von Nora Kruse (Text u. Bilder)
18.09.2006
Der Aufsteiger aus Herford gegen Immer-fast-Absteiger Timmel. Nach 25 Jahren sah das Herforder
Jahn-Stadion nicht nur endlich wieder Zweitligafußball, sondern auch noch einen echten Krimi: beide Mannschaften brauchen
die Punkte, für beide steht der Klassenerhalt in dieser Saison im Vordergrund.
Das Spiel machte dabei von Beginn an der Gastgeber. Direkt nach dem Anstoß übernahmen die Ostwestfälinnen das Kommando und
gaben es bis zum Schlusspfiff nicht mehr ab. Bereits in der achten Minute erreichte ein Freistoß den Kopf von Diana Meier,
mehr als ein erstes Ausrufezeichen konnte sie jedoch noch nicht setzen. Etwa drei Minuten später zeigte sich dann auch
erstmals die zweitgrößte Schwäche der Herforderinnen an diesem Tag: die unsichere Abwehr. Nach einem Fehler in der
Hintermannschaft kam Marie Lucke zum Schuss, Annina Kühme klärte jedoch in letzter Sekunde. Herfords Abwehr stand bei
Angriffsversuchen des Gastes nicht immer sicher, sie hatte dabei jedoch einen Vorteil: diese Angriffsversuche waren echte
Raritäten. Und so lebte Herford das Prinzip des Angriffs als beste Verteidigung und zeigte dadurch die größte Schwäche des
Tages: die schlechte Chancenauswertung.
Zwei Hauptakteurinnen auf dem Feld: Franziska Feddermann (l.) war die Aktivkraft der Abwehr, Marie Pollmann versuchte
unermüdlich, sie zu fordern.
Timmel hatte in diesem Spiel, das der eigene Trainer als „grottenschlecht“ bezeichnete, überhaupt nichts zu melden, sondern
war allein mit Abwehr beschäftigt. Herford rannte dagegen immer wieder Richtung gegnerischen Kasten, brachte das Runde
jedoch nicht ins Eckige. Kerstin Nolte versuchte es in der 15. Minute per Weitschuss, Stefanie Basler in der 35. Minute per
Kopf, zwischenzeitlich scheiterte der gesamte Angriff im Strafraumchaos nach einer Ecke – und kurz vor der Pause zeigte
Timmels Torfrau gegen Marie Pollmanns Schuss, was sie drauf hatte. Um so verwunderter rieben sich die 415 Zuschauer die
Augen, als es Timmel war, das mit dem Pausenpfiff einen schönen Weitschuss in Richtung Herforder Kasten brachte – ihn aber
knapp verfehlte.
In der zweiten Spielhälfte fand die Partie dann ausschließlich in der Hälfte der Gäste statt. Ein Herforder Angriffsversuch
folgte dem nächsten, immer wieder rannte der Gastgeber zum Tor – immer wieder durch die Mitte, wo eine zehn Frau starke
Abwehr stand, die die Bälle einfach nur wegdrosch. Timmel erkannte anscheinend auch an, dass sie keine andere Wahl mehr
hatten, denn Torfrau Carola Hilbers
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Timmel am Boden und Herford obenauf - und doch war immer irgendwo eines der 22 ostfriesischen Abwehrbeine dazwischen.
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forderte lautstark genau dieses Wegschlagen, genauso lautstark widersprach ihr
allerdings Spielführerin Franziska Feddermann. Was auch immer ihr Gegenvorschlag gewesen sein mochte, er funktionierte weit
weniger gut als das favorisierte Prinzip der Torhüterin. Timmel brachte kaum einen sinnvollen Spielzug zustande, nach
spätestens drei Stationen war der Ball bei Herford.
Aber auch der Gastgeber zeigte deutliche Schwächen. Je weiter das Spiel voranschritt, desto verwirrter wurden die
Herforderinnen. Sie merkten, dass sie die spielbestimmende Mannschaft waren und wollten den verdienten Torerfolg. Dadurch
spielten sie allerdings völlig verkrampft und teilweise unüberlegt. Nicht nur, dass es immer wieder durch die Mitte ging,
die Bälle wurden häufig auch blind in den Strafraum gespielt, die Mitspielerinnen liefen nicht mit, es fehlten die
Anspielstationen – all das wurde dankbare Beute der ostfriesischen Betonabwehr. Mit der gleichen Fantasielosigkeit, mit die
Herforderinnen über die Mitte kamen, verlegten sie ihr Spiel in der letzten Viertelstunde doch noch auf die rechte Seite.
Allerdings dann genauso unbelehrbar wie zuvor durch die Mitte: immer wieder über rechts, immer wieder mit Flanken zum
Gegner. Variabilität war keine Herforder Eigenschaft.
Kerstin Nolte ist einen Schritt schneller. Ununterbrochen rannte die Herforder Spielführerin und feuerte ihre Mitspielerinnen
an. Umsetzen konnten sie es nicht.
Auf der Herforder Tribüne raufte man sich die Haare, der Ball wollte einfach nicht in den gegnerischen Kasten – Ball kam
zum Strafraum, Ball wurde weggedroschen. 45 Minuten lang. Und so fielen beim Abpfiff alle auf den Boden. Herford enttäuscht
und kopfschüttelnd, Timmel mit hörbarer Erleichterung.
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Ein Punktgewinn auf des Gegners Platz, der aufgrund der eigenen
Leistung völlig unverdient war. Auf der anderen Seite, wenn man die Leistung des Gegners zum Maßstab nimmt, auch wieder
nicht so unverdient. Denn wer 90 Minuten lang das Spiel beherrscht und in beiden Halbzeiten zahlreiche Möglichkeiten zur
Führung hat, kann sich am Ende nicht beschweren.
Bruno Mönck
„Wir haben schlecht gespielt, es war genaugenommen ein grottenschlechtes Spiel. Die Chancen der Herforder hätten zum Sieg
reichen müssen. Letzte Woche haben wir gut gespielt und gegen Potsdam verloren, diese Woche schlecht gespielt und einen
Punkt geholt. So läuft Fußball manchmal, für uns hat es heute gerade so gereicht.“
Björn Kenter
„Wir haben gut angefangen und unsere Torchancen in der ersten Halbzeit hätten zur Führung reichen müssen. Bis zur Halbzeit
war ich mit dem Spiel auch soweit zufrieden, wir haben den Ball laufen lassen. In der zweiten Hälfte wollten wir eigentlich
weiter über außen spielen, konnten das aber nicht umsetzen, sondern agierten fast ausschließlich durch die Mitte. In
unserem Spiel war zu wenig Bewegung und zu wenig Anspielstationen."
Aufstellungen
Herford
Preß, Lühr (58. Kleine), Kühme, Schulte, Schlottmann, Hölscher (75. Mahler), Nolte, Basler, Meier (58. Tiemeier), Pollmann,
Hertel
Timmel
Hilbers, Schwering, Feddermann, Campen (82. Fröhlich), Einnolf, Sams (61. Ihben), Lücke, Dirks, Wenke, S. Buß, Wimberg
(56. M. Müller)
Tore: keine
Gelbe Karte: keine
Schiedsrichterin:
Martina Storch-Schäfer
Zuschauer: 415
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