Spritzigkeit, um gegen die physisch starken Berlinerinnen mithalten zu können. Darüber hinaus muss die Truppe von Heinz Siebolds unbedingt an ihrem Stellungsspiel bei Standardsituationen arbeiten, in deren Folge gestern vier der sechs Tore fielen.

TeBe Berlin:

Prusas - Liepack, Krengel, Sharif, Wilder - Heyke, Brückner (29. Kelm), Özer (70. Kampe) - Straka, Schilling (60. Küpper), Yaren

KSV Holstein Kiel:

Ihrens - Scheffke, Perez Traulsen, Wölki, Schildt (45. Pürwitz) - Pashley, Jokuschies, Krohn, Krone (65. Pulkis) - Preiß, Bannas (78. Staade)

Tore:
1:0 Brückner (17./FE)
2:0 Schilling (26.)
3:0 Liepack (35.)
4:0 Krengel (50.)
5:0 Schilling (57.)
5:1 Preiß (68.)
5:2 Jokuschies (78.)
6:2 Liepack (85.)

Schiedsrichterin: Elke Fehlow (Brieselang)

Gelb: Yaren

Zuschauer: 101


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