![]() |
Weltmeisterschaft 2007Japan peilt das Halbfinale anTeamporträt: Japan | ||
Von Christian Heidler08.09.2007 Ehrgeizige Ziele hat sich der Fußballverband Japans (JFA) für seine Frauen gesteckt. Bei der WM im Nachbarland China möchte man gerne das Halbfinale erreichen und außerdem demnächst in den Top 5 der Weltrangliste stehen. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008 wurde zwar gerade souverän unter Dach und Fach gebracht, die anderen Trauben hängen aber deutlich höher! Große Titel konnte Japan bislang noch nicht erringen, zu den Besten der Welt gehört man jedoch schon lange. Seit Anbeginn ist Japan bei Weltmeisterschaften dabei, doch einzig bei der WM 1995 gelang der Sprung in das Viertelfinale. Seit Einführung der Weltrangliste im Juli 2003 verbesserte sich Japan von Rang 14 auf Platz 10. Innerhalb Asiens arbeitete sich das Land um einen Rang von der Nummer 3 zur Nummer 2 empor, Nordkorea vor sich, WM-Gastgeber China mittlerweile hinter sich.
Deutschland und Japan trafen zuletzt im November 2006 in Karlsruhe
aufeinander. Dabei machten sich auch Petra Wimbersky und Japans Abwehrreckin
Hiromi Isozaki miteinander bekannt. Die Nadeshiko, so der Beiname der japanischen Auswahl nach einer Nelke, die gleichzeitig ein japanisches Frauenideal symbolisiert, qualifizierten sich quasi erst im Nachsitzen für ihre fünfte WM. Aufgrund der Niederlage im Spiel um Platz 3 bei der Asienmeisterschaft gegen Nordkorea mußte Japan in die Relegation gegen den Dritten des Kontinentalverbandes Nord- und Mittelamerikas. Aus Hin- und Rückspiel gegen Mexiko ging die Auswahl von Trainer Hiroshi Ohashi schließlich als Gesamtsieger hervor. Schon zuvor hatte Japan bereits zu gefallen gewußt, Norwegen in einem Testspiel 1:0 besiegt und beim Miniturnier im Februar auf Zypern gegen Schweden 2:2 und Schottland 2:0 gespielt. Auch die Qualifikationsrunde für die Olympischen Spielen von Peking 2008 konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Nach der deutlichen 1:4 Testspielniederlage Ende Juli in den USA standen zuletzt noch zwei Vorbereitungsspiele gegen zwei weitere WM-Teilnehmer auf dem Programm. Gegen die körperlich überlegenen und eng deckenden Kanadierinnen kam Japan am 30.08. in Tokio nicht über ein enttäuschendes torloses Remis hinaus.
Drei Tage später in Chiba stand dann vor mehr als 4.000 Zuschauern ein Vergleich mit Brasilien an. Die stark aufspielenden Südamerikanerinnen gingen dabei durch einen Treffer von Cristiane in Führung, Azusa Iwashimizu und ein Eigentor der |
Aufgepasst auf Japan! Die erfahrene Tomoe Sakai in Erwartung eines Eckballs. | |
Gäste brachten die Blauen jedoch auf die Siegerstraße. Nach dem 2:1-Erfolg zeigte sich Coach Ohashi sehr erfreut über die Leistung und den Teamgeist seiner Nadeshiko. Das Tor der Blauen hütet Miho Fukumoto, welche die weltmeisterschaftserfahrene Nozomi Yamago als Nummer 1 abgelöst hat. Vor ihr steht eine verhältnismäßig junge Abwehr, die allerdings von der erfahrenen und gleichzeitig ältesten Spielerin des Teams, Hiromi Isozaki angeführt wird. Für das Mittelfeld stehen zahlreiche gestandene Spielerinnen wie Tomoe Sakai, Tomomi Miyamoto oder Ayumi Hara zur Verfügung, aber am bekanntesten und wichtigsten ist natürlich Homare Sawa. Die Spielerin mit der Rückennummer 10, die sich einst in der nordamerikanischen Profiliga WUSA einen Namen machte, wurde Asiens Spielerin des Jahres 2004 und ist der Mittelpunkt des japanischen Teams. Homare Sawa, Japans Schlüsselspielerin, im Duell mit Sonja Fuss. Drei der vier Stürmerinnen spielen auch in der nationalen Liga im gleichen Verein (NTV Beleza) und dürften daher bestens miteinander vertraut sein. Überhaupt hat Ohashi stark auf den Vorjahresmeister gesetzt, denn nicht weniger als 10 der 21 Aktiven kommen von dem Verein aus Tokio. Der aktuelle punktverlustfreie Tabellenführer und designierte Meister 2007, Tasaki Perule FC, stellt hingegen lediglich 4 Spielerinnen der Auswahl. Unter ihnen ist auch Angreiferin Mio Otani. Ihr und der zwanzigjährigen Torschützenkönigin von 2006 Yuki Nagasato wurden zuletzt aber Eriko Arakawa und Shinobu Ohno für die Offensive vorgezogen.
Der Altersdurchschnitt des Kaders liegt bei 25 Jahren. Die Hälfte des Teams hat bereits WM-Erfahrung und zwar nicht nur vom Turnier 2003, sieben Spielerinnen waren auch schon 1999 in den USA dabei. Sawa bestritt sogar alle drei Vorrundenbegegnungen Japans bei der WM 1995 in Schweden. Mit 125 Länderspieleinsätzen ist sie auch die erfahrendste Spielerin, doch auch Sakai (105) und Isozaki (102) gehören bereits dem „Klub der Hunderter“ an. Vom System
|
her spielt Japan vorzugsweise in 4-4-2-Formation, wobei Ohashi auch gerne einmal variiert, wie zuletzt gegen Brasilien. Quirliges Kurzpaßspiel und mannschaftliche Geschlossenheit sollen der Schlüssel zum Erfolg sein. Dazu kommen vom eigenen Anspruch her noch die Nadeshiko-Eigenschaften Willensstärke und Durchsetzungsfähigkeit. In der Vorrunde trifft Japan auf zwei alte Bekannte von der letzten WM in den USA. Schon 2003 waren Argentinien und Deutschland Gruppengegner. Die Südamerikanerinnen wurden damals mit 6:0 bezwungen und sollten auch diesmal wieder schlagbar sein - wenngleich vielleicht nicht mehr ganz so deutlich. Dem späteren Weltmeister unterlag Japan in Columbus 0:3. Überhaupt ist die Bilanz gegen Deutschland aus japanischer Sicht sehr unerfreulich: 5 Spiele, 5 Niederlagen, 5:14 Tore. Das letzte Aufeinendertreffen ist noch gar nicht so lange her. Ende November endete der Vergleich in Karlsruhe 6:3 für die Gastgeber und auch ein knappes Jahr später dürfte es schwer werden den Titelverteidiger zu bezwingen. Besonderes Gewicht kommt daher dem Spiel gegen England zu, denn die Engländerinnen muß Japan neben Argentinien auch noch hinter sich lassen, soll das Viertelfinale erreicht werden. Diese Aufgabenstellung wird sicherlich auch nicht dadurch erleichtert, daß es an Länderspielvergleichen zwischen Japan und England mangelt. Torfrau Miho Fukumoto ist von der Nummer zwei zur Nummer eins vorgerückt. Sollte der Sprung in das Viertelfinale gelingen, wird das Weiterkommen dann ungleich schwerer. Die USA, Nordkorea oder Schweden sind dann mögliche Kontrahenten. Wer aber zumindest bis ins Halbfinale vordringen möchte, muß eben auch solch einen schweren Brocken aus dem Wege räumen. Der Ehrgeiz hierfür ist bei der Nadeshiko zweifelsohne vorhanden. | |