Fansoccer-Logo

2. Bundesliga Nord, 16. Spieltag

Wenig Fußballkunst auf Kunstrasen – oder Alter schützt vor „Torheit“ nicht

Tennis Borussia Berlin – TSV Jahn Calden 4:0 (2:0)

Text und Fotos von Christian Heidler

25.03.2007

Mit „Calden trifft wieder!“ könnte der Spielbericht betitelt werden, doch soviel Sarkasmus soll es nicht sein. Auch die bundesligaunwürdigen Begleitumstände dieser Begegnung könnten noch drastischer in der Schlagzeile zum Ausdruck gebracht werden. Aber letztlich wurde Fußball gespielt mit dem Ergebnis, daß Tennis Borussia Berlin wieder einen souveränen Schritt Richtung Tabellenspitze gemacht hat.

Für ein Fußballspiel braucht man bekanntlich nicht nur zwei Mannschaften, Schiedsrichter und einen Ball sondern auch ein Spielfeld. In diesem Punkt deutete sich im Laufe der Woche bereits ein Problem an. Starke Niederschläge hatten das Grün des Mommsenstadions unter Wasser gesetzt und zu einer Platzsperre geführt, der auch ein für Freitagabend angesetztes Spiel der Oberliga Nordost (Männer) zum Opfer gefallen war. Rechtzeitig zum Ausklang der Sonne hatte Petrus jedoch ein Einsehen und Sonne und Wind trockneten den Naturrasenplatz mit vereinten Kräften. Dennoch war die Rasenfläche am Sonntagmittag noch nicht freigegeben, so daß sich die Spielerinnen der beiden Mannschaften zunächst auf einem nahegelegenen Kunstrasenplatz warm machten. Dann erfolgte der Umzug ins Stadion, wo die Platzsperre nach eingehender Begutachtung aufgehoben werden sollte. Der Platzwart, die Schiedsrichterin, Vertreter beider Mannschaften und auch der anwesende Mitarbeiter des Bezirksamtes von Charlottenburg-Wilmersdorf kamen wohl zu dem übereinstimmenden Urteil, daß der Zustand des Platzes ausreichend gut war. Letztlich fehlte nur noch die Zustimmung eines leitenden Bezirksamtsmitglieds. Telefonisch wurde dem Entscheidungsträger die Bitte vorgetragen, woraufhin folgende Antwort gekommen sein soll: "Die sollen auf dem Kunstrasen spielen - oder gar nicht. Mir doch scheißegal!" *

Platz gesperrt

Platz gesperrt. Während die Offiziellen zur Raseninspektion schreiten versucht sich Jennifer Giehl warm zu halten.

Berlin ist doch immer eine Reise wert...

Notgedrungen wurde wieder zum Kunstrasenplatz gewechselt. Was hatten die Gäste denn für eine andere Wahl, denn niemand würde ihnen die Kosten für eine erneute Anreise erstatten und auch ein Ersatztermin wäre wohl schwer zu finden gewesen. Zwar war vor einigen Wochen bereits die Begegnung zwischen TeBe und der SG Wattenscheid auf jenem Platz ausgetragen worden, dessen ungeachtet waren die Verantwortlichen des Gastvereins der Ansicht, dieser Hockeyplatz wäre nicht regelkonform und entspräche weder in seinen Abmessungen noch von der Qualität des Kunstrasens her den Bestimmungen des DFB.

Gespielt wurde dennoch, wenngleich der Anpfiff letztlich mit einstündiger Verspätung erfolgte. Bei sonnigem Wetter und frühlingshaften Temperaturen legten beide Mannschaften offensiv los. So hatte Michaela Schulz gleich die erste Chance für TeBe, ihr Heber ging jedoch über das Caldener Tor. Die erste Ecke erkämpften sich die Gäste und es folgte ein knapp neben das Tor gesetzter Schuß von Jennifer Giehl. Und kurz darauf erzielte Calden dann tatsächlich den ersten Treffer. Eine scharfe Hereingabe von der linken Seite netzte Carolin Georgi ein (6.). Zu ihrem Leidwesen war es allerdings die eigene Torhüterin, die Georgi da bezwungen hatte.


Elfmeter

Elfmeter für Calden. Unerreichbar für Torfrau Kerstin Prusas landet der Schuß von Simone Müller (nicht im Bild) am Pfosten.

Dieses unglückselige Eigentor erschütterte den Tabellenvorletzten jedoch nicht allzusehr. Der TSV war bestrebt die richtige Antwort zu geben und attackierte. Als Jacqueline Scheuren dann beim Spurt in den Strafraum von Josefine Krengel zu Fall gebracht wurde, zeigte Schiedsrichterin Elke Fehlow völlig zu recht auf den Punkt. Simone Müller lief an und traf unhaltbar für Kerstin Prusas – das Aluminium (11.)!

Halbeit

Halbzeitpause. Calden bleibt gleich auf dem Platz. Trainer Manfred Rauschenberg und die Spielerinnen haben einiges zu besprechen.

Einem vergebenen Kopfball von Karina Thöne folgte eine Demonstration der Berlinerinnen, wie man es richtig macht: Katrin Prühs setzte sich im Caldener Strafraum gegen mehrere Gegnerinnen durch und bediente die frei stehende Michaela Schulz, die aus Nahdistanz ohne Probleme zum 2:0 einschoß (19.).

Noch gab sich Calden nicht geschlagen, kam durch Mirjam Gernhardt zu einem Torschuß (20.) und zwang später Prusas zu einer guten Aktion, als diese einen Schuß im Anschluß an eine Ecke gerade noch über die Latte lenken konnte (25.). Und als Caldens Mannschaftsführerin der TeBe-Abwehr den Ball abnahm, damit auf Prusas zusteuerte und abzog, mußte das eigentlich ein Tor werden. Aber nein, Thönes Schuß strich am langen Pfosten vorbei (37.).

Berlin hatte im ersten Durchgang mehr vom Spiel und auch die reifere Anlage, die klareren Einschußmöglichkeiten hatte sich bis dato allerdings Jahn Calden erarbeitet, so daß der Halbzeitstand doch etwas schmeichelhaft für den Aufstiegsanwärter war. Ilka Heyke mußte übrigens schon in der 13. Minute vom Feld. Inzwischen ist bekannt, daß sie sich eine Kreuzband- und Meniskusverletzung zugezogen hat. Gute Besserung!

TYaren Aylin, Mirjam Gernhardt

Ein ungleiches Paar: Yaren Aylin (hinten) konnte durch Technik, Biß und Spritzigkeit überzeugen. Mirjam Gernhardt hatte diesmal einfach nur "die Seuche am Fuß.

Die zweite Halbzeit verlief dann aber sehr einseitig. Die Veilchenladies dominierten das Spiel nunmehr total und ließen den Gegner kaum noch aus seiner eigenen Hälfte heraus. Wenn man großzügig ist, dann kann man vielleicht den einen Schuß der eingewechselten Anika Klaus als Torchance bezeichnen, mehr brachten die Nordhessinnen in ihrem nicht endendenden Bemühen um den Anschlußtreffer aber nicht zustande. Ganz anders dagegen die Charlottenburgerinnen, die nun reihenweise gute Einschußmöglichkeiten vergaben oder an Caldens Torfrau scheiterten. Annika Tönniges und Abwehrchefin Justine Rosek gehörten noch zu den Besten bei Calden.


Bei TeBe imponierten vor allem die beiden Oldies Schulz (36 Jahre) und die zur Rückrunde reaktivierte Prühs (45 Jahre!) und das nicht nur wegen der drei Tore, die sie zusammen erzielten. Vielleicht würde es Caldens Birgitt Austermühl (41 Jahre) auch noch einmal in den Füßen jucken, wenn sie diese „alten Damen“ in Aktion gesehen hätte.

Die von Trainer Sven Thoß lautstark mit Anweisungen versorgte Heimmannschaft kam ihrerseits auch noch zu Chancen wobei zweimal Prühs (32. und 40.) und einmal Kerstin Straka (44.) das Zielwasser vergessen hatten.

Abpfiff

Nach dem Schlußpfiff. Die Borussinnen klatschen sich zufrieden ab. Die Jahn-Spielerinnen trotten gesenkten Hauptes vom Feld

Die beiden Treffer von Prühs sollen natürlich nicht ausgespart werden. Einen Freistoß aus gut 20 Metern verwandelte sie mit einem strammen Schuß direkt (62.). Dies war die einzige Aktion, in der Tönniges nicht wirklich gut aussah. Den Endstand besorgte Prühs im Anschluß an eine der zahlreichen Berliner Ecken, als Senem Özers Kopfball zwar noch abgewehrt werden konnte, Prühs aber aus kurzer Distanz den Nachschuß problemlos im Tor versenkte (71.).

TeBe boten sich noch weitere Chancen, das Ergebnis in die Höhe zu schrauben, wie beispielsweise bei einem Kopfball von Sabine Küpper, der jedoch nur auf der Latte landete (85.). Die Veilchenladies hatten am Ende sichtlich Spaß am Spiel obwohl ihre Leistung am diesem Tage auch nicht wirklich überzeugend war. Im Notfall hätten sie aber sicherlich noch einen höheren Gang einlegen können.

Mit einem verdienten und unter Einbeziehung der ersten 45 Minuten in der Höhe auch angemessenen Sieg sicherten sich die Hauptstädterinnen nicht nur 3 Punkte sondern bleiben im Titelrennen gut in der Spur. Nicht nur für den Fall eines Bundesligaaufstiegs sind diesem Verein auf jeden Fall bessere Rahmenbedingungen zu wünschen.

Für Calden gilt es die Köpfe nicht hängen zu lassen sondern weiterhin konzentriert den Abstiegskampf anzugehen. Auch wenn es im Eichkamp vielleicht nicht so ausgesehen haben mag, die Mannschaft hat das Potential um 2. Bundesliga zu spielen.

* Zitat dem Spielbericht auf www.veilchenladies.de entnommen

TeBe Berlin:

Prusas - Wilder, Liepack, Krengel, Brückner - Yaren, Heyke (13. Özer), Teodoridis, Schulz - Prühs (82. Küpper), Straka (77. Neubauer)

TSV Jahn Calden:

Tönniges – Georgi, Rosek, Giehl (60. Zech), Pottebaum - Gernhardt (60. Klaus) , Alexi, K. Thöne, Klement – J. Scheuren, S. Müller

Tore:
1:0 Georgi (6. ET)
2:0 Schulz (19.)
3:0 Prühs (62.)
4:0 Prühs (75.)

Schiedsrichterin: Elke Fehlow (Brieselang)

Gelb: Liepack, S. Özer

Zuschauer: 50


Zur FanSoccer-Startseite