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Das Frauenfußball-Magazin



Weltmeisterschaft 2011

„Ich war in meiner eigenen Welt“

Interview mit Marina Wozniak, FIFA-Schiedsrichter-Assistentin

31.07.2011
Text von David Hennig, Bilder von Marion Kehren

Zweitligakader 1. FC Köln Frauen

Ende gut, alles gut! Nach Ende des WM-Finales konnten alle Unparteiischen auf einen tolles und spannendes Finale zurück schauen. V.l.n.r.: Jenny Palmqvist (4. offizielle Schiedsrichterin), Katrin Rafalski (Schiedsrichterassistentin), Bibiane Steinhaus (Schiedsrichterin), Sonia Denoncourt (FIFA-Beauftragte für die Schiedsrichterinnen), Maria Luisa Villa Gutierrez (Reserve-Schiedsrichterassistentin).


Die westfälische FIFA-Schiedsrichter-Assistentin Marina Wozniak vertrat die deutschen Schiedsrichterinnen bei der Frauen-Weltmeisterschaft im eigenen Land und konnte aus deutscher Schiedsrichtersicht ein erfolgreiches Turnier mit der Leitung des WM-Finals zwischen Japan und den USA krönen. David Hennig sprach mit der Hernerin über das Endspielerlebnis.

Marina Wozniak
Hallo Marina, wie ist es nun nach fünf Wochen WM-Aufenthalt wieder zurück in Herne zu sein?
Das Trainingslager und die Weltmeisterschaft waren natürlich super. Nach fünf Wochen war es aber schön meinen Sohn und meine Familie wiederzusehen. Es ist natürlich eine Umstellung wieder zu Hause zu sein. Der ganze Druck fällt von dir ab und man ist irgendwie doch erleichtert.

Also hattest Du keine Probleme wieder in den Alltag zurück zu kehren?
Nein, die ersten beiden Tage nach dem Endspiel stand ich natürlich noch total unter Strom. Ich war selbst noch überwältigt und konnte es immer noch nicht glauben, dass ich im Finale war. Aber nun hat mich der Alltag wieder ein und in zwei Wochen geht ja auch die Bundesliga schon wieder los.

Als klar war, dass das deutsche Schiedsrichterinnen-Team bis zum Ende bei der Weltmeisterschaft bleiben würden, habt ihr da schon ein wenig auf das Finale spekuliert?
Also wir haben überhaupt nicht damit gerechnet. Von den Teams die nach der Reduzierung noch da geblieben sind, hätte jedes das Finale leiten können. Wir hatten zwei Vorrundenspiele und haben am Ende wirklich nur gehofft, dass wir noch ein Spiel kriegen und nicht zwei Wochen nur trainieren. Als wir dann im Halbfinale keine Ansetzung erhielten, waren wir schon gespannt, was noch auf uns zukommt.

Und das war bekanntlich die Nominierung für das WM-Finale.
Ja, die Nachricht kam am Freitagmittag und wir haben es erst gar nicht geglaubt. Am Samstagmorgen haben wir uns dann selbst noch mal gefragt: Stimmt das wirklich? Und es war so. Wir haben uns dann mental auf das Spiel vorbereitet, um topfit in die Begegnung zu gehen.

Bild links: Für Marina Wozniak wird die WM im eigenen Land immer ein besonderer Event bleiben.


Wie lief denn euer Finaltag ab?Marina Wozniak, Bibiana Steinhaus
Da das Spiel ja erst am Abend war, fing der Morgen mit einem späten Frühstück an. Dann folgten um 11 Uhr ein Meeting und anschließend die Teambesprechung über das Spiel mit den vierten und fünften Offiziellen. Nach dem Mittagessen haben wir uns dann noch mal hingelegt und etwas geschlafen, um ausgeruht in das Spiel zu gehen, bevor es um 18 Uhr ins Stadion ging.

Kurze Zeit später ging es dann auch schon los. Was dachtest Du in dem Moment, als Du gemeinsam mit Bibiana Steinhaus und Katrin Rafalski die Mannschaften auf den Rasen führtest?
Viele Gedanken gingen mir nicht durch den Kopf. Ich war wirklich in meiner eigenen Welt und habe versucht alles auszublenden, was so um mich herum passierte. Aber die Atmosphäre habe ich natürlich wahrgenommen und auch ein bisschen Gänsehaut bekommen. Die Freude beim Einlaufen war einfach groß. Es war einfach traumhaft. Von dem Anpfiff an war ich jedoch die folgenden 120 Minuten und länger voll auf das Spiel konzentriert.

Bild rechts: Vor der Rekordkulisse von 48.817 Zuschauern führte das Schiedsrichtergespann die Kontrahentinnen auf das Spielfeld.


Dabei boten Japan und die USA über bis ins Elfmeterschießen wirklich tollen Fußball und ein dem Turnier ein würdiges Endspiel. Wie hast Du es empfunden?
Ich muss sagen, es war ja meine erste Weltmeisterschaft und damit mein erstes Finale. Ich habe bei dem Turnier jedoch kein attraktiveres Spiel gesehen. Von der ersten bis zur letzten Minute war Spannung gegeben. Es war ein super Spiel und kein unfaires dazu. Die Zuschauer hatten Spaß und ich glaube, sie sind alle mit leuchtenden Augen nach Hause gegangen. Das Publikum war insgesamt sehr fair – auf beiden Seiten. Dieses Finale hat dem Frauen-Fußball richtig gut getan. Das gesamte Turnier war richtig gut organisiert und Frankfurt ein toller Gastgeber.

Medaillienübergabe u.a. mit Steffi Hones und Sepp BlatterDu sprichst die Zuschauer an. Diese haben euch ebenfalls applaudiert, als ihr nach dem Spiel zum Podest gingt.
Wir haben uns nach dem Abpfiff schon wie Schneekönige gefreut, da wir wussten, wir haben keine entscheidenden Fehler gemacht und es ist wirklich gut gelaufen. Als wir dann zum Podest gegangen sind und plötzlich 48.000 Leute aufgestanden sind und uns applaudiert haben - in diesem Moment haben wir die Bestätigung bekommen, dass sich die mehrmonatige intensive Vorbereitung wirklich sowas von gelohnt hat und wir stolz sein konnten, dass wir für den deutschen Fußball pfeifen durften.

Für die DFB-Elf war ja leider schon früh Schluss. Habt ihr das Ausscheiden des Nationalteams mit einem lachenden und einem weinenden Auge gesehen?
Ich bin ja auch ein totaler Fußball-Freak und ich hätte es den deutschen Frauen natürlich auch gegönnt, wenn sie es weiter geschafft hätten. Es hat aber leider nicht gereicht und da haben wir uns gedacht, da müssen wir nun eben den deutschen Fußball präsentieren (lacht). Das haben wir auch ganz gut hinbekommen und unsere Leistung wurde auch vom DFB und von der FIFA anerkannt.

Bild links: Die Schiedsrichterinnen wurden nach dem Finale ebenfalls mit einer Medaillie bedacht. Die ersten Gratulanten waren Steffie Jones(OK-Präsidentin), Christian Wulff (Bundespräsident) und Joseph Blatter (FIFA-Präsident).


Als Du dann auf dem Podest warst, folgten die ersten Glückwünsche und sicherlich auch einiges Lob. Was hat Dir denn Steffi Jones ins Ohr geflüstert?Schiedsrichtergespann: Bibiana Steinhaus, Marina Wozniak, Katrin Rafalski
Das ist geheim (lacht). Die Offiziellen waren aber rundum zufrieden. Wir haben den deutschen Fußball und die Schiedsrichterinnen sehr gut repräsentiert und die Verantwortlichen waren alle sehr stolz auf uns.

Was habt ihr denn zuerst gemacht, als ihr wieder in der ruhigen Schiedsrichter-Kabine wart?

In der Kabine war es nicht mehr ruhig, als wir zurück gekommen sind. Angel Maria Villar, der Vorsitzende der Fifa-Schiedsrichter-Kommission, und Sonia Denoncourt, zuständig für die Schiedsrichterinnen bei der FIFA, kamen direkt in die Kabine und gratulierten uns zu der guten Leistung. Als es dann wirklich ruhiger wurde, haben wir fünf Frauen ein Getränkchen zu uns genommen. Es war ein tolles Finale nach fünf wirklich harten Wochen und ich glaube, an diesem Tag durften wir uns auch ein bisschen feiern lassen. Wir hatten drei richtig gute Spiele. Eins in Dresden und zwei in Frankfurt. Hier oder da gibt es zwar immer noch etwas Verbesserungspotential, denn wir sind schließlich nicht frei von Fehlern, aber im Großen und Ganzen haben wir ordentliche Spiele abgeliefert. Du kannst zwar jedes Spiel einzeln hervorrufen, aber das WM-Finale war natürlich das Tüpfelchen auf dem „i“ gemessen an dem, was man erreichen kann.

Danke für das Gespräch!

Bild rechts: Das erfolgreiche Schiedsrichtergespann bei der diesjährigen WM (v.l.n.r.: Bibiana Steinhaus, Marina Wozniak, katrin Rafalski). Von allen Seiten ernteten die drei viel Lob für eine tadellose Leistung!





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