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Das Frauenfußball-Magazin



Mannschaftsvorstellung zur Weltmeisterschaft 2011

Das schwedische Team

Text und Bilder von Rainer Fußgänger

29.05.2011
Schweden gehörte von jeher zu den besten Frauenfußballnationen. Der Sieg in Europagruppe 8 bereitete den Skandinavierinnen und ihrem Trainer Thomas Dennerby denn auch keine Probleme. Lediglich einen Punkt gab man ab, daheim gegen Tschechien, wo es in Göteborg beim Spiel auf ein Tor in neunzig Minuten nicht gelang, die Lederkugel wenigstens einmal unterzubringen.


Das Play-Off war umso spannender. Der zugeloste Gegner, Erzrivale Dänemark., führte im Duell gegen die große Schwester schon mit 2:0 und das Ticket nach Deutschland und die Überraschung schien greifbar nah, als ausgerechnet Abwehrbollwerk Charlotte Rohlin mit zwei Kopfballtreffern die Wende herbeiführte. Nicht nur die WM-Teilnahme ist wichtig für Schweden. Auch ein erfolgreiches Abschneiden ist Pflicht. Nicht noch einmal darf es passieren, dass Dennerby und seine Frauen in der Vorrunde einer WM ausscheiden, wie das 2007 in China geschah, als vor allem das 1:1 gegen Nigeria den Weg ins Viertelfinale unmöglich machte. Denn 2013 spielt man in Schweden die nächste Europameisterschaft. Es soll ein gutes Turnier werden und das Finale findet dann in der zur Zeit im Bau befindlichen Swedbank Arena in Solna statt, ein paar Kilometer nördlich des Stockholmer Stadtzentrums.

Ob Thomas Dennerby dann noch Trainer der blaugelben Elf sein wird, das hängt auch davon ab, wie man dieses Jahr abschneidet. Ist man eines der beiden besten Teams Europas und qualifiziert man sich somit für die Olympiade im nächsten Jahr in London, dann dürfte der Kriminalkommissar Dennerby weiterhin Fußballtrainer sein. Der Druck ist zu spüren. Zum ersten Mal. Als Steffi Jones zur Welcome-Tour im Februar nach Stockholm kam, wurde Dennerby gefragt, was denn sei, wenn das letzte Gruppenspiel gegen die USA am 06. Juli in Wolfsburg entscheidend für das Weiterkommen sei. „Dann schlagen wir halt die USA und kommen weiter,“ sagte Thomas Dennerby trotzig, aber auch leicht nervös.

Die Mannschaft, die in knapp zwei Wochen nominiert werden wird, dürfte kaum Überraschungen bieten. Eine vielleicht doch. Umeås 21-Jährige Stürmerin Sofia Jakobsson wurde für die England-Reise Mitte Mai erstmals nominiert und zeigte in beiden Spielen (1:0 in einer inoffiziellen Begegnung und 0:2 im offiziellen Match) gegen England nach ihrer Einwechslung eine überzeugende Leistung. Beim 1:0-Sieg gelang ihr der Treffer des Tages. Jakobsson könnte es in der Tat noch im Schlussspurt schaffen, in den Kader zu kommen. Genauso wie die fast zehn Jahre ältere Elin Ekblom Bak.

Seit Jahren gehört Ekblom Bak zu den besten Mittelfeldspielerinnen der Damallsvenskan, spielte bei den Stockholmer Vereinen Djurgården, AIK und Tyresö. Wenn Thomas Dennerby versucht, sie ins Nationalteam zu holen, dann lehnte die bald 30-Jährige ab. Familie und Studium waren wichtiger. Nun ist die Tochter zwei Jahre alt und die Doktorarbeit hat zumindest eine Struktur. Die Folge: Ekblom Bak sagte „Ja!“ als Dennerby sie vor der England-Reise anrief und es wieder einmal versuchte. Der Anruf war sicherlich nicht nur darin begründet, dass Elin Ekblom Bak zu den besseren Mittelfeldspielerinnen gehört. Die schwedische Mannschaft hat in den letzten Wochen auch sehr viel Verletzungspech gehabt. Zuerst erwischte es Stina Segerström – Achillessehnenriss und WM-Aus Ende April. Danach dann mussten viele andere die England-Reise absagen: Lina Nilsson, Lisa Dahlkvist, Josefine Öqvist, Nilla Fischer und Sara Larsson wurde gar nicht erst nominiert. Die Mehrzahl von ihnen dürfte bald wieder fit sein, aber die Mannschaftsleitung wurde zumindest kurzfristig gezwungen, an die eine oder andere Alternative zu denken.

Wichtig für das Abschneiden der Schwedinnen in der schweren Gruppe C mit den USA, Nordkorea und Kolumbien dürfte sein, ob Mannschaftskapitänin Caroline Seger (Western New York) und Nilla Fischer im zentralen Mittelfeld ihre Leistung abrufen können. Schwedens derzeit beste Fußballspielerin ist jedoch zweifelsohne die 34-Jährige Therese Sjögran, die nach mehr als einem Jahrzehnt in Malmö nun an den amerikanischen Proficlub Sky Blue bis Ende August ausgeliehen ist. Terre, wie sie von ihren Mannschatskameradinnen genannt wird, ist immer noch der Motor des schwedischen Spiels.

Was irgendwie fehlt, ist die Torjägerin, die in der Lage ist, fünf oder mehr Tore in einem Turnier zu machen. Lotta Schelin hat zweifelsohne die Kapazität hierfür, aber auf den Durchbruch zur Spielerin der absoluten Weltklasse wartet man noch. In Deutschland wäre hierfür die beste und vielleicht letzte Gelegenheit. Nicht nach Deutschland mitnehmen dürfte Thomas Dennerby die junge Göteborgerin Linnéa Liljegärd, die zumindest in der Liga für viele Tore gut ist. Auf die Frage, ob sie denn nicht zur WM nominiert werden müsse, antwortete ihr Trainer Torbjörn Nilsson vor kurzem: „Naja, sie ist halt eine Goalgetterin und solche Spielerinnen kann man immer brauchen.“ Aber in dieser Frage denken National- und Vereinstrainer offenbar anders.

En Perlskog, ehemaliger Erstligatrainer von Hammarby DFF, zählt die schwedische Mannschaft erstmals nicht zu den Mitfavoriten einer WM und fügt hinzu, dass schwedische Teams immer dann am besten spielen, wenn sie nur Außenseiter sind.


Bildererklärung:
Oben: Der Nationaltrainer Thomas Dennerby zusammen mit Josefine Öqvist (rechts) und Annica Svensson (links), beim Welcome-Event hier in Stockholm im Februar 2011
Unten: Thomas Dennerby im Gespräch mit Therese Sjögran




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