Von Nora Kruse
04.08.2007
Die Ansprüche waren hoch, die zu Beginn des Jahres erbrachten Leistungen eher schwach. Viele Trainerwechsel und ein katastrophaler Algarve Cup mit vier
Niederlagen charakterisierten das chine- sische Team, das bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land besonders unter Druck steht. Doch seit März werden die
Resultate besser, die Hilfe kam aus Schweden und hat klare Ziele.
„Wir haben zu Beginn unserer Arbeit gesagt, dass wir die chinesische Mannschaft ins Halbfinale führen wollen und dieses Ziel bleibt bestehen“, so Pia
Sundhage, Assistenztrainerin von Marika Domanski-Lyfors. Das schwedische Duo konnte in den elf bislang absolvierten Spielen neun Siege verzeichnen, ist
sich jedoch im Klaren, dass noch viel Arbeit auf die Mannschaft zukommt. „Das größte Manko ist die Fitness“, sagt Sundhage, die beim Eintreffen in China
insbesondere von den fußballerischen Fähigkeiten ihres neuen Teams begeistert war. „Die Spielerinnen sind alle beidfüßig, haben eine beeindruckende Technik
und zeigen wunder- schönen Fußball. Auch die Fähigkeiten, den Ball zu behaupten stimmen – das wird so manchen Gegner frustrieren.“ Das sind für die neue
Trainerin nicht die einzigen Stärken, „die Mannschaft ist vor allem mental sehr stark. Sie kommt immer wieder zurück.“
Die Voraussetzungen stimmen, können jedoch noch nicht genügend – vor allem über 90 Minuten – umgesetzt werden, da die Kondition nachlässt,
was auch zu Defiziten in Zweikampfsitua- tionen führt. „Hier liegt noch viel Arbeit vor uns“, erklärt Sundhage, die daher auch mit einer Fitnesstrainerin –
ebenfalls aus Schweden – zusammenarbeitet.
Viel erreicht und noch viel vor: Seit vier Monaten ist Pia Sundhage Assistenztrainerin der chinesischen Mannschaft.
Foto: Nora Kruse
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Höchste Konzentration selbst für eine erfahrene Spielerin wie Kerstin Stegemann (r.): Han Duan ist eine unverzichtbare Stütze des
chinesischen Angriffspiels.
Foto: Nora Kruse
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„Darin liegt vielleicht auch einer der größten Unterschiede zur vorherigen Arbeit, wir delegieren sehr viel. Marika ist für das Spiel auf dem Platz
zuständig, ich kümmere mich um Videoanalysen“, so Sundhage. Und auch da möchte die 47-jährige Fußballlehrerin neue Wege gehen. „Wir sind dazu übergegangen,
in den Analysen die guten Spielzüge und Stärken hervorzuheben, anstatt die Spielerinnen immer wieder auf ihre Fehler hinzuweisen. Wir wollen ihnen den
Erfolg unseres Trainings und ihrer Arbeit zeigen.“ Arbeit, bei der sich auch immer mal wieder Kommunikationsprobleme einstel- len. „Das ist eine enorme
Herausforderung. Nur vier bis fünf Spielerinnen können Englisch sprechen, daher arbeiten wir auch mit einer Übersetzerin. Aber irgendwie finden wir immer
einen Weg, uns den Spielerinnen verständlich zu machen und arbeiten viel mit Körpersprache – und zu guter letzt ist die Sprache des Fußballs überall auf der
Welt die gleiche.“
Dass nicht nur die Sprache, sondern auch die fußballerische Leistung der Mannschaften bei der WM die gleiche sein wird, ist sich die Schwedin sicher.
„Die ersten zehn Mannschaften werden dicht beieinander sein, Details entscheiden. Die Fitness ist eine Grundvoraussetzung, aber wir müssen auch noch sehr
stark an unserem Angriffsspiel arbeiten“, erklärt Sundhage, die noch immer den schwedischen Rekord von 71 Länderspieltoren innehat. „Die Voraussetzungen
für das Defensivspiel sind gut, jetzt müssen die Spielerinnen verstärkt die Initiative übernehmen und schneller nach vorne spielen. In der nächsten Zeit
wird es darum gehen: wie kommen wir schneller in den Strafraum und können uns dort behaupten.“
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Ohne ein geordnetes und funktionierendes Angriffsspiel wird es für die Mannschaft auch schwer werden, Han Duan in Szene zu setzen. Die 24-jährige Stürmerin
ist die vielleicht gefährlichste Spielerin, die China im Angriffsspiel aufbieten kann. „Han Duan hat in letzter Zeit viele wichtige Tore für uns geschossen und
ist unverzichtbar. Dennoch muss die Mannschaft als ganze ihr Bestes geben und geschlossen spielen. Wir haben nicht nur eine, sondern elf
Schlüsselspielerinnen.“
Keine zwei Monate haben die Schwedinnen mehr Zeit, um mit ihrer Mannschaft die gesteckten Ziele umzusetzen. Dennoch herrscht Optimismus bei Sundhage, wozu
auch das chinesische Vorbereitungspro- gramm verantwortlich ist. Die Mannschaft bereitet sich seit Monaten auf das Turnier vor, hat in der Zeit nach dem
Algarve Cup bereits elf Länderspiele absolviert, fünf weitere werden noch folgen, und kann fast täglich zusammen trainieren. „Wir arbeiten dadurch fast als
Vereinstrainer“, so die Europäerin, die ein solches System nicht gewöhnt ist. Dennoch ist es für sie „nicht besser oder schlechter als das europäische – es
ist allein eine Frage, an was man gewöhnt ist. Jede Mannschaft muss da ihren Weg finden und nicht den der anderen Nationen kopieren.“
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