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Weltmeisterschaft 2011, Gruppe A, 2. Spiel

Mühsamer Sieg gegen Kloppertruppe

Deutschland - Nigeria 1:0 (0:0)

01.07.2011
Text und Bilder von Tom Schlimme

Strafraumszene

Strafraumszenen wie diese waren nicht sehr häufig in diesem Spiel. Mit ihrer über das faire Maß hinaus gehenden Härte machten die Spielerinnen von Nigeria dem deutschen Team das Kombinieren und damit auch das Erreichen des Strafraums schwer. Hier erwarten Alexandra Popp, Annike Krahn und Kerstin Garefrekes einen Eckball.

Gegen Nigeria gab es zuletzt im Vorbereitungsspiel ein 8:0. Doch wer bei der WM einen ähnlich hohen Sieg erwartet hatte, wurde enttäuscht. Es war ein anderes Nigeria, welches heute auf dem Platz stand. Mit deutlich übertriebener Zweikampfhärte, unterstützt von einer unfähigen Schiedsrichterin, zerstörten die Afrikanerinnen jeden Ansatz von Spielfluss im deutschen Team. Am Ende musste das teilweise etwas enttäuscht wirkende Publikum bis zum Schluss um ein mageres 1:0 zittern, das aber immerhin den sicheren Einzug ins Viertelfinale für Deutschland bedeutete - und für die Kloppertruppe aus Nigeria das vorzeitige WM-Aus.

Ich hatte schon im Stadion den Eindruck, dass die Schiedsrichterin zu viel Härte durchgehen ließ und einseitig für Nigeria pfiff. Doch ich würde dies nicht so deutlich schreiben, hätte ich mir diesen Eindruck nicht durch die nachträgliche Ansicht der Fernsehaufzeichnung sehr gründlich bestätigt. Dort kam es, auch wenn man den empörten Kommentator ausblendet, wirklich eindeutig heraus. Dies war kein faires Spiel elf gegen elf, es war ein Spiel elf gegen elf plus Schiedsrichterin. Melanie Behringer musste ins Krankenhaus, und die meisten anderen deutschen Spielerinnen werden erhebliche Blessuren davon getragen haben. Die Nigerianerinnen konnten treten, wie sie wollten, Hauptsache sie erwischten irgendwie nebenher noch den Ball, dann wurden gelbreife Fouls völlig ignoriert. In der zweiten Halbzeit begannen die deutschen Spielerinnen dann, sich zu wehren, doch recht bald zeigte die Parteiische Sung Mi Cha aus Südkorea Kim Kulig die gelbe Karte für ein Foul, das weit harmloser war als vieles, was sie vorher den Nigerianerinnen hatte durchgehen lassen. Damit war klar, das deutsche Team würde die Nigerianerinnen nicht mit deren eigenen Mitteln bekämpfen können. Auf der Website des DFB wird es dann diplomatischer ausgedrückt, aber im Fernsehen direkt nach dem Spiel war Bundestrainerin Silvia Neid mit folgendem Statement zu hören: Frage des Reporters: „hat sich die Mannschaft heute von der unglaublichen Härte und den wahnsinnigen Fehlentscheidungen doch ein bißchen beeindrucken lassen?”. Antwort Silvia Neid: Ja, das kann man so sagen, da war ja ganz viel Foulspiel dabei und wir haben auch dadurch nie richtig ins Spiel gefunden nach vorne und, ja, sie hat eigentlich das ganze Spiel so ein bißchen verpfiffen, aber es war nicht das beste Spiel von uns auch insgesamt gesehen und wir sind erst mal froh, dass wir eine Runde weiter sind, aber im Spiel nach vorne ist noch einiges zu tun.”

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Bildunterschriften:

Bild 1: Das Trainerteam Nigerias, links der deutsche Berater Thomas Obliers, rechts Trainerin Ngozi Uche, hatte sein Team auf Zweikampfhärte eingeschworen.

Bild 2: Das Schiedsrichterteam vor dem Spiel. Genau auf der Mittellinie steht Schiedsrichterin Sun Mi Cha aus Südkorea, die diesem Spiel einen sehr eigenen Stempel aufdrückte. Man fragt sich, wie die FIFA eine solche Schiedsrichterin für ein WM-Spiel einteilen kann!

Bild 3: Die deutsche Startaufstellung war exakt die selbe, die sich beim Spiel gegen Kanada bewährt hatte.

Bild 4:Die Startaufstellung von Nigeria: Oben v.l.n.r.: Sarah Michael, Osinachi Chale, Helen Ukaonu, Ononme Ebi, Faith Ikidi, Perpetua Nkwocha. Unten v.l.n.r: Stella Mbachu, Ebere Orji, Precious Dede, Desire Oparanozie, Rita Chikwelu

Bild 5: Die deutsche Innenverteidigerin Annike Krahn, die hier Sarah Michael bewacht, wurde von der FIFA zur Spielerin des Spiels gewählt.

Es war im Ergebnis dann wirklich das schwächste deutsche Spiel seit langem. Als positiven Aspekt kann man aber hervor heben, dass die Abwehr einen guten Job erledigte gegen einen Gegner, der sie voll forderte. Insbesondere die Innenverteidigerinnen Annike Krahn und Saskia Bartusiak bewiesen bei diesem Leistungstest ihre Stärke, dazu standen auch Babett Peter und Linda Bresonik gewohnt sicher. Annike Krahn wurde später von den FIFA-Technikern zur Spielerin des Spiels gewählt, ein Lob, das sie sich mit ihrer Leistung absolut verdient hat. Ich hätte diesen Titel trotzdem an Simone Laudehr vergeben, die ein Bombenspiel machte, überall auf dem Platz zu finden war, und nicht zufällig auch das Tor erzielte. Laudehr fand als erste deutsche Spielerin die Mittel, mit der Härte der Nigerianerinnen umzugehen, wird dies allerdings mit etlichen Blessuren bezahlen müssen.

Ansonsten wird viel Kritik zu lesen sein am Spiel des deutschen Teams nach vorne. Es begann schon damit, dass die Abwehrspielerinnen beim Spielaufbau keine Anspielmöglichkeiten fanden, weil die Nigerianerinnen früh attackierten und die Räume komplett zu machten. Dadurch war Nadine Angerer dann doch gezwungen, es mit weiten Abschlägen zu versuchen, doch die Nigerianerinnen eroberten viele "zweite Bälle" und waren sofort wieder in Ballbesitz. Kombinationen über mehr als drei Stationen gab es im ganzen Spiel kaum einmal, wenn es dann doch gelang, wurde es auch gleich gefährlich für Nigeria.

Dabei begann das Spiel vielversprechend. Deutschland kam schon in der zweiten Minute durch Simone Laudehr zu einer guten Torgelegenheit, doch Precious Dede im nigerianischen Tor wehrte aus kurzer Entfernung ab. In der 14. Minute wurde ein Angriff von Celia Okoyino da Mbabi wegen Abseits abgepfiffen. Celia brachte den Ball im Tor unter, doch der Treffer zählte nicht, die Torhüterin hatte sich wegen des Abseitspfiffs auch gar nicht mehr bewegt. Wie die Fernsehbilder zeigten, war auch diese Schiedsrichterentscheidung eine Fehlentscheidung, es war gar kein Abseits. Doch nachdem die deutsche Elf ihre Gegnerinnen in den ersten Minuten in der eigenen Hälfte einschnüren konnten, lösten sich die Nigerianerinnen dann immer mehr aus der Umklammerung, hielten den Ball im Mittelfeld und hatten fast genauso viel Ballbesitz wie die Gastgeber. So richtig gefährlich nach vorne gelang Nigeria noch viel weniger als Deutschland, gegen die starken Abwehrspielerinnen fanden sie kein Mittel, und letztlich hatte Nadine Angerer im deutschen Tor nicht einen wirklich gefährlichen Schuss zu halten.

Das einzige Tor in diesem Kampfspiel fiel nach einem Freistoß, ausgeführt seitlich vom Strafraum von Celia Okoyino da Mbabi, den Inka Grings mit der Hacke verlängerte, Alexandra Popp kam zum Schuss, der Ball prallte ab und vor die Füße von Simone Laudehr, die ohne zu zögern aus dem Stand ins Tor schoss.

Man kann jetzt viel spekulieren, was alles geändert werden muss. Ich halte mich da zurück. Meiner Meinung nach war das kein reguläres Spiel und ein solches Gekloppe wird es bei dieser WM nicht sehr häufig geben. Interessant finde ich aber, dass momentan auf einmal laut die Probleme im Angriffsspiel des deutschen Teams beklagt und diskutiert werden, wo doch die ganze Zeit vorher immer die Probleme in der Abwehr gesehen wurden. Allein dies zeigt, dass doch sehr viel im Kaffeesatz gelesen wird. Ich empfehle, es besser mit dem Werfen von Hühnerknochen und dem Deuten dieses Ergebnisses zu versuchen. Gegen Frankreich wird sich im Spiel um Platz 1 der Gruppe zeigen, was das deutsche Team wirklich drauf hat.



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Bildunterschriften:

Bild 6: Celia Okoyino da Mbabi (rechts) konnte sich gegen Faith Ikidi nicht so durchsetzen wie gewohnt.

Bild 7: Kim Kulig kam zu einem Weitschuss, der nur knapp über das Tor Nigerias ging. Hier setzt sie sich gegen Stella Mbachu durch

Bild 8: Mittelfeldspielerin Kerstin Garefrekes musste viel verteidigen, hier gegen Ebere Orji

Bild 9: Ein Spiel im vollgefüllten Frankfurter Stadion ist schon ein besonderes Erlebnis. Möglich, dass dies das deutsche Team etwas nervös machte.

Bild 10: Saskia Bartusiak war hier schneller als Desire Oparanozie. Bartusiak machte genau wie Annike Krahn ein sehr gutes Spiel.

Bild 11: Die Entstehung des Tores: Inka Grings erwischt den Freistoß mit der Hacke...

Bild 12: ... der Ball kommt zu Alexandra Popp, die zieht ab, trifft jedoch nur in die Spielerinnentraube vor ihr...

Bild 13: ... der Ball prallt vor die Füße von Simone Laudehr, die schießt aus dem Stand...

Bild 14: ... und ganz links im Bild zappelt der Ball im Tornetz Nigerias.

Bild 15: Mit 48.817 Zuschauern war das Stadion ausverkauft


Stenogramm:

Deutschland:
Angerer - Bresonik, Krahn, Bartusiak, Peter - Garefrekes, Kulig, Laudehr, Behringer (31. Popp) - Prinz (53. Grings), Okoyino da Mbabi (87. Bajramaj)

Nigeria:
Dede - Ikidi, Ohale, Ebi, Ukaonu - Mbachu (85. Ordega), Nkwocha, Chikwelu, Orji (63. Aighewi) - Oparanozie, Michael S. (70. Sunday)

Tore:
1:0 Laudehr (54.)

Gelbe Karten: Kulig / Ohale

Schiedsrichterin: Sung Mi Cha mit(KOR) Widiya Shamsuri (MAS) und Kyoung Min Kim (KOR)

Zuschauer: 48.817




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