von Nora Kruse (Text u. Bilder)
05.05.2006
Es sollte ein Duell zweier Mannschaften werden, die sich noch Hoffnungen auf den Aufstieg machen konnten. Geworden ist
es ein Spiel, in dessen Vorfeld sowohl Gütersloh als auch Berlin wussten, dass sie keine Chance mehr hatten, an
Wattenscheid vorbeizuziehen. Es blieb daher die Frage zu klären, wieviel man investieren musste, wollte und konnte, um auf dem
undankbaren zweiten Tabellenrang zu landen.
„Man hat heute deutlich gemerkt, wer Vizemeister werden will“, resümierte TeBe-Trainer Sven Thoß und sprach dabei nicht
von seiner Mannschaft. Gütersloh erwischte den wesentlich besseren Start und machte von Beginn an klar, dass die
Hinrunden-Niederlage vergessen gemacht werden sollte. Die Ostwestfälinnen waren spritziger, produzierten weniger Fehlpässe
und waren immer gefährlich. Bereits in der zweiten Minute ergab sich für Anja Barwinsky die erste Möglichkeit, als sie aus
halbrechter Position auf das Tor schoss, jedoch ohne Fremdeinwirkung den Kasten verfehlte. Nur acht Minuten später war die
im Verlauf der Saison so starke TeBe-Defensive nicht in der Lage, den Ball aus dem eigenen Strafraum zu befördern, was
Steffi Goddard die Möglichkeit zur Führung eröffnete – die Gütersloherin schoss jedoch über das Tor.
Das Spiel verlagerte sich zunehmend in die Berliner Hälfte, es fiel den Gastgeberinnen nicht schwer, mit wenigen Pässen
das Mittelfeld zu überbrücken. Die Hauptstädterinnen wirkten auf der anderen Seite behäbig, umständlich und verloren die
Bälle nicht nur in Zweikämpfen, sondern auch zu häufig durch Fehlpässe. Dennoch kamen auch sie in der ersten Halbzeit zu
ihren (wenigen) Möglichkeiten, als sich in der 14. Minute Jessica Brückner auf der rechten Seite durchsetzte und aus
spitzem Winkel aufs Tor zielte. Wäre Torhüterin Kathrin Wojtasik nicht mit den Fingerspitzen noch am Ball gewesen, hätte
der Schuss genau unter die Latte gepasst. Die zweite gute Möglichkeit für die Gäste ergab sich durch Michaela Schulz,
die nach Vorarbeit von Aylin Yaren von der linken Seite in den Strafraum passte, wo Wojtasik den Ball mit etwas Glück
im unübersichtlichen Gemenge jedoch sichern konnte.
Hier ist Steffi Goddard (r.) noch abwartend, beim 1:0 ließ sie ihren Gegnerinnen keine Chance.
Das war es für die Berlinerinnen, die sich in der letzten Viertelstunde der ersten Halbzeit zwar etwas befreien konnten,
aber wenig geordnet und abgeklärt
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Keine kann ihr folgen: Maren Wallenhorst (Mitte) sprintet zum 2:0.
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wirkten. Stattdessen rannten sie ab der 17. Minute dem verdienten 0:1-Rückstand
hinterher. Goddard kam knapp vor dem Berliner Strafraum in Ballbesitz, umspielte Torfrau Kerstin Prusas und musste den
Ball aus halbrechter Position nur noch ins leere Tor spielen.
Erst das Bein oder der Ball? Madleen Wilder (r.) bringt Maren Wallenhorst im Strafraum zu Fall. Doch so klar, wie auf diesem
Foto, war es in Echtzeit nicht.
Die zweite Halbzeit begannen die Berlinerinnen engagierter, konnten ihre optische Überlegenheit jedoch nicht in zwingende
Torchanchen umsetzen. In des Gegners Hälfte angekommen, fehlten sowohl Durchschlagskraft als auch Genauigkeit. Die Bälle
wurden zeitweise einfach nach vorne geschlagen, ohne dabei jedoch ein strukturiertes Angriffsspiel aufzubauen. Dennoch
wurde deutlich, dass die Gütersloher Hintermannschaft fehleranfällig war, wenn sie denn gefordert wurde. „Wir haben vor
dem Spiel eine Videoanalyse gemacht und wussten, dass Gütersloh schnell ist, gut kombiniert und Laufduelle schwierig
werden“, so Thoß. Doch genau in diese Situation zwangen die Gastgeberinnen TeBe mit Verlauf der zweiten Halbzeit wieder
zunehmend.
Nach einem Fehler im Mittelfeld kam Maren Wallenhorst in der 63. Minute in Ballbesitz und startete durch in
Richtung Berliner Tor. Folgen konnte ihr nur Abwehrspielerin Madleen Wilder. Die war jedoch einen Schritt langsamer und
konnte sich nur noch mit der Grätsche helfen, bei der jedoch nicht ganz klar war, ob sie zuerst Ball oder Gegnerin traf.
Eine Grenzsituation, in der Schiedsrichterin Katrin Rafalski auf den Elfmeterpunkt zeigte. Christina Drewitz schnappte
sich den Ball und verwandelte sicher.
Auch wenn noch 25 Minuten zu spielen waren, schien der Sieger festzustehen, da Berlin nicht den Anschein erweckte,
noch Mittel und Reserven zu haben, den Rückstand aufzuholen. Stattdessen gelang es Gütersloh nur zwei Minuten später, für
die endgültige Entscheidung zu sorgen. Wallenhorst eroberte im Mittelfeld den Ball und enteilte der Berliner Abwehr um
Wilder und Josefine Krengel, die Wallenhorst zwar in ihre Mitte nahmen, dem
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Tempo der Gütersloherin aber schlicht nicht folgen konnten.
Die Gastgeberinnen führten mit 3:0 und Berlins Antritte waren zu zaghaft, um am Ergebnis noch rütteln zu können. Katrin
Prühs kämpfte sich in der 68. Minute auf der rechten Seite durch, verfehlte jedoch aus zu spitzem Winkel das Tor, und auch
die letzte Chance der Berlinerinnen in der Nachspielzeit blieb ungenutzt, als Schulz von der linken Seite in den Strafraum
spielte, Denise Neubauer jedoch am Ball vorbei rutschte.
Das Spiel hatte einen verdienten Sieger, der mit wesentlich mehr Engagement in die Partie gegangen war. Die Berlinerinnen
haben es dagegen geschafft, mit den letzten Spielen „die gute Arbeit der ersten 14 Spieltage kaputt zu machen“, wie ein
„sehr bedienter“ TeBe-Trainer erklärte. Drei Spieltage vor Saisonende liegt der FC Gütersloh nun mit einem Punkt Vorsprung
auf die Hauptstädterinnen auf Platz zwei der Tabelle. Vor den Ostwestfälinnen steht nur die Mannschaft aus Wattenscheid,
die sich das Spiel in Gütersloh mit einem beruhigenden Sieben-Punkte-Vorsprung in aller Ruhe von der Tribüne aus anschauen
konnte.
Aufstellungen
Gütersloh
Wojtasik, Drewitz, Bunte, Chudaske, Lenz, Posdorfer, Hackmann, Gessat (85. Peine), Barwinsky, Wallenhorst, Goddard (79. Störmer)
Berlin
Prusas, Liepack, Krengel, Wilder, Sharif, Brückner, Schulz, Özer (74. Küpper), Yaren (46. Straka), Prühs (84. Neubauer), Theodiridis
Tore:
1:0 Goddard (17.)
2:0 Drewitz (63./FE)
3:0 Wallenhorst (65.)
gelb: Liepack, Wilder
Schiedsrichterin:
Katrin Rafalski (Neuental)
Zuschauer: 200
Zweite Liga Nord
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