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2. Bundesliga Nord, 11.Spieltag

Wie (die Aussicht auf) die Pause beflügelt

1. FC Lokomotive Leipzig - TeBe Berlin 1:2 (1:1)

Text und Fotos von Katja Öhlschläger

11.12.2006

345 offiziell vermeldete, tatsächlich aber maximal 200 Zuschauer waren an diesem Sonntagnachmittag ins Leipziger Bruno-Plache-Stadion gekommen, um das Duell des Tabellensechsten - Lok Leipzig - gegen den Tabellendritten und Aufstiegskandidaten TeBe Berlin zu verfolgen, die vor der Partie nur fünf Punkte trennten. Nachdem sich die Gäste am letzten Spieltag einen Ausrutscher von Gütersloh nicht zunutze machen konnten und ihrerseits gegen Aufsteiger HSV Borussia Friedenstal den Kürzeren zogen, war ein dreifacher Punktgewinn in der Messestadt Pflicht, wohingegen die Leipzigerinnen mit dem 2:1 in Neubrandenburg ihre Pflicht für die Hinserie erledigt hatten und nun noch nach Bonuspunkten schielen konnten. Alles Vorzeichen, die eine spannende Begegnung erwarten ließen, zu der es in den folgenden 94 Minuten auch kommen sollte.

Weit weg vom Meer entwickelte sich in den ersten gut zwanzig Minuten ein Spiel in Wellen. Nach ausgeglichenen Anfangsminuten und einem ersten, aber wenig zwingenden Versuch von Kerstin Straka schwappte die erste in Richtung des Tores von TeBe-Keeperin Kerstin Prusas. Erst Christina Nauesse und dann Katja Greulich versuchten ihr Glück, scheiterten aber entweder an mangelnder Zielgenauigkeit oder an Prusas. Trotz erkennbarer Feldüberlegenheit der Lokomotiven blieben aussichtsreiche Torchancen Mangelware. Vieles spielte sich in der Platzmitte ab, und wenn die Leipzigerinnen dann angriffen, blieben sie zumeist an der sehr gut aufgelegten und mit geschicktem Stellungsspiel beeindruckenden Abwehrchefin Josefine Krengel hängen.

Lok-Fans Hessen

Die Lokomotiven haben ihre Anhänger auch in Hessen. Da stört dann auch der Fehlerteufel nicht..

Nach gut einer Viertelstunde gewannen wiederum die Gastmannschaft Oberwasser und demonstrierte ihr schlankes und effizientes Flügelspiel. Senem Özer konnte zunächst nach Pass von Maja Madarevic nur in letzter Sekunde auf Kosten eines Eckballs vor ihrem Torschuss gehindert werden (21.). Eine Flanke von Straka sorgte kurz darauf für den bis dato größten Aufreger, als Griseldis Meißner den Ball nicht zu fassen bekam, abprallen ließ, sich aber glücklich schätzen konnte, dass keine der Frauen aus der Bundeshauptstadt mit ihrem Fauxpas gerechnet hatte.

Hatten sich die Gäste nun gerade größere Spielanteile erarbeitet, passte es zum bisherigen Spielverlauf, dass die Messestädterinnen direkt im Gegenzug zu ihrer Führung kamen. Nachdem sie zuvor immer wieder erfolglos den Weg durch die Mitte - dort ließen Krengel und Franziska Liepack jedoch nichts anbrennen - gesucht hatten, kopierten sie diesmal das Berliner Spiel und kamen über die Außen zum Torerfolg. Andrea Stolle erlief auf der rechten Seite einen langen Pass und flankte aus vollem Lauf mustergültig auf den Kopf von Karoline Aulrich, die das Leder ins rechte untere Eck wuchtete. Prusas war zwar noch mit den Fingerspitzen dran, konnte den Gegentreffer aber nicht mehr verhindern.

Josefine Krengel, Suzann Sharif, Katja Greulich

Josefine Krengel (vorne links) lieferte als Abwehrregisseurin eine tadellose Leistung ab. Rechts im Hintergrund Katja Greulich und Suzann Sharif.

Lautstark angetrieben von Trainer Sven Thoß investierten die Berlinerinnen nun noch mehr Energien in ihr Offensivspiel und nahmen die Partie fest in ihre Hand. Um ein Haar wäre auch postwendend der Ausgleich gefallen, als Madarevic zu Jana Theodoridis hereingab, die erst 16-Jährige Angreiferin aber um Sekundenbruchteile zu spät zum Ball kam. Auf der anderen Seite wiederum ergaben sich für die auf Konter lauernden Gastgeberinnen zumeist gute Torgelegenheiten,


Kerstin Prusas, Karoline Aulrich

Karoline Aulrich prägte dieses Spiel. Erst mit der Führung, dann mit dem berechtigten Platzverweis noch in der ersten Hälfte. Hier kommt sie gegen TeBe-Schlussfrau Kerstin Prusas zu spät.

wenn sie die TeBe-Abwehr mit weiten Steilpässen überraschten. Hier zeigte sich die ansonsten gut gestaffelte Abwehr der Thoß-Truppe erstaunlich anfällig.

Jubel Lokomotive Leipzig

Großer Jubel nach dem 1:0 durch Karoline Aulrich, die hier von Sabine Dettmer, Anja Pioch und Nadine Börner geherzt wird.

Viele kleine Unterbrechungen ließen das Match gegen Ende der ersten Spielhälfte zunehmend abflachen, die Emotionen offensichtlich aber hochkochen. Die Partie hatte ihre 40.Spielminute erreicht, als die bereits mit Gelb verwarnte Karoline Aulrich die schon zuvor mächtig "gerupfte" Madleen Wilder unterbaute und folgerichtig von der über weite Strecken souveränen und immer präsenten Riem Hussein mit der gelb-roten Karte des Feldes verwiesen wurde. Mit sichtbaren Schmerzen konnte Wilder nach längerer Behandlungspause weiterspielen und in der ersten Minute der Nachspielzeit den Ausgleich zu einem psychologisch wertvollen Zeitpunkt bejubeln. Eine Flanke von Madarevic führte zu einem unübersichtlichen und gefährlichen Tohuwabohu im Leipziger Strafraum. Keine der Abwehrspielerinnen konnte entscheidend klären, Torfrau Meißner ließ abprallen, und zwar vor die Füße der jungen Jana Theodoridis, die mit einer für ihr Alter bewundernswerten Kaltschnäuzigkeit zum 1:1 verwandelte.

Andrea Stolle, Karoline Aulrich

Madleen Wilder, Josefine Krengel, Senem Özer, Jessica Brückner

Eben noch himmeljauchzend, muss Karoline Aulrich nach einem rüden Foul gegen Madleen Wilder betrübt und getröstet von Vorlagengeberin Andrea Stolle den Platz verlassen. Madleen Wilder konnte nach längerer Behandlung weiterspielen.

Es sollten letzlich zwei Minuten, eine in der ersten und eine in der zweiten Halbzeit, direkt um den Pausenpfiff herum, sein, die das Spiel zugunsten der TeBe-Frauen entschieden. Kaum hatte Hussein zu Durchgang zwei angepfiffen, zappelte der Ball auch schon zum zweiten Mal im Netz von Meißner: Straka hatte nach Wilder-Flanke im zweiten Versuch getroffen. Von nun an schienen die Berlinerinnen den Vorsprung in erster Linie verwalten zu wollen, was Trainer Thoß auf den Plan rief, da seine Mannschaft aus der Überzahl viel zu wenig Kapital schlug und zu schlagen versuchte. Erst in der letzten Viertelstunde starteten die Leipzigerinnen ihre Schlussoffensive, sodass sich bis dahin noch einige wenige Gelegenheiten für TeBe ergaben. Erst klärte Kapitänin Anja Pioch in letzter Sekunde vor der starken Madarevic (50.), dann zielte die eingewechselte Sabine Küpper am leeren Tor der herausgeeilten Meißner vorbei (53.) und schließlich parierte die Leipziger Keeperin einen tollen Kopfball von Wilder prächtig (72.).

Oftmals ist es im Fußball bekanntlich so, dass sich ein zu zaghaftes Drängen auf ein weiteres Tor und Nachlässigkeiten im Abschluss später noch rächen. Die Lok-Frauen zumindest taten,


je näher der Abpfiff kam, immer mehr dafür, dass sich diese Fußballerweisheit ein weiteres Mal bewahrheiten könnte. In der 75. Minute drang Stolle über rechts zum Strafraum durch, zielte jedoch über das Tor. Auch die folgenden Minuten gehörten den Gastgeberinnen, denen allerdings die kreativen Mittel fehlten, um die nun fest stehende Berliner Abwehrreihen zu überlisten. So hing der Ausgleich zwar in der Luft, hatten aber auch die Berlinerinnen durch ungenaues Leipziger Passspiel noch verinzelt die Möglichkeit zum Konter. So in der 86. Minute durch die nach ihrer Einwechslung das Spiel belebende Denise Neubauer und schließlich nochmal in der 91. Minute bei einem Kopfball von Özer, der jedoch nur an den Pfosten ging.

Sabine Dettmer, Jana Theodoridis

Jana Theodoridis (r.) erzielte den Ausgleichstreffer und gefiel durch ihren Zug zum Tor. Hier versucht sie an Sabine Dettmer vorbeuízuziehen.

So blieb es letztlich beim 2:1 für Berlin, das nochmal in Gefahr hätte geraten können, wenn, ja wenn Riem Hussein in der 93. Minute das Foul einer Berlinerin nicht abgepfiffen, sondern auf Vorteil für Lok entschieden hätte. Damit zog sich die Unparteiische den in dieser Situation verständlichen Unmut des Leipziger Trainergespanns und Publikums auf sich, kann bis auf diesen einzigen, allerdings schwerwiegenden Fehler jedoch eine gute Partie für sich verbuchen.

TeBe hat damit den Abschluss an den Aufstiegsplatz gewahrt und kann damit mit Selbstvertrauen in das Pokalviertelfinale am kommenden Sonntag um 11 Uhr im Mommsenstadion gegen den 1. FC Saarbrücken gehen. Leipzig schließt die Hinrunde mit 16 Punkten und acht Punkten auf den Relegationsplatz und kann, wenn ein Einbruch ausbleibt, schon recht bald in der Rückrunde erneut auf Jagd nach Bonuspunkten gehen, wenn der Klassenerhalt gesichert ist.

Frank Tresp

Hat sich mit seiner Truppe in der Hinrunde eine gute Ausgangsbasis erarbeitet: Leipzigs Trainer Frank Tresp

1. FC Lokomotive Leipzig:

Meißner - Dettmer, Börner, Beltz - Pioch, Heuser, Radtke (76. Hädrich), Stolle, Aulrich - Nauesse (63. Vogg), Greulich (69. Rademacher)
Trainer: Frank Tresp

TeBe Berlin:

Prusas - Liepack, Krengel, Sharif, Wilder - Brückner, Özer, Theodoridis (74. Schulz), Madarevic (82. Neubauer) -Yaren (33. Küpper), Straka
Trainer: Sven Thoß

Tore:
1:0 Aulrich (26.)
1:1 Theodoridis (45.)
1:2 Straka (46.)

Gelbe Karte: Radtke, Börner - Küpper, Özer, Neubauer, Liepack

Gelb-rote Karte: Karoline Aulrich (wiederholtes Foulspiel)

Schiedsrichterin: Riem Hussein (Bad Harzburg)

Zuschauer: offiziell 345

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