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Weltmeisterschaft 2007

Der Kader des Titelverteidigers

Teamporträt: Deutschland

Zweiter Teil

Angriff:

8 Sandra Smisek
Geburtsdatum: 03.07.1977
A-Länderspiele: 116
Verein: 1. FFC Frankfurt

Sandra Smisek

Sandra Smisek

Bild: Katja Müller

Wuselig, technisch stark, ballsicher, gute Vorbereiterin, alles Eigenschaften, die auf Sandra Smisek zutreffen. Nur mit ihrer Torgefährlichkeit hapert es etwas, bei 116 Länderspielen sind 27 Treffer für eine Stürmerin nicht unbedingt furchterregend für die Gegnerinnen, und auch im Verein blieb es bei 9 Toren in der Saison. Doch Smisek reißt Lücken in die gegnerische Abwehr, schafft Raum für ihre Mitspielerinnen, kann dazu den Ball gut halten und Abwehrspielerinnen auf sich ziehen. Eine Mannschaftsspielerin, die sich dazu noch besonders gut mit Vereinskameradin Birgit Prinz versteht.

9 Birgit Prinz
Geburtsdatum: 25.10.1977
A-Länderspiele: 164
Verein: 1. FFC Frankfurt

Birgit Prinz

Birgit Prinz

Bild: Nora Kruse

108 Tore in 164 Länderspielen! Deutschlands Rekordnational- spielerin Birgit Prinz unterstreicht ihre Rolle als Ausnahmespielerin immer wieder neu. Die einzige, die auch beim Algarve Cup, als die deutsche Mannschaft insgesamt eine desolate Leistung bot, überzeugen konnte. Prinz hat eine fantatische Saison hinter sich, hat viele Spiele für ihren Verein im Alleingang entschieden. Ihre Robustheit, Technik, Torge- fährlichkeit sind die Säulen, auf denen das deutsche Angriffspiel ruht. Dabei spielt Prinz sehr mannschaftsdienlich, gibt oft ab, wo sie auch selbst verwandeln könnte, und zeichnet für so manches Tor ihrer Mitspielerinnen mitverantwortlich. Selbstverständlich im Sturm absolut gesetzt!


11 Anja Mittag
Geburtsdatum: 16.05.1985
A-Länderspiele: 38
Verein: 1. FFC Turbine Potsdam

Anja Mittag

Anja Mittag

Bild: Katja Müller

Auch Anja Mittag gehört zu den U19-Weltmeisterinnen von Thailand 2004, war damals sogar beste deutsche Torjägerin. Ihre Stärke ist Schnelligkeit, und es gab auch Länderspiele, wo sie zweimal in einem Spiel den Ball im gegnerischen Tor versenken konnte. Doch allein in der ersten Halbzeit gegen Tschechien vergab sie sechs gute Möglichkeiten und brachte damit die Bundestrainerin so in Rage, dass sie Mittag in der Halbzeit auswechselte und im Fernsehen moserte, so etwas müsse sie sich nicht noch eine Halbzeit lang ansehen. Insgesamt ist die Torquote von Anja Mittag in der A-Nationalmannschaft noch zu schlecht, und so gilt das Gleiche, wie für Smisek: Mittag reißt Lücken, ist anspielbar, ballsicher... die Tore muss dann halt jemand anders schießen!

16 Martina Müller
Geburtsdatum: 18.04.1980
A-Länderspiele: 58
Verein: VfL Wolfsburg

Martina Müller

Martina Müller

Bild: Nora Kruse

Oft erst gegen Ende der Spielzeit eingewechselt, hat sich Martina Müller in der Nationalmannschaft zum Joker entwickelt. Ein Joker, der oft noch ein spätes Tor macht: auf 26 Treffer in ihren 58 oft nur kurzen Einsätzen hat es Müller gebracht. Dabei ackert und kämpft sie auch noch wie kaum eine andere, verdient sich ihre Tore durch unermüdlichen Einsatz. Dafür ist sie keine ganz so gute Vorbereiterin wie ihre Konkurrentinnen im Sturm. Doch im Verein gelang ihr in dieser Saison wenig, selbst mit der brasilianischen Nationalspielerin Cristiane als Sturmpartnerin und Britta Carlson als Mittelfeldspielerin im Team brachte es Wolfsburg nur auf 20 Tore - von denen Müller 11 erzielte. Der zweitschlechteste Sturm der Liga also, nicht unbedingt eine gute Visitenkarte


für eine Nationalstürmerin, und manches Mal, wenn Müller in der Nationalmannschaft von Anfang an spielen durfte, hatte man den Eindruck, sie sei als Einwechselspielerin gefährlicher. Doch spielen sollte Martina Müller in China auf jeden Fall!



Fazit: Im Sturm verfügt Deutschland mit Birgit Prinz über eine absolute Weltklassespielerin, doch die Position neben ihr ist völlig offen. Egal, für wen sich Silvia Neid hier entscheidet, extrem torgefährlich wird keine der möglichen Alternativen sein. Doch Fußball ist ein Mannschaftssport, und einige Mittelfeldspielerinnen, wie Kerstin Garefrekes oder Petra Wimbersky, in der Liga auch Simone Laudehr und Lira Bajramaj, sind torgefährlicher als so manche deutsche Stürmerin. Am Ende ist es egal, wer die Tore schießt. So reicht es womöglich, wenn vorne eine Stürmerin die Räume schafft, in die dann Prinz und die Mittelfeldspielerinnen stoßen können.


Gesamteindruck: Hätte man mich nach dem missglückten Algarve Cup im März nach den Chancen der deutschen Nationalmannschaft beim Unternehmen Titelver- teidigung gefragt, ich hätte resigniert abgewunken. Doch das Team hat sich enorm gesteigert, in den letzten Spielen wieder guten Fußball gezeigt. Körperlich präsentieren sich die meisten Spielerinnen deutlich besser als im Frühjahr, und auch in der Taktik und im Zusammenspiel waren Fortschritte unübersehbar. „Wir sind halt eine Turniermannschaft” sagte Renate Lingor vor einiger Zeit schon im Fernsehen. Es scheint wirklich etwas dran zu sein, und die Erfahrung hat schon öfter gezeigt, dass das deutsche Team im Laufe eines Turniers immer stärker wurde und auf den Punkt genau ihre Höchstform erreichte. Das Problem in China ist, dass bereits im Viertelfinale ein extrem schwerer Gegner wartet, wahrscheinlich Schweden, wenn es ganz dumm läuft, sogar die USA. Um solche Mannschaften schlagen zu können, muss alles stimmen.

Bundestrainerin Silvia Neid hatte ursprünglich eigentlich vor, schon im März an der Algarve ihren Kader einigermaßen festzulegen, und wollte dann die Monate bis zur WM nutzen, um das Team einzuspielen. Im Prinzip ist die Mannschaft jetzt im August da, wo sie eigentlich im April hätte stehen sollen, und selbst jetzt ist auf vielen Positionen noch völlig offen, wer in China letztlich zum Einsatz kommen wird.

Hier liegt aber auch die Stärke der deutschen Mannschaft: Der Kader ist so gut besetzt, dass jede Ersatzspielerin in den meisten Ländern zum Stamm gehören würde, ausgeglichener präsentiert sich kaum eine andere Nation!

An der Qualität der Spielerinnen wird es letztlich nicht mangeln, jetzt kommt es auf Taktik und Zusammenspiel an, auf einen guten Teamgeist, dann ist mit dieser Mannschaft in China alles möglich, selbst ein Sieg gegen die natürlich ganz klar favorisierten USA!


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