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WM-Qualifikation

Hart umkämpfte 15 Plätze

Auf dem Weg nach China 2007

Von Katja Öhlschläger (Text) und Nora Kruse (Fotos)

24.03.2006
Mit fünf Spielen am Wochenende und weiteren in der nächsten Woche geht die WM-Qualifikation der UEFA in ihre entscheidende Phase. Gleich am Sonntag könnte in England eine Vorentscheidung für Gruppe 5 fallen, wenn die Gäste aus Frankreich in Blackburn schon fast zum Siegen verdammt sind - denn es qualifiziert sich nur der Gruppenerste. Aber auch die anderen Konföderationen beginnen nach und nach mit ihren Qualifikationsspielen, sodass sich in den nächsten Monaten der Teilnehmerkreis für das Finalturnier in China herausbilden wird. Auf unserer WM-Sonderseite werden wir laufend über den aktuellen Qualifikationsstand informieren.

Die acht europäischen Qualifikationsgruppen sind in fünf A-Gruppen (1-5) und drei B-Gruppen (6-8) eingeteilt. Die fünf Gruppenersten der A-Gruppen qualifizieren sich direkt für die WM 2007 in China. Die fünf Tabellenletzten der A-Gruppen müssen gegen die Tabellenersten und die beiden besten Tabellenzweiten der B-Gruppen in Relegationsspiele und spielen dort die Zugehörigkeit zu den A-Gruppen aus. Die Teams der B-Gruppen spielen also nicht um die Qualifikation zur WM 2007, sondern kämpfen um den Aufstieg in die A-Gruppen, über die sie sich dann in der nächsten Qualifikationsrunde für die WM 2011 - für die sich bekanntlich Deutschland bewirbt - qualifizieren können.

Anne Mäkinen

Finnlands Spielführerin Anne Mäkinen wurde beim Algarve-Cup vor dem Spiel gegen Deutschland von Nationaltrainer Michael Käld für ihr 100. Länderspiel geehrt. Damit ist sie die erste Finnin, der diese Ehre zuteil wurde. Herzlichen Glückwunsch!

In Gruppe 1 hat Vize-Europameister Norwegen beste Chancen, den Platz für China zu ergattern. In drei Spielen gab es drei Siege - zweimal klar gegen die Ukraine und Serbien-Montenegro, aber auch ein knappes 1:0 im Heimspiel gegen Italien. Leisten sich die Italienerinnen in ihren weiteren Spielen keinen Punktverlust und können sie diese Spiele deutlich gewinnen, so bleibt die Spannung trotz der Favoritenstellung Norwegens bis zum letzten Spiel am 23. September spannend, denn da muss Norwegen in Italien antreten. Ob Norwegens Stürmerin Solveig Gulbrandesen, die im Juni ihr erstes Kind erwartet, bis dahin schon wieder dabei ist, bleibt abzuwarten. Griechenland wiederum, morgiger Gegner Norwegens, muss auf das Spiel gegen Serbien-Montenegro am 25. April hoffen, um den Relegationsspielen noch zu entgehen.

Elaine O'Connor, Louise Hansen

Louise Hansen (r.) vom FFC Frankfurt will mit Dänemark die WM-Qualifikation schaffen. Irland, links Elaine O'Connor, ist der nächste deutsche Gegner.

Auch in Gruppe 2 könnte die endgültige Entscheidung erst am letzten Spieltag fallen, wenn die Schwedinnen die Tschechische Republik empfangen. Bisher sind beide Teams punktgleich, haben aber noch nicht gegeneinander gespielt. Schweden hat das klar bessere Torverhältnis und könnte mit einem erfolgreichen Spiel in Tschechien am 25. April schon für eine Vorentscheidug sorgen. Um den rettenden vierten Platz kämpfen Weißrussland und Portugal, während Island jenseits von Gut und Böse rangiert.

Am meisten Spannung verspricht derzeit Gruppe 3, in der mit Dänemark, Spanien und Finnland noch drei Mannschaften aussichtsreich im Rennen liegen. Leichte Vorteile liegen bei Dänemark, die bisher ohne Niederlage blieben und nur in Spanien ein Unentschieden hinnehmen mussten. Spanien könnte sich noch lange über die 2:3-Niederlage beim Tabellenvierten Polen ärgern müssen. Daher ist am Donnerstag beim Heimspiel gegen die Polinnen natürlich Revanche angesagt. Doch auch die Finninnen haben trotz der Heimniederlage gegen Spanien noch alle Möglichkeiten, sich zum ersten Mal für eine Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Denn gegen Tabellenführer Dänemark, die ebenso drei Spiele absolviert


Delphine Blanc, Anna Sjöström

Schweden um Anna Sjöstrom (r.) ist auf Kurs China 2007. Frankreich, hier Delphine Blanc, steht hingegen am Sonntag in England bereits unter Zugzwang. Im Hintergrund Elodie Thomis.

haben, stehen noch die beiden direkten Duelle an, am 27. September das abschließende Spiel in Dänemark. Belgien wird aller Voraussicht nach den Gang in die Relegation antreten müssen.

Wesentlich klarer scheint die Lage in der deutschen Gruppe 4. Der Titelverteidiger aus Deutschland hat sich hier keinerlei Blöße gegeben, alle drei bisherigen Partien klar gewonnen und kann ein Torverhältnis von 13:1 aufweisen. Einzig Russland liegt noch in Reichweite, hat aber den ersten Vergleich gegen Deutschland in Siegen so deutlich verloren, dass allein das Torverhältnis quasi einen weiteren Punkt Vorsprung für die Deutschen bedeutet. Nach der Viertelfinalteilnahme bei der WM in den USA scheint die Mannschaft von Trainer Yury Bystritskiy in China damit zum Zuschauen verdammt. Wer aus Gruppe 4 die Relegation antreten muss, ist die entscheidende Frage, die über dem morgigen Spiel der Schweizerinnen gegen Irland schwebt. Die Truppe von Beatrice von Siebenthal musste gleich zu Beginn der Qualifikationsspiele gegen die Hochkaräter Russland und Deutschland antreten und ziert derzeit das Tabellenende. Doch Irland, der nächste Gegner der Deutschen am 10. Mai in Cottbus, sei nun ein Gegner, "der in unserer Reichweite liegt", so von Siebenthal. Dritter Kandidat für die Relegation sind die Schottinnen, die - wie die Schweiz - klare Niederlagen gegen Deutschland und Russland einstecken mussten. Ihren einzigen Punkt haben sie in Irland geholt.

Das heißeste Match des Wochenendes findet zweifelsfrei in Gruppe 5 am Sonntag im englischen Blackburn statt, wenn der Gastgeber der letzten EM auf Frankreich trifft. Die Französinnen, als Favorit in die Gruppe gegangen und als Weltranglisten-Fünfter um acht Plätze besser platziert als die Mannschaft von Hope Powell, hatten sich gleich im ersten Qualifikations-Spiel gegen die Niederlande eine überraschende 0:1-Niederlage geleistet und sich damit vor dem Match in England selber in Zugzwang gebracht. So bringt Frankreichs Trainerin Elisabeth Loisel (Hinweis: Exklusives FanSoccer-Interview mit Elisabeth Loisel) die Lage gegenüber TheFa.com auch ohne Umschweife auf den Punkt: "Ein Sieg in Blackburn ist für Frankreich wesentlich wichtiger als für England." Andererseits müssen die Engländerinnen im abschließenden Qualifikationsspiel in Frankreich antreten und sollten daher zu Hause nicht mehr als ein Unentschieden zulassen, wollen sie zum ersten Mal zu einer WM fahren. Während "Les Bleues" am Vier-Nationen-Turnier und am Algarve-Cup teilnahmen und dabei in sieben Spielen nur einen Sieg (1:0 gegen China) einfahren konnten, bereitete sich die Truppe von Hope Powell mit drei Freundschaftsspielen - zwei Unentschieden gegen Schweden und ein 1:0 gegen Island - auf den Showdown im "Ewood Park" vor, bei dem Englands Fußball-Star Kelly Smith ihr 50. Länderspiel bestreiten wird und für das mehr als 10.000 Zuschauer erwartet werden.

Mariana Ciorba

Schweden und Norwegen liefern sich immer heiße Duelle, hier Sara Larsson (l.) und Tonje Hansen. Auch bei der WM?

Während die Niederlande nur noch Außenseiterchancen auf die Qualifikation haben, mit ihrem bisherigen Abschneiden aber sehr zufrieden sein können, werden Ungarn oder Österreich in die Relegation gehen müssen.

Die Gruppen 6-8 spielen wie erwähnt nur die Teilnehmer an den Relegationsspielen aus. Da sich die Tabellenersten und die beiden besten Gruppenzweiten qualifizieren, können sich die momentanen Tabellenführer Slowenien, Slowakei und Israel


berechtigte Hoffnungen machen, an den Aufstiegsspielen zu den A-Gruppen teilnehmen zu können. Im Kampf um die zwei weiteren Plätze über Gruppenplatz zwei haben derzeit Rumänien und Kroatien die Nase vorn, doch Nordirland und Moldawien lauern nur auf Patzer, um ihrerseits in die Relegationsspiele zu rutschen. Die Entscheidungen fallen hier Ende August.

Im Gegensatz zur UEFA, die aufgrund der hohen Bewerberzahl schon die Hälfte der Qualifikation hinter sich hat, haben die meisten anderen Konföderationen noch nicht mit ihren Qualifikationsspielen begonnen. Für den Südamerikanischen Fußball-Verband CONMEBOL stehe auch die Qualikationstermine noch nicht fest. Anders beim asiatischen (AFC) und ozeanischen Verband (OFC), die ihre Qualifikationsturniere im Juni bzw. Juli austragen werden. Für den Nord-/Mittelamerikanischen u. karibischen Fußballverband CONCACAF stehen nur die Qualifikationstermine der Teilverbände fest. Die Eckdaten sind auf unserer WM-Sonderseite einzusehen.

Marit Fiane Christensen, Britta Carlson

Norwegen und Deutschland sind auf Kurs WM - hier Marit Fiane Christensen (l.) und Britta Carlson.

Gespielt wird bereits im afrikanischen Fußballverband CAF. In der ersten Qualifikationsrunde werden elf Matches in Hin- und Rückspiel ausgetragen. Die 11 Sieger erreichen die 2. Runde, in der die gesetzten Teams aus Kamerun, Ghana und Nigeria warten. Hier finden dann wieder sieben Partien in Hin- und Rückspiel statt, die Gewinner qualifizieren sich für das finale Qualifikationsturnier. Gastgeber Gabun ist für dieses gesetzt.
Da Uganda, Libyen und Eritrea in der ersten Runde zurückzogen, stehen neben den für die 2. Runde gesetzten drei Mannschaften aus Ghana, Kamerun und Nigeria auch schon Tansania, Algerien und Ägypten als Teilnehmer fest. Die Rückspiele der 1. Runde finden an diesem Wochenende statt.

Unklar ist noch, inwieweit die WM-Qualifikation auch Auswirkungen auf die Qualifikation zu den Olmypischen Spielen im Jahr 2008 in Peking hat. Beim letzten Mal kam der WM-Qualifikation dabei entscheidende Bedeutung bei, da die Olympia-Qualifikation über das Abschneiden bei der WM lief. Schweden und Deutschland eroberten damals als WM-Finalisten die beiden Startplätze der UEFA für Olympia in Athen. Diesmal, da kein europäisches Land Gastgeber der Olympischen Spiele ist, können sich drei europäische Teams für Peking qualifizieren (siehe Startplätze der Konföderationen für Olympia 2008 (unter Algarve-Cup)).

Da die UEFA unlängst die Unterteilung in A- und B-Gruppen bei der EM-Qualifikation abschaffte, um den schnellen Entwicklungen im Frauenfußball Rechnung zu tragen, wäre auch in diesem Punkt eine Modifikation denkbar und sinnvoll, da sonst ein knappes Scheitern an der WM-Qualifikation gleichbedeutend mit der Zuschauerrolle bei Olmypia ist. Sollte sich die UEFA zu einem gesonderten Qualifikationswett-
bewerb für Olympia entscheiden, bleibt noch abzuwarten, wie dieser ausgestaltet wird. Die anderen Konföderationen ermitteln ihre Olmypia-Teilnehmer in aller Regel unabhängig von der WM-Qualifikation - genauere Angaben liegen dazu allerdings noch nicht vor.

Die Übersicht zur WM-Qualifikation der UEFA findet ihr hier:
WM-Qualifikation aktuell

Den Überblick über den Stand in den anderen Konföderationen liefert unsere Sonderseite:
WM 2007

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