von Nora Kruse (Text u. Bilder)
13.05.2006
Mit einem Punkt im Gepäck tritt der FFV Neubrandenburg nach seinem Gastspiel in Herford die Heimreise an. Zu wenig,
um im Kampf um den Klassenerhalt dem Relegationsplatz zu entgehen und Viktoria Gersten zu überholen. Das machte auch
Trainer Sven Junker nach dem Abpfiff klar, schließlich wollte er Gersten in den letzten drei Saisonspielen „eigentlich mit
drei Siegen schocken.“
Doch um überhaupt jemanden zu schocken, hätten die Neubrandenburgerinnen die Initiative ergreifen und das Spiel in die Hand
nehmen müssen, was ihnen nicht gelang. Mit Nicole Zweigler als einziger Spitze, die Herfords Katharina Lühr gut im Griff
hatte, konnten die Gäste nur wenig Akzente setzen und waren bereits nach wenigen Minuten die passive Mannschaft auf dem
Spielfeld, die auf Herfords Vorstöße lediglich reagierte, anstatt selbst ein geordnetes Angriffsspiel aufzubauen.
„Wir haben ganz gut angefangen und hatten den Gegner die ersten zehn Minuten im Griff“, erklärte Herfords Trainer Björn
Kenter, dessen Mannschaft zum Pausenpfiff bereits mit zwei oder drei Toren hätte in Front liegen können. Stattdessen stand
es vor 120 Zuschauern 1:1, da man „nach 15 Minuten richtig spüren konnte, wie der Hebel nach unten geschaltet wurde und die
Mannschaft etwas locker ließ.“ Trotz allem waren die Gastgeberinnen feldüberlegen, konnten sich jedoch keine zwingenden
Torchancen erarbeiten. Die beste Möglichkeit hatte Marie Pollmann in der 25. Minute, nachdem sich zuvor Kristina Hölscher
auf der rechten Seite durchgesetzt hatte, in den Strafraum passte, wo Pollmann aus kurzer Distanz jedoch an Neubrandenburgs
Torhüterin Anna Coldewey scheiterte. Diese rechte Seite war es auch, die Sven Junker Kopfschmerzen bereitete, da seine
Mannschaft mit dem Flügelspiel der Herforderinnen „nicht klar kam und die rechte Seite nicht zu machen konnte“. Es wurde
zwar gefährlich, wenn die Ostwestfälinnen über die Flügel kamen, doch taten sie es zu selten. Das Spiel verlagerte sich mit
zunehmender Spieldauer immer mehr ins Mittelfeld, wirkte teilweise etwas statisch. Auf Herforder Seite fiel zwar die
Laufbereitschaft von Kerstin Nolte auf, die Spielführerin scheiterte jedoch mit all ihren Versuchen, egal ob aus der
zweiten Reihe oder in der 36. Minute, als Sarah Mahler ihr in den Lauf spielte, Coldewey jedoch eher am Ball war.
Einsatzfreudig aber torlos: Spielführerin Kerstin Nolte (r.)
Drei Minuten später fiel schließlich das überfällige 1:0 für die Gastgeberinnen. Wieder war es Mahler, die von der
rechten Seite auf Pollmann flankte. Den ersten
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Franziska Witt (l.) rettet nicht nur den Ball vor Stefanie Härtel, sondern auch das Unentschieden in Herford.
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Schussversuch der U19-Nationalspielerin konnte Coldewey noch abwehren, gegen den Nachschuss war sie machtlos.
Die Herforderinnen jubelten innerlich anscheinend ein wenig zu lang, denn mit dem
direkten Gegenangriff fiel aus heiterem Himmel der Ausgleich. Franziska Witt schoss aus halbrechter Position ins kurze Eck,
touchierte dabei den Pfosten und ließ Sonja Speckmann keine Chance.
„Ich denke, in der zweiten Halbzeit waren wir feldüberlegen“, resümierte Junker nach dem Spiel und bekam Zustimmung vom
Herforder Kollegen. „Neubrandenburg hat sich deutlich gesteigert, wir konnten über die rechte Seite keinen Druck mehr
aufbauen und das Passspiel war schlecht“, so Kenter. Neubrandenburg zeigte sich in erster Linie im Zweikampfverhalten
und Defensivspiel deutlich verbessert, im Spielaufbau haperte es jedoch weiterhin, wodurch sich die Gäste wenig Chancen
herausspielen konnten. Eine der besten ergab sich in der 59. Minute, als Zweigler im 1:1-Duell mit Speckmann an der
Herforder Schlussfrau scheiterte. Diese konnte den Ball im Gerangel mit Zweigler zwar erst im Nachfassen sichern, aber der
Kasten blieb sauber.
Durch die verletzungsbedingte Auswechselung von Lühr wurde das Defensivspiel des Aufsteigers deutlich geschwächt. Es riss
geradezu ein Loch in die Abwehr, die vermehrt bei Steilpässen in Bedrängnis kam und es der Neubrandenburger
Unentschlossenheit zu verdanken hatte, nicht in Rückstand zu geraten. „Die Tabellensituation hat bei meinen Spielerinnen
für Verunsicherung gesorgt. Der letzte Ball kommt nicht an, es fehlt zur Zeit an Selbstvertrauen“, analysierte Junker.
Herford war auf der anderen Seite keinesfalls chancenlos, insbesondere Nolte bemühte sich redlich, hatte jedoch kein Glück.
In der 88. Minute hatte sie Coldewey im Fünfmeter-Raum bereits ausgespielt, wurde dadurch jedoch zu weit nach rechts
gedrängt, wodurch die nach anfänglichen Schwierigkeiten stark spielende Torfrau wieder Zeit hatte, ihre Position zu finden
und den Schuss abzuwehren.
Fast wäre es Herford zum Verhängnis geworden, die vielen Chancen nicht genutzt zu haben. In der dritten Minute der
Nachspielzeit hatte die sehr souverän leitende Bibiana Steinhaus die Pfeife bereits im Mund, als Stefanie Schmidt durch
einen groben Fehler von Christina Schulte die Möglichkeit hatte, allein auf Speckmann zuzustürmen. Steinhaus ließ
korrekterweise noch
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weiterspielen und Speckmann behielt im 1:1-Duell mit der Neubrandenburgerin die Nerven.
Eine der besten Akteurinnen auf dem Feld: Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus
Der Schlusspfiff folgte unmittelbar im Anschluss und sorgte auf beiden Seiten für Frust. Herford schüttelte den Kopf
über die ungenutzten Chancen, und die Gäste konnten es nicht fassen, mit dem Schlusspfiff
noch zu einer solchen Möglichkeit gekommen zu sein – und sie vergeben zu haben. „Gottseidank fahren wir nicht mit leeren
Händen nach Hause“, versuchte Junker dem Spiel etwas Positives abzugewinnen, doch mit einem Punkt ist den
Neubrandenburgerinnen wenig geholfen, da Gersten zeitgleich drei Punkte gegen Calden gewann. Und auch für Herford
reichte dieser Zähler nicht aus. Von unten droht zwar keine Gefahr mehr, aber mit einem Sieg hätte der Aufsteiger mit Kiel
noch einen weiteren Konkurrenten überholen können.
Aufstellungen
Herford
Speckmann, Wiegmann, Schlottmann, Lühr (46. Tiemeier), Schulte, Nolte, Hölscher (78. Basler), Mahler, Hertel (52. Wolf), Meier, Pollmann
Neubrandenburg
Coldewey, Oldendorf, Schimpf, Knoll, Schumski, Gransow, Witt, Blehk (70. Schmidt), Zweigler, Ebert (70. Waschitzek), Anja Wagner (51. Antje Wagner)
Tore
1:0 Pollmann (39.)
1:1 Witt (40.)
gelb:
Schumski, Zweigler
Schiedsrichterin
Bibiana Steinhaus (Hannover)
Zuschauer: 120
Zweite Liga Nord
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