| Text von Karin Reuter
19.06.2011 In der Qualifikation zur WM zeigte das Team aus Frankreich eine makellose Leistung. In 12 Spielen gelangen 53:2 Tore, alle Spiele bis auf ein 0:0 im Entscheidungsspiel gegen Italien wurden gewonnen. Doch bei großen Wettbewerben spielten die Französinnen bisher nie eine bedeutende Rolle, die erste und einzige Teilname an einer WM Endrunde gelang ihnen 2003.
Doch die jüngsten Erfolge, mit denen Frankreich auf Platz sieben der Weltrangliste aufstieg, lassen aufhorchen. Die "Les Bleus", wie die französische Nationalmannschaft genannt wird, befinden sich ganz eindeutig in einem Aufwärtstrend, in den es auch passt, dass der französische Meister Olympique Lyonnais vor kurzem in der Championsleague erstmals den Pokal nach Frankreich holen konnte. Seit 2007 wird das National-Team von Bruno Bini trainiert. Bini ist ein alter Hase im französischen Frauenfußball, trainierte schon 1993 französische Jugendauswahlmannschaften und holte 2003 mit Frankreichs U19 den Europameistertitel. Im Februar 2007 übernahm er dann das Traineramt bei der A-Natio von seiner Vorgängerin Elisabeth Loisel.
Bini baute viele junge Spielerinnen in den Kader ein, setzt aber auch auf bewährte Kräfte. Zuerst zu nennen ist da
die 37 jährige defensive Mittelfeldspielerin Sandrine Soubeyrand vom FCF Juvisy, seit 1997 im Nationalteam, Rekordnationalspielerin, mit der Erfahrung von über 160 Länderspielen.
Soubeyrand nahm an vier Europameisterschaften und einer WM teil. Deutschland könnte der Abschluss ihrer Karriere sein.
In einem Interview wurde sie gefragt, ob es etwas gäbe, auf dass sich sich besonders freuen würde, und sie meinte „Ganz besonders freue ich mich auf das Spiel gegen Deutschland und besonders auf ein letztes Duell mit Birgit Prinz. Für mich ist sie mit Abstand die beste Spielerin der letzten Dekade.
Gegen sie noch einmal spielen zu dürfen, wäre eine große Ehre”.
(Bild links: Frankreichs Nationaltrainer Bruno Bini neben der deutschen Bundestrainern Silvia Neid bei der Endrundenauslosung. Bild: Katrin Müller)
Als Überraschung gilt die Nichtnominierung von Sarah Bouhaddi, dem großen Rückhalt von Championsleague Sieger Lyon, zugunsten der zweiten Torfrau aus Montpellier, Laetitia Philippe (U19 Europameisterin 2010).
Bini, dem es nach eigener Aussage unsagbar schwer fiel, eine Entscheidung zu treffen, war der Meinung, nicht die 21 besten Spielerinnen nominiert zu haben, sondern die mit Teamgeist und Moral. Allerdings wird die junge Laetitia Philipe wohl sowieso nur auf der Ersatzbank bleiben, denn Frankreich hat mit Céline Deville und Bérangère Sapowicz zwei starke Torhüterinnen, die den Kampf um Platz 1 unter sich ausmachen werden.
(Bild rechts: Auch in Frankreich ist die Besetzung der dritten Torhüterinnenposition nicht unumstritten: U19-Europameisterin Laetitia Philippe, bei Montpellier nur Ersatzkeeperin, bekam den Vorzug vor Sarah Bouhaddi von Championsleague Sieger Olympique Lyonnais. Bild: Volker Nagrazsus)
Auch wenn die beste französische Verteidigerin Sandrine Dussang nicht dabei sein wird (Kreuzbandriss) , ist die Defensive mit Corine Franco, Wendie Renard, Laura Georges und Sonia Bompastor stark genug, um den Gruppengegnern Deutschland, Nigeria und Kanada Paroli bieten zu können.
Übrigens ist Wendie Renard mit 1,87 m die größte Spielerin aller teilnehmenden Mannschaften. Neben Soubeyrand im zentralen Mittelfeld wird Camille Abily den Part einer "Doppelsechs" übernehmen, während die technisch starke Louisa Nécib mehr den offensiveren Part im französischen Mittelfeld übernehmen soll. Auffälligste Stürmerin dürfte Elodie Thomis werden, eine gelernte Leichtathletin und extrem schnell. Die drei letztgenannten dürften aus dem Finale der Championsleage noch gut in Erinnerung sein.
Frankreich wird sich mit starker Technik präsentieren, neigt aber auch zu etwas ruppigem Spiel. Vier nominierte Spielerinnen kamen schon bei der WM 2003 unter der damaligen Trainerin Elisabeth Loisel zum Einsatz: Sonia Bompastor, Laura Georges, Sandrine Soubeyrand und Sabrina Viguier. Das Französische Team hat sich unter Bruno Bini deutlich verbessert und man muss abwarten, wie die Mischung aus jung und alt harmoniert.
Binis Ziel ist es, mindestens Gruppenzweiter zu werden. Das wird in der Gruppe mit Deutschland, Kanada und Nigeria nicht einfach werden, ist aber zu schaffen!
(Bild links: Die schnelle Elodie Thomis, hier ein Bild aus dem Finale der Champions League im Spiel von Olympique Lyonnais gegen den 1. FFC Turbine Potsdam, stellt für jede Abwehr eine Gefahr dar. Bild: Marion Kehren)
Der französische Kader:
Tor:
1 Celine Deville,
16 Berangere Sapowicz,
21 Laetitia Philippe
Abwehr:
2 Wendie Renard,
4 Laura Georges,
5 Ophelie Meilleroux,
7 Corine Franco,
8 Sonia Bompastor,
11 Laure Lepailleur,
20 Sabrina Viguier
Mittelfeld:
3 Laure Boulleau,
6 Sandrine Soubeyand,
10 Camille Abily,
13 Caroline Pizzala,
14 Louisa Nécib,
15 Elise Bussaglia
Angriff:
9 Eugenie Le Sommer,
12 Elodie Thomis,
17 Gaetane Thiney,
18 Marie-Laure Delie,
19 Sandrine Bretigny
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