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Weltmeisterschaft 2007Der Kader des TitelverteidigersTeamporträt: Deutschland | ||
Von Tom Schlimme11.8.2007 Etwas früher als angekündigt hat Bundes- trainerin Silvia Neid nun also den Kader der 21 Spielerinnen bekannt gegeben, die mit zur WM nach China fahren. Wir stellen nun jede dieser Spielerinnen in einem kleinen Porträt vor, doch zunächst ein kurzes Statement zu den fünf „daheimgelassenen”: 26 Spielerinnen hatten an der ersten Phase der WM-Vorbereitung teilgenommen, auf 21 mußte der Kader noch eingedampft werden. Am meisten erstaunt sicherlich, dass Bianca Rech vom FC Bayern München trotz guter Leistungen sowohl in der Liga als auch in der Nationalmannschaft nicht berücksichtigt wurde. Laut Bundestrainerin ist sie zwar „erste Nachrückerin”, falls sich noch eine der 21 nominierten Spielerinnen vor der WM verletzen sollte (immerhin sind vor der WM noch zwei Spieltage in der Bundesliga zu absolvieren), doch diese Entscheidung ist schon sehr schwer nachzuvollziehen, denn die linke Außenverteidigerin Rech steht für Sicherheit nach hinten und Dynamik im Spiel nach vorne. ![]() Bianca Rech überzeugte bei ihren Auftritten in der Nationalmannschaft, hier beim 5:0 gegen die Tschechiche Repuplik in Gera, doch Bundestrainerin Silvia Neid entschied sich gegen die Münchnerin Die ebenfalls nicht berücksichtigten Britta Carlson, Conny Pohlers und Navina Omilade haben eines gemeinsam: Alle drei verließen im Laufe der Saison den letztjährigen Meister, den 1. FFC Turbine Potsdam, zu anderen Vereinen, Carlson und Omilade zum VfL Wolfsburg, Pohlers zum 1. FFC Frankfurt. Carlson spielte bereits ab der Winterpause in Wolfsburg, dort allerdings gegen den Abstieg und ohne voll an ihre früheren Leistungen anknüpfen zu können. Da sie das Fußballspielen nicht verlernt haben dürfte, wären ihr wenigstens ein paar Einsätze in der Nationalmannschaft zu wünschen gewesen, um ihre Leistungsstärke in einer starken Mannschaft zu testen, die in Wolfsburg einfach noch nicht vorhanden war, doch diese Chance bekam Carlson seit März nicht mehr. Noch unglücklicher lief es für Pohlers und Omilade: beide wechseln erst zur kommenden Saison, wurden aber von Potsdams Trainer Bernd Schröder nach Bekanntwerden ihres Wechsels kaum noch eingesetzt, so dass sie kaum noch Spielpraxis sammeln und sich gegenüber ihren Konkurrentinnen um die Posten im Nationalteam nicht profilieren konnten. ![]() Britta Carlson im Regen: hier in Magdeburg am Rande des Länderspiels neben Bundestrainerin Silvia Neid, nun auch nicht für China nominiert Bei der fünften im Bunde, der Münchner Torhüterin Ulrike Schmetz, erleichterte eine Verletzung Silvia Neid die Entscheidung sicherlich, wobei aber Schmetz von vorneherein die schlechteste Ausgangsposition gegenüber den im Uefa-Cup bzw. Nationalmannschaft international erfahreneren Keeperinnen Nadine Angerer, Silke Rottenberg und Uschi Holl gehabt haben dürfte. Nachdem sich die Bundestrainerin schon durch die Nicht- berücksichtigung der Duisburger Stürmerin Inka Grings, immerhin jeweils zweite der Torschützenliste der letzten drei Spielzeiten in der Bundesliga, einigen Unmut in der Fanszene zugezogen hatte, dürfte Neid nun durch die Nicht- nominierung von Bianca Rech weiteren Gegenwind erzeugt haben. Insgesamt jedoch erscheint der deutsche Kader durchaus stark und ausgewogen, sowohl was die Herkunft der Spielerinnen aus den Vereinen angeht als auch mit Blick auf Alter, Leistungsvermögen und Erfahrung der Spielerinnen. Hier ist wirklich eine gute Mischung starker Spielerinnen vorhanden. Festzuhalten ist aber auch: außer einer Handvoll „gesetzter” Spielerinnen steht die „erste Elf” noch nicht fest. Da sind Konkurrenten wie zum Beispiel die USA einfach weiter, die in im Kern konstanter Zusammensetzung deutlich eingespielter in die WM gehen werden. Die deutsche Mannschaft wird da noch einiges aufzuholen haben! |
Das deutsche Team vor dem Testspiel in Magdeburg gegen Dänemark. Alle Spielerinnen auf dem Bild fahren auch mit nach China! | |
Tor:1 Nadine Angerer ![]() Nadine Angerer Mit dem 1. FFC Turbine Potsdam hat Nadine Angerer gewonnen, was es zu gewinnen gab, vom Uefa-Cup über die deutsche Meisterschaft bis zum DFB-Pokal, und war dabei immer mit eine Garantin des Erfolgs. In der Nationalmannschaft, in der sie es inzwischen auch bereits auf 46 Einsätze brachte, war man immer froh, eine „zweite Nummer 1” hinter Silke Rottenberg zu haben. Inzwischen passte aber zwischen die Leistungsunterschiede der beiden Torhüterinnen keine Briefmarke mehr, und Angerer zählt zu den festesten Größen im deutschen Kader bei dieser WM. Ihre Stärke liegt in der Reaktionsschnelligkeit und ihren Reflexen auf der Linie.
21 Silke Rottenberg ![]() Silke Rottenberg Seit Jahren in der Weltklasse zuhause, steht Silke Rottenberg für Ruhe und Sicherheit, eine gute Strafraumbeherrschung, effektives Herauslaufen und Stärke in eins-zu-eins Situationen. Doch dieses Jahr ist die Weltmeisterin von 2003, die mit ihrer grandiosen Leistung im Halbfinale gegen die USA den Titelgewinn überhaupt erst möglich machte, vom Pech verfolgt. Erst zog sie sich beim Training mit der National- mannschaft im Januar während des Four-Nation-Cups in China einen Kreuzbandriss zu, dann kämpfte sie sich mit bewundernswertem Einsatz in der Reha wieder so heran, dass sie eigentlich im Testspiel gegen Tschechien wieder im deutschen Tor hätte stehen sollen, doch nun durchkreuzte eine Muskelverletzung alle Pläne und machte Silke Rottenberg zur Ersatztorhüterin bei der WM. Sollte Rottenberg in China zum Einsatz kommen, wäre die bis dahin mangelnde Spielpraxis sicherlich ein Manko, dem sie aber ihre Erfahrung als Pluspunkt entgegenstellen könnte.
12 Ursula Holl ![]() Ursula Holl Bereits beim Gewinn der EM 2005 in England war Ursula „Uschi” Holl als Nummer drei im Tor dabei, ohne zum Einsatz zu kommen. Dies könnte sich in China wiederholen, doch vor einem Einsatz von Holl auch in wichtigen Spielen braucht uns nicht bange zu sein. Holl wurde mit dem 1. FFC Frankfurt deutsche Meisterin und Pokalsiegerin, wobei sie mit ihren Klasse-Reflexen und zwei gehaltenen Elfmetern maßgeblich am Erfolg der Frankfurterinnen im Elfmeterschießen beteiligt war. |
Fazit: Die Torhüterinnenposition ist eine Stärke der deutschen Mannschaft, ausgeglichen mit drei Spitzenfrauen besetzt! Abwehr:
2 Kerstin Stegemann ![]() Kerstin Stegemann Kerstin Stegemann steht mit 161 Länderspielen nur knapp hinter Birgit Prinz auf Platz 2 der „ewigen Bestenliste” des DFB. Allgemein als Weltklasse eingestuft, bringt die rechte Außenverteidigerin (im Verein meist im Mittelfeld eingesetzt) ihre Gegenspielerinnen fast regelmäßig zur Verzweiflung. An ihr kommt seltenst jemand vorbei, dabei geht Stegemann auf dem rechten Flügel auch noch gefährlich nach vorne und sorgt vor allem im Zusammenspiel mit Kerstin Garefrekes, mit der sie sich noch aus der gemeinsamen Zeit in Rheine blind versteht, für enormen Druck. Gefürchtet sind auch ihre knallharten Weitschüsse!
3 Saskia Bartusiak ![]() Saskia Bartusiak Eine der Aufsteigerinnen des Jahres 2007 ist Saskia Bartusiak. Die 24-jährige wurde erst in der vergangenen Saison von ihrem Vereinstrainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks zur Außenverteidigerin umgeschult und erwies sich auf dieser Position als so stark, dass sie von der Bundestrainerin auch in der Nationalelf auf der linken Seite in der Viererkette eine Chance bekam, die Bartusiak offensichtlich nutzen konnte. Bartusiak ist schnell, zweikampfstark und mit guter Technik ausgestattet, ihre größte Stärke dürfte aber ihre Flexibilität sein. Im Verein spielt sie öfter auch mal auf der rechten Seite, und als gelernte Mittelfeldspielerin verfügt sie über beachtliche Offensivqualitäten.
4 Babett Peter ![]() Babett Peter Die 19-jährige Babett Peter ist mit Abstand die jüngste in der deutschen Abwehr. Im Verein wie in der Nationalmannschaft meist in der Innenverteidigung eingesetzt, kann Peter auch links in der Viererkette spielen. Potsdam hat in 22 Ligaspielen nur 23 Gegentore hinnehmen müssen und damit die zweitbeste Abwehr der Liga, ein Erfolg, an dem Babett Peter erheblich mitgewirkt hat. Ganz sicher eine Spielerin mit Zukunft, längere Einsätze bei dieser WM erscheinen jedoch aufgrund ihrer noch geringen Erfahrung eher unwahrscheinlich.
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