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Mannschaftsvorstellung zur Weltmeisterschaft 2011

Überraschungspaket Äquatorial-Guinea

Text von Steffen Langbein

19.06.2011 Zumindest der Papierform nach wird WM-Teilnehmer Äquatorial-Guinea als der krasse Außenseiter gehandelt. In der aktuellen Weltrangliste rangiert das Team auf Platz 61. Doch der zweite der jüngsten Afrikameisterschaft ist schwer einzuschätzen und durchaus für eine Überraschung gut!


Genoveva AnonmaAls Deutschland 2003 den ersten WM-Titel holte, hatte die Frauen-Nationalmannschaft Äquatorial-Guineas erst zwei offizielle Länderspiele bestritten! Beide gegen Algerien, die Premiere am 11. August 2002 auswärts (0:3) und zu Hause in Malabo am 24. August 2002 (1:3). Bei der FIFA sind 22 Vereine aus diesem westafrikanischen Land gemeldet. Dies allein zeigt, dass der Frauenfußball dort eigentlich noch in den Kinderschuhen steckt, 25 offizielle Länderspiele stehen inzwischen auf dem Konto des Frauen-Nationalteams.

Die Qualifikation zur WM allein ist schon eine kleine Überraschung, nach dem Sieg bei der Afrikameisterschaft 2008 aber keine Sensation. Aber abwarten, keiner weiß genau, welche Stärke das Team aus dem etwa 700000-Einwohner-Land (die offiziellen Angaben schwanken, je nach Quelle) in der Nähe des Äquators wirklich hat. Im eigenen Land sind die Spielerinnen schon jetzt Nationalheldinnen. Von der WM-Euphorie im Land des WM-Neulings konnte sich auch WM-OK-Chefin Steffi Jones bei ihrem Besuch überzeugen. „Es ist einfach unglaublich, mit welcher Begeisterung sich die Menschen in Äquatorial-Guinea auf die Frauen-WM freuen. Ich habe das Gefühl, durch das Turnier ist auch Deutschland ein Stück präsenter geworden. Die Frauen-WM ist das Ereignis des Jahres in diesem Land.”, so Jones auf ihrer Welcome-Tour im März.

(Bild oben: Genoveva Anonma, hier im Dress des FF USV Jena im Spiel gegen den FCR 2001 Duisburg, ist die mit Abstand bekannteste Spielerin von Äquatorial-Guinea. Bild: Katrin Müller


Die Qualifikation für die WM 2011 sicherte sich Äquatorial-Guinea durch die Endspielteilnahme bei der Afrika-Meisterschaft im November 2010. Nach den Vorrundensiegen gegen Ghana (3:1) und Algerien (1:0) sowie 2:2 gegen Kamerun bezwang die Mannschaft im Halbfinale Gastgeber Südafrika 3:1 n.V. und sicherte sich damit die WM-Teilnahme. Das Endspiel gegen Nigeria ging 2:4 verloren. Für Aufregung nach dem Turnier sorgten Vorwürfe anderer Teilnehmerländer, dass mindestens zwei Spielerinnen im Team Männer seien. „Es gibt keinen Beweis”, so ein FIFA-Offizieller dazu im März diesen Jahres.
Trainer Guppe D

(Bild rechts: Tom Sermanni (Australien), Kleiton Lima (Brasilien), Eli Landsem (Norwegen), die Trainer der Gruppe D, mit Bonicafio Manga Obiang, dem Präsidenten des Fußballverbands von Äquatorial-Guinea, bei der Auslosung zur WM-Endrunde in Frankfurt am Main. (Bild: Katrin Müller))

Die in der Heimat „Nzalang Nacional” genannte Nationalmannschaft war am 16. Mai 2011 als erstes teilnehmendes Team in Deutschland eingetroffen und sorgte gleich für erste Schlagzeilen. Das ursprünglich ausgesuchte Trainigslager-Quartier in Münster entsprach nach erster Begutachtung vor Ort nicht in allen Belangen den Anforderungen. So waren die Trainingsbedingungen nicht gut genug und auch ein Schwimmbad fehlte im Hotel. Kurzerhand zog die 32-köpfige Delegation nach einer Nacht in Münster in das Sporthotel in Bitburg um, um dort unter optimalen Bedingungen die WM-Vorbereitung zu absolvieren.


Für Schlagzeilen will das Team um den neuen brasilianischen Trainer Marcelo Frigerio aber auch in sportlicher Hinsicht sorgen. Der neue Trainer (geborener Italiener) löste erst wenige Monate vor der WM im März den bisherigen Coach Jean Paul Mpila ab. Dieser ist allerdings nun Delegationsleiter des WM-Trosses. Informationen über das WM-Team aus offiziellen Kreisen drangen bisher nur spärlich an die Öffentlichkeit. So sagte der Trainer wenige Tage vor WM-Beginn der taz: „Wissen Sie, unser einziger Vorteil ist, dass niemand in der Welt etwas über uns weiß. Und das soll so bleiben ... das ist unsere kleine Chance.” Ziel sei es erst einmal, die Vorrunde (gegen Brasilien, Norwegen, Australien) zu überstehen, so war zu vernehmen. In der Öffentlichkeit zeigte sich das WM-Team Mitte Juni in Mainz beim Testländerspiel Deutschland gegen Norwegen. Dort beobachteten die Spielerinnen live den Gruppengegner aus Skandinavien.

Carol Carioca

In Deutschland bekannt ist die 22-jährige Spielführerin Genoveva Anonma. Sportlich fiel sie überregional vor allem im Herbst 2008 auf, als sie ihr Team im eigenen Land überraschend zur Afrika-Meisterschaft führte. Anonma wurde bei diesem Turnier zudem als beste Spielerin und Torschützin ausgezeichnet. Über einen Spielervermittler führte ihr Weg Anfang 2009 zum FF USV Jena in die deutsche Bundesliga. Dort erzielte sie bisher in 50 Einsätzen 37 Tore. Allein in der vergangenen Saison traf sie in 17 Spielen 13 Mal ins Schwarze, mehr als die Hälfte der 24 Saisontreffer des thüringischen Erstligisten. Das weckte natürlich die Begehrlichkeiten auch bei den Spitzenvereinen. Zur nächsten Saison wechselt Genoveva Anonma zum deutschen Meister 1. FFC Turbine Potsdam.

(Bild links: Carol Carioca wurde in ihrer Zeit beim FF USV Jena immer als Brasilianerin geführt, wo sie auch geboren wurde. Inzwischen in Äquatorial-Guinea eingebürgert, läuft sie wie einige andere Brasilianerinnen für das Land aus Westafrika auf! Bild: Tom Schlimme

Beim spanischen Meister der vergangenen Saison, Rayo Vallecano, spielt Stürmerin Jade Boho. Längst nicht alle Spielerinnen des Nationalteams sind in Äquatorial-Guinea geboren. In den letzten Monaten und Jahren wurden einige Spielerinnen den FIFA-Statuten gemäß eingebürgert, so auch die aus Brasilien stammende Carol Carioca (Carolina de Pereira, Nr.4). Diese war auch schon in Jena unter Vertrag, kam dort aber wegen einer langwierigen Verletzung kaum zum Einsatz. Sie tauchte dann aber nach monatelanger Verletzungspause überraschend bei der Afrika-Meisterschaft 2010 im Team von Äquatorial-Guinea auf. Wie Carolina stammen noch eine Handvoll andere Spielerinnen im Kader aus Brasilien, was bei afrikanischen Konkurrenten ebenfalls Proteste auslöste, aber offensichtlich allen Überprüfungen durch die FIFA stand hielt. Im Gruppenspiel kommt es übrigens am 6. Juli zum Duell mit den „echten” Brasilianerinnen.

Nun fiebert das ganze Land dem WM-Auftaktspiel ihres Nationalteams am 29. Juni gegen Norwegen entgegen – übrigens das erste Länderspiel der „Nzalang Nacional” außerhalb des afrikanischen Kontinents.

Folgenden Kader haben die Offiziellen bei der FIFA gemeldet:

Tor: 1 Miriam, 13 Yao, 18 Maria Rosa
Abwehr: 2 Bruna, 3 Dulcia, 4 Carolina, 21 Laetitia
Mittelfeld: 5 Ana Christina, 6 Vania, 9 Dorine, 10 Anonma, 11 Natalia, 12 Sinforosa, 14 Jumaria, 15 Chinasa, 16 Lucrecia, 20 Christelle
Sturm: 7 Diala, 8 Jade Boho, 17 Adriana, 19 Fatoumata

Christelle (Nr.20) ist nach Angaben der FIFA mit 16 Jahren die jüngste Spielerin dieses WM-Turniers.



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