| 14.07.2011
Text und Bilder von Tom Schlimme
Im Gegensatz zum Spiel gegen Deutschland spielte Japan gegen Schweden offensiv und kam zu vielen Szenen im schwedischen Strafraum. Dabei war auch in diesem Spiel nichts von japansicher Kopfballschwäche zu spüren. Hier kommt Megumi Takase vor Charlotte Rohlin an den Ball.
Mit einem eindrucksvoll heraus gespielten Sieg qualifizierte sich das Team aus Japan für das Finale. Die Schwedinnen sahen dabei gegen die ballsicheren und taktisch hervorragend agierenden Japanerinnen noch deutlich schlechter aus als das deutsche Team gegen den gleichen Gegner im Viertelfinale.
Nur die ersten Minuten in diesem Halbfinale waren ausgeglichen, und Schweden ging sogar in der 10. Minute in Führung. Die ansonsten wieder sehr starke Homare Sawa leistete sich einen riskanten Querpass am eigenen Strafraum, in den Josefine Öqvist spritzte, mit dem Ball aufs Tor ging, und trotz Bedrängnis souverän verwandelte. Doch die Freude der Schwedinnen währte nicht lange, bereits in der 19. Minute kam Japan durch Nahomi Kawasumi zum Ausgleichstreffer. Von nun an wurden die Japanerinnen mit jeder Spielminute stärker und dominierten das Spiel immer mehr.

Bildunterschriften:
Die FIFA hatte die Halbfinals unter das Motto des Kampfes gegen Diskriminierung gestellt, und die Spielführerinnen verlasen vor dem Spiel eine entsprechende Erklärung. Linkes Bild die Japanerin Homare Sawa, daneben die Schwedin Charlotte Rohlin. Beim Absingen der schwedischen Nationalhymne schaute Trainer Thomas Dennerby wohl gerade oben auf den Videowürfel. (Mittleres Bild). Die Startaufstellungen der beiden Teams: Japan in blau, Schweden in gelb.
Es war beeindruckend, wie gut der Ball durch die Reihen der japanischen Spielerinnen lief. Dabei brachten sie es dann auf 60% Ballbesitz. Dass sich Japan dabei aber nicht wie gegen Deutschland weitgehend in die eigene Hälfte zurück zog, sondern im Gegenteil immer wieder die eigene Chance suchte, zeigt auch ein Eckenverhältnis von 8:2 für Japan, dazu sprechen auch 14 Schüsse in Richtung gegnerisches Tor eine deutliche Sprache, denn die Schwedinnen brachten im ganzen Spiel nur 4 Schüsse zustande.
Bildunterschriften:
Es fing so gut an für Schweden: Josefine Öqvist setzte sich gegen Saki Kumagai durch, zog ab, und machte einen Luftsprung vor Freude, als der Ball im Netz zappelte. (Bilder 1 -3 ). Im Bild rechts ist das Kopfballtor von Homare Sawa zum 2:1 für Japan zu sehen.
Aufgrund des immer höher werdenden Drucks war es dann auch kein Wunder, dass Japan schließlich in der 60. Minute durch Homare Sawa in Führung ging. Allerdings ging ein Torwartfehler voraus. Schwedens Keeperin Hewig Lindahl wehrte eine Flanke unglücklich ab, traf dabei den Ball nicht richtig. Die Kugel sprang neben ihr auf den Boden, wieder hoch, und senkte sich dann genau auf den Kopf von Sawa, die sich nicht lange bitten ließ, um zum 2:1 einzuköpfen. Nur vier Minuten später sah Lindahl wieder nicht gut aus: im Herauslaufen gegen Kozue Ando konnte sie den Ball in höchster Not zwar gerade noch abwehren, doch statt zur Seite in die Mitte, und der Abpraller landete bei der Schützin zum 1:0, Nahomi Kawasumi, die mit einem wunderbaren Weitschuss aus gut 35 Metern ins leere Tor ihren zweiten Treffer an diesem Tag erzielen konnte. Damit war das Spiel angesichts der schon zuvor deutlich gewordenen ungleichen Kräfteverhältnisse entschieden. Die Japanerinnen stürmten sogar weiter, Schweden kam noch zu einzelnen Kontermöglichkeiten, hatten aber letztlich keine große Chance mehr.
Ich fand Japan an diesem Tag so beeindruckend stark, dass ich diesem Team jetzt sogar einen Sieg im Finale gegen die bei dieser WM auch nicht immer souveränen US-Amerikanerinnen zutraue. Auf jeden Fall bin ich gespannt, ob Pia Sundhage ein Rezept gegen diese Japanerinnen findet, Silvia Neid und Thomas Dennerby habe jedenfalls keines gefunden. Im Nachhinein wird die Niederlage Deutschlands gegen diese Japanerinnen für mich auch noch mal eine Spur verständlicher.
Schade fand ich, dass die Japanerinnen von einem Teil des Publikums ausgepfiffen wurden, sowohl während des Spiels als auch hinterher, sogar als sich das japanische Team wie schon nach den Spielen zuvor mit dem Transparent "To our friends arround the world, thank you for your support" für die Hilfe bei der Erdbeben- und Atomkatastrophe bedankte. Die Japanerinnen spielten absolut fair (2 Fouls, Schweden 9), meckerten nicht, leisteten sich keine Unsportlichkeiten - ich konnte mir die Pfiffe nur dadurch erklären, dass die Pfeifenden den Japanerinnen übel nahmen, dass diese im Viertelfinale gegen Deutschland gewonnen und diese damit aus dem Turnier geworfen hatten. Aber hallo, dies kann doch wohl kein Grund sein, die Mannschaft auszupfeifen! Japan hat sich gegen Deutschland mit fairen Mitteln sportlich durchgesetzt und man muss im Sport auch mal verlieren können - auch als Zuschauer! Ich hoffe sehr, dass von dieser merkwürdigen Anti-Japan-Haltung im Finale nichts mehr zu spüren ist, denn diese so stark spielende Mannschaft hat Anerkennung verdient und keine Pfiffe!
(Anmerkung am 15.07.: Von einem Zuschauer wurde mir mitgeteilt, dass in seiner Umgebung nur die japanische Torhüterin ausgepfiffen wurde, wenn sie auf Zeit spielte, ansonsten aber keine Pfiffe zu hören waren. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Verhalten der Zuschauer im Stadion nicht überall gleich war, von meinem Platz aus hat man viele Pfiffe gehört. Aber um so besser, wenn es insgesamt im Stadion vielleicht doch nicht so viele waren!)

Bildunterschriften:
Therese Sjögran verfolgt von Homare Sawa - Die Bundesligaspielerinnen Kozue Ando und Sara Thunebro im direkten Duell - Charlotte Rohlin klärt vor Doppeltorschützin Nahomi Kawasumi - Antonia Göransson mit großem Kampfgeist - Faire Verliererinnen, die Schwedinnen gratulierten den Japanerinnen und bedankten sich bei ihren Fans für die Unterstützung.
Stenogramm:
Japan: Kaiori - Kinga, Iwashimizu, Kumagai, Sameshima - Ohno (86. Takase), Sakaguchi, Sawa, Myama (89. Kamionobe) - Ando, Kawasumi (74. Nagasato)
Schweden:
Lindahl - Svensson, Laarsson, Rohlin, Thunebro - Forsberg (65. Jakobsson), M. Hammarström (69. Landström), Dahlkvist, Sjögran - Schelin, Öqvist (75. Göransson)
Tore:
0:1 Öqvist (10.)
1:1 Kawasumi (19.)
2:1 Sawa (60.)
3:1 Kawasumi (64.)
Gelbe Karten: - / Svensson
Schiedsrichterin: Carol Anne Chenard (CAN) mit Rita Munoz (MEX) und Mayte Chavez (MEX)
Zuschauer: 45.434
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